Presseschau vom Karlsruhe-Spiel

Ich widersetze mich einfach mal der Bayern-/Klinsmannberichterstattung und beschäftige mich den miserablen Ergebnissen des Leverkusener Teams der letzten Wochen. Dazu anbei die Presseschau nach dem Karlsruhe-Spiel:

Udo Bonnekoh, RP Online:

Es hat in dieser Spielzeit – neben vielen schönen, gar hinreißend feinen Erlebnissen – schon reichlich Zumutungen gegeben in Fußball-Leverkusen. Nun ist der absolute Tiefpunkt – wenige Tage nach einem vorläufigen Highlight, dem Vordringen ins Pokalfinale – erreicht.

Schlechter, provozierender, unverschämter als gegen Karlsruhe scheint es nicht mehr zu gehen. Dieses unerträgliche Beispiel der Entschleunigung eines hoch bezahlten Ensembles sucht nach übleren Vorbildern. Es durfte sich interpretieren lassen als einziger Affront gegen die Führung des Klubs, gegen die Fans, von denen Bayer als Stamm lediglich überschaubar viel hat – und gegen den Trainer.

Nun hat Rudi Völler, der einzige bei Bayer von natürlicher Autorität, Tacheles geredet und harte Einschnitte angekündigt. Das ist nichts Neues und auch schwer zu bewerkstelligen in einer Gruppe.

Völler aber hat nicht viel Auswahl: Er muss zum Beispiel Patrick Helmes, der mit seiner Lauf-Faulheit gegen einfachste Gesetze der Kollegialität verstößt, und etwa Renato Augusto, der mit seinen dauernden Ego-Trips die Loyalität gegenüber dem Ensemble verletzt, bald zur Räson bringen wie auch Arturo Vidal, der seinen Einsatz selten gescheit zu paaren versteht mit Geschick.

Das ist der schwierigere Part, weil das Einsicht voraussetzt bei den Spielern, die überdies laufendes Kapital darstellen. Die andere Möglichkeit: Er entlässt den angefeindeten Trainer, und zwar sofort. Das ist – wie immer – die leichteste Übung und lässt sich bei Bedarf und zur Entlastung und Freude einer Mannschaft beliebig wiederholen.

Vorher aber sollten die Leverkusener Bosse den Manager Michael Reschke diskret ins Privatleben verabschieden, einen Manager, der von Beginn der Saison mehr oder minder deutlich gegen Labbadia intrigiert – nach innen und über willfährige Helfer nach außen. Es ist Zeit für einen sehr gründlichen Hausputz bis in alle schmutzigen Ecken hinein, höchste Zeit sogar.

Philipp Selldorf, Süddeutsche Zeitung:

“Immer wieder Gegenwind durch Heckenschützen”, hatte die Zeitung Bild während der vergangenen Woche berichtet und damit auf die hausinternen Probleme des Trainers Labbadia hingewiesen, der übrigens zu seinen Zeiten als Mittelstürmer mal von sich behauptet hat, er habe “den schönsten Po der Liga”. Aber das gehört ebenfalls nicht hierher und hat auch nichts damit zu tun, dass Sebastian Langkamp vom Karlsruher SC nach dem Spiel gegen Labbadias Leverkusener am Samstag von einem “geilen Gefühl” gesprochen hat. Es ist ja nur verständlich, dass einem Mann blümerant wird, wenn er mit einer einzigen, obendrein planlosen Aktion die Fachbegriffe “Grätsche”, “Pressschlag” und “Bogenlampe” zum Duseltor zusammenführt und damit seinem Klub drei Punkte beschert, die diesem möglicherweise den Klassenerhalt retten werden. Für solche Treffer braucht man Kunst-, keine Heckenschützen, aber für den Bayer-Trainer ändert das nichts an seiner schattigen Lage. Jetzt sogar noch mehr Gegenwind für Labbadia.

Ulrich Klein, Kölnische Rundschau:

Spätestens seit dem polternden Besuch im ARD-Studio beim „Weißbier-Waldi“ anno 2003 weiß man, dass Rudi Völler so richtig aus dem Frack springen kann, wenn ihm was gegen den Strich geht. Mit ARD-Mann Hartmann ist inzwischen längst wieder alles paletti. Wie lange es aber dauern wird, bis das Binnenverhältnis zwischen Bayers Sportdirektor und den Leverkusener Fußballprofis wieder intakt ist, war zumindest am frühen Samstagabend noch nicht absehbar. Völler war verärgert, richtig verärgert. Nein – Völler war sauer, total sauer und hatte alle Mühe, seine Wut halbwegs zu kontrollieren. 0:1 hatten die Seinen gegen Karlsruhe verloren, 0:1 gegen das Liga-Schlusslicht, 0:1 gegen ein Team, das vergangenen Samstag nach zuvor 752 torlosen Minuten erstmals wieder ein Bundesligator erzielt hatte.

Udo Bonnekoh, RP Online:

Trainer Bruno Labbadia wirkte erstmals in dieser inzwischen an Negativ-Erlebnissen sehr reichen Spielzeit richtig niedergeschlagen, tief getroffen, ratlos, deprimiert. Er redete sehr leise von “einer Bankrotterklärung für uns alle”, von einer “blutleeren Vorstellung” und davon, dass “wir nicht nur vom Pokalfinale sprechen können”.

Berlin aber und damit die Hoffnung auf den Cup-Gewinn mit internationaler Perspektive sind offenbar die einzige Währung, mit der die Leverkusener bis zum Endspiel am 30. Mai ihre Fans entschädigen wollen für solch unerträgliche Darbietungen.

Bayer hat die biederen Badener vor allem leben lassen durch eine skrupellose Inaktivität in Mittelfeld und Sturm, in dem Patrick Helmes seine Blockaden bis hin zur absoluten Unbeweglichkeit auslebt. “Das war von allem zu wenig. Es ist schwer, eine Erklärung dafür zu finden”, betonte Simon Rolfes, der Kapitän. Dessen Einfluss reichte diesmal auch nicht, die Kollegen zu einer einigermaßen akzeptablen, den Abstiegskampf in der Bundesliga nicht verzerrenden Leistung anzuhalten.

Spox:

Aber Helmes und Barnetta sind nicht die einzigen Bayer-Spieler, die ihrer Form hinterherlaufen und ihre Klasse nur ab und zu zeigen. Dem Chefcoach gelingt es einfach nicht, Konstanz in seine Mannschaft zu bringen. Immer häufiger nehmen sich angebliche Leistungsträger unverständliche “Auszeiten”.

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2 comments » Write a comment

  1. Frank Nägele – Leverkusener Anzeiger:

    “In der Welt des Billard wäre die Aktion wohl für ungültig erklärt worden. In der Welt dieses furchterregend schlechten Fußball-Spiels blieb sie der einzige, spektakuläre Höhepunkt, für den alle dankbar waren. Außer den Leverkusenern. Deren Befindlichkeit entzog sich der Beschreibung mit druckreifem Vokabular. Vier Tage nach dem Einzug ins DFB-Pokal-Finale zeigte das Team von Bruno Labbadia völliges Desinteresse an einem belanglos gewordenen Alltag.””

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