»Wetten sind die größere Gefahr für den modernen Fußball« – Ronnie Reng im Gespräch

Ronald Reng ist spätestens seit dem »Traumhüter« jedem bibliophilen Fußballfan ein Begriff. Seit dem häuft er für jedes neue Werk massenhaft Preise an. Der breiten Masse wurde er durch die Robert-Enke-Biografie »Ein allzu kurzes Leben« bekannt, in der er nur ein Jahr nach des Torhüters viel zu frühem Ableben, dessen Karriere und seinen Kampf mit Depressionen beschreibt. Seit Juli ist seine Bundesliga-Chronik »Spieltage. Eine andere Geschichte der Bundesliga« auf dem Markt. Darin beschreibt Reng 50 Jahre Bundesliga am Spieler und Trainer Heinz Höher.

Die Nation feierte jüngst das 50-jährige Jubiläum der besten Liga der Welt. Die Bundesliga war passend dazu mit zwei Teams im Champions-League-Finale vertreten, Starspieler reißen sich um Verträge in der Liga und der Wundertrainer Pep Guardiola coacht nun den FC Bayern München. Ist der Hype berechtigt?

Ich weiß nicht, ob sie nun in Senegal oder Burma tatsächlich darauf warten, dass es Samstag, 15.30 Uhr, wird, um VfL Wolfsburg gegen VfB Stuttgart zu schauen. Aber der Fußball in der Bundesliga hat unverkennbar einen enormen Qualitätssprung gemacht. Vielleicht habe ich nicht die richtigen Kritierien, weil ich vor 17 Jahren aus Deutschland wegzog und erst seit einem Jahr wieder da bin, aber gemessen an dem letzten, was ich vor meiner Emigration 1996 sah, nämlich Eintracht Frankfurt unter Trainer Horst Ehrmantraut, ist der heutige Bundesliga doch ein klein wenig schneller, präziser und unterhaltsamer geworden. Da darf sich die Bundesliga schon mal feiern, und natürlich muss dann auch richtig übertrieben werden mit Ausdrücken wie »beste Liga«, »Starspieler«, »Wundertrainer«. Denn Feiern ist immer mit Übertreibung verbunden, oder hast Du schon mal in aller Bescheidenheit gefeiert?

Ich bin mir sicher, dass sich selbst Uli Hoeneß ab und an abends eine Flasche Schampus aufmacht und seinen Verein ganz still und leise feiert – wobei er im Moment wohl eher wenig Grund zur Freude hat. Glaubst du, dass diese prägende Figur Hoeneß vom hohen Sockel fällt und die Bundesliga verlässt?

Ich finde Hoeneß‘ menschliche Widersprüchlichkeit höchst faszinierend: Einerseits den Moralapostel der Nation spielen, andererseits selbst offenbar Steuern im großen Stil hinterziehen. Aber über Hoeneß quatschen sowieso schon viel zu viele Leute, da muss ich gewiss nicht auch noch anfangen. Ein Richter wird über ihn richten, und das ist auch gut so.

Auch Heinz Höher, Protagonist deines neuesten Werks »Spieltage – die andere Geschichte der Bundesliga« hat eben diese auf seine eigene Art geprägt. Wie kam es zu dieser alternativen Bundesliga-Chronik?

Er stand irgendwann in Barcelona vor meiner Wohnungstür, weil er meine Robert-Enke-Biographie gelesen hatte. Er betreut auch mit 75 als sportlicher Ziehvater den Profifußballer Juri Judt und fürchtete damals, vor zwei Jahren, Juri könnte wie Robi Enke an Depressionen leiden. Deshalb erhoffte er sich Rat von mir. So haben wir angefangen zu reden. Irgendwann hatte Herr Höher mir sein Leben erzählt: Kleinstadt-Star als Kapitän von Bayer 04 Leverkusen um 1960, später 20 Jahre Bundesligatrainer, hochintelligent und wortkarg, Fußballvisionär und Alkoholiker. Da kam mir der Gedanke: Mensch, wie wäre es, 50 Jahre Bundesliga am Leben eines Mannes, eines vermeintlich ganz normalem Bundesligaspielers und –trainers zu erzählen? Juri Judt hatte damals übrigens keine Depressionen. Er hatte nur keinen Bock auf Fußball, weil er beim 1. FC Nürnberg auf der Ersatzbank saß.

Höher erscheint im Buch als tragische Figur. Oft verkannt und missverstanden, mit vielen neuen Ideen, ein akribischer Arbeiter, aber verschlossen und menschlich nicht massenkompatibel. Was fehlte letztlich zur großen Trainerkarriere?

Er hatte schon eine mehr als ordentliche Trainerkarriere, Chef in gut 400 Bundesligaspielen bei Bochum, Duisburg, Düsseldorf, Nürnberg. Aber es stimmt, als junger Trainer in der Bundesliga war er einmal der Mann der Zukunft, und den Sprung zu den ganz großen Vereinen hat er nie gemacht. Ich glaube, ein Hauptgrund war ein ganz sympathischer: Er war ein bisschen bequem. Sehr schnell war er zufrieden mit dem, was er hatte, König von Bochum, Held in Nürnberg. Er bemühte sich nicht, unbedingt weiterzukommen. Schon alleine diese Umzüge, die bei Vereinswechseln nötig waren – wie er Umzüge hasste! Einmal ordnete er ein Trainingslager vor einem Freundschaftsspiel an, um sich so vor dem eigenen Umzug zu drücken. Seine Frau und Freunde musste dann die Möbel ohne ihn schleppen.

Höher packt einige für ihn sicherlich dunkle Kapitel aus seinem Leben aus. Spiel- und Alkoholsucht, aber auch der imaginäre Gesprächspartner Winzlinger sind Geschichten, die man nicht mal eben erzählt. Wie gehst du als Autor mit solch sensiblen Themen im Gespräch mit den Protagonisten um?

Heinz Höher ist 75, dieses Buch war auch eine Art Bilanz zu ziehen für ihn. Von daher hatte er kein Bedürfnis, Sachen zu verschweigen; im Gegenteil, er sah dieses Buch als Chance, bei seiner Familie und vielen Freunden durch schonungslose Offenheit Abbitte zu leistend für so manchen Fehltritt. Ich denke und hoffe: Wenn Du als Autor mit viel Empathie für den Protagonisten schreibst, kannst du auch seine Schattenseiten zeigen, ohne ihn bloß zu stellen.

Welche Geschichte in 50 Jahren Bundesliga hat dich wirklich überrascht?

Dass der Meidericher SV in gewisser Weise das Vorbild des heutigen, legendären FC Barcelona war: Wie heute Barca, holte Meiderich zu Bundesligabeginn 1963 seine Spieler fast ausschließlich aus der eigenen Jugendelf, gut 15 der 20 Profis kamen aus Mittel- oder Ober-Meiderich. Wo Barca das berühmten Jugendleistungszentrum La Masia vorweist, hatte der MSV allerdings nur den Wirt der Vereinsgaststätte. Der trainierte die A-Jugend.

Das Kapitel über den Bundesliga-Skandal fand ich persönlich besonders spannend, weil er vor meiner Zeit passierte und zeigt wie die Bundesliga mit kritischen Ereignissen damals umging. Welche kritischen Themen erwartet die Liga in den nächsten Jahren? Doping? Wettskandale? Und wie würde die DFL und der DFB reagieren?

Wetten sind die größere Gefahr für den modernen Fußball als Doping. Doping kommt natürlich auch im Fußball seit eh und je vor, allerdings nach meinen Recherchen in keinster Weise so flächendeckend oder systematisch wie in reinen Ausdauer- und Kraftsportarten. Das läuft im deutschen Fußball wohl eher auf der Ebene ab, dass hier und dort ein einzelner Fußballer einen Arzt kennt, der ihm zeigt, wie er die Regenerationszeit zwischen den Spielen verringern könnte. Aber einen Teamarzt, der die gesamte Mannschaft nach einem Dopingplan versorgt, gibt es nach meinen Wissen – das auf aufrichtige Privatgespräche mit etlichen Profis fußt – in der Bundesliga wohl nicht. Die Wettmanipulation dagegen ist so heikel, weil die Gauner zum Teil in irgendwelchen asiatischen Hinterzimmern sitzen, ihr Geld in illegalen Wettbüros setzen, und also auch nicht vom Frühwarnsystem der offiziellen Wettbüros erfasst werden. Und es braucht nur einen Abwehrspieler, der in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ein Stürmer, der in schlechten Kreisen verkehrt, um ein Spiel zu manipulieren.

Bist du an irgendeiner Stelle deiner Recherchen auf verschlossene Türen gestoßen?

Nein – ach, doch! Bei der Bayer AG! Ich wollte wissen, was ein Chemie-Ingenieur bei Bayer 1960 verdiente, um das damalige Fußballergehalt von Heinz Höher von 2000 Mark im Monat einordnen zu können. Und die Presseabteilung von Bayer verweigerte mir tatsächlich die Auskunft. Da sieht man mal, wie paranoid Presseabteilungen heutzutage sind. Ich weiß nicht, was sie befürchteten; dass ich irgendeinen Pseudo-Skandal lostreten wollte, »Bayer 04 zahlte Fußballern zu viel!«, oder so. Na ja, ich habe dann einfach meinen Vater gefragt: Der war auch Chemie-Ingenieur, zwar bei Hoechst, aber ich gehe davon aus, dass die Gehälter bei Hoechst und Bayer vergleichbar waren.

Dein Buch beschreibt auf wunderbare Art und Weise den Wandel der Medien und deren Aufbereitung der Liga. Michel Massing (The Next Bryk Thing) beschreibt den heutigen Zustand als O-Ton-Manie der Zunft. Siehst du das ähnlich und was hat sich positiv, deiner Meinung nach, verändert?

Die Sucht nach Fußballer-Zitaten ist in der Tat exzessiv, nicht nur im Fernsehen, auch in den Zeitungen: Ständig gibt es ganzseitige Interviews; vergleichbare lange Reportagen aber gibt es in den Sportteilen nie mehr. Warum räumen die Sportredakteure dem Wort der Fußballer so viel Raum ein? Sollten wir, die Schreiber, den Sport mit Worten nicht besser erklären können als die Sportler?

Das Aktuelle Sportstudio zeiht sich als roter Faden durch dein Werk. Kann die Sendung noch mit der Liga mithalten, was die Modernität angeht?

Das größte Problem des Aktuellen Sportstudios ist, dass es im Internetzeitalter auf dem Sendeplatz um 23 Uhr nicht mehr aktuell sein kann, aber per Vertrag mit der DFL noch einmal alle Bundesligaspiele zeigen muss, die alle schon längst auf Sky oder in der Sportschau gesehen haben. Das nimmt der Sendung von vorneherein die Chance, ein echtes, ein besonderes Hintergrundprogramm zu werden.

Du hast es gesagt, du warst 17 Jahre in Spanien, spielen die Medien dort ähnlich?

In Spanien gibt es den Aufregungsjournalismus noch einmal in anderen Dimensionen: Jeden Tag vier Sportzeitungen und im Fernsehen etliche Fußballtalkshows sorgen dafür, dass die journalistische Hysterie nie abnimmt. Da ist etwa Leo Messi nach zwei Spielen ohne Tor erloschen, fertig, dem Karriereende nahe, und nach dem nächsten Wundertor schon wieder der beste aller Zeit. Aber – vielleicht weil solch extremer Journalismus Gegenextreme provoziert – es gibt in Spanien auch die beste Fernseh-Sportsendung Europas: Informe Robinson, mit tiefgehenden Hintergrundstücken.

Zeit für unangenehme Fragen. Deine Werke erhalten inzwischen in schöner Regelmäßigkeit große Preise. Erst gestern wurde dir der NDR Kultur Sachbuchpreis verliehen. Welche Bedeutung haben solche Auszeichnungen?

Der NDR Kultur Preis für das beste Sachbuch des Jahres war schon ein Schocker: unter rund 50.000 Sachbüchern, die dieses Jahr wieder in Deutschland erscheinen, von all diesen klugen, intellektuellen, hochkulturellen Jury-Mitgliedern für ein Fußballbuch ausgezeichnet zu werden, war ja, na ja, nicht gerade zu erwarten. Man kann es allerdings auch so sehen: Nach diesem Preis kann es für mich als Schreiber nur noch bergab gehen.

Ronnie Reng wird am Donnerstag, den 14. November im Stadioneck in Leverkusen aus seinem Buch lesen. Tickets gibts hier.

Phantomtor-Betrachtungen

Ich hätte mir gewünscht, dass Stefan Kießling nach seinem Phantom-Tor einfach gesagt hätte, dass der Ball nicht drin war. Er wäre damit ein würdiger Nachfolger von Arne Larsen Ökland geworden, der einst ein ähnliches “Nicht-Tor” gegen die Bayern erzielte und danach den Schiedsrichter darauf aufmerksam machte (nachzulesen in diesem Machwerk, welches hoffentlich in den nächsten 2–3 Wochen erhältlich sein sollte). Leverkusen hätte weiter 1:0 geführt und vermutlich dennoch gewonnen. Bayer wäre für einige Stunden Tabellenführer gewesen und alle hätte ein wenig bewundernd nach Leverkusen geschaut, weil die Werkself immer noch oben mithält und auch solche eher durchschnittlichen Spiele gegen Hoffenheim gewinnt. Abgeklärt und souverän. Nun – es kam anders.

Vorne weg. Niemand, außer den betroffenen Personen weiß, was sie wirklich gesehen haben. Das Fernsehen schenkt uns Indizien, die uns jedoch keine absolute Gewissheit geben. Ich würde mir nie anmaßen aufgrund dieser Indizien über Menschen zu urteilen.

Nun kann man sagen, dass sich der Bayer-Fan da schön aus der Affäre zieht. Kann man und da habe ich kein Problem mit.

Ich hatte mir ja zu Beginn des Textes gewünscht, dass Stefan Kießling einfach hätte sagen sollen, dass der Ball nicht drin war. Leider gab es einige Punkte, die ihm das erschwert haben. Ich bin mir sicher, dass er gesehen hat, dass der Ball nicht drin war. Er dreht sich ab, rauft sich die Haare und plötzlich kommen alle Mitspieler zu ihm und gratulieren (deren Rolle lasse ich vorerst mal außen vor). Was tun? Ich hab doch gesehen, dass er daneben war? War er vielleicht doch im Tor? Hab ich mich getäuscht? Kein absolut abwegiger Gedanke, wenn man die Worte von Andreas Beck nach dem Spiel zu Hilfe nimmt. Der dachte genau das. Der war doch daneben, doch dann zappelt er im Netz. Na gut, dann habe ich mich eben verguckt.

Befindet man sich nun in dieser Phase, dass man Zweifel hat, wird man wohl kaum darauf kommen zum Schiedsrichter zu gehen und bitten das Tor annulieren zu lassen.

Nun zu den Mitspielern. Auch Reinartz dreht sich zunächst ab und ärgert sich. Auch Sam hebt die Arme um sich an den Kopf zu fassen, während Rolfes schon zum Ball läuft und ihn jubelnd noch mal ins Tor drischt. Wer von diesen Spieler hat nun mit Gewissheit gesehen, dass der Ball nicht drin war? Sam? Reinartz? Spekulation. Es hat bestimmt einer gesehen.

Nach der Szene ist Kießling beim Schiedsrichter und scheint nachzufragen, ob der Ball wirklich drin war. Da auch von Hoffenheimer Seite relativ wenig Proteste kamen und auch Brych und sein Team nichts gegenteiliges entdeckt hatten, entschied man sich fürs Tor. Fälschlicherweise.

Vielleicht hat das Ganze auch etwas Gutes. VIelleicht wird doch noch mal die Geschichte mit dem Hawkeye diskutiert. So ganz selten kommen diese Fehlentscheidungen ja nun doch nicht vor. Es wäre ein Piepen am Handgelenk, dass solche Aufreger vermeidet. Und natürlich lebt der Fußball von Aufregern, aber sicherlich nicht von Fehlentscheidungen.

Mein größtes Kompliment und Beileid gilt den Hoffenheimern, die nach der Partie sehr souverän reagiert haben. Allen voran Markus Gisdol. Bei den Reaktionen der Leverkusener bleiben Fragezeichen.

Bayern enttäuscht in Leverkusen

So wird man kein Meister. Nahezu 100 Prozent Ballbesitz, unzählige glasklare Chancen und dennoch nur ein Punkt. Dann trifft man doch mal und kassiert, weil man so unkonzentriert ist, direkt den Gegentreffer. Manuel Neuer mit einem unglaublichen Faux-Pas, der es dem Gegner aus Leverkusen mehr als leicht machte, zum Ausgleich zu kommen. Das bayrische Tiki-Taka wird spätestens dann verstummen, wenn die Konkurrenz mit Trompeten und Fanfaren vorbeizieht, weil Bayern München nur noch Unentschieden holt. Sie werden es noch schwer haben, wenn sie wirklich den Titel holen wollen.

Wielange Pep Guardiola noch die Fäden in München zieht, ist fraglich. Die Schönspielerei dürfte Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge in absehbarer Zeit in Rage versetzen. Matthias Sammer soll endlich auch intern Klartext geredet haben. Philipp Lahm mag zwar ordentlich im Mittelfeld gespielt haben, sein Fehlen auf der Außenverteidigerposition war aber spätestens beim Gegentreffer mehr als eklatant.

Die bayrische Misere ist natürlich auch eine deutsche Misere, denn die Leistungen im Verein werden sich auch auf die Nationalmannschaft übertragen. Und Jogi Löw hält ja standhaft an den bayrischen Stars fest. Wurde Thomas Müller einst WM-Torschützenkönig, trifft er heute das leere Tor nicht mehr. Manuel Neuers Fehler wird uns den WM-Titel kosten. Philipp Lahm wird sich seiner Position nicht mehr bewusst sein. Mario Götze ist in München so oder so nur Reserve und nur weil Toni Kroos mal im Verein trifft, heißt das nicht, dass er das auch in der Nationalmannschaft schaffen wird.

Es geht bergab. Wer sich so in Leverkusen präsentiert, muss sich fragen, ob eine Ligazugehörigkeit überhaupt noch Sinn macht. So zieht Bayern die beste Liga aller Zeiten nur in den Schmutz. Das mühsam erarbeitete Bild der grandiosen Liga wird in kürzester Zeit zerstört. Die Nationalmannschaft wird sich diesem Abwärtstrend abschließen.

Leverkusen dagegen hat überzeugt. Das eigene Spiel durchgezogen. Brilliert in einigen wenigen Momenten. Man hat dem Gegner die Schwächen aufgezeigt. Vielleicht werden die Bayern Leverkusen noch danken. Man wird sehen. Immerhin – da liegt die Hoffnung der Bayern-Fans – die Saison hat noch 26 Spieltage.

Rolfes nicht für die Nationalelf nominiert

Bundesliga

Eine wunderbare Situation, in der die Werkself da steckt. In der Tabelle steht man auf Rang 3. Die Über-Bayern und die Über-Dortmunder stehen nur einen Punkt vor den Leverkusenern. Und das nicht am ersten Spieltag, sondern am siebten. Die Konkurrenz um die Champions-League-Plätze rangiert schon sechs Punkte dahinter. Die angeblich härteste Konkurrenz aus Gladbach und Schalke liegt sogar acht bzw. zehn Punkte in Rückstand. In den letzten 15 Bundesligaspielen saisonübergreifend gab es 12 Siege, zwei Remis und nur eine Niederlage. An eine so gute Bilanz kann ich mich eigentlich schon gar nicht mehr erinnern.

Samstag gegen die Bayern

Samstag steht die zweite Härteprüfung der Woche an. Nach dem Sieg gegen Real Sociedad in der Champions League folgt nun Bayern München in der Liga. Ein Spiel, dass wenn alles nach Plan verläuft Leverkusen eigentlich keine Chance haben sollte. Bayern spielte derart überzeugend am Mittwoch gegen Manchester, dass auch Bayer kein Problem darstellen sollte. Eigentlich. Es sei denn die Werkself wächst über sich hinaus.

Dafür müsste Bernd Leno fehlerlos und in bester Form sein. Die Innenverteidigung sattelfest stehen und sich weder individuelle Fehler leisten, noch dumme Fouls an ungünstigen Orten. Die Außenverteidigung dürfen nicht nur in der Offensive glänzen, sondern müssen eng am Gegenspieler stehen. Das defensive Mittelfeld um Lars Bender, Stefan Reinartz und Simon Rolfes spielt einfach so weiter wie bisher. Der Triple-Sturm in welcher Aufstellung auch immer arbeitet defensiv mit und lässt gute Konterchancen nicht ungenutzt liegen.

Ja dann könnte es was geben am Samstag. Wenn Bayern dann zusätzlich vielleicht auch noch etwas schwächelt, ja dann ist was drin. Immerhin gab es in den vergangenen zwei Spielzeiten in vier Spielen zwei Siege. Also ran da.

Champions League

Chance genutzt, aber unnötig spannend gemacht. Eine gute erste Hälfte, eine schwache Phase in der zweiten. Dann neue Impulse von der Bank eingewechselt und noch gewonnen. Ungeahnte Qualitäten bei der Werkself, die den Ausgleich irgendwann weggesteckt hat und bis zum Ende an den Sieg geglaubt hat. Solche Spiele sind auch schon mal 4:1 verloren gegangen. Legt man gegen Donezk nach, stehen die Chancen gut, die Gruppe zu überstehen.

Spieler

Wie schon oben erwähnt, überzeugt derzeit vor allem das defensive Mittelfeld. Was Bender, Rolfes und Reinartz derzeit abliefern ist absolute Spitzenklasse. Sehr beeindrucken.

Leno hält in der Champions League mal wieder einen Elfer, hätte sich aber auch nicht wundern dürfen, wenn er nach dem Elfer mit Rot vom Platz gemusst hätte, was er später auch umumwunden zugibt. Den spanischen Ballholer nach dem Strafstoß reißt er am Hals zu Boden.

Stefan Kießling unter Jogi Löws Augen scheint nicht zu funktionieren und auch international will es noch nicht so richtig klappen. Gegen Real Sociedad mit ein paar guten Szenen, aber auch einigen “good-ol’-Kießling”-Verstolperern.

Nationalelf

Sidney Sam und Lars Bender dürfen. Stefan Kießling nicht. Für mich völlig ok. Die Gehampelei um Kießling darf bitte auch bald mal ein Ende haben. Das ist zwar bitter für ihn, aber wenn Löw einen Plan für seine Mannschaft hat und er damit Spiele gewinnt, muss auch kein Kießling zur Nationalmannschaft. Fertig.

Buch

Fahne

Nicht mehr lange und das Ding steht im Handel. Heute kam die Korrekturfahne per Post – der Veröffentlichung zu Oktober steht nichts im Wege.

Peters interpretiert Kamke – Der König Europas

Ich hab es herausgefordert. Nach der Krönung Franck Ribérys zu Europas Fußballer des Jahres bat ich Heinz Kamke den Rio-Reiser-Klassiker “König von Deutschland” umzudichten. Der zierte sich zunächst, um dann seinerseits eine Zurschaustellung seiner Zeilen von mir einzufordern. Ich sollte singen. Das wollte ich euch aber dann doch nicht zumuten.

Jetzt muss nur Dembowski die Kurve kriegen und das nun alles in ein Showdown auf der Kugelbahn einflechten.

Mit fettem Dank an die Herren Kamke und Dembowski.

Das Fanprojekt Leverkusen – im Gespräch mit Stefan Thomé

Stefan Thomé arbeitet zusammen mit Daniela Frühling hauptamtlich für das Fanprojekt Leverkusen. Für das Buch “111 Gründe Bayer Leverkusen zu lieben”, habe ich mit Stefan über seine Arbeit, das Fanprojekt und den üblichen problematischen Themen unterhalten. Das ganze gibt einen kurzen Einblick in die Arbeit des Fanprojekts.

Stefan – beschreibe bitte kurz das Fanprojekt Leverkusen und ihre Entstehungsgeschichte.

Das Fanprojekt Leverkusen e.V. wurde 1996 auf Initiative von Bayer 04 Leverkusen als freier Träger der Jugendhilfe gegründet. Da wir damals die Fans schon bei der Renovierung und der Gestaltung des Fanhauses eingebunden haben, wurden wir schnell von den aktiven Fans als Anlauf- und Kontaktstelle angenommen und im Laufe der Jahre zu einem unverzichtbaren der Teil der Fanszene. Unsere Räumlichkeiten befinden sich in einem alten Wohnhaus in der Leverkusener Innenstadt, das im Laufe der Jahre mit weiteren Räumen ausgebaut wurde, in die dann die Fanbetreuung (die Fanbeauftragten) von Bayer 04 Leverkusen gezogen ist.

Wieviele Mitarbeiter betreuen das Fanprojekt? Gibt es neben Daniela Frühling und dir noch Ehrenamtler?

Zur Zeit verfügen wir über zwei hauptamtliche Mitarbeiter, sowie zwei Honorarkräfte, die auf 400 Euro-Basis ab und zu unterstützend tätig sind sowie über den ein oder anderen Ehrenamtler. Es dauerte – trotz der Vorgaben im Nationalen Konzept für Sport und Sicherheit – ganze 15 Jahre bis das Fanprojekt Leverkusen um eine zweite hauptamtliche Stelle ergänzt wurde.

Welcher Bezug besteht genau zum Verein? Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Verein?

Alleine schon durch die räumliche Nähe zur Fanbetreuung von Bayer 04 Leverkusen ist ein guter Kontakt zum Verein gewährleistet. Dazu gehören z.B. der regelmäßige Austausch mit den Fanbeauftragten, dem Sicherheitsbeauftragten oder auch der Geschäftsführung. Ebenso wie die Teilnahme am Fanbeirat, an Fanclubtreffen, an den Kurvengesprächen sowie bei vielen Gesprächen rund um die Fans bei Bayer 04. Desweiteren unterstützt uns Bayer 04 Leverkusen immer wieder auch finanziell, in dem ab und zu Kosten unserer Arbeit übernommen werden. Trotzdem arbeiten wir natürlich als unabhängige Einrichtung und verdeutlichen dies immer wieder nach außen.

Wo liegen eure Hauptaufgaben?

Ganz klar in der präventiven Arbeit mit den jüngeren Fans. Dazu gehören gewaltpräventive Angebote, die Arbeit gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, unsere offene Jugendarbeit und die Beratung und Vermittlung bei Problemen. Dazu kommen Freizeitangebote die oft über den Fußball hinaus gehen sowie Vorträge und soziale Gruppentrainings an Schulen oder anderen Jugendeinrichtungen. Hauptaugenmerk werfen wir auf die Beziehungs- und Vertrauensarbeit mit den Fans, denn das ist die Grundlage jeglicher sozialpädagogischer Arbeit mit jungen Menschen.

Welche Angebote bietet ihr an?

In der Woche ist das in erster Linie unser Offener Treff mit immer wieder wechselnden Angeboten im Fanhaus. Das funktioniert in der Praxis wie jedes andere Jugendhaus. Im Rahmen dessen sind wir auch für unsere Einzelfallarbeit ansprechbar und fungieren hier als Berater und Vermittler. Während unserer Präsenz bei den Heim- und Auswärtsspielen halten wir uns unter unseren Fans auf. Hier sehen wir uns in erster Linie als Ansprechpartner und Vermittler für die Interessen unserer Fans, doch auch gegenüber der Ordnerdienste und der Polizei (das im Rahmen des Möglichen) bieten wir unsere Unterstützung an und sind somit am Spieltag deeskalierend im Einsatz.

Gibt es Projekte, die besonders herausragend sind oder wo ihr Vorreiter in der Liga seid?

Hier kann ich das Bewährungskonzept bei Stadionverboten nennen, welches ich im Jahr 2000 ins Leben gerufen habe (hier geht’s nur ums Stadionverbot und wendet sich in erster Linie an „Ersttäter“, d.h. junge Fans die zum ersten Mal auffällig geworden sind). Hier haben Fans die Möglichkeit die Länge ihres Stadionverbots durch regelmäßigen Kontakt mit uns und durch Ableisten von Sozialstunden (20 Stunden in einer sozialen Einrichtung, kann von den Fans selbst ausgesucht werden) zu verkürzen. In ähnlicher Form greifen solche Konzepte mittlerweile auch an vielen anderen Standorten.

Wo gibt es Probleme und wie begegnet ihr diesen?

Probleme gibt es immer wieder in den unterschiedlichsten Bereichen. Im Gegensatz zu den Problemen mit den Fans, die oft mit der persönlichen Entwicklung des Einzelnen zu tun haben, aber auch gesellschaftsbedingt zu begründen sind, sind die unterschiedlichen Sicht- und Handlungsweisen von anderen Institutionen rund um den Fußball die aufreibenderen Probleme (Polizei, Ordnerdienst, Verein… man hat halt andere Sichtweisen mit den Fans und den Problemen umzugehen, obwohl wir mit unserer Polizei in Leverkusen eine relativ gute „Zusammenarbeit“ haben). Hier versuchen wir immer wieder unsere Sicht zu begründen und im Sinne der Jugendlichen anzubringen. Da heißt es immer wieder dran zu bleiben und Überzeugungsarbeit zu leisten.

Gibt es da von irgendeiner Seite (Verein, Polizei) Lösungsvorschläge oder seid ihr da im Dialog?

Wir sind im Dialog, der oft mühsam ist.

Wie würdest du die Fankultur in Leverkusen beschreiben? Wie die Ultrakultur? Wo siehst du Probleme und wo Chancen? Wie könnt ihr unterstützen?

Unsere Fankultur unterscheidet sich nicht großartig von der anderer Vereine. Die Zeiten, dass man über Leverkusen geschmunzelt hat sind längst vorbei. Es gibt die unterschiedlichsten Fangruppierungen, ca. 300 Fanclubs, davon viele in ganz Deutschland verstreut, einen gute Nordkurve mit 6000 Fans (davon 3000 Stehplätzen) bei den Heimspielen, einen auch zahlenmäßigen guten Auswärtssupport und natürlich auch eine aktive Ultra-Szene, die hauptsächlich die Stimmung in der Kurve vorgibt. Wir profitieren davon, dass wir diese Entwicklung in den ganzen Jahren mitgemacht haben und kennen so viele unsere Fans persönlich und haben sie über Jahre hinweg in ihrem Fanleben begleitet.

Wie begegnet ihr den Themen Gewalt im Stadion, Polizei im Stadion, Homophobie und Fußball, Ausländerfeindlichkeit?

Hier hat sich zum Glück viel getan in den letzten Jahren. Im Gegensatz zu dem Bild was die Medien gerne verbreiten, sind die Probleme in all diesen Bereichen zurückgegangen. Wir beobachten z.B. bei uns in Leverkusen gerade beim Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit immer wieder selbstreinigende Effekte im Fanblock. Natürlich sehen wir auch immer wieder Probleme im jüngeren Umfeld der Ultras. Da wird oft die durchaus attraktive Bühne der Fußballspiele (gerade auch die Auswärtsspiele mit der Gruppe) dazu genutzt um über das normale Maß hinaus auf sich aufmerksam zu machen. Da wird dann schon mal randaliert oder auch ein Schal abgezockt. Da fehlt dann auch bei einigen einfach jegliches Schuldbewusstsein. Dazu kommt dann auch oft unverhältnismäßiges Vorgehen der Polizei, was deren Feindbild natürlich nicht abschwächt. Hier solidarisieren sich die Ultragruppen immer öfter und gehen gegen die Polizei vor. Trotz der verhältnismäßig guten Annäherung in den letzten Jahren schafft es die Polizei immer wieder einen Keil in das Verhältnis zu schlagen, was dann aber auch oft genug dankend von einigen radikaleren Fans angenommen wird. Kein einfaches Thema.

Bist du/ seid ihr selber Fan der Werkself?

Aber klar doch. Ich gehe seit 1978, da war ich 15, ins Stadion und hab damals schon den Aufstieg mitgemacht. Nie als aktiver Fan, aber immer dabei. Und bei Daniela ist es ähnlich. Sie ist immer wieder mit ihrem Vater zum Bayer gegangen und so natürlich als Leverkusenerin mit dem Herzen dabei.

Boatengloses Fazit

Es sind Spiele, die mich furchtbar wurmen. Bayer verliert auf Schalke mit 0:2 und es ist weniger die Tatsache, dass man verloren hat, sondern eher das wie man verloren hat. Ich kann Niederlagen sehr gut akzeptieren, wenn der Gegner eindeutig besser war, wenn man alles gegeben hat und es nicht gereicht hat. Das kommt vor. Immerhin. Leverkusen ist mit drei Siegen in die Saison gestartet – da kann man doch mal verlieren.

Kann man – ich hab mich trotzdem geärgert. Das liegt vor allem daran, wie die Tore gefallen sind. Dem 0:1 ging ein unsägliches Handspiel von Ömer Toprak voraus, der im Zweikampf mit Adam Szalai schlecht aussieht, ins Stolpern gerät und wohl meint, dass wenn er fällt und den Ball in die Hand nimmt, er schon das Foul und den Freistoß bekommt. Gagelmann ließ sich darauf nicht ein. Völlig zurecht. Der Rest ist bekannt. Freistoß Farfan in die gefährliche Zone, Höger verlängert minimal mit der Schulter. Leno ohne Chance.

Das Handspiel war blöd. Noch blöder war, dass Emir Spahic im Zweifelsfall Adam Szalai auch noch hätte ablaufen können. Die absolute Notwendigkeit zu so einer Reaktion von Toprak war nicht gegeben.

Das Fatale ist, dass es bis zu dieser Situation gar nicht so schlecht aussah mit dem Bayer-Spiel und es danach völlig am Boden lag. Schalke spielte gut und kompakt, machte die Räume eng und ließ Sam, Son und Co. nicht zur Entfaltung kommen. Sehr zum Ärger von Stefan Kießling, der gestern völlig aus dem Spiel genommen wurde.

Das zweite Tor ist geschenkt. Spahic etwas übermotiviert im Zweikampf im Strafraum. Der Elfmeter berechtigt. Die Vollstreckung von Farfan sicher. Das Spiel war eh schon vorher gelaufen. Das Gefühl sagte mir, dass man noch 120 Minuten mehr hätte spielen können und am Ende hätte doch eher Schalke getroffen.

Man merkt es schon. Solche Niederlagen nehm ich sehr persönlich. Ich sitze 90 Minuten da, fiebere mit und auf dem Platz fällt nicht ein Groschen.

Nunja. Heute ist der Ärger etwas verraucht. Die Niederlage wird relativiert. Es folgen zwei Wochen (Länderspiel-)Pause und Verein und Trainer haben gesehen, wo es noch hapert und wo es noch Probleme gibt. Die Identifizierung überlass ich euch und den Verantwortlichen. Ist doch auch schön.