Fan aus Mitleid

Steffi Lamm ist FC Union Berlin-Fan und schreibt für das Textilvergehen. Dort geht es um Union, aber auch immer wieder um Dinge, abseits des zukünftigen Zweitliga-Vereins. Steffi (nicht alleine) und die Haupt-, Neben-, und Anziehsachen ist das Motto beim Textilvergehen. Heute geht es um den Fan aus Mitleid. Mich! Und Dich!

“Laß uns mal was zusammen machen!” Wir eröffneten also diesen Twitter-Account, und eine der ersten Nachrichten, die dort ankamen, war von Jens.
Er führe fort, urlaube gar, bestünde denn Interesse … ?

Wie lange musste ich nachdenken, ob Interesse bestünde? Gar nicht. Hat außer mir noch jemand “Schmidt liest Proust” gelesen? Nein? Schade.
Aber hat auch nur marginal mit Fußball zu tun. Schmidt las also Proust und bloggte darüber. Jeden Tag. Ein halbes Jahr lang. Egal, wo er war.
Und für die beiden Tage, an denen es wirklich nicht ging, überzeugte er -man ahnt es bereits- Gastautoren. Richtiger: Gastautorinnen.
Und nicht irgendwelche, sondern Kathrin Passig und Annett Gröschner. Das Konzept leuchtete mir ein, und ich dachte: ich will sowas auch.

Ich habe Jens umgehend zugesagt, und aber auch: Du-hu? Je-hens? Du weißt schon, dass wir hier drüben alle Unioner sind, oder?
Und er so: Ja. Und ich so: Denn is ja gut.

Ich suche seitdem Gemeinsamkeiten.
Ich suche gründlich.

Und dann lese ich nochmal: Fan aus Mitleid. Das auswärtige Bestreiten von Heimspielen.
Ich nehme an, das Gelächter hat man bis nach … Düsselkusen … drüben gehört.

Wir sind die, für die es als Erfolg zählt, 2001 ein DFB-Pokalfinale gegen Schalke verloren zu haben.
Ich war noch nicht da, als Daniel Teixeira jene legendäre erste Saison spielte.
Ich kam, als Steffen Baumgart ging.
Ich war dabei, als Union aus der 2. Liga abstieg.
Eine Saison später auch aus der Regionalliga.
Ich habe an einer Oberligasaison in und um Berlin teilgenommen. Motor Eberswalde. MSV Neuruppin.
Ich habe den 1.FC Union Berlin gegen einen Verbandsligisten verlieren sehen. Im Elfmeterschießen, es war eine finstere und stürmische Nacht.
Ich stehe seit dem 2. August vergangenen Jahres in einem Stadion, dass ich nicht leiden kann und nenne das “Heimspiel”. (Ich spreche die Anführungszeichen allerdings mit.)

Fan aus Mitleid, ja?
Ich weiß Bescheid.

Es sind die Niederlagen, nicht die Erfolge, die man annehmen können muss.

Doping mit Bayer

Zillertal – Wie erst heute bekannt wurde, hat sich der in zwielichtigen Medizinerkreisen und bei Fußballdopingausschließern als “Lichtgestalt” gefeierte Blogger Jens P. entschlossen, einen auch in Fachkreisen nicht unumstrittenen Selbstversuch zu unternehmen: sein einwöchiges Projekt “Doping im Skisport – hat Bayer auf die richtigen Präparate gesetzt?” findet zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt; mit einer raschen Publikation der Ergebnisse wird gleichwohl gerechnet: P. habe intern angekündigt, die Doping-Hotline von Bayer Leverkusen jederzeit auf dem Laufenden zu halten, und dem Vernehmen nach soll auch über das Mikroblogsystem Twitter[1] die eine oder andere Vorabinformation nach außen dringen.

P. hatte zunächst versucht, das Projekt geheim zu halten. Zu diesem Zweck engagierte er einige Gastautoren, die das Erfolgsblog “Catenaccio” während der Projektlaufzeit befüllen und so seine Abwesenheit verschleiern sollten. Derzeit ist noch ungeklärt, aus dem Umfeld welchen Gastautors die folgenden Informationen über das Projekt durchgesickert sind:

Jens P. hat sich aus dem Hause Bayer, für das er -gegenteiligen Äußerungen (“aus Mitleid”) zum Trotz- seit Monaten als gut bezahlter Profiblogger die fußballerischen Bemühungen der Werksmannschaft begleitet, einen Medikamentenkoffer zusammenstellen lassen, der nicht nur Athletik und Schnellkraft verbessern, sondern auch seine Kurventechnik optimieren soll. Ein ganz entscheidender Fortschritt bestehe darin, dass es gelungen sei, die Nachweisbarkeit auf eine extrem kurze Zeitspanne zu reduzieren: diese entspreche in etwa der Dauer von “Anton in Tirol” oder “Ein Bett im Kornfeld” im Après-Ski-Keller.

P. reist mit seinem medizinischen Team am Wochenende ins österreichische Zillertal, wo er binnen einer Woche den Beweis erbringen will, dass sich die Dopingforschung der Bayer AG nicht vor der Konkurrenz aus China, Russland oder Hoffenheim zu verstecken braucht: “Und vor allem kann es ja wohl überhaupt nicht angehen, dass uns die Ösis mittlerweile sogar im Biathlon zeigen, was ‘ne Spritze ist. Wenn das so weiter geht, überholen sie uns irgendwann auch noch beim Fußball, weil sie unser Vorzeigeprodukt “Deutsche Tugenden” synthetisch verfeinern”, teilte der kämpferische P. in einem kurzen Telefonat seine größte Sorge mit der Redaktion.

1.P. agiert dort unter einem aus dem einschlägig vorbelasteten Radsport entlehnten Pseudonym: “Grupetto“.

Nun hat er doch geplaudert. Dabei war doch alles geheim! Unter dem Pseudonym “Heinz Kamke” begleitet der VfB-Anhänger nicht nur den Schwaben-Verein aus Stuttgart, sondern denkt auch schon mal über andere Dinge nach, was schon der Titel seines famosen Blogs suggeriert. “Angedacht“! Ein absoluter Tipp, auch für Nicht-Schwaben.

Urlaub 28.02.-07.03.2009

Hallo liebe Leute,

heute Nacht werde ich mich in südliche Gefilde verabschieden und mich dem Skisport zuwenden. Das heißt: Eine Woche kein oder kaum Internet, kein Twitter, keine Mails. Eine Woche keinen Eintrag gab es noch nie, in der noch jungen Geschichte von Catenaccio. Deshalb habe ich flugs ein paar grandiose Schreiberlinge engagiert, die Euch die Woche mit wunderbaren Texten versüßen.

Als ich die ersten Leute anschrieb, ob sie denn Lust hätten, einen Gastbeitrag zu verfassen, für meine Urlaubszeit, dachte ich, dass es nur Absagen hagelt. Wer will denn schon für jemand anderen die Arbeit machen? Doch die Antworten kamen prompt und äußerst positiv. Und deshalb kann ich entspannt und fröhlich Richtung Alpenrepublik entschwinden und lasse Euch mit ein paar netten Texten alleine.

Ich wünsche Euch diese Woche viel Spaß mit dem alternativen Programm und am 08.03.2009 könnte es mit Liveblogging (Bayer-Bochum) schon wieder losgehen.

Es bloggen für Euch in den nächsten Tagen:

Steffi Lamm – Textilvergehen – (Twitter + Twitter)
Christian S. – Pillendreher-Blog – (Twitter)
Max Alletsee – Taktikbesprechung – (Twitter)
Sebastian Fiebrig – Wir in Berlin – (Twitter + Twitter)
Heinz Kamke – Angedacht – (Twitter)
Björn Hoeftmann – Thor Waterschei
Trainer Baade – Trainer Baade (Twitter)

Lieben Dank noch einmal an alle Beteiligten!!

Vorschau: Hannover 96 – Bayer Leverkusen (EDIT)

Nach Tagen des Doping-Contents und einer allgemeinen Karnevals-Nachrichten-Flaute im Bayer-Lager, heißt es nun, sich auf das Wochenende vorzubereiten. Als nächster Gegner stehen die schwächelnden Hannoveraner an, die nebenbei auch noch zu den Lieblinsgegnern der Werkself zählen. Im Hinspiel endete das Duell zwischen Leverkusen und 96 mit 4:0. Patrick Helmes traf alleine drei Mal ins Tor von Robert Enke. Der muss sich wieder einmal dem Duell mit Rene Adler, seinem Nationalmannschaftskollegen stellen, doch dürfte der Fokus der Medien, nicht so stark auf den Torhütern liegen, wie noch im Hinspiel, als Jens Lehmann gerade aus der Nationalelf zurück getreten war.

Auswärts läuft sowieso alles super in dieser Saison bei Bayer. Nur zwei Niederlagen stehen auf fremden Platz zu Buche. Leverkusen holte mehr Punkte auswärts, als “daheim”. Hannover gewann nur einmal zuhause gegen Bayer in sieben Partien. Dieser Erfolg datiert aus dem Jahre 1988 und ist nun über 20 Jahre her. Man darf davon ausgehen, dass sich die 96er also etwas vorgenommen haben, auf der anderen Seite steigt der Druck – muss man doch im heißen Abstiegskampf gewinnen.

Aufstellungstechnisch wird sich, für Leverkusener Verhältnisse, eine Menge ändern. Sowohl Castro, als auch Henrique fehlen gesperrt. Für den Brasilianer darf sich vermutlich noch einmal Sinkiewicz beweisen, der bei seinen zwei Einsätzen bisher auf ganzer Linie enttäuschte (Dnote: 5,07). Eventuelle Chancen dürften sich auch noch Haggui und Gresko ausrechnen. Für Castro schlägt der Kicker Schwegler als Ersatz vor, doch steht auch noch Hans Sarpei bereit. Labbadia kann in der Defensive also aus den Vollen schöpfen.

Eine Luxus-Entscheidung, wird die Frage, ob Zdebel oder Vidal spielt. Der Coach vertraute zuletzt wieder auf Vidal, doch hatte sich Zdebel bei seinem Einsatz in Hoffenheim empfohlen. Es gibt also noch einige Fragezeichen die Aufstellung betreffend.

EDIT Do. 23:50 Uhr: Einige personelle Veränderungen haben sich im Laufe des Donnerstags ergeben. Pirmin Schwegler und Thomas Zdebel haben sich im Training leicht verletzt und haben Probleme mit den Bändern. Toni Kroos könnte nun aber doch im Kader stehen. Labbadia erklärte: „Von Anfang an war Hannover in unseren Köpfen das Spiel, wo er erstmals in den Kader rutschen könnte. Er hat bis zum Hamburg-Spiel jetzt eine Vorbereitung absolviert und in dieser Woche haben wir die Trainingseinheiten für ihn gedrosselt. Nun trauen wir ihm zu, dass er für Teileinsätze bereit ist und es kann gut sein, dass er dabei ist.“ (Bayer 04)

Chronologie des Hoffenheimer Dopingproben-Falls

21.02.2009 Der DFB veröffentlich auf seiner Homepage die Nachricht, dass die beiden Hoffenheimer Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker beim Spiel gegen Mönchengladbach am 07.Februar 10 Minuten zu spät zur Dopingprobe gekommen sind. Der DFB-Kontrollausschuss übernimmt die Untersuchung.

Es besteht der Verdacht eines Verstoßes nach Paragraf 9, Nr. 1, der DFB-Anti-Doping-Richtlinien 1 in Verbindung mit Paragraf 8, Nr. 3 a, der DFB-Rechts-und Verfahrensordnung 2 sowie Artikel 2.3 des WADA-Codes 3.

Sowohl die TSG 1899 Hoffenheim, als auch Borussia Mönchengladbach wurden über die Aufnahme der Ermittlungen bereits am 20.Februar informiert. Borussia Mönchengladbach hat die Möglichkeit gegen die Wertung des Spiels Protest einzulegen, wenn Paragraf 17, Nr. 5 a, der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung zutrifft 4.

Zu diesem Zeitpunkt werden Parallelen zu einem Fall aus der italienischen Liga gezogen. Zwei Spieler hatten die vorgeschriebene Dopingprobe eine halbe Stunde zu spät abgegeben und waren zunächst vom Verband zwei Wochen gesperrt worden. WADA und CAS hatten jedoch später erwirkt, dass die Strafe auf das Mindestmaß von einem Jahr heraufgesetzt wird. In Italien wird die Strafe in der Liga als unverhältnismäßig hart betrachtet. Die Spielergewerkschaft ruft zu einem 15-Minuten-Streik auf.

DFB-Vizepräsident und Vorsitzender des Ermittlungsausschusses Dr. Rainer Koch, erklärt noch am Samstag, dass die Fälle schwer vergleichbar sind, relativiert diese Aussagen am gleichen Tag noch:

“Der Fall ähnelt auf den ersten Blick dem Sachverhalt des Verfahrens gegen die italienischen Spieler Daniele Mannini und Davide Possanzini vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS, der die beiden am 29. Januar 2009 zu einer einjährigen Sperre verurteilte. Ob diese Entscheidung tatsächlich auch für den Fall der beiden Hoffenheimer Profis anwendbar ist, muss nun zunächst einmal vom DFB-Kontrollausschuss genauestens geprüft werden.” (kicker)

Die Dopingproben der beiden Spieler sind negativ gewesen. Im Laufe der nächsten Tage wird immer wieder klar gestellt, dass Manipulationen in weniger als fünf Minuten möglich sind.

Die Spieler sollen aufgrund einer Mannschaftssitzung zu spät gekommen sein. Normalerweise sollte ein Doping-Beauftragter des Vereins dafür sorgen, dass die während des Spiels zur Dopingprobe ausgelosten Spieler, direkt zur Probe geführt werden.

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  1. Falls ein Spieler die Abgabe einer Urinprobe verweigert oder nur eine geringere als die in § 10 Nr. 3 vorgeschriebene Menge abgibt, muss er die Gründe dafür schriftlich darlegen. In jedem Fall ist der Doping-Kontrollarzt verpflichtet, dies zu vermerken und die Anti-Doping-Kommission umgehend wissen zu lassen.
  2. Bei Dopingvergehen gelten die folgenden Strafen: a) Im Falle des Nachweises von Doping gema?ß § 6 Nr. 2., Sa?tze 1 und 2, der Weigerung gema?ß § 6 Nr. 3., sich einer angeordneten Dopingkontrolle zu unterziehen, der Manipulation oder des Versuchs der Manipulation einer Dopingkontrolle sowie im Falle des Besitzes, Gebrauchs oder versuchten Gebrauchs von Substanzen aus verbotenen Wirkstoffen oder der Anwendung verbotener Methoden ist gegen den Spieler eine Sperre von zwei Jahren, im Wiederholungsfall auf Dauer, zu verha?ngen. Ergibt die von einem vom IOC anerkannten Labor durchgefu?hrte Analyse einer Urinprobe oder anderen Probe das Vorhandensein einer verbotenen Substanz im Ko?rper (Gewebe oder Ko?rperflu?ssigkeit) gema?ß der vom DFB als Anhang A zu den Anti-Doping-Richtlinien des DFB in der jeweils gu?ltigen Fassung herausgegebenen Liste oder die Anwendung einer nach dem genannten Anhang A verbotenen Methode, so gilt dies als Anscheinsbeweis fu?r einen schuldhaften Dopingverstoß. Der Anscheinsbeweis kann erschu?ttert werden, wenn erwiesenermaßen Tatsachen einen anderen Geschehensablauf ernsthaft als mo?glich nahe legen.
  3. Die Weigerung oder das Unterlassen ohne zwingenden Grund, sich einer angekündigten Probenahme zu unterziehen, die gemäß anwendbaren Anti-Doping-Bestimmungen zulässig ist, oder ein anderweitiger Versuch, sich der Probenahme zu entziehen.
  4. Hat in einem Spiel in einer Mannschaft ein gedopter Spieler mitgewirkt und ist dieser Spieler wegen Dopings bestraft worden, oder weigert sich ein Spieler schuldhaft, sich einer Dopingkontrolle zu unterziehen, so wird dieses Spiel fu?r seine Mannschaft, falls sie das Spiel gewonnen oder unentschieden gespielt hat, mit 0:2 Toren als verloren gewertet. Fu?r den Gegner bleibt die Spielwertung vorbehaltlich der Regelung in Absatz 2 bestehen. Von dieser Spielwertung kann bei Vorliegen besonderer Umsta?nde zugunsten der Mannschaft des gedopten Spielers abgewichen werden. Es kann in diesem Fall alternativ erkannt werden auf:
    – Besta?tigung der urspru?nglichen Spielwertung;
    – teilweise Aberkennung der von der Mannschaft des gedopten
    Spielers mit dem Spiel gewonnenen Punkte unter Beibehaltung des
    Torergebnisses;
    – Spielwiederholung.
    In Abweichung von Absatz 1, Satz 2 wird das Spiel mit 2:0 Toren fu?r den Gegner als gewonnen gewertet, wenn der Einsatz des gedopten Spielers den Ausgang des Spiels als unentschieden oder als fu?r den Gegner verloren mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat. Sa?tze 3 und 4 des Absatzes 1 finden in diesem Fall keine Anwendung.

Notenübersicht: Spieltag 21

Das Gute vorweg. Rene Adler hat eine ordentliche Partie hingelegt. Wesentlich sicherer bei hohen Bällen, bei den Gegentoren machtlos und gegen Olic ein fast sicheres Tor verhindert. Es geht doch. Sonst eher durchschnittliche Noten. Gefallen hat Manuel Friedrich in der Abwehr, Renato Augusto im Mittelfeld und natürlich Patrick Helmes im Sturm. Ausfälle waren in der Benotung von Bild, Sportal, Kicker und mir Castro, Barnetta und Kießling.

name bild kicker sportal cate schnitt
adler 3 2,5 2,5 2,5 2,63
friedrich 4 2 2 2 2,50
castro 6 4 5 4 4,75
henrique 4 3,5 4 4 3,88
kadlec 4 3,5 3,5 3,5 3,63
rolfes 4 3,5 4 3 3,63
renato augusto 3 2,5 3,5 2,5 2,88
vidal 5 4 3,5 4 4,13
barnetta 5 4 4 3,5 4,13
kießling 4 4 4 4 4,00
helmes 2 2,5 2,5 2 2,25
schnitt 4,0 3,27 3,5 3,18 3,49

Presseschau vom Hamburg-Spiel (+ verpasste Dopingprobe)

Thema in der Presse ist heute vielmehr der Sieg der Hamburger, als die Niederlage der Leverkusener.

Zwischen Hamburg und Düsseldorf liegen zwar mehr als 400 Kilometer, am Sonntag konnte sich der HSV aber im Rheinland zu Hause fühlen – zumindest in der LTU-Arena, denn dort kam Heimspielatmosphäre auf. Die Anhänger von Bayer Leverkusen hatten ihre Fahnen schon eingepackt und die Düsseldorfer Notherberge schnell verlassen. Etwa 8000 Hamburger Fans hingegen blieben, sie genossen den Moment und feierten ihre Profis, die ihnen kurz zuvor das vorläufig größtmögliche Glück beschert hatten: Einen 2:1 (1:1)-Sieg bei Bayer, durch den die Hamburger sich wieder an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga setzten. Hamburger Held des Tages war Nationalspieler Marcell Janssen, der beide HSV-Tore erzielt hatte.  (Tagesspiegel)

Die Europacup-Hoffnungen der Leverkusener erhielten damit gut eine Woche nach dem 4:1-Triumph in Hoffenheim wieder einen Dämpfer. Bayer ist zwar weiter Tabellenfünfter, der VfL Wolfsburg ist nach Punkten aber schon gleichgezogen. (Welt)

Bayer stellt das beste Auswärtsteam der Liga, in der Heimbilanz aber weist die Mannschaft unter den sieben Besten die schlechteste Punkteausbeute auf. Schon vor zwei Wochen erlebte die Werkself beim 2:4 gegen Stuttgart eine böse Abfuhr […]. „In Düsseldorf herrscht ein bisschen Auswärtsatmosphäre“, sagte Torwart Rene Adler. Mit dem Exil, das wegen des Umbaus und der Erweiterung des Stadions in Leverkusen genutzt wird, haben sich die Bayer-Profis noch nicht richtig angefreundet. (FAZ)

Die Hanseaten waren vor 40 000 Fans mit einem mächtig breiten Kreuz aufgetreten, eben so “abgezockt und routiniert”, wie Bayer-Trainer Bruno Labbadia es vor dem Spiel geweissagt hatte. Und genau deshalb war die Gästeführung in der 18. Minute auch nicht ganz unverdient. Dabei machte 04-Verteidiger Henrique im Duell mit Hamburgs Paolo Guerrero nicht die allerbeste Figur – vielleicht hatte ihn ja Aitor Beguristain, der Beobachter des FC Barcelona auf der Tribüne, nervös gemacht. Spaniens Nobelclub erwägt, den an Bayer ausgeliehenen Brasilianer bereits in der kommenden Saison in seinen Hochglanzkader zu integrieren, allerdings war es nicht gerade Barca-Niveau, wie Henrique sich von Guerrero düpieren ließ. Die abgewehrte Flanke des Peruaners landete schließlich 16 Meter vor dem Tor bei Marcell Jansen, der den Ball gekonnt ins lange Eck schoss. (KR)

Im Gegensatz zum dramatischen Sieg von Hoffenheim hatte Bayer sich diesmal für einen abwartenden Beginn entschieden. Zunächst passierte kaum etwas, dann leitete Hamburgs Paulo Guerrero die erste richtig gefährliche Torszene der Partie einleitete. Der Peruaner setzte sich rechts außen gegen den ungeschickten Henrique durch, legte zurück auf Marcell Jansen, der sich den Ball auf den schwächeren rechten Fuß hinüber schob und aus 15 Metern einfach flach ins Tor schoss. Nach 18 Minuten lagen die Leverkusener zurück, der zuletzt nicht immer überzeugende Torhüter René Adler war chancenlos. […]Und Bayer Leverkusen hat es mal wieder geschafft, eine Großchance ungenutzt zu lassen. (TAZ)

Warum auf Eurosport Arturo Vidal in die Elf des Spieltags berufen wurde, ist mir ein Rätsel:

Bei Bayer Leverkusen ist Arturo Vidal längst zur festen Größe geworden. Der Chilene besticht mit Übersicht und Einsatzwillen. Auch gegen den HSV zeigte er sich von seiner besten Seite, ehe er zugunsten eines weiteren Stürmers in der Schlussphase ausgewechselt wurde. (Yahoo/Eurosport)

DFB-Vizepräsident Koch äußerte sich beim Westen zum Thema verpasste Dopingprobe der Hoffenheimer Profis Ibertsberger und Janker.

Der DFB schwebt nicht im luftleeren Raum und müsste im Strafmaß den Wada-Regeln folgen und eine einjährige Sperre verhängen.

Koch: Wenn der Fall unter den entsprechenden Paragraphen des Wada-Codes fällt, dann lautet die Strafe dafür in der Tat: Ein Jahr Sperre. Aber auch da müssen wir zunächst die Ermittlungen des Sachverhaltes abwarten und sehen, ob der Fall so zu bewerten ist.

Hat es im deutschen Fußball schon einen vergleichbaren Fall gegeben?

Koch: Meines Wissens nach nicht. Aber die Sache hat auch ihr Gutes. Die Kritiker, die dem Fußball oft einen zu laschen Umgang mit der Doping-Problematik vorwerfen, sehen jetzt, dass wir nichts vertuschen, dass wir nach den Standards der Uefa handeln. (Der Westen)

„Ein Jahr Sperre ist auf den ersten Blick und auch aus unserer Sicht eine harte und unverhältnismäßige Entscheidung“, sagte der Vorsitzende der Anti-Doping-Kommission des DFB, Rainer Koch, am Samstag im Fernsehen. „Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass Manipulationen vorliegen.“ Am Sonntag äußerte er sich vorsichtiger. Die Glaubwürdigkeit des Fußballs hänge entscheidend davon ab, dass Richtlinien eingehalten würden.

Koch, der auch DFB-Vizepräsident ist, sagte: „Wir haben uns den Regeln zu unterwerfen, müssen aber auch dem Einzelfall gerecht werden.“ Ob die Cas-Entscheidung in den italienischen Fällen auf die Hoffenheimer Affäre Einfluss habe, müsse vom DFB-Kontrollausschuss geprüft werden. Die Nationale Anti-Doping-Agentur verwies darauf, dass die Verfahrenshoheit allein beim DFB liege. Man vertraue auf die Einhaltung der Regeln. (FAZ)

Interessant der Hinweis von Ralf Rangnick, dass ja Verstöße gegen die Richtlinien alltäglich sind:

“Bei uns war es in der Vergangenheit des öfteren so, dass sogar der Dopingbeauftragte gesagt hat, die Spieler können nochmal kurz in die Kabine gehen und sollen sich ein frisches Trikot anziehen”, sagte Rangnick im Südwestfernsehen: “Ich habe jetzt auch mit einigen Trainer-Kollegen gesprochen. Es ist auch in anderen Vereinen so, dass es durchaus die Möglichkeit gibt oder sogar aufgefordert wird, nochmal kurz ein Trikot anzuziehen.” (Sport1)

Sehr gut in diesem Zusammenhang auch der Kommentar von Evi Simeoni in der FAZ:

Nein, Hoffenheimer Trainer-Professor Rangnick, Mannschaftsbesprechungen sind nicht wichtiger als Doping-Kontrollen. Und es ist auch keine Lappalie, dass die Spieler Andreas Ibertsberger und Christoph Janker am 7. Februar nach dem 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach wegen einer Teamsitzung nicht gleich zur Doping-Kontrolle gegangen sind. Sie hätten von einer Begleitperson direkt dorthin gebracht werden müssen. Und nein, die Tatsache, dass die Doping-Tests der beiden Spieler bei der Analyse negative Ergebnisse gebracht haben, ist kein Grund, Entwarnung zu geben. Ein Blick über die Eckfahne hinaus müsste genügen, um zu erkennen, was Sportler in zehn Minuten alles tun können, um ihre Tests zu manipulieren. (FAZ)

Eine kurze übersichtliche Zusammenfassung der Geschehnisse gibt es in der Morgenpost. Die wertenden Fakten sind jedoch mit Vorsicht zu genießen.