Endlich

Ein kurzer Blick von mir nach Leverkusen, denn mit Wohlwollen beobachte ich, was derzeit dort passiert. Einen 4.Platz nach dem 10.Spieltag gab es schon häufiger in der Vereinsgeschichte. Siegesserien hielten schon wesentlich länger, aber was die Spieler dieser Tage an Einstellung auf dem Platz zeigen, habe ich schon Ewigkeiten nicht bewundern dürfen.

Ein Blick in die letzten 10 Spiele zeigt, dass man das ominöse Phlegma abgelegt hat. Natürlich ist die Werkself immer noch in der Lage sicher geglaubte Siege herzuschenken, aber was besonders begeistert ist, dass ein Gegentor nicht das Ende des Spiels bedeutet.

Heute das 1:1 kassiert, postwendet das 2:1 erzielt und am Ende 3:2 gegen Düsseldorf gewonnen. Unter der Woche DFB-Pokal in Bielefeld. 0:1 gefangen, nicht nachgelassen, dann das Spiel gedreht und am Ende noch glücklich in der Verlängerung gewonnen. Davor die Bayern 2:1 geschlagen, obwohl man das schwächere Team war und niemand mit dem Siegtor in den letzten Minuten gerechnet hat. Gegen Mainz und Stuttgart das bessere Team gewesen, aber 2:1 zurückgelegen und dennoch zum 2:2 gekommen. Genauso gegen Gladbach ein 0:1 immerhin noch in ein 1:1 verwandelt.

Vor einem halben Jahr wären viele dieser Spiele verloren gegangen. Jetzt nicht mehr und diese Entwicklung muss man nicht nur den Spielern zuschreiben, sondern auch dem Trainerteam. Das Trainerteam, dass mehr und mehr den Eindruck hinterlässt, dass es die Mannschaft sehr gut einstellt und ein flexibles Spielsystem entwickelt hat. Es macht wieder Spaß Fußball in Leverkusen zu schauen.

Ruf und Realität

Der Ruf, der einem vorauseilt, entspricht oft gar nicht der Realität. Gab es in der Vergangenheit ein prägendes Ereignis, so wird dieses immer wieder mit dir in Verbindung gebracht. Mit ein Grund wohl, warum derzeit niemand groß über Bayer Leverkusen spricht. Die Werkself ist 2. in der Tabelle und so gut, wie noch nie gestartet. Fünf Spiele, vier Siege und noch keine Niederlage. Der Ruf der Leverkusen vorauseilt ist folgender: 1. Die starten ja immer so gut und 2. spielen sie dann in der Rückrunde auf jeden Fall schlechter und versagen. Also schreiben wir erst ne große Story drüber, wenn Leverkusen am Ende der Saison vorne mit dabei ist und gegen Haching Gladbach ran muss.

Werfen wir doch einfach mal einen Blick auf die letzten zehn Spielzeiten inklusive der aktuellen. Wie schon erwähnt, so gut wie in diesem Jahr ist man noch nie in eine Bundesligasaison gestartet. Geht man davon aus, dass eine Saison positiv beginnt, wenn man mehr als die Hälfte der Spiele (3 von 5) gewinnt, dann fallen darunter nur die Spielzeiten 2001/2002 (11 Punkte) und 2003/2004 (12 Punkte), die man als 2. und 3. beendete, sowie die letzte Saison 2008/2009 (9 Punkte), die man als 9. abschloss. Vier von zehn Spielzeiten ist nicht gerade ein Beweis für den allgegenwärtigen Superstart, den die Werkself immer hinlegt. In den übrigen Jahren erreichte Leverkusen einen Punkteschnitt von 6,67 Punkten.

Nun zum Thema, dass die Pillendreher immer in der zweiten Saisonhälfte das Nervenflattern bekommen. Geht man rein nach Punkten, so wurden in den letzten neun Spielzeiten, drei Rückrunden besser als die Hinrunde absolviert, eine gleich gut und fünf Spielzeiten schlechter. Also kommt das Argument nicht von ungefähr. Zumeist bedeuteten die miesen Rückserien das Herausfallen aus dem internationalen Wettbewerb oder gar die Meisterschaft. Die drei besser gespielten Rückrunden bedeuteten aber auch, dass man sich aufgrund einer Leistungssteigerung gerade noch in den UEFA-Cup bugsierte.

Man darf auf jeden Fall gespannt sein, ob Jupp Heynckes es schafft, der Mannschaft eine psychische Stabilität einzuimpfen, dass man das bisherige durchaus ansprechende Niveau weiter halten kann.

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