SC Freiburg, Teil 2

Fünf Prozent der Spielzeit gegen den SC Freiburg agierte Bayer meisterlich, sagen wir zehn Prozent Champions-League-tauglich, zu 15 Prozent bereit für die Europaleague und dann bleiben nur noch 70 Prozent über. In Minuten sind das circa 65 Minuten in denen Bayer irgendwie gewollt lässig, durchschnittlich, teilweise fahrlässig, unkonzentriert, gelangweilt vor sich hinkickte. Gegen einen Gegner, der stark abstiegsgefährdet ist.

Aber weil wir ja Meister werden, ist die Werkself absolut unantastbar, selbst in solchen Phasen. Im Zweifelsfalls hält Rene Adler hervorragend gegen Cha, oder später gegen den eigenen Mann und selbst wenn er alles andere als hervorragend hält, nämlich beim 3:1, ist das egal. Genauso bei Sami Hyypiä, der sich immer an der richtigen Stelle materialisiert und selbst, wenn ihm mal der Ball über den Scheitel in den Lauf vom Gegner rollt, dann fährt er die langen Gräten aus und die Pille klebt wieder an seinem Fuß.

Dann kann man schon von Glück sagen, ähnlich wie gegen Hoffenheim, dass es keinen anderen Spielstand zur Halbzeit gab, aber gerade das wird den Trainer freuen. Die Spieler auf den Boden holen, selbst wenn man an der Tabellenspitze steht, ist Heynckes Spezialität. Fehler aufzeigen, Lösungsmöglichkeiten anbieten, mit den Spielern reden und sie aufbauen, ihre Fähigkeiten loben, aber auch Schwächen bemängeln. All dies scheint Heynckes in beeindruckender Art und Weise an die Mannschaft heranzutragen. Sie weiß nun, wie man gewinnt, auch die schweren oder dreckigen oder gegen die schlechten Gegner und ordnet Erfolge richtig ein. Ein Glauben, eine Haltung scheint in der Mannschaft zu stecken. Und während alle Mann noch vom internationalen Pokal sprechen, redet Ulf Kirsten während eines Interviews bei Sky bereits von der Meisterschaft. Grandios.

Sprechen wir nicht mehr von den 70 Prozent Mittelmaß, sondern von den Fünfen Spitzenklasse. Drei Tore in vier Minuten. Effektivität und Spielfreude pur. Nachdem Stefan Kießling schon zu Beginn eine Großchance versiebt hatte, ließ er sich die Kopfballchance zum 1:0 dann nicht mehr entgehen. Kurz darauf verteilte Simon Pouplin, seines Zeichens Freiburger Torhüter, ein Gastgeschenk in Eren Derdiyoks Fuß, der abgezockt vollendete und dann ließ der Aufsteiger auch noch eine Ecke zu, die Sami Hyypiä zielsicher einnickte. Das war sehr gut.

Wie schon erwähnt, hätte es den Gegentreffer nicht geben müssen, aber nun. Vielleicht konnte Rene Adler den Ball ja im Schneetreiben nicht richtig sehen, schließlich wurde der Ball direkt ausgetauscht, gegen einen roten Schneeball. Wer weiß. Fakt ist, dass Adlers Formkurve eher nach unten zeigt und die Leistungen, vor allem was Grundsicherheit angeht, sind stagnierend. Im Gegenteil wieder ganz vorne mit dabei war für mich Arturo Vidal, der sich enorm viele Bälle erkämpfte und diese auch noch formvollendet an seine Mitspieler abgab. An seiner Seite die sichere Bank Stefan Reinartz, so dass Simon Rolfes noch nicht vermisst wird.

Übrigens erfreulich auch die Leverkusener Postingfrequenz im Bloggerland. Lauthals macht sich Sorgen um Toni Kroos – nur ein Assist in diesem Spiel! Das Bayer 04-Blog sieht eine Steigerung bei Michal Kadlec (Ich sehe da noch viel Luft nach oben!). Beim Rhein-Wupper-Express sollte es angeblich auch etwas geben, leider scheint der Artikel verschwunden?

Und zum Schluss noch The Offside, die sich Sorgen um Patrick Helmes machen. Überhaupt. Hätte Heynckes nicht schon eher Leute, wie Renato Augusto, Bender oder Helmes bringen können, oder war die Angst noch weitere Treffer zu kassieren, zu groß?

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8 comments » Write a comment

  1. Nur um das richtig zu stellen: Ich sehe bei Kadlec selbst noch viel Luft nach oben, trotzdem war es eine Leistungssteigerung gegenüber dem Hoffenheimspiel, drie ich nicht unter den Tisch fallen wollte. Besonders weil er sich in den Zeitungen reihenweise die schlechteste Bayernote abholte.

  2. Also mir gefällt dieser neue selbstbewusste Ton hier ja wirklich sehr viel besser als das Angstbeschreiende (Ändert natürlich nichts daran, dass die Angst immer noch da ist :-)).

    Zum Spiel: Lässig, fahrlässig, unkonzentriert, gelangweilt – kann man so sehen. Ich habe im Moment den Eindruck, dass die Mannschaft immer wieder bewusst Tempo rausnimmt und schaut, wie sie so ein Spiel mit minimalem Aufwand über die Bühne bringt. Denn nach dem Anschlusstreffer war die Konzentration relativ schnell wieder da und die Lässigkeit weitgehend weg. Mal abgesehen von Rene. (Frage an die Kontaktlinsenträger unter den Blog-Lesern: Wie ist das eigentlich mit so einer Linse im Auge bei Schneefall? Getrübte Sicht oder alles dufte?).

    Zu den Wechseln: Vielleicht wollte Heynckes den guten Helmes schonen. Der Rasen war ja in einem erbärmlichen Zustand. Nicht, dass die Muskeln da gleich weider reagieren. Außerdem kann ichs auch gut verstehen, dass man nach hinten raus eher die Mitte nochmal stabilisiert, um Druck von der Abwehr zu nehmen, anstatt in die Offensive zu investieren.

    So, und jetzt volle Konzentration auf Bochum. Ein Spaziergang wird auch das nicht. Aber im Freiburg-Spiel wurden ja genug Resoourcen gespaart, um ordentlich Gas geben zu können. Und danach wieder die allseits beliebten Wochen der Wahrheit.

  3. Völler hat übrigens jetzt die Champions League als Ziel ausgegeben. ;)

    Es scheint aber bei allen drei Anwärtern auf die Nummer 1 im Nationalteam zuletzt nicht ganz so gut zu laufen. Wiese sah gegen Gladbach stellenweise auch nicht wie ein Nationalkeeper aus und Neuer hatte demletzt auch ein paar Patzer.
    Was jetzt aber nicht heißen soll, dass Adler gerne so weitermachen darf, den Ball zum 3:1 hätte er haben müssen und wenns dann gegen Werder oder vorallem die Bayern geht kann so eine Situation schnell spielentscheident werden.

  4. @loeffler: Wenn die Mannschaft in ihre Einzelteile zerfaellt (Werder), ist es schwer zu glaenzen @Wiese.
    @Neuer: Wo hat er bitte zuletzt gepatzt? Er spielt eine (sehr) gute Saison. Zuletzt gegen den FCN 3 Punkte gesichert. 10x zu Null. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Nr. 1 wuerde ich sagen.

  5. @Stefan: Hab ich auch so verstanden.

    @Hattrick: Bzgl. Helmes: Ich fands schon hart, denn der gute Mann stand schon in der ersten Hälfte bereit, als Kießling angeschlagen schien, dann hat er sich ewig warm gemacht und kommt doch nicht rein. dann zu sehen, dass die konkurrenz (kießling & derdiyok) je einen treffer markiert, ist hart. der dampfer nach südafrika tuckert derzeit sehr weit vor der küste.
    Bzgl. Adler und die Konkurrenz. Er schien sich schon über die Sicht zu beschweren, aber da denke ich vielleicht etwas früher dran, nicht erst wenn der ball drin ist. wiese hat sich auch 1-2 böcke geschossen, neuer habe ich als konstantesten wahrgenommen.

    @loefflr: Das muss man auch, wenn man sich nicht lächerlich machen will. CL muss man beim derzeitigen Punktestand auf jeden Fall anvisieren.

  6. @Jens Klar ist Helmes ein Härtefall. Aber die anderen Einwechslungen waren ja auch nur Zeitschinderei. Und nur weil einer sagt, er sei fit, heißt das noch lange nicht dass er es ist. Heynckes hatte ja auch nach außen gesagt, dass Helmes Stammspieler ist, wenn er fit ist. Nun ja …

  7. Pingback: Der Blog-Jahresrückblick: Januar 2010 | catenaccio

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