Die Rückkehr der Lautsprecher

Michael Ballack ist gerade mal vier Wochen in Leverkusen und schon wandelt sich der Verein. Ein Spitzenspieler wurde verpflichtet, der es gewöhnt ist um Meisterschaften zu spielen, der es gewöhnt ist mit der Presse zu reden und der es gewöhnt ist, seine Meinung zu sagen. So verkündete Ballack bei seiner offiziellen Vorstellung, dass er zur Werkself gewechselt ist, um Meister zu werden. Ein durchaus legitimer Wunsch, aber unter dem Bayer-Kreuz ein skeptisch betrachtetes Anliegen.

Soweit zu Ballack, der ja auch immer noch um sein Kapitänsamt kämpft, dass ihm während der Weltmeisterschaft in Südafrika, ganz ohne eigenes Beitun, abhanden gekommen ist. Und da das Grundrauschen durch Ballack einfach lauter geworden ist, müssen auch die Offiziellen in Leverkusen um mehr Gehör kämpfen. Beispielsweise stellen sie sich jede Woche zwei Mal hinter Ballack. Ganz demonstrativ und ganz laut rufen sie es in die Runde. Der Mann ist ein verdienter Spieler und ihr werdet euch alle noch wundern. Kein Lex Ballack, was die Kapitänsbinde angeht, aber so kann man nicht mit unserem Spieler umgehen. Unserem Spieler – der Ballack spielt bei uns. Wir sind wieder wer.

Und weiter rauscht es im Verein und so wundert man sich auch über Jupp Heynckes. Ein wenig zumindestens. Ein Mann der leisen Töne in den letzten 12 Monaten. Über Meisterschaften redet er nicht, er schaut von Woche zu Woche und gibt objektive Analysen des bisher Geschehenen ab.  Ein etwas anderes Bild zeigte sich nun beim großen Presse-Termin im Trainingslager in Sankt Gallen. Dort sprach er mit diversen Medienvertretern über Ziele, Spieler und Trainingsmethoden. Die ein oder andere Ansage an das Team war dabei:

Heynckes: „Also erstmal muss man sehen, wer da alles zu den potenziellen Mittelfeldspielern in der Zentrale gezählt wird. Ich sehe Stefan Reinartz eher auf der Innenverteidiger-Position und er ist da oder eben doch im Mittelfeld gesetzt. Arturo Vidal ist polyvalent, er kann auch rechts und links in der Abwehr eingesetzt werden. Und das ich da, wie in der vergangenen Saison keine Alternativen mehr habe, passiert mir nicht mehr. Zudem müssen im Mittelfeld erstmal alle fit sein. Das heißt bei mir, dass sie 80 bis 100 Prozent abrufen können und nicht nur gesund sind. Was auch richtig gut ist, dass wir jetzt vier Stürmer haben. Das kann ganz entscheidend sein, wenn wir donnerstags und sonntags spielen.”

Reinartz gesetzt? Wow! Das ist mal eine vereinsinterne Ansage. Was sagen Hyypiä und Friedrich in der Innenverteidigung dazu? Was sagen Ballack und Rolfes im defensiven Mittelfeld? Vidal sieht Heynckes wohl als Allzweckwaffe und wird wohl auf der Außenposition in der Verteidigung zum Einsazu kommen. Fitness im Mittelfeld ist weiterhin ein Thema. Renato macht immer noch nicht alle Einheiten mit. Ballack und Rolfes sind irgendwo zwischen Spieltag 1-4 wieder eingeplant.

Heynckes: „Laufen kann jeder. Nur richtig Fußball spielen können nicht viele, vor allem nicht im Kollektiv. Eine gut funktionierende Mannschaft ist aber enorm wichtig, deshalb trainieren wir immer wieder Automatismen mit einem wettkampfnahen Training. Wenn wir den Ball haben, muss das Spielfeld breit und groß gemacht werden. Wenn der Gegner im Ballbesitz ist, muss das Spielfeld so eng wie möglich gemacht werden.

Keine Medizinbälle in Leverkusen und damit der Hieb in Richtung Magath und der Allzweck-Medien-Waffe Erfolg kommt über Kondition.

Was erwartet uns demnächst bei Bayer? Wird die Werkself wieder Gefechte über die Medien mit der Konkurrenz ausfechten? Kommt eine neue Zeit? Wird die Ära Calmund wiederbelebt?

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