Salary Cap im Fußball

Mit Argusaugen blickt derzeit die Bundesliga nach England. Mächtige ausländische Investoren kaufen sich in die Premier League ein und bieten für Spieler astronomische Beträge. Noch verhindert die “50+1″-Regelung ein ähnliches Vorgehen in Deutschland, doch im internationalen Vergleich geraten die Bundesliga-Vereine immer mehr ins Hintertreffen. Weder in der Champions-League, noch im UEFA-Cup spielen die Clubs noch eine große Rolle, stattdessen dominieren die groß kommerzialisierten europäischen Konkurrenten.

Da kommt die Meldung von David Triesman, dem Vorsitzenden des englischen Fußballverbands, gerade recht. Mit knapp vier Milliarden Euro seien die Vereine in England verschuldet, was die UEFA und natürlich auch diverse andere Funktionäre auf den Plan rief. Gehaltsobergrenzen sollen her. Nach Vorbild einiger nordamerikanischer Profiligen soll ein Salary Cap den Fußball von der Geldkrankheit gesunden. Das bedeutet, dass nur eine bestimmte festgelegte Summe für Gehälter investiert werden darf. Diese Summe kann dann zum Beispiel vom Gesamtumsatz abhängig sein.

Neben Michel Platini von der UEFA, meldete sich auch DFL-Chef Reinhard Rauball zu Wort, der eine einheitliche europäische Regelung wünscht. Doch Platini gab schon zu bedenken, dass in Europa eine Beschränkung von Gehältern nicht legal ist.

“Ich bin in solchen Dingen kein Experte”, sagt Platini, “ich weiß nur, dass es für den Fußball gut und wichtig wäre. Wir müssen Schritt für Schritt sehen, was wir machen können.” (SPOX)

Schon 1999 plante die UEFA eine Gehaltsobergrenze für Spieler, 2006 wagte Karl-Heinz Rummenigge einen weiteren Vorstoß.

Man muss mit einer solchen Maßnahme “den Abramowitschs dieser Welt Einhalt gebieten”, erklärte der frühere Nationalmannschafts-Kapitän und Boss von Rekordmeister Bayern München in einem Interview mit der Tageszeitung tz im Hinblick auf den russischen Geldgeber des englischen Meisters FC Chelsea.

“Ich habe da ein ganz klaren Vorschlag, den habe ich in Brüssel der EU-Kommission und auch der Uefa präsentiert. Der wird jetzt diskutiert. Ich hoffe, dass die Politiker diesen Salary Cap beschließen”, sagte Rummenigge: “Denn sonst geht der Fußball kaputt.” Er habe den Eindruck, “die Uefa steht voll dahinter. Ich würde sagen, 90 bis 95 Prozent aller Klubs auch”. (Handelsblatt)

Interessant, dass die Bundesliga bereits zur Gründung einen Gehaltsobergrenze hatte, die bei 1500 Mark lag. Michael Meier, der eine solche Vorgehensweise generell unterstützt, erklärte jedoch vor geraumer Zeit: “Einen Salary Cap hat es schon bei der Gründung der Bundesliga 1963 gegeben, und er wurde schon damals pausenlos überschritten.” (SPON)

Auch Schalkes und Hannovers Präsidenten Josef Schnusenberg und Martin Kind wünschen sich das neue Modell und unterstützen Rauballs Aussagen. Schnusenberg dazu im Merkur:

„Dieser Fußball-Kapitalismus frisst seine Fans“, klagt Schnusenberg. Der Briten-Wahn verzerre den europäischen Vereinsfußball. Grundsätzlich begrüßt der Boss der Königsblauen deshalb Gehaltsgrenzen. „Es wäre für uns schon deutlich leichter, wenn wir so über eine gewisse Grenze hinaus nicht mehr mit den Spielern verhandeln müssten.“ Schnusenberg will so eine Regel aber auf europäischer Ebene, keinesfalls nur national. Andernfalls befürchtet er einen Exodus von Bundesligaspielern ins Ausland. (Merkur)

In England dagegen lehnt man die Einführung eines Salary Caps eher ab. FA Chef Richard Scudamore sieht die Gefahr, dass der englische Fußball nicht mehr konkurrenzfähig ist:

“If you have a club on a £230 million turnover (Manchester United) or one on a £40 million turnover (Wigan), what is it fixed at? You couldn’t seriously fix the amount at 40 million for a club that can generate 230 million,” Scudamore told a British parliamentary group investigating soccer governance. “That would make us hugely uncompetitive with the rest of Europe and the rest of the world.” (Herald Tribune)

Triesman kritisiert dagegen die immer größere Verschuldung der Vereine, die eines Tages im Ruin der Liga endet:

Setting out the FA’s plans to become a stricter regulator for football and placing himself on a collision course with the Premier League, Lord Triesman attacked an industry that he said had run up £3bn of debt, speaking of the “very tangible dangers” for the game at a time of much uncertainty in global finance. (Guardian)

Man wird also sehen, ob es zu einer europäischen Einigung kommt. Generell erscheint ein Salary Cap-Modell sinnvoll und gut für den europäischen Fußball. Die Frage ist die Durchführbarkeit auf politischer Ebene, sowie die Unterstützung des Plans durch die Vereine, aber auch der Spieler. Schließlich geht es um ihre Gehälter, die dann neu verhandelt werden müssen. In Nordamerika führt das in schöner Regelmäßigkeit zu Streiks oder gar zu Ausfällen von Spielzeiten.

Über weitere Infos vor allem zur Durchführbarkeit auf politischer Ebene freue ich mich, genauso über eine allgemeine Diskussion über die Machbarkeit eines Salary Caps.

Weitere Links:

Press-Schlag

Unser Partner:

online sportwetten und beste Quoten bei William Hill

5 comments » Write a comment

  1. Ein ‘salary cap’ würde nur auf europäischer Ebene funktionieren. Weltweit wäre noch besser, ist aber auch (noch) unrealistischer. Europa würde auch mit einer Gehaltsobergrenze die bedeutendste Fußballbühne bleiben, selbst wenn dann vielleicht arabische oder japanische Vereine mehr zahlen.

    Allein mir fehlt der Glaube an eine europäische Einigung. Wenn ein oder zwei Länder ausscheren, wäre es wohl hinfällig, denn rechtlich dürften Sanktionen schwer durchsetzbar sein (ist aber nur meine Laienjuristen-Ansicht).

  2. Ein salary cap würde selbst weltweit nicht funktionieren. Wie soll das kontrolliert werden? Wer bestraft wen? Und vor allem: wer will so viel Bürokratie im Fußball?

    Es würden dann doch einfach die Werbeverträge der Spieler deutlich höher dotiert werden. Zufällig werden das dann die Sponsoren des jeweiligen Vereins sein….

    Lasst uns doch froh sein, eine wirtschaftlich gesunde Liga zu haben. Das wir damit derzeit eben mal nicht europäische Spitze sind, sollte man verschmerzen können. Jammern tun doch jetzt die zuerst, die diese exorbitanten Gehälter gezahlt haben und nun um ihre Existenz fürchten. Oder ein kleiner, sympathischer Club aus der bayrischen Landeshauptstadt, der mit dem Widerspruch des Stellenwertes national und international seit Jahren nicht klar kommt.

  3. Wegen “Wer bestraft wen”: Ich habe heute in der Süddeutschen einen interessanten Artikel gelesen, der sich auch mit dem «salary cap» beschäftigt, allerdings auf einer anderen Ebene, nämlich bei den Vertragsamateuren, die in Deutschland maximal 1500€ (als Fußballer) verdienen dürfen. Allerdings wird das laut SZ-Recherchen immer wieder umgangen, sei es durch mehrere Verträge mit dem gleichen Spieler oder durch gefälschte Rechnungen, die Angehörige des Spielers an den Verein stellen. Wichtig das Fazit: Dieses Vorgehen ist illegal, könnte also vor einem herkömmlichen Gericht verhandelt werden. Bei Amateur-Fußballern mag das vielleicht nicht unbedingt im öffentlichen Interesse liegen, aber bei millionenschweren Profis sieht es da meiner Meinung nach anders aus. Und: Wenn harte Richtlinien vorliegen (z.B. dank einer EU-Verordnung, die von den nationalen Regierungen umgesetzt werden muss), dann wird das Risiko für Profi-Klubs hoch sein, wenn man versucht, den «salary cap» zu umgehen.

  4. O.k. – angenommen es würde so verordnet und es ist durchsetzbar. Wird die Durchführbarkeit etwas an der Situation ändern? Sollten tatsächlich bspw. die Top 5% der Spieler gleich bezahlt werden? Und was würde das tatsächlich ändern?
    Als Leverkusen-Fan habe ich doch in den letzten Jahren erfahren, dass eben auch mit weniger Geld, einem interessante Ansatz und talentierten Leuten möglich ist, um die ersten fünf Plätze mit zu spielen (oder eben auch auf Platz sieben am letzten Spieltag zu fallen).
    Mir fehlt bisher der Grund für das deutsche Interesse an diesem Thema.

  5. Pingback: Links der Woche vom 9.1.-15.1.2009 - LetzterMannHält

Leave a Reply

Required fields are marked *.


You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>