Borussia Dortmund, Teil 3

Zwei Spieler fehlten im gestrigen Heimspiel gegen Dortmund und man könnte sagen, dass sie der Schlüssel zum potenziellen Sieg gewesen wären. Zum einen fehlte Simon Rolfes, der Kapitän, ordnende Mittelfeldmotor und Abräumer vor der Abwehr. Seine Rolle sollten ersatzweise Arturo Vidal und Lars Bender übernehmen, was nicht gelang. Bender zwar mit einer ordentlichen Leistung, aber ohne Präsenz auf dem Platz. Vidal fiel vor allem in Halbzeit 1 durch eine ungeheuerliche Anzahl von Fehlpässen auf, sowie ein tölpelhaftes Defensivverhalten vor dem 0:1.

(Wie man Vidal zum stärksten Spieler der Leverkusener ausloben konnte, ist mir völlig unbegreiflich)

Natürlich hätte das Spiel anders laufen können, wenn nicht in der achten Minute das 0:1 durch Barrios gefallen wäre. Es hätte anders laufen können, wenn eine vorbildliche Angriffskombination durch Bender in der 2.Minute zum 1:0 abgeschlossen worden wäre. So aber wurde demonstriert, wie man die Werkself-Defensive aushebeln kann. Ball abfangen, flott nach vorne kombinieren, nachsetzen, Pass in den Rücken der Außenverteidigung spielen und dann noch einen Welttorjäger in den eigenen Reihen haben, der Flanken mustergültig versenken kann.

Da sieht dann beispielsweise der Heilsbringer Hyypiä nicht mehr ganz so gut aus, auch wenn man dem Finnen zugestehen muss, dass die entscheidenen Fehler bereits vorher passierten.

Spielstand also nach acht Minuten 0:1. Daheim. Gegen Dortmund. Und da kommt der zweite fehlende Akteur ins Spiel. Renato Augusto. Ein Kreativspieler, der die gegnerische Abwehr beschäftigt, mit Ideen, feinen Pässen und erfolgreichen Dribblings. Wenn alles gut geht und alles nach Plan läuft, hat man einen Toni Kroos in der Hinterhand. Der nahm im letzten Heimspiel die Nürnberger auseinander und zeigte auch in einem U21-Länderspiel spielmacheresque Ansätze.

Wenn es nicht nach Plan läuft, dann läuft es auch nicht beim Toni. Das ist traurig, weil sich der Toni in die Stammelf spielen könnte. Weil er so zeigen könnte, dass er wirklich der große Spieler ist, dessen Ansätze man schon vor Jahren sehen konnte. Man muss sich wirklich fragen, ob bei Kroos der Kopf nicht mitspielt, wie einst bei Sebastian Deisler. Kann er dem Druck nicht standhalten?

Tranquillo Barnetta war somit im kreativen, offensiven Mittelfeld auf sich alleine gestellt und gegen gut stehende, defensiv ausgerichtete Dortmunder war so nicht viel zu holen.

Da war es gut einen Manuel Friedrich in den eigenen Reihen zu haben. Der Ersatzkapitän trieb an, spielte selbst mehr als solide, köpfte nach einer Ecke das 1:1 und war sehr präsent.

Bei diesem 1:1 blieb es dann auch, weil, Jupp Heynckes beschrieb es gut, man viel zu wenig für die Offensive tat, die Außenverteidiger sich nicht mit ins Spiel nach vorne einschalteten und man erneut zu unkonzentriert agierte.

Festzuhalten bleibt, dass man in zehn Spielen immer noch keine Niederlage kassiert hat. Das ist durchweg positiv. Am Spiel der Leverkusener muss weiter gefeilt werden, soll es nach Europa im nächsten Jahr gehen.

Für die Hobbypsychologen unter Euch die Frage: Was signalisiert Sami Hyypiä Eren Derdiyok nach dem 1:1?

Bild 1

“Hab ichs dir doch gesagt, dass wir das 1:1 noch machen?” Würde zu Jupp Heynckes Äußerung passen, dass er ein “ungutes Gefühl” vor dem Spiel gehabt habe.

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4 comments » Write a comment

  1. “Eins-plus-mit-Sternchen” würde ich sagen! Besser könnte und kann man diesen an die Düsseldorfer “Heim”-Spiele erinnernden Krampf nicht anlysieren, besser konnte man die Lücken durch Rolfes’ und Augustos Fehlen nicht aufzeigen.
    Erwähnenswert fand ich auch noch den (Kurz-)Auftritt von Gekas. Obwohl… stimmt, da gibt es eigentlich nichts zu zu schreiben. Außer: Warum lässt Henynckes nicht mal Sukuta-Pasu ran?

  2. Gegen bissige Dortmunder hat Leverkusen sich lange schwer getan. Und anch vorne nicht den Druck entwickelt und nicht die Zielstrebigkeit an den Tag gelegt, die nötig war, um zu gewinnen. Chancen waren ja da. Vor allem durch Schüsse und Kopfbälle von Derdiyok, auch schon in der schwachen ersten Halbzit. Nur wurden diese Chancen so kläglich und drucklos zu Ende gespielt, dass man sie gar nicht mehr als solche in Erinnerung hatte. Ich glaube, die Spieler waren von der Gegenwehr der Dortmunder überrascht. Die hatten sich das leichter vorgestellt und ganz auf ihre tolle Spielanlage vertraut. Fehlanzeige. Das Spiel aus der Abwehr heraus war weder schnell noch inspieriert. Die Raumaufteilung des Teams war vor allem in Halbzeit eins erbärmlich (alle standen viel zu weit auseinander). Die Analyse aus dem Team heraus war nach dem Spiel ehrlich. Ob Lernfähigkeit im Team vorhanden ist, wird sich nächste Woche beim Spitzenspiel auf Schalke zeigen. Dieses Spiel war definitiv ein Dämpfer.

  3. Ich bin auch der Meinung, dass das Fehlen von Rolfes und Renato Augusto eine starke Schwächung war. Es ist ja eine Parallele zum BVB: Bei uns fehlen mit Kehl und Hajnal die gleichen Spielertypen. Jürgen Klopp hat das System scheinbar schon gut angepasst, von 4-4-2 Raute auf 4-1-3-2, Heynckes muss die richtige Lösung noch finden.

  4. Was in der Analyse noch fehlt: Unabhängig davon, ob viele Pässe nach vorne schlampig waren, Leverkusen hatte am Freitag vorne auch keinen drin, der die wenigen Bälle, die ankamen, mal gehalten hat. Kiesling leider mit vielen Fehlern bei der Ballannahme. Ich glaube seinen technischen Mängel sind ja auch einer der Hauptgründe warum er Löw bisher nicht überzeugen konnt. Muss Kies dran arbeiten.

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