Spielverderber

Führen wir kurz auf was gut war gestern. Bayer ist in die KO-Phase der UEFA Champions League eingezogen. Man hat gute Chancen dies als Gruppenerster zu schaffen. Die Werkself hat gegen Chelsea 2:1 gewonnen und das nach einem 0:1 Rückstand. Der Siegtreffer fiel in der Nachspielzeit. Dutt hat mit Derdiyok einen Torschützen eingewechselt und auch Schürrle hat nach seiner Einwechslung für Belebung gesorgt. Der Trainer hat weiterhin Mut bewiesen und ein 3-5-2 spielen lassen. Mit Sidney Sam als Aushilfsverteidiger. Weiterhin dürfte der Sieg der Mannschaft und Dutt gut tun und vielleicht etwas Rückenwind geben.

Soweit dazu. Eine nicht allzu kleine Liste positiver Dinge des gestrigen Abends, aber ich will Spielverderber sein. Bayer hat gestern gegen einen mittelmäßigen Gegner gespielt. Viele Teams in der Bundesliga spielen in der Breite besser als Chelsea gestern. Natürlich haben die keinen Drogba vorne drin stehen, der mal eben aus wenig viel macht, aber spielerisch sind viele Bundesligateams ein gutes Stück weiter. Auch wenn das natürlich im Umkehrschluss nicht heißt, dass sie gegen Chelsea gewinnen. Ist das zu ketzerisch?

Bayer hat 30 Minuten solide gespielt. 15 Minuten unter Einfluss des Schiedsrichters und seiner Entscheidungen den Fluss verloren. Nach der Pause fiel direkt der Gegentreffer. Dann kam erstmal nicht viel. Erst ab der 60.Minute versuchte Bayer dann wieder mehr und erarbeitete sich einige Chancen. Sogar aus dem Spiel. In der 73.Minute der Ausgleich, danach wieder Chaos, da die Werkself zunächst immer noch mit drei nominellen Verteidigern aufgestellt ist. Bis zum Schluss hat Chelsea immer wieder Konterchancen und durchaus die Möglichkeit durch einen Treffer zum 1:2 zu kommen. Letztlich erledigt das dann Leverkusen nach einer Ecke in der Nachspielzeit. Da kann man auch mal von Glück sprechen.

Spielerisch war das über weite Strecken zu arm, was Leverkusen gezeigt hat. Sollte ein hochkarätiger Gegner im Achtelfinale warten, kann man ganz schnell die Koffer packen. Warum ist das so? In der letzten Spielzeit war sicherlich auch nicht alles Gold was Jupp Heynckes angefasst hat, aber es gab immer noch einen Akteur, der das Spiel entschieden hat, der eine Idee hatte und so einen Spieler gibt es im Moment in Leverkusen nicht. Und ich spreche nicht von Toren durch Manuel Friedrich nach einer Standardsituation in der Nachspielzeit.

Wie oft spielen sich die Leverkusener Bälle in den Rücken und sind überrascht wenn sie angespielt werden? Von flüssigen Kurzpass-Arien ist nichts zu sehen. Immer wieder muss das Spiel nach vorne abgebrochen werden, weil irgendein Pass unpräzise gespielt wird. Und was für ein Tempo im zentralen Mittelfeld? Je langsamer das Spiel wird, desto einfacher ist es für den Gegner zu reagieren. Leverkusen, oft auch in Person des Kapitäns spielt derart langsam, dass die gegnerischen Elf im Stehen zuschauen können, was da so auf dem Platz passiert.

Der Trainer hat sicherlich eine klare Vorstellung, wie das Spiel der Leverkusener aussieht. Er stellt die Mannschaft immerhin so ein, dass sie auch ein Spiel drehen können, dass sie beißen und kämpfen bis zur letzten Minute, aber eine Idee wie man mit dem spielerischen Potenzial der Leverkusener ein Spiel überlegen führt, gibt er ihnen nicht mit. Wo sind die einstudierten Laufwege, die Pässe in die Tiefe, Läufe bis zur Grundlinie und Flanken präzise in die Mitte? Vielleicht kommt das ja jetzt.

Vielleicht sind diese gedrehten Spiele, der Kampfgeist, die fehlende Schönspielerei, der Leithammel mit der Nasenmaske und dem losen Mundwerk genau das, was Bayer braucht, um sich nach allen Regeln der Kunst zusammenzuraufen. Nicht elf Freunde, elf Giftzwerge (Ruuuudi!) müsst ihr sein. (Volk ohne Raumdeckung)

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11 comments » Write a comment

  1. Diese 15 Minuten, in denen der Schiedsrichter auf einmal seine gelbe Karte in der Brusttasche gefunden hat, war mE ein Knackpunkt im Spiel. Man hat richtig gesehen, wie danach erstmal die Luft raus war. Das hat mich tierisch geärgert. Nicht mal unbedingt der Schiedsrichter (durch den nicht gegebenen Elfmeter für Chelsea waren wir quit), sondern vor allem, dass sich die Mannschaft durch sowas derart aus dem Tritt bringen lässt. Langsames, horizontales und auch noch unpräzises Passspiel im Mittelfeld, solange bis alle Räume dicht sind, ist echt Folter für jeden Freund guten Fußballs.

    Ich kann nur hoffen, dass dieser last-minute-Sieg wieder ein bisschen dazu beitragen konnte, das Selbstvertrauen der Mannschaft wieder zu restaurieren. Ich habe den Eindruck, dass es genau daran hapert. Sobald nur der geringste Störfaktor im Spiel ist – sei es durch Gegner, Schiedsrichter oder durch die Mannschaft selbst – bricht das ganze Team ein, das Spiel wird zögerlich und mutlos und alle Mann sind erstmal eine Viertelstunde damit beschäftigt, sich wieder halbwegs hochzuarbeiten.

    Wie auch immer: Achtelfinale ist ein wichtiger Schritt, gibt gutes Geld und mit ein bisschen Glück wirds sogar der Gruppensieg mit Aussicht auf einen machbaren Gegner. Und: Der Sieg gestern hat einfach mal wieder gut getan. Auch wenn Chelsea schwach gespielt hat, ist es doch was anderes, als ein Sieg gegen Kaiserslautern oder Wolfsburg. Hoffentlich kommt das auch so bei der Mannschaft an.

    • Sehe ich ganz ähnlich und bei aller Kritik habe ich mich natürlich tierisch über den Sieg gefreut. Ein Selbstläufer wird Genk übrigens nicht. Im TV kam das teilweise so über, als ob die 3 Punkte so oder so schon gegen Genk fest eingeplant sind!

    • Klar wird das kein Selbstläufer, aber in dieser Gruppe könnten die Chancen nicht besser stehen.

    • Hat eigentlich jemand das Spiel Valencia gegen Genk gestern gesehen? Was war da los?

  2. Bei aller ehrlichen Freude über den gestrigen Last-Minute-Sieg finde ich es ganz toll, dass Du die offensichtlichen Mängel im Spiel der Werkself nicht verklärst, sondern präzise beschreibst. So sachlich und ohne Schönfärberei, dass ich mich dem ohne Abstriche anschließen kann. Gerade wenn das emotionale Herzblut an der Bayer-Truppe hängt, darf man nicht alles durch eine Vereinsbrille sehen, muss die Schwachstellen benennen und muss immer wiederkehrende Fehler hinterfragen. Warum, z.B., sind, wie gestern auch wieder, gegnerische Spieler MIT Ball schneller als Bayer-Spieler , die in solchen Laufduellen regelmäßig abgehängt werden? Warum wird der Spielaufbau von hinten fast immer so verlangsamt, dass man dem Gegner gestattet, alle Räume dicht zu machen und fast jeder Pass nach vorne dann beim Gegner landet. Der daraus resultierende Gegenangriff ist regelmäßig brandgefährlich.
    Aber ich will jetzt nicht weiter meckern, denn heute dürfen wir uns endlich mal wieder von Herzen freuen.

  3. Natürlich war noch immer nicht alles perfekt, natürlich haben wir gegen ein Chelsea im Formtief (am Ende noch glücklich) gewonnen. Aber die Mentalität, sich trotz Rückstand nicht aufzugeben, alles zu geben und dann ein Spiel sogar (schon zum zweiten mal in der Gruppenphase) noch zu drehen, find ich schon sehr stark von der Mannschaft. Das hat man in der EL letzte Saison so nicht gesehen. Sicherlich dient die große internationale Bühne da auch noch als extra motivations Anschub.

    Den Schub aus dem Sieg muss man jetzt nur in die nächsten Bundesliga-Spiele mitnehmen, dort konzentriert auftreten und geschlossen als Mannschaft auftreten, gegen Genk noch den Gruppensieg erkämpfen – und dann würde die Hinrunde ja noch ein erfreuliches Ende nehmen.

  4. Die Mentalität stimmt und das finde ich ebenfalls bemerkenswert. Immerhin ist auch das Thema vom Tisch, dass da was zwischen Trainer und Mannschaft nicht stimmt. Wäre dem so, würde man bestimmt nicht so auftreten, auch wenn CL anfürsich schon immer ein Motivationsboost ist. Für die Bundesliga wünsche ich mir einfach mal einen schnörkellosen Sieg. Könnte mir vorstellen das Hertha BSC was dagegen hat.

  5. Pingback: Sind wir schon da? | bayer04blog

  6. Bei Spielverlagerung gibt es eine sehr schöne Zusammenfassung unserer Situation und wohin die Reise eigentlich gehen soll.

    Ich teile auch die dort geäußerte Prognose, dass wir uns gegen die konterstarke Hertha schwer tun werden.

  7. Habe ich gelesen. Hat mir gefallen, obwohl mir auch da der Sieg gestern noch als zu “toll” beschrieben wird ;)

    Hertha macht mir wirklich Sorgen. Könnte auch so wie gegen Schalke werden.

  8. Pingback: Sind wir schon da? | bayer04blogarchiv

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