Therapiesitzung 2009

Der wohl letzte Artikel, hier an diesem Ort: Mehr demnächst im neuen Blog. Gebt mir 1-2 Tage!

22:47 Uhr. Ich wähle die Nummer. Tippe langsam auf der Tastatur meines Telefons herum. Vertippe mich. Lege das Gerät beiseite. Trinke einen Schluck. Wische meine feuchtschwitzigen Hände am Sofa ab. Ich dachte, dass das nie wieder passieren würde. Nie wieder. Sieben Jahre ist das her. Das Trauma.

Mein Therapeut hatte mir damals dazu geraten, dem Problem ins Auge zu blicken. Mich mit meiner Angst zu konfrontieren. So wie bei Höhenangst. Immer ein Schrittchen höher hinaufsteigen. Aber bei meinem Problem ist das nicht so leicht. Ich habe das ja nicht selbst in der Hand. Ihr wisst sicherlich worum es geht. Fan sein von Leverkusen. Das Vizekusen-Trauma. Immer nur Zweiter werden.

Wie gesagt ich hab es nicht in der Hand. Das Team muss mir helfen. Man hätte sich langsam wieder Meisterschaften und Pokalsiegen annähern können, so dass ich die Hoffnung bekommen hätte, dass mal wieder ein Erfolg zu Buche steht, aber nein. Sieben Jahre habe ich gedarbt und verdrängt. Mein Therapeut sagte, dass wäre nicht gut. Freunden sie sich mit einem neuen Team an. Probieren sie es mal mit Mainz oder Hamburg. Ging nicht. Hab ich nicht geschafft.

Und dann dieses Jahr. Pokalfinale. Ich hab meinen Therapeuten extra vorher nicht angerufen. Ich wollte ihn anrufen und sagen. “Geschafft! Ich muss mich nicht mehr vor zweiten Plätzen fürchten. Wir sind sogar Pokalsieger geworden.” Tja – das hat leider nicht geklappt. Wir sind wieder nur Zweiter geworden. Da hätten wir noch Stunden weiter spielen können und es wäre trotzdem nur der Verliererplatz gewesen.

Inzwischen zittern meine Hände nicht mehr ganz so doll. Ich tippe nochmal die Nummer ein. Drücke auf den Wählen-Knopf. Das Freizeichen erschallt in meinem Ohr. Ich warte, tuut, tuut. Dann hebt irgendjemand ab. “Peters, ich habe ihren Anruf erwartet” – Bittere Tränen rinnen mir die Wangen herab. “Therapeut, ich dachte wir könnten es schaffen…”, doch die Stimme am anderen Ende unterbricht mich.

“..deshalb bin ich rüber in die Kneipe und mein AB empfängt sie. Aus psychologischer Sicht, hättet ihr den Trainer rauswerfen sollen. Schon vor Wochen. Kommen sie Dienstag um 11:00 Uhr vorbei, dann lassen wir die Saison ganz sachlich Revue passieren.”

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13 comments » Write a comment

  1. Wir hatten ja ausgemacht, wenn ihr Meister werdet, dann werden wir Pokalsieger. Sollte wohl nicht sein ;)

  2. Wiese habe ich bei @pleitegeier nur das Gefühl, er könnte ein klein wenig parteiisch an das Finale herangegangen sein? Ich mag mich täuschen, aber das klingt irgendwie so, als ob es da in der näheren Vergangenheit zwischen dem fünften Bezirk von Niedersachsen und den Rautenträgern irgendetwas gegeben hat.

    Und nun die Jens-Peter zum Trost sei es mal gesagt, Vizekusen ist Blödsinn. Schon 1988 und 1993 vergessen?

  3. Nein, natürlich nicht. Wie könnte ich die beiden einzigen Erfolge vergessen. Das ist allerdings auch schon 16, bzw. 21 Jahre her. Irgendwie traurig….

  4. Zumindest konnte man gestern im Oly erkennen, dass Bayer keine reine Retortenelf mehr ist. Weil ihr so ein Tal der Tränern durchschritten habt, seit ihr zumindest einem normalen Verein ein Stück näher gerückt in den letzten Jahren. Und der rote Block in Berlin war nicht gerade klein, wenn auch weniger vorhanden als das GRünd-Weiße.

  5. So traurig doch das Ergebnis, so gewinnend doch die Erkenntnis, dass nur die Niederlage würdig beschrieben werden kann. Es ist Dir gelungen, und Bayer hat sich für mich gut verkauft. Renato Augusto hatte klasse Szenen und Rene Adler haftete gestern nicht der Ball an seinen Handschuhen, aber doch etwas tragisches an. Ich weiss nicht, ob Bruno Labbadia weitermachen darf, aber ich würde es mir wünschen. Dieses Jahr war die Spitze einfach zu breit für einen großen Wurf des SV Bayer. Welch Plattitüde.

  6. Mich würde mal interessieren, wie Du dieses Kombinat Reschke, Holzhäuser, Völler siehst? Oder liegt das Problem doch eher beim Verhältnis zwischen Labbadia und der Mannschaft. Immerhin war Bayer Leverkusen für mich noch in der Hinrunde einer der möglichen Meisterschaftsaspiranten.

  7. Ich bin ja da kein Insider, aber die Herren Reschke und Holzhäuser haben ja eine beträchtliche Machtfülle und mittlerweile auch eine enorme Medienpräsenz. Besonders Letzteres macht es jungen Trainern sicher nicht einfach. Vielleicht bräuchte Leverkusen so eine Art “Magathsche Lösung” – mit anderen Worten: einen gestandenen und vor allem mächtigeren Trainer.

  8. danke @uwe!

    bzgl. labbadia sehe ich keine große zukunft mehr für ihn in leverkusen.

  9. Reschke, Holzhäuser, Völler… schwierig. Ich glaube, dass die drei relativ gleich berechtigt bzgl. Entscheidungen sind, allerdings sind die drei in ihren Meinungen schon oft sehr unterschiedlich.
    Labbadia kommt ja offensichtlich nicht mit Reschke klar, was, denke ich, ein klarer Ausschussgrund ist. Völler und Holzhäuser würden Reschke nie vor die Tür setzen – da wird der Trainer Adieu sagen müssen…

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