Warum schweigt der DFB?

Spekulier. Spekulier. Spekulier.

In der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) herrschte bis zum frühen Freitagnachmittag Funkstille. DFB-Mediendirektor Harald Stenger hatte am Morgen angekündigt, “so schnell wie möglich” über die “medialen Abläufe” informieren zu wollen.

Das – ach so geheime – Geheimgespräch zwischen Löw und Ballack fand gestern statt. Heute sollte es die Ergebnisse geben. Bisher kam nichts. Weiß man nicht, wie man eine unpopuläre Entscheidung des Bundestrainers dem Volke mitteilen soll?

Vorschau: Bayer Leverkusen – VfL Wolfsburg

Betriebssport steht heute Abend an. Da legen die Leverkusener mal ihre Schutzbrillen ab und stellen Bunsenbrenner und Mikroskop beiseite, um gegen die, vom Förderband aus Wolfsburg zu zocken.  In der Fünfer-Liga spielt außerdem noch die russische Abordnung von Gazprom aus Gelsenkirchen, die Informatiker von SAP aus Hoffenheim und ein paar übrig gebliebene DDR-Jünger von Energie Cottbus. Das Energie zwar früher eine Betriebssportsgemeinschaft war, aber dies nichts mit dem städtischen Stromversorger in Cottbus zu tun hatte, haben die Offiziellen der Betriebssportgruppe “1.Bundesliga” übersehen.

Die Lage in der Liga ist noch relativ überschaubar. Erst drei Partien haben statt gefunden. Darunter ein 2:2 zwischen Schalke und Wolfsburg. Ein Hoffenheimer 3:0 in Cottbus und der Leverkusener 5:2-Sieg gegen die SAP’ler. Somit steht Leverkusen an der Spitze vor Hoffenheim, die jedoch ein Spiel mehr haben.

1. Bayer - 1 Spiel - 5:2 Tore - 3 Punkte
2. SAP - 2 Spiele - 5:5 Tore - 3 Punkte
3. Gazprom - 1 Spiel - 2:2 Tore - 1 Punkt
4. Volkswagen - 1 Spiel - 2:2 Tore - 1 Punkt
5. Energie - 1 Spiel - 0:3 Tore - 0 Punkte

Das heißt im Duell Bayer gegen Volkswagen geht es heute um die Verteidigung der Betriebssportliga-Tabellenführung.

In der ersten Fußball-Bundesliga dagegen heißt es für Leverkusen, mit einem Sieg gegen Wolfsburg die Spitze der Tabelle, zurück zu erobern. Das dies gelingt, davon sind die meisten Medienvertreter überzeugt. Man spricht vom neuen Bremen, davon dass die fehlende Dauerbelastung dazu führen könnte, dass man vielleicht sogar Meister wird. Dagegen ist man sich noch nicht ganz sicher, ob der VfL wirklich nach ganz oben gehört.

Im direkten Duell der beiden Mannschaften sieht es gut aus für den Werksclub. Elf Spiele gabs im Haberland-Stadion und in der BayArena. Acht Siege und drei Remis stehen für das Heimteam zu Buche. Für “Big Bruno” wäre ein Sieg, ein weiterer Erfolg gegen die Riege der Meistertrainer. Daum, Schaaf und von Veh standen ja schon auf der Abschussliste.

Personell gibt es keine Probleme bei Bayer. Barnetta dürfte wieder von Beginn an spielen, da wieder fit und Schwegler sich nicht gerade aufgedrängt hat. Auch wenn Labbadia den jüngeren Schweizer Schwegler erstmal stark geredet hat. Haggui wird erst nächste Woche an der Leiste operiert und steht heute noch im Kader. Simon Rolfes wurde heute übrigens viel zitiert. Die Zweitnutzung ist aus einem Interview im Kicker.

Wenn alles glatt läuft, gibt es das Spiel heute live gebloggt bei catenaccio.de!

Notenübersicht: Spieltag 10

Gute Noten für die Bayer-Profis, allen voran für Rene Adler, Manu Friedrich, Simon Rolfes und Arturo Vidal. Überraschender Weise keine Welt am Sonntag-Noten heute.

name - bild - kicker - sportal - schnitt
adler - 2 - 2,5 - 2,5 - 2,33
friedrich - 3 - 2 - 2,5 - 2,50
castro - 4 - 3,5 - 2,5 - 3,33
henrique - 3 - 2,5 - 3,5 - 3,00
kadlec - 3 - 2,5 - 3 - 2,83
rolfes - 3 - 2 - 2,5 - 2,50
renato augusto - 3 - 2,5 - 3,5 - 3,00
vidal - 2 - 3 - 2,5 - 2,50
schwegler - 4 - 4 - 4 - 4,00
kießling - 4 - 3 - 3 - 3,33
helmes - 4 - 3 - 3 - 3,33
barnetta - 4 - 3 3,50

Der Fall Gekas

Der Express bauscht es natürlich etwas auf, aber eins ist klar. Theofanis Gekas dürfte alles andere als glücklich mit seiner derzeitigen Situation in Leverkusen sein. In dieser Saison nicht ein einziger Einsatz von Beginn an, da kein Weg am gesetzten Sturmduo Helmes und Kießling vorbeiführt. Jüngst gab er einem griechischen Radiosender ein Interview, dass wohl teilweise fehlinterpretiert worden ist.

Dem griechischen Radiosender Sport FM soll der 28-Jährige ein pikantes Interview gegeben haben. Darin soll sich der Stürmer über sein Reservistendasein ausgeweint haben.

Er sähe sich als Opfer „eines Nationalismus“. Soll heißen: Trainer Bruno Labbadia bevorzuge bewusst deutsche Spieler. Gekas-Berater Paul Koutsoliakos zog bei Bekanntwerden des Zitas sofort die verbale Notbremse. Bezeichnete die Behauptung als „Unsinn“ und erklärte, dass es sich wohl um einen Übersetzungsfehler gehandelt haben müsse. Gegenüber den Bayer-Bossen habe Gekas die pikante Aussage heftig dementiert, heißt es bei Bayer. Er habe sich so niemals geäußert. (berichtet heute der Express)

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung präzisiert das ganze bereits gestern und gibt einige weniger populistische Interpretationsmöglichkeiten zum besten.

Gekas bezeichnet sich als Opfer „eines Nationalismus“, der allerdings nichts mit Rassismus zu tun habe. Er wolle den Klub in der Winterpause verlassen, wenn er weiterhin nicht (von Anfang an) spiele. Es ist bekannt, dass ausländische Bundesligaspieler sich in heimatlichen Medien drastischer äußern als in einem Land, dessen Sprache sie nicht beherrschen.

So könnte es auch bei Gekas gewesen sein. Sein Berater Paul Koutsoliakos schiebt die Schärfe in den Äußerungen seines Mandanten auf mangelnde Präzision in der Übersetzung. Natürlich sei Gekas „unzufrieden, weil er in Leverkusen noch nicht so zum Zuge gekommen ist, wie er sich das vorgestellt hat“. Dem Trainer nationalistische Motive zu unterstellen sei aber „lächerlich und unlogisch“. Warum sollte Labbadia, ein Mann mit italienischen Wurzeln, einen Griechen benachteiligen? So lautet die Argumentation, zumal Chilenen, Tschechen, Schweizer und Brasilianer der Startelf angehörten. Labbadia habe Gekas in einem Gespräch klar gemacht, warum er derzeit nicht von Anfang an spiele. (FAZ)

Was nun wahr ist, weiß keiner. Fakt ist, dass ein Konflikt auf der Bank schwelt. Würde Gekas zur Winterpause gehen, hätte die Werkself kaum adäquaten Ersatz. Ob Derdiyok dann aus der Schweiz käme ist fraglich, denn der Poker um den Spieler ist immer noch nicht beendet und einige andere Bundesligisten sind noch mit im Rennen. Mal sehen, wie gut sich die Bayer-Verantwortlichen im Krisenmanagement geben. Gekas ist nicht der einzige Dauerreservist, auch in den anderen Mannschaftsteilen gilt fast immer, einmal auf der Bank, immer auf der Bank.

Werder Bremen, Teil 1 (oder das böse Wort)

Heute musste ich es wieder lesen. Das böse Wort. “Titelaspirant!” Wer denkt sich denn sowas bitte aus? Nur weil die Werkself zwischenzeitlich mal an der Tabellenspitze steht? Weil wir von zehn Spielen, sieben gewonnen haben? Weil wir eigentlich alle neun hätten gewinnen müssen? Weil wir inzwischen selbst die schlechten Spiele gewinnen? Weil wir sogenannte Angstgegner bezwingen? Weil inzwischen nicht nur die Stürmer treffen? Weil wir bei Standards so gefährlich sind? Weil wir bis zur letzten Minute noch ein Tor schießen können?

ABER WIR SPRECHEN DOCH VON BAYER 04 LEVERKUSEN!

Ok, nehmen wir den kleinen Bruder des Medienhypes aus Hoffenheim mal zum Anlass über eine eventuelle Herbstmeisterschaft zu spekulieren. Nur mal so, Herbstmeisterschaft hat ja auch noch nichts zu bedeuten. Die Einzige in der Spielzeit 2001/2002 hat natürlich auch nur zum Vizetitel gereicht, aber naja. Champions-League wäre auch mal wieder was. Überhaupt. Internationaler Wettbewerb wäre doch ganz schön.

Sieben Spiele stehen noch aus. Darunter sind drei “Hochkaräter” – meine Definition des Begriffs “Hochkaräter” ist eher schwammig, irgendwas zwischen Titelabonnent und Kandidat für den internationalen Wettbewerb – gegen Wolfsburg daheim am Freitag, zwei Wochen später ebenfalls daheim gegen Schalke und dann nochmal zwei Wochen später, nochmal daheim gegen die Bayern. Nicht leicht, aber durchaus ein, zwei, drei Siege drin. Sprich – alles ist drin. Die restlichen vier Gegner fallen eher in die Kategorie “Das Abstiegsgespenst spielt mit”, nämlich Karlsruhe, Gladbach, Bielefeld und Cottbus. Also schauen wir doch bitte gar nicht nach links und rechts, sondern gewinnen einfach die nächsten sieben Partien und ich bin mir sicher, dass die Herbstmeisterschaft im Bereich des möglichen ist.

Zum Spiel gestern fällt mir wenig ein. Habe auch nur die Zusammenfassung gesehen. In der ersten Viertelstunde hätte man das Spiel schon verlieren können, dann gut ins Spiel gearbeitet. Adler mit ausgezeichneter Leistung, Friedrich und Vidal jeweils schon mit ihrem dritten Saisontor. Noch ein Wort zu Torsten Frings. Das war sehr wenig gestern, wenn man deine Leistung direkt, mit der von Simon Rolfes vergleicht. Sehr wenig.

Presseschau vom Bremen-Spiel

Heute in der Kürze der Zeit erst einmal die Presseschau des Bremen-Spiels. Mein Spieltag-Fazit folgt im Laufe des Tages.

Bayer Leverkusen lernt derzeit dazu, eine ganze Menge und schnell. Nach dem 2:0 am vergangenen Freitag gegen den 1.FC Köln hatte Trainer Bruno Labbadia gesagt, dass er stolz auf seine Mannschaft sei, weil sie ein von Kampf und Taktik geprägtes Spiel gewonnen habe, in dem sie ihre spielerische Überlegenheit nicht so recht hatte ausreizen können. Gestern Abend hat Bayer mit dem 2:0 (0:0) bei Werder Bremen nun einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft in der Bundesliga gemacht und dank der Tore von Arturo Vidal und Manuel Friedrich zumindest bis Mittwochabend die Tabellenführung übernommen. „Entscheidend war, dass wir gut in der Abwehr gestanden und kaum eine Torchance zugelassen haben“, sagte Bruno Labbadia. „Es besteht kein Grund zur Euphorie. Aber gegen ein kleines Stückchen davon haben wir nichts einzuwenden.“ Ganz anders war die Stimmung bei den Bremern, die nun seit sechs Pflichtspielen nicht gewonnen haben. „Das ist natürlich eine Krisensituation. Im Moment reicht das nicht aus“, sagte Manager Klaus Allofs nach Werders erster Heimniederlage in dieser Saison. (Tagesspiegel)

Es gibt ein gutes Argument dafür, dass Werder Bremen am 17. Mai 2008 mit einem 1:0-Sieg auswärts bei Bayer Leverkusen dafür gesorgt hat, dass Werder Bremen am 28. Oktober 2008 zu Hause gegen Bayer Leverkusen 0:2 verliert. Denn der Erfolg vor 164 Tagen sorgte sowohl dafür, dass Bremen zum fünften Mal in Folge die Champions League erreichte als auch dafür, dass Leverkusen jäh und unerwartet von Rang vier auf Platz sieben zurückfiel und selbst den Uefa-Cup verpasste. So kommt es im Herbst desselben Jahres, dass der Tabellenzehnte Werder Bremen mit acht Punkten Rückstand mental, physisch und personell bereits am Stock geht wie ein alter Opa, derweil Tabellenführer Bayer Leverkusen quicklebendig wie ein Teenager durch Deutschlands Fußballstadien zieht. (FR)

Bayer Leverkusen galt lange Zeit nicht gerade als Herzensfänger des deutschen Fußballs. Schon eher als Werksklub mit dem Charme eines Industrieviertels. Doch Dinge ändern sich, spätestens seit gestern steht fest, dass auch unter dem Bayer-Kreuz kuschelige Nestwärme herrschen kann. Der Bundesligaklub verlängerte den Vertrag mit dem rekonvaleszenten Nationalspieler Bernd Schneider bis 2010, obwohl der 36-Jährige bereits seit April wegen einer Bandscheibenoperation ausfällt und seine Rückkehr in den Leistungssport keineswegs als gesichert gilt.Doch nicht nur mit solch barmherzigen Gesten hat sich Bayer Leverkusen zuletzt viele Sympathien gesichert. Die Mannschaft von Bruno Labbadia spielt derzeit auch einfach wunderbar Fußball. Mit zielsicherer Offensive (22 Treffer in neun Spielen) und starker Abwehr (nur elf Gegentore) hat sich Leverkusen die beste Tordifferenz der Liga erspielt und nimmt verdientermaßen Platz zwei ein. (WELT)

Und nach einer Eingewöhnungszeit von etwa 20 Minuten kam das Kombinationsspiel dieser leichtfüßigen und technisch starken Mannschaft in Gang. Rolfes eroberte mit bemerkenswertem Zweikampfverhalten die Bälle, und wenn der Ball aus dem Mittelfeld mit einem Steilpass nach vorne geschickt wird – etwa von Renato Augusto -, lauern schon Helmes und Kießling, eines der besten Sturmpaare der Liga. Drei Mal näherte sich Bayer zwischen der 22. und 27. Minute gefährlich dem Bremer Tor, und nicht nur deshalb bekam man mehr und mehr den Eindruck, dass diese Mannschaft ihre Balance weit besser gefunden hat als die zunehmend unorganisiert wirkenden Bremer.

Die zweite Hälfte brachte den Beleg: Vor der grauen Folie des einfallslosen, biederen Werder-Spiels hoben sich die immer flotteren Bayer-Kombinationen deutlich ab. Schon Kießling verpasste in der 53. Minute knapp die Führung, auch Schwegler besaß eine gute Chance (66.). Es war nur eine Frage der Zeit, bis Leverkusen der Treffer gelingen würde. Als es so weit war, stimmten die begeisterten Leverkusener Fans das Lied vom „Spitzenreiter“ an. Da war sie dann doch, die Blitztabelle – nur eben akustisch. (FAZ)

Mit dem Treffer fielen auch die letzten taktischen Zwänge. Bremen erhöhte die Schlagzahl und Rosenberg hatte nur eine Minute nach dem Rückstand die Riesenmöglichkeit auf den Ausgleich, doch Adler konnte im letzten Moment die Fäuste hochreißen und das Erfolgserlebnis verhindern. Das hatte dann Manuel Friedrich auf der anderen Seite. Der stärker werdende Stefan Kießling sprang nach einer Ecke höher als die Bremer Defensive und sein Ball landete bei Kapitän Rolfes, der den Ball freistehend an den Pfosten schob – Friedrich sagte artig danke und versenkte den Ball aus fünf Metern im Netz. Das Spiel wurde nun endlich spannend und rassig. (Sportal)

Simon Rolfes gewann das heimliche Duell der beiden Sechser gegen Torsten Frings um Längen. Der Leverkusener war der Chef im umkämpften Raum dies- und jenseits der Mittellinie, fädelte einige Angriffe durch einen klugen ersten Pass nach vorne ein und leistete sich im Vergleich zum pomadig wirkenden Frings vor allem keine leichten Fehler.Lediglich 46 Prozent seiner Zweikämpfe gewann Frings, Rolfes dagegen 71 Prozent. Als Sahnehäubchen kam die unfreiwillige Torvorlage obendrauf, als Rolfes aus fünf Metern den Pfosten traf und Friedrich zur Vorentscheidung abstaubte. (SPOX)