VfB Stuttgart, Teil 5

Dieses Bild spiegelt in hervorragender Art und Weise die bisherigen Leistungen der Werkself wider. Der vieldiskutierte Kicker-Notendurchschnitt als Gradmesser für die Qualität des Leverkusener Spiels. Sechs Spiele und nicht zu vergessen, dass das erste Spiel im Bereich internationale Spitzenklasse bei großen Teilen des Teams anzusiedeln war. Wie schlecht waren dann die restlichen Spiele? Und das tollste ist, dass man dennoch noch im oberen Tabellenbereich steht!!

Unfassbar. Leverkusen ist in der Regel mit Spielkultur, rasanten Passstafetten und Geistesblitzen der genialen Art in Verbindung zu setzen. Zumindestens zu Großteilen einer Spielzeit. Lieber mal einen Patzer hinten, als dass man vorne langweilig spielt. Diese Saison sah das allerdings anders aus. Das gute Spiel gegen Dortmund und dann der bereits schon mehrfach erwähnte Rumpelfussball.

Das hing zum einen mit etwas zusammen, dass niemand benennen konnte und das hing auch mit der Personalsituation und mit der Taktik zusammen. Alles bewirkte sich gegenseitig und führte zu gruseligen Bundesligaspielen mit Leverkusener Beteiligung. Für den X-Faktor ist Jupp Heynckes zuständig. Ich weiß immer noch nicht, was das sein könnte. Teamchemie? Psyche? Irgendwas wird es sein, dass der Trainer, so hoffe ich inständig, früher oder später erkennen und tilgen wird.

Die Personalsituation entwickelt sich anscheinend gerade so, dass es den Leverkusenern entgegen kommt. Gab es zu Beginn der Spielzeit ein Überangebot auf diversen Positionen, fallen nun an allen Ecken und Enden Akteure aus. Grund genug, dass andere einspringen und gute Leistungen zu zeigen. So nach dem Motto: “Jetzt spiele ich für die Verletzten und für das Team und nebenbei kann ich zeigen, was in mir steckt.” Das hat letzte Saison schon gut geklappt.

Taktik. Versuchte Heynckes vor der Saison schon mal ein 4-5-1 um Michael Ballack irgendwie in Tornähe zu bringen, startete Heynckes zunächst mit dem guten alten 4-4-2, dass sich in Leverkusen seit 2-3 Spielzeiten bewährt hat. Da die Personaldichte im Sturm aber so dermaßen geschrumpft ist, musste Heynckes nun zwangsweise auf einen Stürmer umstellen. Gegen Frankfurt klappte das gar nicht, gegen Stuttgart so-la-la.

Zunächst die positiven Aspekte des Spiels gegen die Schwaben in Bezug auf die Taktik. Das 4-5-1 bedeutete eine Überzahl im Mittelfeld, die konsequent ausgenutzt wurde. Ob das nun defensiv oder offensiv war, im entscheidenden Moment war ein Mann mehr da als auf Stuttgarter Seite, auch weil der VfB im Großen und Ganzen wesentlich offensiver spielte, als das die Frankfurter unter der Woche taten. Dann nämlich sieht Bayer alt aus, wenn das Mittelfeld dermaßen voll ist, dass sich die Kreativen auf den Füßen stehen.

Durch die Balleroberungen gelang es Leverkusen schnell Chancen zu kreieren (Urgsss Modewort) und Stuttgart in die Defensive zu drängen. Das 0:1 fiel nach einer Standard-Situation – das 0:2 war dann endlich wieder Leverkusener Feinkost mit Hacke-Spitze-1-2-3. Danach versäumte man das 0:3 auch weil Camoranesi Barnetta von hinten in die Beine fuhr. Ich bin mir sicher, dass das Spiel entspannter gelaufen wäre, wenn der Schweizer getroffen hätte und der Italiener auf dem Platz geblieben wäre.

So kam es dann mal wieder nach einer Standard-Situation zum Anschlusstreffer. Spiel den Ball bei Standards hoch und schnell in den Strafraum und Bayer wackelt. Als kleiner Tipp für die kommenden Gegner. Gratis. Dank der Überzahl konnte die Werkself aber doch noch einen Konter zum 1:3 nutzen und der Schlusspunkt zum 1:4 war dann nur noch Formsache. Gold war das sicherlich nicht, aber zumindest ein ordentliches Spiel der Bayer11. Die Abwehr wackelt weiterhin. Die Außenverteidiger verlieren immer noch zuviele Zweikämpfe. Das Mittelfeld hat ordentlich gespielt und Derdiyok als einziger Stürmer war weiterhin überfordert. Erstens bekommt er nicht genügend hohe Bälle, zweitens holt er sich zuviele aus dem Mittelfeld.

Abwarten, ob sich die obige Notenstatistik irgendwann in der Saison noch verändert – was die Personalsituation in 1-2 Monaten so macht und welche Taktik Heynckes spielen lässt. Mit dem derzeitigen Tabellenplatz kann man auf jeden Fall zufrieden sein.

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4 comments » Write a comment

  1. Ursprünglich wollte ich einen Text zum Spiel mit “Balitsch” überschreiben, der für mich überragend spielte. Grundsätzlich habe ich ein eher zwiegespaltenes Bild von ihm: als Typ ist er mir ziemlich unsympathisch, auf dem Spielfeld hätte ich ihn sehr gern in der eigenen Mannschaft und furchtbar ungern in der anderen.

    Wieso ich darauf komme? Weil ich zunächst kein 4-5-1 gesehen habe, sondern eher ein 4-2-3-1, mit Reinartz und Vidal defensiv und Balitsch auf der “Özil-Position” – was mich ganz kurz ein wenig hoffen ließ. Balitsch belehrte mich rasch eines Besseren: sicher spielt er nicht wie Özil, aber anders hieß zumindest in diesem Fall nicht schlecht. Sein Engagement, sein Tempo, seine Zweikämpfe, seine Entschlossenheit spiegelten in meinen Augen den wichtigsten Unterschied zwischen Bayer und dem VfB wider. Ohne die ebenfalls eklatante spielerische Überlegenheit kleinreden zu wollen.

    • Mein ursprünglicher Text von gestern hatte folgenden Taktik intus “4-5-1 (4-2-3-1)”.

      Das ist tatsächlich die etwas genauere Umschreibung dessen, was auf dem Platz passiert ist.

      Zu Balitsch. Ich teile dein Gefühl für die Person und den Spieler. Ich fand ihn jetzt noch nicht überragend, weil ich das Mittelfeld als sehr homogen empfunden habe und neben ihm halt auch Vidal und Barnetta bswps. herausheben würde.

      Wichtig ist, dass es tatsächlich mehr Willen bei Bayer als beim VfB gab. Der Skymoderator erzählte ungefähr 100 Mal, dass lediglich bei Kuzmanovic dieser Willen zu sehen sei und da muss ich ihm sogar Recht geben. Auf Leverkusener Seite waren da mehr Bissige dabei.

  2. …und in meinem Kommentar stand zunächst, dass nicht nur Balitsch stark gewesen, sondern das ganze Mittelfeld homogen aufgetreten sei.

    Man könnte meinen, wir hätten das selbe Spiel gesehen.

  3. Könnte man meinen ;)

    Der Kicker fand Balitsch durchschnittlich (3,0). Vidal und Barnetta besser, Renato schlechter.

    Das System ist in ein 4-1-4-1 aufgedröselt…. mhhh…

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