TSG Hoffenheim, Teil 2

Solche Leistungen lösen in mir immer große Skepsis aus. Der amtierende Tabellenführer der 1.Fußball-Bundesliga, die TSG Hoffenheim wird im eigenen Stadion von der Werkself mit 1:4 vorgeführt. Auseinander genommen sogar und nachdem die Mitkonkurrenten ordentlich Federn lassen mussten, ist Leverkusen wieder nur noch 4 Punkte vom Platz an der Sonne entfernt.

Was bedeutet das? Das man die Krise abgewendet hat? Jein. Eklatante Schwächen bei Rene Adler gab es immer noch. Eklante Schwächen in der Abwehr ebenfalls. Ein vor Angst gelähmtes Mittelfeld auch. Abschlussschwächen genauso. Auf der anderen Seite, hat man wieder mal ein richtig schickes Spiel von der 1. bis zur 15. Minute und von der 45. bis zur 80. Minute gezeigt. In diesen Phasen zeigte sich die Werkself bissig, kreativ und eiskalt im Abschluss. Ein Barnetta in überragender Form, ein Helmes der immer anspielbereit war und im rechten Moment von seiner Lieblingsposition aus dem Rückraum zwei Treffer erzielte.

Ist man bereit für den Meistertitel? Nein. Ist man bereit für den internationalen Wettbewerb? Ja. Wenn alles gut läuft, werden sich weiterhin gute bis sehr gute, mittelmäßige und wenige schlechte Spiele in die Saison einreihen. Leverkusen wird seine Punkte holen, seine Punkte verlieren und am Ende sollte es doch wirklich für den UEFA-Cup reichen. Wenn sich die Abwehr um Adler stabilisiert, ist noch ein bisschen Luft nach oben, sollte der Sturm Ladehemmung haben, kann die besagte Luft aber auch nochmal wieder dünner werden.

Feine Nuancen werden über den weiteren Verlauf der Spielzeit entscheiden, feine Nuancen entschieden auch die Partie gegen Hoffenheim. 15 Minuten war man hellwach, machte zwei Buden, von denen das eine, nicht hätte zählen dürfen. Beim Tor von Rolfes hatte Hildebrand die Hand am Ball. Nach den Regeln ist ein Einsteigen des Gegners dann nicht mehr erlaubt. Rolfes war aber da, wollte das Tor machen und wurde belohnt.

Dann folgten 30 durchwachsene Minuten, mit einem unsicheren Rene Adler, der einen Elfer verursachte und durchaus noch einen hätte zugesprochen bekommen können. Gegen sich. Nach dem 1:2 durch Salihovic spielte vor allem 1899 und der Leverkusener Fan rechnete fest mit dem Ausgleich. Hat man ja bestimmt schon drei oder viel Mal erlebt in dieser Runde, dass man einen sicher geglaubten Vorsprung nicht über die Zeit retten kann. Dieses Mal war alles anders.

Kurz vor der Halbzeit führte eine beeindruckende Freistoßvariante zum 1:3. Ein Eckball nach der Halbzeit zum 1:4. Drops gelutscht. Hätte auch anders kommen können, das Pendel schwang aber zu Gunsten der Bayer-Elf. Dann folgten viele schöne Kombinationen, Konter, die allesamt etwas fahrlässig vergeben wurden. In der Defensive dagegen standen Friedrich und Henrique endlich bombensicher und ließen keine Chancen mehr zu. Kleinigkeiten entschieden die Partie, Kleinigkeiten werden die Saison entscheiden. Lassen wir uns überraschen, was die restlichen 14 Partien noch bringen.

Ein Wort noch zum leicht umformierten Mittelfeld der Leverkusener. Das zeigte sich in der Defensive sehr unauffällig, aber damit auch sehr gut. Nominell sollte Rolfes den 6er-Part spielen, am Ende spielten Zdebel und Rolfes aber eine Art Doppel-6, was Bayer Sicherheit und Ruhe vor allem in der Rückwärtsbewegung bescherte. Vielleicht die richtige Alternative zum Abgrätscher und Unruheherd Vidal.

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6 comments » Write a comment

  1. Tja Jens, dem kann ich nur zustimmen. Ergänzen würde ich noch Folgendes: Mitunter hat Bayer in den nächsten Wochen noch bemerkenswertes Potential im Hinblick auf die zweite Reihe. Wenn der Schnix und Kroos fit sind und das spielen, was sie können, dann sehe ich an der Stelle auch noch Luft nach oben.

  2. Schöne Zusammenfassung. Zum Thema Skepsis: Die Wochen der Wahrheit sind ja noch nicht vorbei. Wenn Bayer nächste Woche gegen Hamburg verliert und Wolfsburg sein Heimspiel gegen Hertha (!) gewinnt, dann ist Bayer “nur” noch Sechster und raus aus dem Internationalen Geschäft. Die Wolfsburger haben übrigens immer noch viel zu wenige Leute auf der Rechnung. Soviel zu den Nuancen. Gewinnt Bayer, dürften sie oben dran bleiben oder gar Boden gut machen. Ohne sich abzusetzen. Diese Saison ist sehr sehr eng. Selbst Schalke ist nur sechs Punkte vom 5. Platz entfernt. Und die sind 9. Da geht eine Menge nach oben und unten. Was mir am Freitag gefallen hat, war tatsächlich, dass Leverkusen gegen Hoffenheim eine Reaktion gezeigt hat. Die haben von Anfang an versucht ihr Spiel durchzudrücken. So muss es sein. Es ging immerhin gegen den Tabellenersten. Hoffenheim hat die ersten Minuten nicht verschlafen, sondern hat’s einfach nicht gebacken bekommen. Danach sind sie besser ins Spiel gekommen. Warum auch nicht? Eine 2:0 Führung hat meistens eine wütende Gegenreaktion zur Folge und ein Abschlaffen beim führenden Team. Adler muss (und wird) an seinem Herauslaufen arbeiten (Die Trainer und Verantwortlichen sind ja nicht blind und blöd. Bemerkenswert übrigens wie Labbadia sich vor seinen Keeper stellt, der in dieser Woche sicher die eine oder andere Sonderschicht schieben wird.) Dann erspart man sich an dieser Stelle unnötiges Zittern. Wann immer jedoch Hoffenheim so richtig drückte, hatte Bayer eine Antwort. Das war stark und wenn sie diese Leistung gegen den HSV wiederholen, dann ist nach oben in der Tat alles offen. Jedenfalls solange Selbstgefälligkeit und Arroganz auch gegenüber vermeindlich schwächeren Teams ausbleiben. In den Interviews nach dem Spiel war bei den Spielern keine Erleichterung zu hören, auch keine Euphorie, eher Trotz. Das fand ich gut. Die Spieler haben höhere Ansprüche. Die formulieren sie mittlerweile auch. Mal sehen, wie sie in der Lage sind, diesen gerecht zu werden. Ich hab eigentlich ein gutes Gefühl, gehöre allerdings auch zur Kaste der Berufsoptimisten. Ein Wort zu Zdebel: Meine große Skepsis war, ob Bayer mit so einem im Team auch schnell und offensiv spielen kan. Hat geklappt. Das Mittelfeld wirkte diesmal in der Tat stabiler und gut organisiert. Über die gesamte Partie. Hut ab! Zu den strittigen Szenen: Das Klammern von Adler, das war vorher Stürmerfoul und ist auch entsprechend geahndet worden. Rolfes und Hildebrandt waren gleichzeitig am Ball. 50:50 Entscheidung.

  3. Na, in der Sportschau konnte man doch ganz klar sehen, dass Hildebrandt am Ball war. Das bedeutet, dass Rolfes den Ball nicht mehr spielen darf. Wurde zumindest so gesagt. Ich kenn die Regel nicht persönlich…

  4. Ich hab die Regel leider auch nicht gefunden und weiß daher nicht, was bei gleichzeitiger Ballberühung zu entscheiden ist. Apropos Zeitlupe: Mal abgesehen vom dramatischen Timing Adlers gegen Ba kann man in der Verlangsamung wunderschön erkennen, wie Ba einknickt ohne von Adler berührt worden zu sein. Fußballer sind alles falsche Fuffzger.

  5. Irgendwie sind sich unsere Mannschaften doch wieder mal sehr ähnlich in dieser Saison. Auch bei mir kam ich ja im Nachklapp zum Hannover-Spiel zu dem Schluss dass es vorwiegend Nuancen sind, die derzeit die Spielverläufe entscheiden – genauso wie bei Euch.

    Die beiden letzten Spieltage sind da ein prima Anschauungsobjekt. Bei Stuttgart sind die Elemente, die gegen Leverkusen noch gut gingen, dann gegen Hannover (zumindest teilweise) in die Hose gegangen -bzw. besser ausgedrückt: hatten gravierendere Konsequenzen. Während bei Leverkusen das was gegen Stuttgart nicht funktionierte, dann diese Woche doch auf einmal umzusetzen war – und das vor allem dank der Tatsache, dass man das brutal-perfekte Timing der Tore dieses Mal auf seiner Seite hatte und nicht auf der des Gegners.

    Ich denke für beide Mannschaften ist vom Prinzip her noch einiges drin – aber eben in beide Richtungen, wie ja auch Hattrick ganz gut verdeutlicht. Ist einfach ne schweineenge Saison dieses Jahr, die mir persönlich sehr viel Spaß macht. (Und da sche*ss ich dann auch gerne auf die Unkenrufer, die das Niveau der deutschen Liga immer so extrem weit im Keller sehen)

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