Halbzeitbilanz 2009/2010

Zwei Wochen sind seit dem Abschluss der Hinrunde und der damit verbundenen Herbstmeisterschaft für Bayer Leverkusen ins Land gegangen. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Die blanken Zahlen.

Neun Siege, acht Unentschieden und keine einzige Niederlage: Zum Vergleich – In der Vorsaison gab es zehn Siege, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen. Das sind drei Punkte weniger gewesen und statt Platz Eins nur Platz Fünf. Auch letztes Jahr reichten Hoffenheim 35 Zähler zur Halbzeitmeisterschaft, was dann kam ist allseits bekannt, auch was aus den Leverkusener 32 Punkten wurde. Nämlich gerade mal 49 am Ende der Saison. Das soll aber erstmal nicht das Thema sein.

Neun Siege, von denen ich keinen als besonders glücklich oder unverdient darstellen würde. Gegen Hoffenheim gewann man 1:0, war aber klar das bessere Team. Gegen Bochum gewann man mit 2:1 und drehte erstmals seit über einem Jahr ein Spiel nach Rückstand. Gegen Wolfsburg gab es ein 3:2 – hier schwächelte die Werkself zum Schluss. Das 1:0 gegen Köln fiel in der Schlussphase. Die Kölner hätten sicherlich ein Remis verdient gehabt, nutzten aber ihre Chancen nicht. Dann noch das 3:2 gegen Gladbach am letzten Spieltag der Hinrunde. Knapp aber verdient und wieder ein Spiel gedreht. Sehr beeindruckend, weil man der Mannschaft ansehen konnte, dass sie wollte und es tatsächlich auch schaffte. Die restlichen fünf Siege liegen im Bereich 4:0 oder 5:0. Starke Spiele. Verdiente Siege.

Beim Blick auf die Unentschieden hält sich auch hier der Eindruck, dass die Ergebnisse standesgemäß waren. Hier und da wäre mal ein Sieg drin gewesen, manchmal vielleicht auch eine Pleite.

Letztlich sind es aber diese massive Anzahl an Unentschieden, vor allem zum Ende der Hinrunde, die den Eindruck entstehen ließen, dass Bayer nicht reif ist. Dass sie noch kein Spitzenteam sind. Trotzdem stehen sie am Ende der Hinrunde auf Platz Eins. Und das ist für mich entscheidend. Zudem hatte Bayer kein leichtes Restprogramm mit Topteams und mehr Auswärts-, als Heimspielen. Schafft die Werkself eine ähnlich gute Rückrunde, gehört die Mannschaft zu den Titelkandidaten und Spielplan und Kader versprechen einiges.

Zum Zahlenabschluss. 35:13 Tore. Eine Tordifferenz von +22. Bester Sturm, beste Abwehr (mit Schalke), beste Tordifferenz.

Der Kader.

Das Bayer einen guten Kader hat, zeigte eigentlich schon die letzte Saison. Viele junge Talente, die ein sehr großes Potenzial haben. Leider fehlte die führende Hand, sowohl neben, als auch auf dem Platz. So verstärkten die Verantwortlichen den Kader vor allem punktuell.

Eine erste Schlüsselverpflichtung wurde im Mai des letzten Jahres getätigt, die allseits belächelt wurde. Mit Sami Hyypiä kam ein alter Finne für die Abwehr. Die Verpflichtung muss man sowohl Völler, als auch Labbadia zuschreiben, die sich folgend äußerten am Tag des Vertragsabschlusses.

Sportchef Rudi Völler: „Sami Hyypiä wird mit seiner Erfahrung und seiner Präsenz auf dem Platz mehr Stabilität in unsere junge Mannschaft bringen.”

Cheftrainer Bruno Labbadia: „Hyypiä ist derjenige, der unserer Mannschaft weiterhelfen kann. Ich freue mich, dass er sich für Bayer 04 entschieden hat.”

Das lass ich einfach mal so stehen. Weiterhin wurde Eren Derdiyok für den Sturm verpflichtet. Ebenfalls jung. Mit Potenzial. Ersetzte Patrick Helmes im Sturm und machte seine Sache soweit ganz gut. Mehr demnächst in der Einzelbewertung. Theofanis Gekas kam aus Portsmouth wieder und sah überhaupt kein Land. Für das Mittelfeld wurde unter der Saison Lars Bender nach Leverkusen geholt, der aber nur sporadisch zum Einsatz kam. Eine Doppelrolle in Abwehr und Mittelfeld hatte Nürnberg-Heimkehrer Stefan Reinartz. Für die Abwehr heuerte noch Daniel Schwaab an, der ebenfalls auf eine stattliche Anzahl von Einsätzen kam.

Das lag vor allem daran, dass eine mittlere Verletztenmisere den Bayer-Kader heimsuchte. Helmes verletzte sich schon vor der Saison. Im Mittelfeld fehlten unter anderem Simon Rolfes und Renato Augusto lange Zeit, Toni Kroos spielte zu Beginn auch nur mit halber Kraft. Hinten erwischte es Michal Kadlec, aber auch Patrick Sinkiewicz, sowie Gonzalo Castro, den immer wieder Muskelproblemen plagten. Das ist natürlich nicht mit der Situation beispielsweise in Hamburg zu vergleichen, aber dennoch gravierend, wenn man bedenkt, wer denn nun fehlte. Das Überraschende ist, dass alle Ausfälle kompensiert wurden. Zur Rückrunde sollen dann alle wieder fit sein, was dem Kader mehr Tiefe gibt, aber den Trainer aber vor die Qual der Wahl stellt und nebenbei muss er auch noch die Reservisten bei Laune halten. Ob das so gut klappt, wie Heynckes prognostiziert ist fraglich.

Zur Winterpause waren die Verantwortlichen vor allem im Ausmisten des Kaders aktiv. Im Sturm gingen Gekas und Richard Sukuta-Pasu, jeweils leihweise nach Berlin, bzw. St.Pauli. Gekas wird dort wohl eher sein Glück finden, als in Leverkusen, da die Heynckes-Taktik dem Griechen überhaupt nicht entgegen kam. Sukuta-Pasu kann so endlich Spielpraxis sammeln und vielleicht gestärkt, wie zuvor bspws. Stefan Reinartz heimkehren.

Bleiben noch drei Spieler im Sturm, was im Ernstfall – Verletzung, Sperre, etc. – etwas eng werden könnte. Ein weiterer Kandidat für einen Wechsel wäre noch Sinkiewicz, der auch nicht so richtig glücklich wird.

Zu den Leistungsträgern im Kader zählte im Tor sicherlich Rene Adler, der immer noch Probleme bei hohen Bällen hat, aber deutlich stabiler in dieser Saison spielt. Manuel Friedrich und Sami Hyypiä in der Abwehr. Friedrich blüht an der Seite des Finne richtig auf und darf sich vielleicht doch noch mal Hoffnung auf den WM-Kader machen? Hyypiä ist der Name überhaupt, auch für die Medien. Ein Stellungsspiel vom Feinsten, Spieleröffnungen über 40 Meter auf den Bierdeckel und Kopfballstärke pur. Wermutstropfen: Noch kein Tor und teils etwas leichtsinnige Ballverluste.

Im Mittelfeld wusste Stefan Reinartz zu gefallen, der lange Zeit Simon Rolfes ersetzte und dies mit Bravour schaffte. Arturo Vidal muss ich ebenfalls loben. Der Chilene spielt wesentlich beherrschter und “Hyde” kommt immer seltener zum Vorschein. Toni Kroos hat vorerst den Durchbruch geschafft. Nach langen Wochen durchwachsener Leistungen, zeigte er immer häufiger gute bis sehr gute Leistungen. Tranquillo Barnetta spielte nicht immer schön, aber spulte enorm viele Defensivmeter ab, wie überhaupt das ganze Team in der Rückwärtsbewegung wesentlich flotter ist und mehr arbeitet.

Vorne schlug Stefan Kießling vollends ein. 12 Tore, vier Assists. Damit fast in jedem Spiel an einem Tor beteiligt. Die letzten Wochen aber weniger treffsicher. Schön wäre, wenn er noch mal 6-7 Tore in der Rückrunde schaffen könnte. Für ihn sind die letzten 17 Spiele besonders wichtig, weil er die Hinrunde bestätigen muss, um mit zur WM zu fahren.

Enttäuschungen? Sehe ich nicht.

Der Trainer.

Auch der wurde belächelt. Scheint aber bisher der Gewinn für die Leverkusener zu sein, der die jungen Spieler anleitet und ihnen die richtigen Tipps gibt. Vergessen ist Osram an der Seitenlinie, der schon mal Tage beleidigt war, wenn ihm was nicht passte, der mehr schlecht als recht zuletzt in Gladbach und Schalke an der Seitenlinie agierte.

Das Team profitiert taktisch enorm von ihm. Einzelspieler, wie Toni Kroos und Stefan Kießling ebenfalls, wie sie immer wieder betonen. Meine Hoffnung zu Beginn der Saison scheint sich zu erfüllen.

Bitte weiter so.

Die Hoffnung.

Die Hoffnung ist natürlich da. Meisterschaft. Aber nun ja. Mehr will ich nicht sagen. Ich wäre nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt. Enttäuscht wäre ich, wenn die Rückrunde eine einzig große Pleite, wie in der letzten Saison wird. Das wäre wirklich enttäuschend. Das bedeutet aber auch, dass mindestens Platz Fünf drin sein muss.

Ein Lesetipp.

Nedsblog hat ein etwas anderes Resümee mit einer Unmenge von Zahlen gezogen – beim HSV – aber unbedingt lesenswert.

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4 comments » Write a comment

  1. Meisterschaft? Ich möchte da schon mehr dazu sagen. Das Gespenst Meisterschaft spukt ja anscheinend immer öfter in Leverkusen. Die Spieler reden – verklausuliert oder offen – davon. Ebenso die Verantwortlichen. Wenn das klappen soll, muss Leverkusen eine bessere Rück- als Hinrunde spielen. Nochmal 35 Punkte könnten zwar reichen, wie die letzte Saison gezeigt hat. Schaut man jedoch weiter in die Vergangenheit zurück, reichen 70 Punkte eher nicht, bedeuten aber mit Sicherheit das Erreichen des Saisonziels: Internationaler Wettbewerb – mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar Champions League. Das wär doch schon mal schön. Für den ganz großen Coup müssen in der Rückrunde allerdings die Chancen noch kaltschnäuziger genutzt werden und Spiele, die schon gewonnen sind, sicherer nach Hause gespielt werden. Ganz wichtig: Mehr Big Points gegen direkte Konkurrenten, also Siege statt Unentschieden gegen Bremen, Bayern, Hamburg, Dortmund oder Schalke. Hätte das in der Hinrunde besser geklappt – Chancen waren da – wäre das Polster nach hinten schon jetzt größer.

    Ich habe mal geschaut, wie es um den Abstand der ersten fünf in den zurückliegenden Spelzeiten bestellt war. Es gab Fälle wie in dieser Saison, wo einige Mannschaften eng beieinander lagen. In der Regel war der Abstand zwischen den ersten Mannschaften jedoch größer. DIE dominierende Mannschaft hat sich jedenfalls in dieser Saison noch nicht herauskristallisiert. Daher ist noch vieles möglich.

  2. Meisterschaft? Ich will es mal mit einem Sprichwort beschreiben:

    “Es ist unmöglich,
    keine Hoffnung zu hegen,
    auch dann, wenn man sich wieder
    und wieder sagt,
    dass man es nicht tun soll.”
    (Anne Morrow Lindbergh)

    Von daher…

  3. Schöne Analyse, wobei mir der Anschluss an den Absatz über Hyypiä besonders gut gefällt: “Weiterhin wurde Eren Derdiyok für den Sturm verpflichtet. Ebenfalls jung.” ;-)

  4. Pingback: Der Blog-Jahresrückblick: Januar 2010 | catenaccio

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