Krisengeschwätz

In Ermangelung toller, spannender Themen rund um den Meisterschaftsfavoriten aus Leverkusen, möchte ich mich kurz1 mit der “Krise” an der Dhünn auseinandersetzen. Zur Entstehungsgeschichte:

Über Jahre begleitete die Bayer-Mannschaft der Status, dass man in den entscheidenden Momenten, nicht den Sack zu machen kann. In der letzten Saison spielte man lange Zeit um die Champions-League-Ränge, eine Serie von sieben Spielen ohne Sieg ließ Bayer aber aus den internationen Rängen herausfallen. Michael Skibbe musste gehen, die Altlast und die Angst eine weitere Spielzeit nicht im Europapokal vertreten zu sein, wurde Bruno Labbadia aufgebürdet.

Bruno Labbadia kommt etwas überraschend zur Saison 2008/2009 nach Leverkusen, obwohl er noch bei Fürth unter Vertrag steht. Der Trainer, der schon als Spieler Meister und Pokalsieger wurde, soll den Spielern das Siegergen einimpfen. Labbadia gilt als penibler, ehrgeiziger Arbeiter, allerdings noch ohne große Erfahrung. An die Hand gestellt bekommt er ein junges, talentiertes Team.

Saisonstart in Leverkusen. Bayer siegt etwas glücklich im DFB-Pokal gegen Oberhausen und verpatzt den Auftakt gegen Dortmund. Labbadias Handschrift ist in Ansätzen zu sehen. Schnelles, offensives Spiel mit intensiven Pressing gegen die aufrückenden Gegner. Leider läuft es in der Abwehr noch nicht rund. Insgesamt passieren zu viele Fehler im eigenen Spiel.

Über die Hinrunde hinweg spielt Leverkusen beeindruckenden Fußball. Am 12. und 13. Spieltag steht die Werkself sogar auf Platz 1 der Tabelle, am Ende steht man auf Rang 5 und hätte, wäre Saisonende, das Minimalziel, einen Europapokalplatz gesichert.

Einige Dinge fallen in der Hinrunde eklatant auf, die Labbadia und das Team nicht abstellen können. Gegen Hamburg führt man 2:0, man verliert noch 2:3. Gegen Bochum führt Bayer 3:0, zum Schluss wird es noch eng – 3:2 das Endergebnis. In Karlsruhe führt man erneut 3:0 – dieses Mal spielen Labbadias Mannen am Ende sogar noch Remis. Am letzten Spieltag liegt man in der Schlussminute mit 1:0 gegen Cottbus vorne. Ecke, Tor – Endstand 1:1, zwei Punkte verspielt. Klare Führungen können nicht verwaltet werden. Immer wieder fällt auf, dass Leverkusen ins Schwimmen gerät, sobald eine 2-Tore-Führung erarbeitet ist.

Am 14.Spieltag verliert die Labbadia-Elf in Bielefeld. Das schlechteste Spiel der Saison für Bayer. Hatten die Leverkusener bis zu diesem Zeitpunkt noch bei Niederlagen sagen können, dass sie wenigstens ein gutes Spiel gemacht hatten, gegen die Bielefelder nicht. Bis zum Hinrundenende kommt kein gutes Spiel mehr hinzu.

Weiterer Schwachpunkt im Spiel der Pillendreher ist das Verhalten bei Standards, zudem schleichen sich bei Rene Adler seit seiner Nominierung zum Starttorwart der Nationalelf immer wieder dicke Patzer ein.

Mit Optimismus und frischen Elan sollte dann die Rückrunde beginnen, doch stattdessen startet man mit einem Remis und einer Niederlage. Gegen Dortmund fehlt die Durchschlagskraft, gegen Stuttgart lässt man sich auf eigenen Platz vorführen. In der Presse fragt man sich nun immer häufiger, ob die Leverkusener Mannschaft doch zu jung ist.

Das bis dato beste Spiel der Rückrunde findet am 20.Spieltag gegen Hoffenheim statt. In einem begeisternden Fußballspiel siegt Bayer mit 4:1 beim Aufsteiger und hätte am Ende sogar noch höher siegen können. In der Bundesliga folgen allerdings darauf nur noch erschreckend schlechte Spiele. Drei Niederlagen und ein Remis gegen teils schwächere Gegner lassen das Krisengerede immer lauter werden. Das zwischenzeitliche Pokalhighlight – der Sieg gegen den FC Bayern München, lässt die Menschen nur um so verwunderter an den Rhein schauen. Warum läuft es nicht?

Ein weiterer Schwachpunkt scheint die Aufstellung des Trainers zu sein. Labbadia bietet fast immer die gleichen elf Spieler auf. Kommt ein Akteur von der Bank fehlt ihm oft die Bindung  zum Spiel und er kann keine Akzente setzen. Mit ein Grund dafür, dass Leverkusen noch keinen einzigen Rückstand in dieser Spielzeit in eine Führung umwandeln konnte.

In dieser Woche wird der Druck auf den Trainer stark erhöht. Holzhäuser schreibt im BayArena-Magazin:

Tatsache ist, dass wir mit den Ergebnissen unserer Mannschaft nicht zufrieden sein können und auch nicht zufrieden sind. Und dabei geht es nicht um die Suche nach Schuldigen – wobei zuvorderst immer wieder der Trainer im Mittelpunkt steht.

Aber Fakt ist auch, dass er und die Mannschaft diejenigen sind, die durch harte Arbeit und die richtige Einstellung das Blatt wieder wenden können.

Und alle, die im Umfeld des Teams Verantwortung tragen, haben die Pflicht, alles zu tun, was der Mannschaft und dem Erfolg dient. Sie haben alles zu unterlassen, was diesen Erfolg beeinträchtigen könnte.

Bekanntlich bieten Krisen auch immer wieder eine Chance zur Erneuerung. Diese Chance wollen und werden wir nutzen – und zwar mit Bruno Labbadia.

Bruno Labbadia bleibt noch gelassen:

Wir wussten um unsere Schwächen, haben aber gehofft, dass sie nicht zum Tragen kommen. Es müssen Hierarchien gebildet werden innerhalb der Mannschaft, das schaffen wir aber nicht von heute auf morgen.“ An seiner Linie will er festhalten: „Wir sind von ihr überzeugt und werden nicht abweichen. Ich glaube daran, dass wir es noch schaffen werden.“ (KSTA)

Vieles wird vom Spiel gegen Frankfurt abhängen. Ein Spiel in der “nicht-”heimischen LTU-Arena. Da wartet man ja bekanntlich auf den ersten Sieg in der Bundesliga. In der Hinrunde startete Bayer eine hübsche Serie gegen Frankfurt, die erst auf Platz 1 der Liga endete. Bruno Labbadia wird sich genau das wünschen:

Bis zur 70.Minuten 0:0 spielen, dann ein Wechsel, dieser Mann wird das Spiel drehen und Leverkusen wird sich einen scheinbar sicheren Vorsprung herausspielen, doch der Gegner kommt kurz vor Ende immer wieder zu Standards und baut immensen Druck auf, doch die Abwehr und Adler stehen sicher. Bayer gewinnt drei Punkte, Bayer gewinnt das erste Heimspiel in der LTU-Arena. Bayer bleibt in Reichweite der UEFA-Cup-Ränge.


  1. Ich sitze seit Mittwoch, 12:00 Uhr an diesem Text und besonders zufrieden bin ich am Ende trotzdem nicht

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9 comments » Write a comment

  1. hmmm… wenn so ein artikel sich hinzieht und man keinen “flow” hat, bin ich selten zufrieden… ich glaube das ganze sollte auch zunächst auf was anderes hinauslaufen.. deshalb.. :-)

  2. Ich finde es ist an der Zeit, daß sich für Leverkusen einiges ändert.

    Nachdem man durch einen Sieg in Frankfurt und zeitweisen Zwischenhoch wieder böse abstürzte, sollte nun deutlich verloren werden, anschliessend darf die Bayer Truppe sich langsam steigern, um am letzten Spieltag dann die beste Rückrundenplatzierung zu zementieren.

    Also, auf eine Leverkusener Niederlage und alles wird gut :-)

    Grüße aus der Äpplerbastion

  3. hmmm… wenns dann wirklich so käme, würde ich auch den sieg gönnen. würde ja mindestens platz 5 bedeuten…

  4. …. selten war man sich so einig. Beides wäre für beide wünschenswert.

    Sei es drum. Ein schönes Spiel, ein paar Törchen und ein Trend in eine gute Richtung für beide. Mit einem begeisternden 2:2 müsste man zumindest das Eintrittsgeld nicht als Verlust abschreiben.

  5. Ich finde den Text eigentlich sehr gelungen. Er fasst zusammen, was in den letzten zwei Jahren passiert ist, und wie Leverkusen in diesem Zeitraum dasteht. Ich würde den Zeitraum noch etwas weiter fassen. Denn in Leverkusen gibt es seit Skibbe eine neue Zeitrechnung. Früher war Championsleague Pflicht! Seit ein paar Jahren ist eine gesunde Entwicklung zu spüren: Leverkusen spielte im UEFA-Cup sehr gut auf und war zweimal recht weit gekommen, dazu okaye Ergebnisse in der Liga. Erster Rückschritt war das Ergebnis letzte Saison, weshalb die Mannschaft nun nicht international spielt. Jeder von uns hatte nach der Vorrunde die Hoffnung, dass es am Ende dieser Saison mal wieder in die Championsleague geht. Daher wohl ein wenig Ernüchterung. Denn, sind wir mal ehrlich: Der Zug sollte in diesem Jahr abgefahren sein.

    Problem sehe ich zur Zeit in der aufkeimenden Trainerdebatte. Labbadia wird vorgeworfen, dass er zu starr an einer Aufstellung festhält. Das ist in meinen Augen idiotisch und typisch deutsch. Man sieht bei der Spielweise von Bayer ganz deutlich, dass die Aufstellung 4-1-3-2 einfach nur ein schematisches Grundgerüst ist. Die Sache braucht einen Namen. Auf dem Platz sieht das ganz anders aus: Die Spieler bewegen sich beinahe frei und setzen ein gut organisiertes Pressing um, bei dem jeder Spieler fast jede Position ausfüllen kann. Ob mal Barnetta vorne oder mal Kadlec, spielt fast keine Rolle. Der eine ist öfter vorne, der andere öfter hinten. Und Barnetta ist öfter links als Augusto. Rolfes öfter hinten als Vidal. Usw. Am Ende reagiert die Mannschaft nach einem bestimmten System aber auch frei von dem, was meist mit festen Positionen bezeichnet wird. Daher ist diese Systemfrage in meinen Augen völlig sinnfrei.

    Eine andere Frage ist aber sicher, warum so selten die Startaufstellung geändert wird? Sicher: Die Dreifachbelastung durch UEFA-Cup ist nicht da, die Spieler sollten das durchhalten können. Aber spätestens, wenn mal die Formkurve runter zeigt, sollte man mal einen Spieler von der Bank bringen.

    Im Grunde sehe ich nicht, was ein anderer Trainer da anders machen sollte. Das ganze Team steckt im Formtief. Sie sollten arbeiten, damit das bald vorübergeht und nicht so lange wie in Bremen dauert. Aber ich glaube, das ist diese Woche schon gut angegangen worden.

    Ich bin bester Hoffnung für das Spiel gegen Frankfurt!

    ode.

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