Gesunde Trainerskepsis

Seit Bestehen dieses Blogs, also seit knapp 6 Jahren, war ich mir selten sicher bei einem Trainer.

Labbadia

Bruno Labbadia war chronologisch die Nummer 1 hier. Damals befand er sich auf Augenhöhe mit Jürgen Klopp, der gerade beim BVB angefangen hatte. Ein schönes Interview von den beiden gibt es hier.
Meine damalige Skepsis konnte man bei Nedsblog nach Labbadias Entlassung lesen.

Ein jüngerer, unerfahrener Zweitligatrainer in Leverkusen – ob das gut geht? Und warum jemand aus der zweiten Liga? Das hatte es in Leverkusen zuvor noch nicht gegeben, aber die Verantwortlichen schienen überzeugt gewesen zu sein. Es gab Sprüche, wie “Siegergen einimpfen”, “ich weiß, was es heißt Meister zu werden”, etc. Das hört man natürlich erst mal gern und schöpft ein wenig Hoffnung, aber eine gewisse Grundskepsis war da. Zudem gab es Äußerungen, die ein wenig nach Langeweile klangen, wie “Chancen realistisch einschätzen und irgendwo zwischen Platz 4 und Platz 8 landen”, dass ist dann wiederum nicht das, was man hören möchte

Nach Skibbe kam jemand der etwas mehr Außenwirkung haben sollte. Jemand mit Konzept und Plan für einen Umbruch. An diesem Umbruch und einigen anderen Dingen scheiterte er letzlich. Trotz Herbstmeisterschaft. Trotz DFB-Pokalfinale. Eine Saison aus der man wesentlich mehr hätte herausholen können.

Heynckes

Dann kam mein Favorit. Jupp Heynckes. Von den Bayern kurzfristig aus dem Ruhestand geholt, da das Projekt Klinsmann gescheitert war. Heynckes hatte nicht nur Lust auf nur 5 Spiele bei den Bayern, sondern auf zwei Spielzeiten bei Bayer.

Er hat alles, oder besser gesagt vieles erreicht. Er müsste sich das nicht antun, aber er will. Er scheint Spaß bekommen zu haben, mit jungen Leuten zu arbeiten, sie zu führen und ihnen taktische Ordnung beizubringen.
Das sind Argumente für Heynckes, denn daran mangelte es Leverkusen fast über die gesamte Saison. Mit noch weiteren Verpflichtungen im Endzwanziger-Bereich, könnte die Werkself eine schlagkräftige Truppe versammeln, die nicht nur schön spielt, sondern auch eine gewisse Konstanz an den Tag legt und eine Saison vernünftig zu Ende bringt. Kein auseinanderbrechendes, hadernes Team, dass den Trainer hasst. Solche Zustände kann ich mir bei Heynckes nicht vorstellen.

Heynckes hatte Erfahrung, wusste mit schwierigen Charakteren umzugehen und führte die Mannschaft zu Platz 4 und 2. Aber auch er schaffte es nicht, die Mannschaft zu einer Meisterschaft zu führen. Misstöne in den letzten Monaten seiner Karriere bei Bayer plus das lange Hinhalten in Sachen Vertrag verärgerten den ein oder anderen in Leverkusen. Schließlich ging er zu den Bayern, wo er zwei Jahre später seine Karriere mit dem Triple krönte.

Dutt

Es folgte Robin Dutt. Der Konzepttrainer. Meine Hoffnung war, dass er Bayer spielerisch voran bringen würde. Leider scheiterte er am Menschlichen. Selten brachte ein Trainer den Verein samt Fans, Mannschaft und Verantwortlichen so gegen sich auf, wie Dutt. Als Hurensohn wurde er im Stadion beschimpft. Es war alles andere als schön. Es erinnerte ein wenig an Labbadia.

Jetzt ist er weg. Der Konzepttrainer. Die Zukunft von Bayer Leverkusen. Überhäuft mit Vorschusslorbeeren, bleibt nun ein bitterer Nachgeschmack. Nicht weil Robin Dutt sich falsch verhalten hätte, sondern weil das Tagesgeschäft Bundesliga wieder mal ein Opfer gefunden hat. Das Opfer war Robin Dutt. Zuletzt ein Spielball des Vorstands, der Spieler, der Medien und der Fans. Er hätte vermutlich noch die Champions League erreichen können und doch hätten alle noch etwas zu bemängeln gehabt. Man hätte nach Dresden, dem Derby, Barcelona oder Michael Ballack gefragt.*

Lewandowski & Hyypiä

Er war der sechste Trainer in siebeneinhalb Jahren und nun kommen zwei Neue, die kein leichtes Erbe antreten. Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski, von denen man nur weiß, dass der eine unter Legende im englischen Fußballalmanach zu finden ist und der andere einen Trainerschein hat. Talent sollen auch andere gehabt haben und sind in Leverkusen gescheitert.*

Die beiden machten ihre Sache gut. Man konnte nicht allzu viel erwarten, doch die beiden übertrafen quasi jede Erwartung. Erst Rang 5 auf der Baustelle Dutt und dann Rang 3 in ihrer ersten und einzigen kompletten gemeinsamen Saison. Lediglich Lewandowskis Rückkehr in den Jugendbereich verwunderte etwas.

Hyypiä

Die Zweifel waren da und wurden am Ende bestätigt. Mehr dazu im vorherigen Text.

Lewandowski

Lewandowski erweckte ein totes Team, so formulierte es Bernd Leno am letzten Wochenende. 2:2 spielte man daheim gegen den BVB und erstmals seit langer Zeit, fand die Mannschaft wieder spielerische Möglichkeiten. Ich frage mich immer noch, warum die Mannschaft tot war und warum jemand wie Lewandowski sie wiederbeleben kann. Dabei zweifele ich nicht an Lewandowskis Fähigkeiten, sondern an der Einstellung der Mannschaft. Es wird ein Geheimnis bleiben.

Schmidt

Der Neue. Es erinnert mal wieder an Labbadia und Dutt. Aufstrebender jüngerer Trainer, der nach Leverkusen kommt. Ob das passt? Ich bin äußerst skeptisch. Die letzten Jahre ließen vermuten, dass in Leverkusen entweder nur Leute bestehen, die den Verein mitsamt Strukturen schon lange kennen oder die alt und erfahren sind und sich nicht mehr jeden Scheiß von Chefetage, Mannschaft und Publikum erzählen lassen. 6 Trainerwechsel in 6 Jahren sprechen nicht gerade dafür, dass man bei Bayer ein glückliches Händchen mit Trainern hat. Wichtig für ihn wird wohl sein, sowohl mit den Verantwortlichen bei Leverkusen klar zu kommen, als auch das immer schwierige Verhältnis zur Mannschaft zu managen. Sowohl bei Labbadia, als auch bei Dutt und nun vielleicht auch bei Hyypiä spielte die Mannschaft am Ende gegen den Trainer und präsentierte sich als launische Diva trotz großen Potenzials. Traurig.

Tag der Abrechnung

Es ist wieder passiert. Ein Trainer muss gehen. Leverkusen ist da nicht anders als Hamburg, Stuttgart oder Nürnberg. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, wird nicht auf Kontinuität und Vertrauen gesetzt, sondern auf den schnellen Erfolg des neuen Besens. Sami Hyypiä geht, sein ehemaliger Kompagnon Sascha Lewandowski ersetzt.

Vor zwei Jahren sprangen eben diese beiden Männer für Robin Dutt ein. Damals war es eine Erlösung – für Mannschaft, Publikum und letztlich auch für die Verantwortlichen, denn mit dem neuen Trainergespann stimmten auch die Ergebnisse wieder. Platz 5 wurde gesichert und damit das so wichtige Ticket für Europa gelöst. Die beiden Trainer machten gemeinsam eine gute Saison und schlossen mit Rang 3 ab.

Die Resultate stimmten zwar, aber im Trainerteam schien irgendetwas nicht zu passen. Lewandowski war die Bühne Bundesliga angeblich zu groß, er bat um die Rückkehr in den Jugendbereich, Hyypiä übernahm die alleinige Regie zur aktuellen Spielzeit. Die Skeptiker waren schon vorher da. Kann dieser Mann eine nicht immer leichte Mannschaft führen? Hat er das Rüstzeug um die passende Taktik für den entsprechenden Kontrahenten auszuwählen? Kann er das Team motivieren?

Es schien so, denn Hyypiä stürmte mit seiner Mannschaft durch die Vorrunde. Sogar punktetechnisch fast auf Augenhöhe mit den Bayern. Die Medien rieben sich die Augen, die Fans jubelten. Doch zu Beginn des Winters mehrten sich die Probleme. Verletzte. Formschwache Spieler. Eine Taktik, die inzwischen jeder Gegner kannte. Kein Plan B. Keine Lösungen gegen abwehrstarke Mannschaften. Hyypiä werkelte hier und da. Sein Wille war da. Ganz offensichtlich. Doch es wurde nicht besser. Am Ende musste Hyypiä gehen.

Die Zäsur war sicherlich die nicht schlechteste Entscheidung.

Dennoch war ich persönlich von der Mannschaft enttäuscht. So lustlose und enttäuschende Auftritte grenzen an Arbeitsverweigerung, dabei hat man eine große Chance vertan. Mit entsprechendem Willen und Einsatz hätte man eine Krise zusammen mit seinem Trainer überwinden können. Man hätte wachsen können. Die Gegner waren definitiv schlagbar. Was sagt das nun der Mannschaft? Wenn es mal nicht läuft, lassen wir uns einfach hängen und der neue Trainer macht das schon? Was hat man für einen Erfahrungswert verpasst? Das man in der Krise zusammensteht und sie gemeinsam überwindet. Das man durchaus in der Lage ist, Täler zu durchschreiten und gemeinsam den Gipfel erreichen kann. Wenn alle an einem Strang ziehen.

Das habe ich nicht gesehen in Leverkusen. Und die Verantwortlichen haben dies sicherlich noch gepusht, in dem man den Trainer in den Mittelpunkt des Scheiterns gesetzt hat. Rechtfertigt die Champions-League-Qualifikation all das? Bringt die Gruppenphase so viel Geld, dass man ruhigen Gewissens im Achtelfinale gegen ein „Überteam“ ausscheiden darf?

Und was macht man mit dem Geld? Man hat Erwartungen in Leverkusen von der großen Bühne. Man erinnert sich an alte Zeiten. Glasgow. Klar auch Unterhaching. Aber man war wer. Aber dieser „wer“ ist man nicht mehr. Man muss sich der Realität stellen, dass man nur ein gutes Team, hinter den deutschen Topteams aus Dortmund und München ist. Die in einer anderen Liga spielen. Finanziell und auch sportlich.

Will man in Leverkusen tatsächlich in diesem Konzert mitspielen, muss man etwas Grundsätzliches ändern. Nicht, dass ich wüsste was das ist. Aber so wie es derzeitig läuft, wird Bayer nie die Liga gewinnen, wohl auch nicht mehr den DFB-Pokal und erst recht nicht irgendeinen europäischen Pokal.

Wenn Spieler unter der Saison lieber ihre Wechsel zu anderen Vereinen verkünden, als für Leverkusen zu spielen. Wenn Spieler in einem Spiel gegen Kaiserslautern nicht die unglaublich große Chance sehen, sich wenigstens auf der großen Bühne Deutschlands zu präsentieren. Wenn man sich gegen Manchester und Paris abschlachten lässt und damit sogar noch einigermaßen zufrieden ist, läuft irgendwo was ganz gewaltig schief. Und das liegt halt nicht nur an Sami Hyypiä.

Am Samstag spielt man gegen Dortmund. Wie man sich am eigenen Schopfe aus einer Krise spielen kann, hat man beim BVB gesehen. Und die haben sicherlich nicht nur Zauberfußball gespielt, sondern zum richtigen Zeitpunkt die Eier in die Hand genommen und sich die Seele aus dem Leib gerannt. Weil sie es wollten. Und sie haben mal eben das DFB-Pokal-Finale erreicht, Real geschlagen, Bayern geschlagen.

Bei Bayer geht die Tendenz nach oben. Immerhin zwei Siege, aber spielerisch war das noch weit entfernt von großes Tennis. Will man Dortmund schlagen, kommt es aber halt nicht auf spielerisches an, sondern eben auch auf andere Tugenden. Ob sich in der Hinsicht etwas getan hat, wird man am Samstag sehen. Ich bin vorerst skeptisch.

Winterpause

In aller Kürze.

  • Ein frohes neues Jahr 2014
  • Bayer ist immer noch nicht Meister geworden
  • Bayer hat seit Jahren keinen Titel geholt
  • Bayer ist wieder auf dem Weg Zweiter zu werden
  • Das müsste ich hier niemanden erzählen, denn schließlich wird einem das ja ständig unter die Nase gerieben

Natürlich wird hier auch in 2014 weiter gebloggt. Natürlich unregelmäßig, wie zuletzt auch schon. Generell ödet mich die Berichterstattung rund um den Fußball derzeit etwas an, was mit der Effekthascherei der Medien und der Weichgespültheit der Interviews und Berichte zusammenhängt. Nur alle Nase lang, bekommt man eine wirklich schöne und authentische Geschichte zu hören.

In Leverkusen herrschen die üblichen Themen vor. Erster hinter den Bayern. Wieder nur auf dem Weg Zweiter zu werden. Lässt man sich wieder in der Champions League massakrieren? Warum spielt Kießling nicht in der Nationalelf und ist die Komfortzone in Leverkusen einfach zu groß? Auch da fehlt die große Überraschung. Die bietet weder die Presse, noch die Mannschaft. Gerade wenn man denkt “Ui, weshalb ist die Werkself so knapp hinter den Bayern”, kommen die üblichen unnötigen Pleiten.

Je nach Jobentwicklung, würd ich gerne in 2014 ein größeres Langzeitprojekt starten. Mehr dazu dann in 3–4 Wochen, dann weiß ich wie die Jahresplanung aussieht.

Danke übrigens auch an die fleißigen Buchleser -und Käufer. Es gab spannende Reaktionen, die erst einmal aufzeigen, was es bedeutet etwas zu publizieren.

Das geht von Lob, über Kritik an sachlichen und sprachlichen Fehler, bis zu “Vorwürfen”, dass ich ja gar kein richtiger Fan bin.

Stand der Dinge (Bayer, Buch und mehr)

 

Am Samstag steht ein weiteres wichtiges Spiel für die Leverkusener an. Nach dem DFB-Pokal-Sieg gegen Freiburg am Mittwoch, steht nun das Match um den Vizetitel an. Der BVB erwartet die Werkself und traditionell sehen die Leverkusener in solchen Spielen eher schlecht aus. Wenn es (wirklich) um was geht, dann erkennt man die Ergebnisfußballer der letzten Wochen nicht wieder.

Eiskalt fuhr man zuletzt zwar Sieg um Sieg ein (auch wenn man nicht immer traumhaft spielte), um dann beispielsweise gegen Manchester sang- und klanglos unterzugehen. Deshalb ist noch lange nicht alles schlecht bei Bayer. Ganz und gar nicht. Aber eine gewisse Skepsis vor dem Spiel gegen Dortmund ist dann auch nicht so verwunderlich. Auch gegen Real Sociedad in der nächsten Woche fragt man sich, was die Leverkusener wirklich im Stande sind zu leisten.

Sollte man gegen die Spanier gewinnen, ist dann die Champions League überhaupt das richtige Pflaster? Wo man doch scheinbar nicht wettbewerbsfähig ist? Warum nicht Europa League spielen um eine größere Chance auf einen Pokal zu haben? Mal ketzerisch gefragt.

Buch:

Die “111 Gründe, Bayer 04 Leverkusen zu lieben” sind seit einiger Zeit im Buchhandel erhältlich. Es gab erste positive Rückmeldungen (aber auch Hinweise über Fehler) – insgesamt war die Resonanz doch größer als ich zunächst dachte.

Rezensionen und Texte gibt es hier:

von1904.de

11 Sätze zum Spiel

Interview mit Radio Leverkusen

Coke Fanreporter:

Alle Nase lang wird man mal angesprochen, etwas für ein Unternehmen zu machen. Coca Cola sucht derzeit den Coke-Fanreporter für die WM 2014. Vor zwei Wochen gab es einen wunderbaren Workshop in Berlin, an dem ich teilnehmen durfte. Mit Benjamin Kuhlhoff, Manni Breuckmann und Frank Buschmann sowie diversen Bloggern konnte man sich einerseits übers bloggen austauschen und darüber hinaus Ideen entwickeln, was so ein Coke Fanreporter dann nächstes Jahr so macht. Wer dieser Fanreporter nun wird und was er macht steht noch aus. So lange gibt es ein Impressionsvideo vom Wochenende in Berlin. Mehr Infos sonst noch hier.

Phantomtor-Betrachtungen

Ich hätte mir gewünscht, dass Stefan Kießling nach seinem Phantom-Tor einfach gesagt hätte, dass der Ball nicht drin war. Er wäre damit ein würdiger Nachfolger von Arne Larsen Ökland geworden, der einst ein ähnliches “Nicht-Tor” gegen die Bayern erzielte und danach den Schiedsrichter darauf aufmerksam machte (nachzulesen in diesem Machwerk, welches hoffentlich in den nächsten 2–3 Wochen erhältlich sein sollte). Leverkusen hätte weiter 1:0 geführt und vermutlich dennoch gewonnen. Bayer wäre für einige Stunden Tabellenführer gewesen und alle hätte ein wenig bewundernd nach Leverkusen geschaut, weil die Werkself immer noch oben mithält und auch solche eher durchschnittlichen Spiele gegen Hoffenheim gewinnt. Abgeklärt und souverän. Nun – es kam anders.

Vorne weg. Niemand, außer den betroffenen Personen weiß, was sie wirklich gesehen haben. Das Fernsehen schenkt uns Indizien, die uns jedoch keine absolute Gewissheit geben. Ich würde mir nie anmaßen aufgrund dieser Indizien über Menschen zu urteilen.

Nun kann man sagen, dass sich der Bayer-Fan da schön aus der Affäre zieht. Kann man und da habe ich kein Problem mit.

Ich hatte mir ja zu Beginn des Textes gewünscht, dass Stefan Kießling einfach hätte sagen sollen, dass der Ball nicht drin war. Leider gab es einige Punkte, die ihm das erschwert haben. Ich bin mir sicher, dass er gesehen hat, dass der Ball nicht drin war. Er dreht sich ab, rauft sich die Haare und plötzlich kommen alle Mitspieler zu ihm und gratulieren (deren Rolle lasse ich vorerst mal außen vor). Was tun? Ich hab doch gesehen, dass er daneben war? War er vielleicht doch im Tor? Hab ich mich getäuscht? Kein absolut abwegiger Gedanke, wenn man die Worte von Andreas Beck nach dem Spiel zu Hilfe nimmt. Der dachte genau das. Der war doch daneben, doch dann zappelt er im Netz. Na gut, dann habe ich mich eben verguckt.

Befindet man sich nun in dieser Phase, dass man Zweifel hat, wird man wohl kaum darauf kommen zum Schiedsrichter zu gehen und bitten das Tor annulieren zu lassen.

Nun zu den Mitspielern. Auch Reinartz dreht sich zunächst ab und ärgert sich. Auch Sam hebt die Arme um sich an den Kopf zu fassen, während Rolfes schon zum Ball läuft und ihn jubelnd noch mal ins Tor drischt. Wer von diesen Spieler hat nun mit Gewissheit gesehen, dass der Ball nicht drin war? Sam? Reinartz? Spekulation. Es hat bestimmt einer gesehen.

Nach der Szene ist Kießling beim Schiedsrichter und scheint nachzufragen, ob der Ball wirklich drin war. Da auch von Hoffenheimer Seite relativ wenig Proteste kamen und auch Brych und sein Team nichts gegenteiliges entdeckt hatten, entschied man sich fürs Tor. Fälschlicherweise.

Vielleicht hat das Ganze auch etwas Gutes. VIelleicht wird doch noch mal die Geschichte mit dem Hawkeye diskutiert. So ganz selten kommen diese Fehlentscheidungen ja nun doch nicht vor. Es wäre ein Piepen am Handgelenk, dass solche Aufreger vermeidet. Und natürlich lebt der Fußball von Aufregern, aber sicherlich nicht von Fehlentscheidungen.

Mein größtes Kompliment und Beileid gilt den Hoffenheimern, die nach der Partie sehr souverän reagiert haben. Allen voran Markus Gisdol. Bei den Reaktionen der Leverkusener bleiben Fragezeichen.

Bayern enttäuscht in Leverkusen

So wird man kein Meister. Nahezu 100 Prozent Ballbesitz, unzählige glasklare Chancen und dennoch nur ein Punkt. Dann trifft man doch mal und kassiert, weil man so unkonzentriert ist, direkt den Gegentreffer. Manuel Neuer mit einem unglaublichen Faux-Pas, der es dem Gegner aus Leverkusen mehr als leicht machte, zum Ausgleich zu kommen. Das bayrische Tiki-Taka wird spätestens dann verstummen, wenn die Konkurrenz mit Trompeten und Fanfaren vorbeizieht, weil Bayern München nur noch Unentschieden holt. Sie werden es noch schwer haben, wenn sie wirklich den Titel holen wollen.

Wielange Pep Guardiola noch die Fäden in München zieht, ist fraglich. Die Schönspielerei dürfte Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge in absehbarer Zeit in Rage versetzen. Matthias Sammer soll endlich auch intern Klartext geredet haben. Philipp Lahm mag zwar ordentlich im Mittelfeld gespielt haben, sein Fehlen auf der Außenverteidigerposition war aber spätestens beim Gegentreffer mehr als eklatant.

Die bayrische Misere ist natürlich auch eine deutsche Misere, denn die Leistungen im Verein werden sich auch auf die Nationalmannschaft übertragen. Und Jogi Löw hält ja standhaft an den bayrischen Stars fest. Wurde Thomas Müller einst WM-Torschützenkönig, trifft er heute das leere Tor nicht mehr. Manuel Neuers Fehler wird uns den WM-Titel kosten. Philipp Lahm wird sich seiner Position nicht mehr bewusst sein. Mario Götze ist in München so oder so nur Reserve und nur weil Toni Kroos mal im Verein trifft, heißt das nicht, dass er das auch in der Nationalmannschaft schaffen wird.

Es geht bergab. Wer sich so in Leverkusen präsentiert, muss sich fragen, ob eine Ligazugehörigkeit überhaupt noch Sinn macht. So zieht Bayern die beste Liga aller Zeiten nur in den Schmutz. Das mühsam erarbeitete Bild der grandiosen Liga wird in kürzester Zeit zerstört. Die Nationalmannschaft wird sich diesem Abwärtstrend abschließen.

Leverkusen dagegen hat überzeugt. Das eigene Spiel durchgezogen. Brilliert in einigen wenigen Momenten. Man hat dem Gegner die Schwächen aufgezeigt. Vielleicht werden die Bayern Leverkusen noch danken. Man wird sehen. Immerhin – da liegt die Hoffnung der Bayern-Fans – die Saison hat noch 26 Spieltage.

Rolfes nicht für die Nationalelf nominiert

Bundesliga

Eine wunderbare Situation, in der die Werkself da steckt. In der Tabelle steht man auf Rang 3. Die Über-Bayern und die Über-Dortmunder stehen nur einen Punkt vor den Leverkusenern. Und das nicht am ersten Spieltag, sondern am siebten. Die Konkurrenz um die Champions-League-Plätze rangiert schon sechs Punkte dahinter. Die angeblich härteste Konkurrenz aus Gladbach und Schalke liegt sogar acht bzw. zehn Punkte in Rückstand. In den letzten 15 Bundesligaspielen saisonübergreifend gab es 12 Siege, zwei Remis und nur eine Niederlage. An eine so gute Bilanz kann ich mich eigentlich schon gar nicht mehr erinnern.

Samstag gegen die Bayern

Samstag steht die zweite Härteprüfung der Woche an. Nach dem Sieg gegen Real Sociedad in der Champions League folgt nun Bayern München in der Liga. Ein Spiel, dass wenn alles nach Plan verläuft Leverkusen eigentlich keine Chance haben sollte. Bayern spielte derart überzeugend am Mittwoch gegen Manchester, dass auch Bayer kein Problem darstellen sollte. Eigentlich. Es sei denn die Werkself wächst über sich hinaus.

Dafür müsste Bernd Leno fehlerlos und in bester Form sein. Die Innenverteidigung sattelfest stehen und sich weder individuelle Fehler leisten, noch dumme Fouls an ungünstigen Orten. Die Außenverteidigung dürfen nicht nur in der Offensive glänzen, sondern müssen eng am Gegenspieler stehen. Das defensive Mittelfeld um Lars Bender, Stefan Reinartz und Simon Rolfes spielt einfach so weiter wie bisher. Der Triple-Sturm in welcher Aufstellung auch immer arbeitet defensiv mit und lässt gute Konterchancen nicht ungenutzt liegen.

Ja dann könnte es was geben am Samstag. Wenn Bayern dann zusätzlich vielleicht auch noch etwas schwächelt, ja dann ist was drin. Immerhin gab es in den vergangenen zwei Spielzeiten in vier Spielen zwei Siege. Also ran da.

Champions League

Chance genutzt, aber unnötig spannend gemacht. Eine gute erste Hälfte, eine schwache Phase in der zweiten. Dann neue Impulse von der Bank eingewechselt und noch gewonnen. Ungeahnte Qualitäten bei der Werkself, die den Ausgleich irgendwann weggesteckt hat und bis zum Ende an den Sieg geglaubt hat. Solche Spiele sind auch schon mal 4:1 verloren gegangen. Legt man gegen Donezk nach, stehen die Chancen gut, die Gruppe zu überstehen.

Spieler

Wie schon oben erwähnt, überzeugt derzeit vor allem das defensive Mittelfeld. Was Bender, Rolfes und Reinartz derzeit abliefern ist absolute Spitzenklasse. Sehr beeindrucken.

Leno hält in der Champions League mal wieder einen Elfer, hätte sich aber auch nicht wundern dürfen, wenn er nach dem Elfer mit Rot vom Platz gemusst hätte, was er später auch umumwunden zugibt. Den spanischen Ballholer nach dem Strafstoß reißt er am Hals zu Boden.

Stefan Kießling unter Jogi Löws Augen scheint nicht zu funktionieren und auch international will es noch nicht so richtig klappen. Gegen Real Sociedad mit ein paar guten Szenen, aber auch einigen “good-ol’-Kießling”-Verstolperern.

Nationalelf

Sidney Sam und Lars Bender dürfen. Stefan Kießling nicht. Für mich völlig ok. Die Gehampelei um Kießling darf bitte auch bald mal ein Ende haben. Das ist zwar bitter für ihn, aber wenn Löw einen Plan für seine Mannschaft hat und er damit Spiele gewinnt, muss auch kein Kießling zur Nationalmannschaft. Fertig.

Buch

Fahne

Nicht mehr lange und das Ding steht im Handel. Heute kam die Korrekturfahne per Post – der Veröffentlichung zu Oktober steht nichts im Wege.