Bayern München, Teil 1 (oder ein ganzes Studium für die Katz)

Vor gut drei Jahren habe ich mein Studium abgeschlossen. Sport als Hauptfach. Schwerpunkt: Sportpsychologie. Ich gebe zu, dass ich sehr lange Zeit an der Uni verbracht habe, genauer gesagt satte 16 Semester, aber trotzdem hilft es mir nun im Alltagsleben als Fan kaum weiter. Ich hätte mir erhofft, dass ich mit etwas Verstand und Wissen die Niederlage gegen Bayern München erklären könnte. Weit gefehlt, also quasi 16 Semester für die Katz. Warum kann man in schöner Regelmäßigkeit sein Leistungsvermögen gegen Bayern München nicht abrufen? Angstgegner? München zu stark?

Ich könnte die Niederlage darüber erklären, dass Leverkusen zuhause gespielt hat. Den Heimvorteil gibt es ja eigentlich gar nicht, wie mein ehemaliger Prüfer und Dozent Strauß festgestellt hat. Unter dem Erwartungsdruck des Heimpublikums klappen ja die einfachsten Dinge nicht, aber Bayer hat doch gar keine richtigen Fans? Seltsam. Fragen über Fragen. Ich könnte auch klären, warum Luca Toni keinen Elfmeter zugesprochen bekommen hat, als ihn Manuel Friedrich festhielt. Das Phänomen der Urteilsverzerrungen habe ich nämlich in meiner Magisterarbeit untersucht. Man brauchte Schiedsrichtern nur zur erklären, dass ein bestimmter Spieler gerne foult oder ein anderer gerne Schwalben macht und schon waren sie in ihren Entscheidungen nicht mehr objektiv. Blöd für Luca.

Tja, aber zu der Geschichte mit dem Angstgegner habe ich gar kein Seminar besucht. So kann ich mir die Niederlage letzte Woche gegen Bielefeld und diese Woche gegen München gar nicht erklären. Mist. Ich hoffe Gladbach und Cottbus fallen nicht in die gleiche Kategorie, denn die Werkself würde den Bann sicherlich nicht brechen.

Es hatte eigentlich gut ausgesehen. Eine Halbzeit lang gut. Gutes Forechecking, Ribéry wurde meist gut, mit zwei bis drei Mann aus dem Spiel genommen und sonst bekamen die Bayern auch so gut wie nichts auf die Kette. Ok. Bayer auch nicht, bis auf einen Lattenkopfball, aber ein Remis – das hatte Rudi Völler vor dem Spiel erklärt – wäre ja schon ein Gewinn gewesen. Das teils Pässe über fünf Meter nicht ankamen und das von dem Speedfußball des ersten Saisonviertels zur Zeit nicht viel übrig ist, da kann man nur hoffen, dass die Werkself zum Winter die Kurve noch kratzt.

Wie gesagt, die erste Halbzeit sah noch gut aus. Sinnbild. Arturo Vidal. Der kleine Chilene kratzte, biss und fauchte, holte sich Gelb ab und war stark gefährdet den Platz vorzeitig zu verlassen. Vidal ging zur Halbzeit raus – leider traute ihm wohl Labbadia nicht zu, sich zu beherrschen – und damit war der letzte Biss aus dem Leverkusener Spiel. Bei den Gegentoren lief man lustlos neben den Gegenspielern her – Alibizweikämpfe wurden geführt – am Ende sogar fast Arbeitsverweigerung und Erstarren vor den großen Bayern.

Labbadia hat wohl erst die Sicher-Strategie ausgegeben. Sicher stehen, Zweikämpfe gewinnen, ja nicht ins offene Messer laufen. Gut und schön, aber Bayern muss man als Spitzenteam (und nicht gerade als Überraschungsbezwinger à la Hannover) mit furiosen Fußball auseinander nehmen und das Bayer das Potenzial dazu hat, weiß die ganze Nation und hat sie über viele viele Spieltage in der Hinrunde bewiesen. Hätte man ein Feuerwerk-Spiel verloren, hätte sich niemand beschwert. Man hätte ja auch gewinnen können, wie die Bremer gezeigt haben. So wirkte Bayer änamisch, langweilig, fad.

Jetzt heißt es Mund abwischen, weiter machen und die Hinrunde gut über die Bühne bringen. Wenn man mal von Hoffenheim, München und Hertha absieht, kann auch das Verfolgerfeld seltenst überzeugen, so dass man sich jetzt wieder Raum schaffen muss um den internationalen Wettbewerb zu erreichen. Eigentlich muss bei dem Leistungsvermögen mindestens drin sein. Alles andere wäre wieder einmal eine Enttäuschung.

Übrigens wünsche ich mir für die Winterpause umbedingt kreative Verstärkung für das Mittelfeld und noch einen Spieler wie Arturo Vidal und außerdem einen Rudi Völler, der bitte nicht von einem Unentschieden gegen Bayern als Gewinn spricht. Meine Fresse, wie kann man nur so einen Sch**** erzählen. “Jungs, wenn wir das Remis bis zum Ende halten könnten, wäre das ein Riesending für uns.” – “Aber Rudi, wir wollen doch Meister werden.” – “Ja und dafür müssen wir gegen unseren Angstgegner Remis spielen.”

Vielleicht hat er ja doch Recht!?

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4 comments » Write a comment

  1. Hi!

    Das ist ja witzig! Hast du etwa in Münster studiert? Oder hat sich mein alter Sportpsycho-Proff jetzt woanders hin begeben?

    Ich vermute einfach mal ins Blaue, dass es so langsam Zeit wird auch mal anderen Spielern etwas zuzutrauen. Es wird zwar immer geschrieben, dass die Bayer-Bank so schlecht ist, aber warum soll man nicht auch mal der Reserve eine Chance geben? Vielleicht macht Fanis ja mal ne wichtige Hütte… Es wird nie was draus, wenn man den Leuten keine Einsatzzeiten gibt. So lange es mit der ersten Mannschaft läuft, gibts natürlich keinen Grund. Aber den Super-Kombinationsfußball spielen die Jungs ja jetzt seit einigen Spielen nicht mehr. Warum nicht dem ein oder anderen Stammspieler mal ne schöpferische Pause gönnen.

    Natürlich war ich auch sehr enttäuscht über die Niederlage. Nicht, weil wir verloren haben. Gegen Bayern kann man auch mal verlieren… *seufz*

    Aber es kommt auch immer auf das “Wie” an. Und da hatte ich mal wieder Recht, dass die Vorstellung gegen die Bazis recht blutleer und fad wird.

    Trotzdem ist es mir lieber, dass Leverkusen mal wieder oben mitmischt, als das wir gegen Bayern gewinnen und dann im Mittelfeld oder Tabellenkeller rumkrebsen. Da bin ich lieber Bayer-Fan und habe regelmäßig was zu feiern, als das ich als 96er ne genze Saison schlecht gelaunt bin.

    Seht es doch positiv, Leute! Wir sind immer noch oben drin, haben jetzt zwei Gegner, gegen die wir wieder gut Punkte holen können. Jetzt heißt es die Weichen für eine erfolgreiche Rückrunde stellen…

    ode.

  2. Jau, habe tatsächlich in Münster studiert. Du auch?

    Die Bank ist ein echter Problemfall, wie ich finde? Wirklich unter Beweis stellen konnte sich niemand. Wenn dann nur bei Verletzungen (Barnetta < -> Schwegler) oder Sperren (Friedrich < -> Haggui / Castro < -> Sarpei ). Ich nehme mal an, dass sich da früher oder später etwas ändert und der Trainer reagiert.

  3. Also, Haggui hat in den letzten Jahren recht stark gespielt, seine Fehler weitestgehend abgestellt. Jetzt hat er sich im Sommer für Bayer entschieden und wir deshalb einen talentierten, guten Spieler mehr in den Reihen. Und nun findet er sich ständig auf der Bank! Schade!

  4. Haggui fand ich auch zuletzt sehr überzeugend, falls mal jemand ausfällt oder ein Leistungstief hat, immer ein Mann der da ist. Allerdings bekommt man ja in der Regel nicht so viele Chancen in der Innenverteidigung, weil dies ja eine Vertrauensposition ist und da dann nicht so viele Wechsel vorgenommen werden.

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