Gesunde Trainerskepsis

Seit Bestehen dieses Blogs, also seit knapp 6 Jahren, war ich mir selten sicher bei einem Trainer.

Labbadia

Bruno Labbadia war chronologisch die Nummer 1 hier. Damals befand er sich auf Augenhöhe mit Jürgen Klopp, der gerade beim BVB angefangen hatte. Ein schönes Interview von den beiden gibt es hier.
Meine damalige Skepsis konnte man bei Nedsblog nach Labbadias Entlassung lesen.

Ein jüngerer, unerfahrener Zweitligatrainer in Leverkusen – ob das gut geht? Und warum jemand aus der zweiten Liga? Das hatte es in Leverkusen zuvor noch nicht gegeben, aber die Verantwortlichen schienen überzeugt gewesen zu sein. Es gab Sprüche, wie “Siegergen einimpfen”, “ich weiß, was es heißt Meister zu werden”, etc. Das hört man natürlich erst mal gern und schöpft ein wenig Hoffnung, aber eine gewisse Grundskepsis war da. Zudem gab es Äußerungen, die ein wenig nach Langeweile klangen, wie “Chancen realistisch einschätzen und irgendwo zwischen Platz 4 und Platz 8 landen”, dass ist dann wiederum nicht das, was man hören möchte

Nach Skibbe kam jemand der etwas mehr Außenwirkung haben sollte. Jemand mit Konzept und Plan für einen Umbruch. An diesem Umbruch und einigen anderen Dingen scheiterte er letzlich. Trotz Herbstmeisterschaft. Trotz DFB-Pokalfinale. Eine Saison aus der man wesentlich mehr hätte herausholen können.

Heynckes

Dann kam mein Favorit. Jupp Heynckes. Von den Bayern kurzfristig aus dem Ruhestand geholt, da das Projekt Klinsmann gescheitert war. Heynckes hatte nicht nur Lust auf nur 5 Spiele bei den Bayern, sondern auf zwei Spielzeiten bei Bayer.

Er hat alles, oder besser gesagt vieles erreicht. Er müsste sich das nicht antun, aber er will. Er scheint Spaß bekommen zu haben, mit jungen Leuten zu arbeiten, sie zu führen und ihnen taktische Ordnung beizubringen.
Das sind Argumente für Heynckes, denn daran mangelte es Leverkusen fast über die gesamte Saison. Mit noch weiteren Verpflichtungen im Endzwanziger-Bereich, könnte die Werkself eine schlagkräftige Truppe versammeln, die nicht nur schön spielt, sondern auch eine gewisse Konstanz an den Tag legt und eine Saison vernünftig zu Ende bringt. Kein auseinanderbrechendes, hadernes Team, dass den Trainer hasst. Solche Zustände kann ich mir bei Heynckes nicht vorstellen.

Heynckes hatte Erfahrung, wusste mit schwierigen Charakteren umzugehen und führte die Mannschaft zu Platz 4 und 2. Aber auch er schaffte es nicht, die Mannschaft zu einer Meisterschaft zu führen. Misstöne in den letzten Monaten seiner Karriere bei Bayer plus das lange Hinhalten in Sachen Vertrag verärgerten den ein oder anderen in Leverkusen. Schließlich ging er zu den Bayern, wo er zwei Jahre später seine Karriere mit dem Triple krönte.

Dutt

Es folgte Robin Dutt. Der Konzepttrainer. Meine Hoffnung war, dass er Bayer spielerisch voran bringen würde. Leider scheiterte er am Menschlichen. Selten brachte ein Trainer den Verein samt Fans, Mannschaft und Verantwortlichen so gegen sich auf, wie Dutt. Als Hurensohn wurde er im Stadion beschimpft. Es war alles andere als schön. Es erinnerte ein wenig an Labbadia.

Jetzt ist er weg. Der Konzepttrainer. Die Zukunft von Bayer Leverkusen. Überhäuft mit Vorschusslorbeeren, bleibt nun ein bitterer Nachgeschmack. Nicht weil Robin Dutt sich falsch verhalten hätte, sondern weil das Tagesgeschäft Bundesliga wieder mal ein Opfer gefunden hat. Das Opfer war Robin Dutt. Zuletzt ein Spielball des Vorstands, der Spieler, der Medien und der Fans. Er hätte vermutlich noch die Champions League erreichen können und doch hätten alle noch etwas zu bemängeln gehabt. Man hätte nach Dresden, dem Derby, Barcelona oder Michael Ballack gefragt.*

Lewandowski & Hyypiä

Er war der sechste Trainer in siebeneinhalb Jahren und nun kommen zwei Neue, die kein leichtes Erbe antreten. Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski, von denen man nur weiß, dass der eine unter Legende im englischen Fußballalmanach zu finden ist und der andere einen Trainerschein hat. Talent sollen auch andere gehabt haben und sind in Leverkusen gescheitert.*

Die beiden machten ihre Sache gut. Man konnte nicht allzu viel erwarten, doch die beiden übertrafen quasi jede Erwartung. Erst Rang 5 auf der Baustelle Dutt und dann Rang 3 in ihrer ersten und einzigen kompletten gemeinsamen Saison. Lediglich Lewandowskis Rückkehr in den Jugendbereich verwunderte etwas.

Hyypiä

Die Zweifel waren da und wurden am Ende bestätigt. Mehr dazu im vorherigen Text.

Lewandowski

Lewandowski erweckte ein totes Team, so formulierte es Bernd Leno am letzten Wochenende. 2:2 spielte man daheim gegen den BVB und erstmals seit langer Zeit, fand die Mannschaft wieder spielerische Möglichkeiten. Ich frage mich immer noch, warum die Mannschaft tot war und warum jemand wie Lewandowski sie wiederbeleben kann. Dabei zweifele ich nicht an Lewandowskis Fähigkeiten, sondern an der Einstellung der Mannschaft. Es wird ein Geheimnis bleiben.

Schmidt

Der Neue. Es erinnert mal wieder an Labbadia und Dutt. Aufstrebender jüngerer Trainer, der nach Leverkusen kommt. Ob das passt? Ich bin äußerst skeptisch. Die letzten Jahre ließen vermuten, dass in Leverkusen entweder nur Leute bestehen, die den Verein mitsamt Strukturen schon lange kennen oder die alt und erfahren sind und sich nicht mehr jeden Scheiß von Chefetage, Mannschaft und Publikum erzählen lassen. 6 Trainerwechsel in 6 Jahren sprechen nicht gerade dafür, dass man bei Bayer ein glückliches Händchen mit Trainern hat. Wichtig für ihn wird wohl sein, sowohl mit den Verantwortlichen bei Leverkusen klar zu kommen, als auch das immer schwierige Verhältnis zur Mannschaft zu managen. Sowohl bei Labbadia, als auch bei Dutt und nun vielleicht auch bei Hyypiä spielte die Mannschaft am Ende gegen den Trainer und präsentierte sich als launische Diva trotz großen Potenzials. Traurig.

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6 thoughts on “Gesunde Trainerskepsis

  1. ode says:

    Dein Text unterstreicht ein wenig meinen Eindruck. Es wird immer wieder von der Zukunft geredet und man hat ja auch eine tolle Nachwuchsarbeit. Aber irgendwann muss man auch mal dafür sorgen, dass man in der Zukunft ankommen kann. Dann sind wir halt 1-2 Jahre mal nicht international dabei. Aber irgendwann muss man einen Trainer auch mal arbeiten lassen. Klar ist, dass nicht jeder so durchstarten wird wie Klopp. Aber der einzige Verein, der sich so was eigentlich leisten kann ist der FC Bayern. Es wird Zeit den Spielern mal klar zu machen, dass sie nicht am längeren Hebel sitzen und einem Trainer auch mal die Gelegenheit gegeben wird, eine Mannschaft zu formen. Ob das Roger Schmidt sein kann? Jetzt sollte er es wohl sein…

    • Von wegen Klopp und durchstarten. Man muss sich ja einfach mal anschauen, auf welchen Plätzen Dortmund in den ersten beiden Jahren unter Klopp landete: 2008/09 nur sechster, 2009/10 fünfter. Und dann kam die Meisterschaft. Das zeigt doch sehr gut, dass man von einem neuen Trainer in der ersten Saison keine Wunder erwarten darf. Bei jeder normalen Mannschaft – wenn man nicht unbedingt FC Bayern heißt – braucht das alles Zeit. Der Trainer muss die Spieler mit seiner Spielweise vertraut machen, sie nach seinen Vorstellungen formen und/oder neue Spieler, die seinen Vorstellungen entsprechen, verpflichten und in die Mannschaft integrieren. Das heißt, man muss dem Trainer auch Zeit geben, das alles umzusetzen.

      Wenn es dann aber eben Spieler im Kader gibt, die dem Trainer diese Zeit nicht geben wollen (und das gibt es bei Bayer ja leider anscheinend), dann kann das nicht funktionieren. Gleiches gilt für die Verantwortlichen. Ich hoffe, dass das bei Roger Schmidt nicht so sein wird. Das man ihm Zeit geben wird, dass die Spieler das auch so sehen und bis zum Ende nach seinen Vorstellungen agieren. Ansonsten wird Schmidt wohl das gleiche Schicksal erleiden wie Labbadia und Dutt (auch wenn bei den beiden Trainern sicherlich noch andere Umstände zum Scheitern geführt haben).

  2. ode says:

    Nur zur Erklärung: Ich meinte, dass Klopp nach 2 Jahren dann auch wirklich durchgestartet ist. Es wird sicherlich nicht immer so sein, dass ein Trainer, wenn er nur lange genug Zeit bekommt, auch wirklich mehr erreicht, als man erwarten kann.

    Jemand, der das auch in kürzester Zeit zu schaffen scheint ist Streich. Ich denke, dessen Arbeitsweise wird immer so sein, dass er, wenn er gut arbeitet, am Ende der Saison 3-5 seiner wichtigsten Spieler verliert. Und jede Saison praktisch bei Null anfangen muss.

    Mich würde interessieren, ob Dutt auf lange Zeit, wirklich durchstarten kann. In Freiburg hat er gute Arbeit gemacht. Taktisch halte ich ihn für brilliant. Eine Frage, die ich mir seit seiner Kündigung bei uns stelle ist, ob er in 3-4 Jahren eine Mannschaft dauerhaft oben etablieren kann? Spielt Bremen in 2 Jahren wieder Championsleague?

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