»Wetten sind die größere Gefahr für den modernen Fußball« – Ronnie Reng im Gespräch

Ronald Reng ist spätestens seit dem »Traumhüter« jedem bibliophilen Fußballfan ein Begriff. Seit dem häuft er für jedes neue Werk massenhaft Preise an. Der breiten Masse wurde er durch die Robert-Enke-Biografie »Ein allzu kurzes Leben« bekannt, in der er nur ein Jahr nach des Torhüters viel zu frühem Ableben, dessen Karriere und seinen Kampf mit Depressionen beschreibt. Seit Juli ist seine Bundesliga-Chronik »Spieltage. Eine andere Geschichte der Bundesliga« auf dem Markt. Darin beschreibt Reng 50 Jahre Bundesliga am Spieler und Trainer Heinz Höher.

Die Nation feierte jüngst das 50-jährige Jubiläum der besten Liga der Welt. Die Bundesliga war passend dazu mit zwei Teams im Champions-League-Finale vertreten, Starspieler reißen sich um Verträge in der Liga und der Wundertrainer Pep Guardiola coacht nun den FC Bayern München. Ist der Hype berechtigt?

Ich weiß nicht, ob sie nun in Senegal oder Burma tatsächlich darauf warten, dass es Samstag, 15.30 Uhr, wird, um VfL Wolfsburg gegen VfB Stuttgart zu schauen. Aber der Fußball in der Bundesliga hat unverkennbar einen enormen Qualitätssprung gemacht. Vielleicht habe ich nicht die richtigen Kritierien, weil ich vor 17 Jahren aus Deutschland wegzog und erst seit einem Jahr wieder da bin, aber gemessen an dem letzten, was ich vor meiner Emigration 1996 sah, nämlich Eintracht Frankfurt unter Trainer Horst Ehrmantraut, ist der heutige Bundesliga doch ein klein wenig schneller, präziser und unterhaltsamer geworden. Da darf sich die Bundesliga schon mal feiern, und natürlich muss dann auch richtig übertrieben werden mit Ausdrücken wie »beste Liga«, »Starspieler«, »Wundertrainer«. Denn Feiern ist immer mit Übertreibung verbunden, oder hast Du schon mal in aller Bescheidenheit gefeiert?

Ich bin mir sicher, dass sich selbst Uli Hoeneß ab und an abends eine Flasche Schampus aufmacht und seinen Verein ganz still und leise feiert – wobei er im Moment wohl eher wenig Grund zur Freude hat. Glaubst du, dass diese prägende Figur Hoeneß vom hohen Sockel fällt und die Bundesliga verlässt?

Ich finde Hoeneß‘ menschliche Widersprüchlichkeit höchst faszinierend: Einerseits den Moralapostel der Nation spielen, andererseits selbst offenbar Steuern im großen Stil hinterziehen. Aber über Hoeneß quatschen sowieso schon viel zu viele Leute, da muss ich gewiss nicht auch noch anfangen. Ein Richter wird über ihn richten, und das ist auch gut so.

Auch Heinz Höher, Protagonist deines neuesten Werks »Spieltage – die andere Geschichte der Bundesliga« hat eben diese auf seine eigene Art geprägt. Wie kam es zu dieser alternativen Bundesliga-Chronik?

Er stand irgendwann in Barcelona vor meiner Wohnungstür, weil er meine Robert-Enke-Biographie gelesen hatte. Er betreut auch mit 75 als sportlicher Ziehvater den Profifußballer Juri Judt und fürchtete damals, vor zwei Jahren, Juri könnte wie Robi Enke an Depressionen leiden. Deshalb erhoffte er sich Rat von mir. So haben wir angefangen zu reden. Irgendwann hatte Herr Höher mir sein Leben erzählt: Kleinstadt-Star als Kapitän von Bayer 04 Leverkusen um 1960, später 20 Jahre Bundesligatrainer, hochintelligent und wortkarg, Fußballvisionär und Alkoholiker. Da kam mir der Gedanke: Mensch, wie wäre es, 50 Jahre Bundesliga am Leben eines Mannes, eines vermeintlich ganz normalem Bundesligaspielers und –trainers zu erzählen? Juri Judt hatte damals übrigens keine Depressionen. Er hatte nur keinen Bock auf Fußball, weil er beim 1. FC Nürnberg auf der Ersatzbank saß.

Höher erscheint im Buch als tragische Figur. Oft verkannt und missverstanden, mit vielen neuen Ideen, ein akribischer Arbeiter, aber verschlossen und menschlich nicht massenkompatibel. Was fehlte letztlich zur großen Trainerkarriere?

Er hatte schon eine mehr als ordentliche Trainerkarriere, Chef in gut 400 Bundesligaspielen bei Bochum, Duisburg, Düsseldorf, Nürnberg. Aber es stimmt, als junger Trainer in der Bundesliga war er einmal der Mann der Zukunft, und den Sprung zu den ganz großen Vereinen hat er nie gemacht. Ich glaube, ein Hauptgrund war ein ganz sympathischer: Er war ein bisschen bequem. Sehr schnell war er zufrieden mit dem, was er hatte, König von Bochum, Held in Nürnberg. Er bemühte sich nicht, unbedingt weiterzukommen. Schon alleine diese Umzüge, die bei Vereinswechseln nötig waren – wie er Umzüge hasste! Einmal ordnete er ein Trainingslager vor einem Freundschaftsspiel an, um sich so vor dem eigenen Umzug zu drücken. Seine Frau und Freunde musste dann die Möbel ohne ihn schleppen.

Höher packt einige für ihn sicherlich dunkle Kapitel aus seinem Leben aus. Spiel- und Alkoholsucht, aber auch der imaginäre Gesprächspartner Winzlinger sind Geschichten, die man nicht mal eben erzählt. Wie gehst du als Autor mit solch sensiblen Themen im Gespräch mit den Protagonisten um?

Heinz Höher ist 75, dieses Buch war auch eine Art Bilanz zu ziehen für ihn. Von daher hatte er kein Bedürfnis, Sachen zu verschweigen; im Gegenteil, er sah dieses Buch als Chance, bei seiner Familie und vielen Freunden durch schonungslose Offenheit Abbitte zu leistend für so manchen Fehltritt. Ich denke und hoffe: Wenn Du als Autor mit viel Empathie für den Protagonisten schreibst, kannst du auch seine Schattenseiten zeigen, ohne ihn bloß zu stellen.

Welche Geschichte in 50 Jahren Bundesliga hat dich wirklich überrascht?

Dass der Meidericher SV in gewisser Weise das Vorbild des heutigen, legendären FC Barcelona war: Wie heute Barca, holte Meiderich zu Bundesligabeginn 1963 seine Spieler fast ausschließlich aus der eigenen Jugendelf, gut 15 der 20 Profis kamen aus Mittel- oder Ober-Meiderich. Wo Barca das berühmten Jugendleistungszentrum La Masia vorweist, hatte der MSV allerdings nur den Wirt der Vereinsgaststätte. Der trainierte die A-Jugend.

Das Kapitel über den Bundesliga-Skandal fand ich persönlich besonders spannend, weil er vor meiner Zeit passierte und zeigt wie die Bundesliga mit kritischen Ereignissen damals umging. Welche kritischen Themen erwartet die Liga in den nächsten Jahren? Doping? Wettskandale? Und wie würde die DFL und der DFB reagieren?

Wetten sind die größere Gefahr für den modernen Fußball als Doping. Doping kommt natürlich auch im Fußball seit eh und je vor, allerdings nach meinen Recherchen in keinster Weise so flächendeckend oder systematisch wie in reinen Ausdauer- und Kraftsportarten. Das läuft im deutschen Fußball wohl eher auf der Ebene ab, dass hier und dort ein einzelner Fußballer einen Arzt kennt, der ihm zeigt, wie er die Regenerationszeit zwischen den Spielen verringern könnte. Aber einen Teamarzt, der die gesamte Mannschaft nach einem Dopingplan versorgt, gibt es nach meinen Wissen – das auf aufrichtige Privatgespräche mit etlichen Profis fußt – in der Bundesliga wohl nicht. Die Wettmanipulation dagegen ist so heikel, weil die Gauner zum Teil in irgendwelchen asiatischen Hinterzimmern sitzen, ihr Geld in illegalen Wettbüros setzen, und also auch nicht vom Frühwarnsystem der offiziellen Wettbüros erfasst werden. Und es braucht nur einen Abwehrspieler, der in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ein Stürmer, der in schlechten Kreisen verkehrt, um ein Spiel zu manipulieren.

Bist du an irgendeiner Stelle deiner Recherchen auf verschlossene Türen gestoßen?

Nein – ach, doch! Bei der Bayer AG! Ich wollte wissen, was ein Chemie-Ingenieur bei Bayer 1960 verdiente, um das damalige Fußballergehalt von Heinz Höher von 2000 Mark im Monat einordnen zu können. Und die Presseabteilung von Bayer verweigerte mir tatsächlich die Auskunft. Da sieht man mal, wie paranoid Presseabteilungen heutzutage sind. Ich weiß nicht, was sie befürchteten; dass ich irgendeinen Pseudo-Skandal lostreten wollte, »Bayer 04 zahlte Fußballern zu viel!«, oder so. Na ja, ich habe dann einfach meinen Vater gefragt: Der war auch Chemie-Ingenieur, zwar bei Hoechst, aber ich gehe davon aus, dass die Gehälter bei Hoechst und Bayer vergleichbar waren.

Dein Buch beschreibt auf wunderbare Art und Weise den Wandel der Medien und deren Aufbereitung der Liga. Michel Massing (The Next Bryk Thing) beschreibt den heutigen Zustand als O-Ton-Manie der Zunft. Siehst du das ähnlich und was hat sich positiv, deiner Meinung nach, verändert?

Die Sucht nach Fußballer-Zitaten ist in der Tat exzessiv, nicht nur im Fernsehen, auch in den Zeitungen: Ständig gibt es ganzseitige Interviews; vergleichbare lange Reportagen aber gibt es in den Sportteilen nie mehr. Warum räumen die Sportredakteure dem Wort der Fußballer so viel Raum ein? Sollten wir, die Schreiber, den Sport mit Worten nicht besser erklären können als die Sportler?

Das Aktuelle Sportstudio zeiht sich als roter Faden durch dein Werk. Kann die Sendung noch mit der Liga mithalten, was die Modernität angeht?

Das größte Problem des Aktuellen Sportstudios ist, dass es im Internetzeitalter auf dem Sendeplatz um 23 Uhr nicht mehr aktuell sein kann, aber per Vertrag mit der DFL noch einmal alle Bundesligaspiele zeigen muss, die alle schon längst auf Sky oder in der Sportschau gesehen haben. Das nimmt der Sendung von vorneherein die Chance, ein echtes, ein besonderes Hintergrundprogramm zu werden.

Du hast es gesagt, du warst 17 Jahre in Spanien, spielen die Medien dort ähnlich?

In Spanien gibt es den Aufregungsjournalismus noch einmal in anderen Dimensionen: Jeden Tag vier Sportzeitungen und im Fernsehen etliche Fußballtalkshows sorgen dafür, dass die journalistische Hysterie nie abnimmt. Da ist etwa Leo Messi nach zwei Spielen ohne Tor erloschen, fertig, dem Karriereende nahe, und nach dem nächsten Wundertor schon wieder der beste aller Zeit. Aber – vielleicht weil solch extremer Journalismus Gegenextreme provoziert – es gibt in Spanien auch die beste Fernseh-Sportsendung Europas: Informe Robinson, mit tiefgehenden Hintergrundstücken.

Zeit für unangenehme Fragen. Deine Werke erhalten inzwischen in schöner Regelmäßigkeit große Preise. Erst gestern wurde dir der NDR Kultur Sachbuchpreis verliehen. Welche Bedeutung haben solche Auszeichnungen?

Der NDR Kultur Preis für das beste Sachbuch des Jahres war schon ein Schocker: unter rund 50.000 Sachbüchern, die dieses Jahr wieder in Deutschland erscheinen, von all diesen klugen, intellektuellen, hochkulturellen Jury-Mitgliedern für ein Fußballbuch ausgezeichnet zu werden, war ja, na ja, nicht gerade zu erwarten. Man kann es allerdings auch so sehen: Nach diesem Preis kann es für mich als Schreiber nur noch bergab gehen.

Ronnie Reng wird am Donnerstag, den 14. November im Stadioneck in Leverkusen aus seinem Buch lesen. Tickets gibts hier.

Das Fanprojekt Leverkusen – im Gespräch mit Stefan Thomé

Stefan Thomé arbeitet zusammen mit Daniela Frühling hauptamtlich für das Fanprojekt Leverkusen. Für das Buch “111 Gründe Bayer Leverkusen zu lieben”, habe ich mit Stefan über seine Arbeit, das Fanprojekt und den üblichen problematischen Themen unterhalten. Das ganze gibt einen kurzen Einblick in die Arbeit des Fanprojekts.

Stefan – beschreibe bitte kurz das Fanprojekt Leverkusen und ihre Entstehungsgeschichte.

Das Fanprojekt Leverkusen e.V. wurde 1996 auf Initiative von Bayer 04 Leverkusen als freier Träger der Jugendhilfe gegründet. Da wir damals die Fans schon bei der Renovierung und der Gestaltung des Fanhauses eingebunden haben, wurden wir schnell von den aktiven Fans als Anlauf- und Kontaktstelle angenommen und im Laufe der Jahre zu einem unverzichtbaren der Teil der Fanszene. Unsere Räumlichkeiten befinden sich in einem alten Wohnhaus in der Leverkusener Innenstadt, das im Laufe der Jahre mit weiteren Räumen ausgebaut wurde, in die dann die Fanbetreuung (die Fanbeauftragten) von Bayer 04 Leverkusen gezogen ist.

Wieviele Mitarbeiter betreuen das Fanprojekt? Gibt es neben Daniela Frühling und dir noch Ehrenamtler?

Zur Zeit verfügen wir über zwei hauptamtliche Mitarbeiter, sowie zwei Honorarkräfte, die auf 400 Euro-Basis ab und zu unterstützend tätig sind sowie über den ein oder anderen Ehrenamtler. Es dauerte – trotz der Vorgaben im Nationalen Konzept für Sport und Sicherheit – ganze 15 Jahre bis das Fanprojekt Leverkusen um eine zweite hauptamtliche Stelle ergänzt wurde.

Welcher Bezug besteht genau zum Verein? Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Verein?

Alleine schon durch die räumliche Nähe zur Fanbetreuung von Bayer 04 Leverkusen ist ein guter Kontakt zum Verein gewährleistet. Dazu gehören z.B. der regelmäßige Austausch mit den Fanbeauftragten, dem Sicherheitsbeauftragten oder auch der Geschäftsführung. Ebenso wie die Teilnahme am Fanbeirat, an Fanclubtreffen, an den Kurvengesprächen sowie bei vielen Gesprächen rund um die Fans bei Bayer 04. Desweiteren unterstützt uns Bayer 04 Leverkusen immer wieder auch finanziell, in dem ab und zu Kosten unserer Arbeit übernommen werden. Trotzdem arbeiten wir natürlich als unabhängige Einrichtung und verdeutlichen dies immer wieder nach außen.

Wo liegen eure Hauptaufgaben?

Ganz klar in der präventiven Arbeit mit den jüngeren Fans. Dazu gehören gewaltpräventive Angebote, die Arbeit gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, unsere offene Jugendarbeit und die Beratung und Vermittlung bei Problemen. Dazu kommen Freizeitangebote die oft über den Fußball hinaus gehen sowie Vorträge und soziale Gruppentrainings an Schulen oder anderen Jugendeinrichtungen. Hauptaugenmerk werfen wir auf die Beziehungs- und Vertrauensarbeit mit den Fans, denn das ist die Grundlage jeglicher sozialpädagogischer Arbeit mit jungen Menschen.

Welche Angebote bietet ihr an?

In der Woche ist das in erster Linie unser Offener Treff mit immer wieder wechselnden Angeboten im Fanhaus. Das funktioniert in der Praxis wie jedes andere Jugendhaus. Im Rahmen dessen sind wir auch für unsere Einzelfallarbeit ansprechbar und fungieren hier als Berater und Vermittler. Während unserer Präsenz bei den Heim- und Auswärtsspielen halten wir uns unter unseren Fans auf. Hier sehen wir uns in erster Linie als Ansprechpartner und Vermittler für die Interessen unserer Fans, doch auch gegenüber der Ordnerdienste und der Polizei (das im Rahmen des Möglichen) bieten wir unsere Unterstützung an und sind somit am Spieltag deeskalierend im Einsatz.

Gibt es Projekte, die besonders herausragend sind oder wo ihr Vorreiter in der Liga seid?

Hier kann ich das Bewährungskonzept bei Stadionverboten nennen, welches ich im Jahr 2000 ins Leben gerufen habe (hier geht’s nur ums Stadionverbot und wendet sich in erster Linie an „Ersttäter“, d.h. junge Fans die zum ersten Mal auffällig geworden sind). Hier haben Fans die Möglichkeit die Länge ihres Stadionverbots durch regelmäßigen Kontakt mit uns und durch Ableisten von Sozialstunden (20 Stunden in einer sozialen Einrichtung, kann von den Fans selbst ausgesucht werden) zu verkürzen. In ähnlicher Form greifen solche Konzepte mittlerweile auch an vielen anderen Standorten.

Wo gibt es Probleme und wie begegnet ihr diesen?

Probleme gibt es immer wieder in den unterschiedlichsten Bereichen. Im Gegensatz zu den Problemen mit den Fans, die oft mit der persönlichen Entwicklung des Einzelnen zu tun haben, aber auch gesellschaftsbedingt zu begründen sind, sind die unterschiedlichen Sicht- und Handlungsweisen von anderen Institutionen rund um den Fußball die aufreibenderen Probleme (Polizei, Ordnerdienst, Verein… man hat halt andere Sichtweisen mit den Fans und den Problemen umzugehen, obwohl wir mit unserer Polizei in Leverkusen eine relativ gute „Zusammenarbeit“ haben). Hier versuchen wir immer wieder unsere Sicht zu begründen und im Sinne der Jugendlichen anzubringen. Da heißt es immer wieder dran zu bleiben und Überzeugungsarbeit zu leisten.

Gibt es da von irgendeiner Seite (Verein, Polizei) Lösungsvorschläge oder seid ihr da im Dialog?

Wir sind im Dialog, der oft mühsam ist.

Wie würdest du die Fankultur in Leverkusen beschreiben? Wie die Ultrakultur? Wo siehst du Probleme und wo Chancen? Wie könnt ihr unterstützen?

Unsere Fankultur unterscheidet sich nicht großartig von der anderer Vereine. Die Zeiten, dass man über Leverkusen geschmunzelt hat sind längst vorbei. Es gibt die unterschiedlichsten Fangruppierungen, ca. 300 Fanclubs, davon viele in ganz Deutschland verstreut, einen gute Nordkurve mit 6000 Fans (davon 3000 Stehplätzen) bei den Heimspielen, einen auch zahlenmäßigen guten Auswärtssupport und natürlich auch eine aktive Ultra-Szene, die hauptsächlich die Stimmung in der Kurve vorgibt. Wir profitieren davon, dass wir diese Entwicklung in den ganzen Jahren mitgemacht haben und kennen so viele unsere Fans persönlich und haben sie über Jahre hinweg in ihrem Fanleben begleitet.

Wie begegnet ihr den Themen Gewalt im Stadion, Polizei im Stadion, Homophobie und Fußball, Ausländerfeindlichkeit?

Hier hat sich zum Glück viel getan in den letzten Jahren. Im Gegensatz zu dem Bild was die Medien gerne verbreiten, sind die Probleme in all diesen Bereichen zurückgegangen. Wir beobachten z.B. bei uns in Leverkusen gerade beim Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit immer wieder selbstreinigende Effekte im Fanblock. Natürlich sehen wir auch immer wieder Probleme im jüngeren Umfeld der Ultras. Da wird oft die durchaus attraktive Bühne der Fußballspiele (gerade auch die Auswärtsspiele mit der Gruppe) dazu genutzt um über das normale Maß hinaus auf sich aufmerksam zu machen. Da wird dann schon mal randaliert oder auch ein Schal abgezockt. Da fehlt dann auch bei einigen einfach jegliches Schuldbewusstsein. Dazu kommt dann auch oft unverhältnismäßiges Vorgehen der Polizei, was deren Feindbild natürlich nicht abschwächt. Hier solidarisieren sich die Ultragruppen immer öfter und gehen gegen die Polizei vor. Trotz der verhältnismäßig guten Annäherung in den letzten Jahren schafft es die Polizei immer wieder einen Keil in das Verhältnis zu schlagen, was dann aber auch oft genug dankend von einigen radikaleren Fans angenommen wird. Kein einfaches Thema.

Bist du/ seid ihr selber Fan der Werkself?

Aber klar doch. Ich gehe seit 1978, da war ich 15, ins Stadion und hab damals schon den Aufstieg mitgemacht. Nie als aktiver Fan, aber immer dabei. Und bei Daniela ist es ähnlich. Sie ist immer wieder mit ihrem Vater zum Bayer gegangen und so natürlich als Leverkusenerin mit dem Herzen dabei.

Unterwegs mit Herbert Fischer-Solms, S02E04

Im vierten Teil unseres Interviews sprechen wir mit Herbert Fischer-Solms über gegenwärtige Probleme in der deutschen Dopingbekämpfung, schauen uns dabei aktuelle Fälle wie die UV-Blutbestrahlung in Erfurt oder die Aufarbeitung der Dopingpraktiken in Freiburg an. Die große Frage: Warum passiert so wenig?

Bitte beachten: Seit unserem Interview am 3. November gibt es im Fall Erfurt neue Entwicklungen. Die NADA ist mittlerweile nicht nur 10 Jahre alt (tada!), sondern Ende November doch vor den CAS gezogen.

Weiterführende Links
Dokumente: U.S. Postal Service Pro Cycling Team Investigation
Beitrag: NADA Finanzierung 2013 – Rettung in letzter Minute (Deutschlandfunk, 24.10.2012)
PM NADA, 2. November 2012: Fall Erfurt vor 2011 kein Regelverstoß
PM NADA, 26. November 2012: NADA zieht im Fall UV-Behandlung vor 2011 doch vor den CAS
Vierter Offener Brief, 17.6.2012 zur Dopingaffäre Erfurt
Abschlussbericht Freiburger Expertenkommission 2009
Dokumente und Diskussion in den Kommentaren zur Untersuchung in Freiburg auf jensweinreich.de
Blutgutachten Braumann Freiburg
• 13. Mai 2009: Live-Blog Badische-Zeitung von der PK der kleinen Untersuchungskommission der Uniklinik Freiburg, Doping-Abschlussbericht:
Bericht (.pdf) der Bundesregierung zur Evaluation des Gesetzes zur Verbesserung der Bekämpfung des Dopings im Sport
Website Doping-Staatsanwaltschaft München
Website Doping-Staatsanwaltschaft Freiburg

Für die Unterstützung des Projekt bedanken wir uns bei zahlreichen Spendern.

Tanja Walter
Sebastian Fiebrig
Fabian Fiedler
Frank Helmschrott
Malte Dudd
Florian Weber
Dominik Fischer
Andre Gierke
Daniel Drepper
Daniela Harth
Niclas Hellberg
Stefanie Barthold
Sebastian Baus

Außerdem Torsten Keßler, Christian Luther, Moritz Meyer, Moritz Metz, Ina Steinbach, Simon Hurtz, Ned Fuller, Karin Pickl, Heinz Kamke, Silya Schmidt, Martin Sattler, Lukas Wede, Christian Luther, David Wagener, Philipp Katzer, Anja Perkuhn und Ralf für Spenden unter 10 Euro (keine Website-Nennung) oder über 10 Euro (freie Spenden und DVD-Empfänger).

Gallery

Unterwegs mit Herbert Fischer-Solms, S02E02

Thema in der zweiten Episode ist die deutsch-deutsche Sportgeschichte und natürlich die Beantwortung der Frage, warum wir uns am Point Alpha getroffen haben.

Weiterführende Links:

Point Alpha

Radweg entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs

Michael Cramer MdEP

Zum Tod von Manfred Ewald (DDR-Sportchef)

Für die Unterstützung des Projekt bedanken wir uns bei zahlreichen Spendern.

Tanja Walter
Sebastian Fiebrig
Fabian Fiedler
Frank Helmschrott
Malte Dudd
Florian Weber
Dominik Fischer
Andre Gierke
Daniel Drepper
Daniela Harth
Niclas Hellberg
Stefanie Barthold
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Außerdem Torsten Keßler, Christian Luther, Moritz Meyer, Moritz Metz, Ina Steinbach, Simon Hurtz, Ned Fuller, Karin Pickl, Heinz Kamke, Silya Schmidt, Martin Sattler, Lukas Wede, Christian Luther, David Wagener, Philipp Katzer, Anja Perkuhn und Ralf für Spenden unter 10 Euro (keine Website-Nennung) oder über 10 Euro (freie Spenden und DVD-Empfänger).

Danke, danke, danke!

Folge #0 des Interviewprojekts

Mal wieder was anderes hier. Dem gemeinen Leser im Blog dürfte das bekannt vorkommen und inzwischen wird er sich wohl genervt abwenden, aber ich kann nicht anders. Seit einigen Monaten und fast schon Jahren rückt der Schwerpunkt hier immer mehr in Richtung bewegtes Bild. Ob das nun die Minutenandacht, die UEFA Champions League-Trophy-Tour-Begleitung war, oder der Fitzelkönig. Mit beruflichen Veränderungen kam für mich auch immer mehr der Gedanke einer echten Professionalisierung dieser Geschichten auf und da hilft nur üben, üben, üben.

Ein Blogbeitrag von Jonathan Sachse letztes Jahr kam da gerade recht. Er schrieb über seine Pläne für die nächsten Monate und da fiel auch das Stichwort Video. Flugs gemeldet, ein paar Telefonate und ein Treffen in Hannover später, stand fest, dass wir eine Interviewserie mit Journalisten starten wollen. Jonathan steuert Inhalte und ich den ganzen Technikkrams bei, was mir äußerst Recht war, da ich zuletzt oft beides probiert hatte und meist unglücklich am Ende war.

Ein Opfer für einen Dummy war auch bald gefunden. Daniel Drepper stellte sich netterweise als Testkandidat zur Verfügung. Ende Februar trafen wir ihn in Mainz bei feinstem Frühjahrswetter. Was dabei rausgekommen ist, gibts hier im Anschluss zu sehen. Es ist eine Art Betafolge, weil wir sie als Basis für einen Austausch mit euch nehmen wollen. Schaut euch den Clip an, lest euch den kompletten Eintrag durch und teilt uns sehr gerne eure Meinung mit.

Idee – Die Journalisten hinter den Geschichten

Ein großartiger Text, eine aufwändige Recherche. Unter dem Artikel lesen wir den Namen des Autors. Vielleicht kennen wir seine Spezialthemen oder erkennen als regelmäßiger Leser seines Mediums schon am Schreibstil den Verfasser. Doch viel mehr Informationen über den Urheber des Werkes bekommen wir in der Regel nicht.

In einer Zeit, in der die klassische Medien- und Ressortaufteilung an Kraft verliert, müssen die Autoren hinter den Werken ihr eigenes Profil schärfen. In einem zeitgemäßen Medium können die Veröffentlichungen eines Autors abonniert werden, wenn einem seine Themen gefallen. Ob via RSS, Facebook, Twitter oder durch neue Mechanismen. Ganz egal. Jedes Medium lebt von der Qualität seiner Autoren. Die Personalierung dieser guten Journalisten bringt Leserbindung. Leider geschieht dies noch viel zu selten.

In dieser Videoserie wollen wir den großartigen Journalisten unseres Landes ein Gesicht geben. In jeder Folge treffen wir uns mit einem Kollegen. Wir werden mit dieser Person spazieren gehen. Nicht irgendwo, sondern an einem für die Geschichten dieser Person typischen Ort. Dabei wechseln wir zwischen drei Perspektiven: Einem externen Blick auf das Gesprächsduo, dem Blick des Interviewers und der Perspektive des Gesprächspartners. Bei den Spaziergängen sprechen wir über die journalistischen Fachgebiete des Kollegen und die Recherche in diesen Themen. Zunächst konzentrieren wir uns auf die Kollegen aus dem Sportjournalismus. Andere Themensparten schließen wir aber nicht komplett aus.

Crowdsourcing – Wünsche äußern und mitgestalten

In der Folge 0 haben wir uns mit meinem befreundeten Kollegen Daniel Drepper in Mainz getroffen. Wir kommunizieren diese erste Folge noch als Betafolge, weil wir mit euch gemeinsam die Produktion optimieren wollen. Wie könnt ihr mitgestalten?

Gebt uns Feedback, einfach wild drauf los. Was sagt ihr zur Bildgestaltung? Zur grundsätzlichen idee? Welche Journalisten würdet ihr gerne in einer Folge sehen?
Und ganz wichtig – uns fehlt noch ein Name für die Serie. Habt ihr eine Idee?

Finanzierung – Reisekosten oder mehr

Wem unser Projekt gefällt, darf es natürlich auch gerne finanziell unterstützen. Wir werden für jede Folge reisen müssen. Sollte sich jemand finden, der ein Budget für die Deckelung dieser Reisekosten zur Verfügung stellt, wäre das ein dufter Anfang. Wer Interesse hat, kann Jonathan oder mich kontaktieren. Dann reden wir über die Details. Finanzspritzen via Flattr (Jens Peters, Jonathan Sachse) funktionieren natürlich weiterhin.

Fehlkalkulation

Einmal im Jahr sind Sport-Blogger auch im Print-Bereich ganz vorne mit dabei. Nämlich ganz vorne auf dem 11-Freunde-Bundesliga-Vorschau-Heft. In Form eines Bundesliga-Planers gepresst, der jedem Team der ersten Ligen einen Blogger zuordnet. Für Leverkusen war ich das und das bedeutete gleichzeitig, dass ich einen kleinen Fragebogen auszufüllen hatte, mit Fragen rund um die letzte und die kommende Saison. Da kann man dann mal so richtig sein Fußball-Fachwissen auspacken und sich ein Jahr später fragen, was man da für einen Mist geschrieben hat.

Auf die Frage, warum die neue Saison unvergesslich werden würde, antwortete ich, dass Bayern einen perfekten Fehlstart hinlegen würde [..] und am Ende [..] hinter Leverkusen steht. Solange man nicht darüber nachdenkt, was vor diesem Satz steht oder nach ihm oder in den eckigen Klammern, könnte ich demnächst in die Hellseher-Branche einsteigen.

Auf die Frage nach der Schlagzeile der Saison, hatte ich mir so etwas wie Ballack schießt Leverkusen zur Meisterschaft vorgestellt. Damit dürfte dann das Bewerbungsschreiben in der Kristallkugel-Industrie nicht mehr durchgehen. Auch der Meistertipp mit Bayern München ist mal so gar nicht in Erfüllung gegangen, was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. Und die Geschichte mit den drei Wünschen vergessen wir auch ganz schnell wieder. Immerhin war die Werkself ganz nah am Meisterwunsch dran.

Foto: (c) Breitnigge