Passt nicht

Es will einfach nichts passen in Leverkusen. Die Ergebnisse nicht, der Trainer nicht, die Spieler nicht, die Medien nicht, die Fans nicht. Ein einziges großes Tal der Tränen. Wer dieses Tal durchschreiten will, der braucht schon mindestens ein Blogger-Fan-Spieler-Trainer-Journalisten-Seepferdchen, doch wo gibt es so etwas? Ich würde mich sofort anmelden, damit ich nicht in dieser dunklen Zeit ertrinke.

Die Ergebnisse. Die ehemalige Macht am Rhein (Leverkusen) ist von den ehemaligen rheinischen Absteigerkandidaten in der Tabelle überholt worden (Köln, Gladbach). Der selbsternannte Titelkandidat hinkt weiter hinter den eigenen Ambitionen hinterher. Von einer Meisterschaft will im Moment niemand sprechen. Eher denkt man an Katastastrophenspielzeiten der Jahre 95/96 und 02/03 zurück.

Der Trainer. Oh ja der Trainer. Robin Dutt. Erste Transparente im Stadion tauchen auf, dass er bitte gehen möge. Natürlich anders ausgedrückt. Gestern saß der Mann im Sport 1-Doppelpass und machte eine äußerst unglückliche Figur. Zum einen aufgrund der unsäglichen Fragen, zum anderen aufgrund der unsäglichen Situation, in der er sich befindet. Er muss sich äußern zum Bayern-Spiel und freut sich, dass man nicht von den Bayern abgeschlachtet wird. Ist das nun der Anspruch?

Einschub. Das letzte Spiel. Die Bayern. Das Team von Ex-Trainer Jupp Heynckes besiegte Leverkusen locker, flockig im Vorbeigehen mit 3:0. Dass das mehr an den schlechten Bayer-Akteuren lag, als an den Bayern selber, bemerkten jedoch nur die wenigsten. Dies ist vor allem wohl dem Trainer Heynckes zu verdanken, der nun in der bayrischen Hauptstadt wohl das alles richtig macht, was er vorher in Leverkusen richtig macht.

Hinten dicht. Grundordnung. Disziplin. Personalmanagement. Ergebnisse. Der Unterschied ist, dass die bayrischen Einzelkomponenten wesentlich höher einzuschätzen sind, als die Leverkusener, so dass es jetzt eine Meisterschaft mit Bayern wahrscheinlicher ist für Heynckes, als mit Leverkusen.

Die spielten einen Tannenbaum. Verdichtung im Bereich Abwehr und Mittelfeld, damit die Bayern keinen Raum zum spielen bekommen. Leider brannte der Baum relativ schnell lichterloh. Bayer spielte ängstlich, ohne Sicherheit und kam in der Regel den entscheidenen Schritt zu spät. Dass die Leverkusener nicht als Häufchen Asche übrig blieben, ist nur der Schlampigkeit und der Temporeduzierung der Bayern zu verdanken.

Zurück zum Trainer. Der scheint nämlich kein Konzept zu haben, wie er die Spieler erreicht. Da stehen ja keine schlechten Leute auf dem Platz. Auf der anderen Seite fragte sich der ein oder andere, warum gerade diese Leute auf dem Platz stehen. Bei aller Liebe zu Danny da Costa. Aber direkt gegen den spielfreudigen Ribéry? Das verstanden die wenigsten.

Die Spieler erreichen. Derzeit erreicht die Spieler wohl nicht viel. Oder das Falsche. Simon Rolfes zum Beispiel erklärt öffentlich: “Grundsätzlich bedarf das Verhältnis untereinander einer Entwicklung.” Vielleicht auch nicht die beste Lösung öffentlich zu erklären, dass das Verhältnis zwischen Team und Trainer nicht das Beste ist.

Die Medien. Die springen natürlich auf den abfahrenden Zug von Trainer Robin Dutt. Die Ergebnisse stimmen nicht, schon rauscht es im Blätterwald. Wie lange geht das noch gut Dutt? Selbst die Hofberichterstatter, die den Leverkusenern in der Regel relativ freundlich gesinnt sind, nörgeln seit einigen Wochen kontinuierlich an Dutt herum. Vielleicht auch nicht ganz zu unrecht.

Die Fans und apropos nörgeln. Die erfolgsverwöhnten Fans sind natürlich nicht zufrieden mit den Ergebnissen. Mit den Spielen. Mit dem Trainer. Und überhaupt. Schnell sind wir wieder bei den Bayer-Profis in der Komfortzone. Vielleicht auch ein bisschen zu einfach.

Viel wird in den nächsten Wochen vom Auftreten der Mannschaft abhängig sein. Wird die Kluft zwischen Team und Trainer weiter größer, dürfte der Trainer wohl der Erste sein, der geht. Ein ähnliches langes Abwarten, wie bei Bruno Labbadia dürfte es nicht geben. Selbst gute Ergebnisse müssen nicht hilfreich sein. Nach dem schlechten Saisonauftakt mit den Pleiten gegen Dresden und Mainz, gab es zwar gute Ergebnisse, die Chemie stimmte dennoch nicht und das war überall zu spüren.

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16 comments » Write a comment

  1. Jens, beim Thema Fans bitte unterscheiden: Die, die bei aller berechtigter Kritik, alles geben, um die Mannschaft zu unterstützen und die nicht nur “Bayer 04 – wir stehen zu dir” singen, weil sie alles mitsingen, was nur laut genug gespielt wird. Und die, die sich gerne m Glanz des Siegers sonnen, aber bei fehlender Strahlung umgehend die rundum Polemikkeule auspacken und auf alle dreschen, wo Bayer 04 drauf steht . Hauptsache drei bis fünf Facebookfreunde drücken auf gefällt mir.

    Ansonsten ist leider zu viel Realität in deinem Text.

    • Du hast natürlich Recht. Meine Abhandlung über die Fans ist etwas kurzsichtig und einseitig ausgefallen, was tatsächlich mit diversen Äußerungen auf Facebook zu tun hat, die mir gehörig auf den Senkel gehen. Es geht natürlich auch anders und es wird viele Fans geben, die nicht so denken.

  2. Ich fand Dutts Auftreten bei Doppelpass keineswegs unglücklich.
    Was man ihm anmerkte war, dass er auf die Kritik an ihm schon recht dünnhäutig reagiert. Wenn er dieses innerliche Brodeln auf die Mannschaft übertragen könnte, wären blutleere Auftritte wie gegen Köln oder in München passé.

    • Ich finde, dass er halt einfach etwas konzeptlos wirkt. Heute hüh, morgen hott. Den Auftritt im Doppelpass fand ich in Bezug auf einige Themen gar nicht schlecht, nur auf die Kritik an der Mannschaft und an der eigenen Person wurde komisch reagiert.

    • So ist das mit der Kritikfähigkeit bei Ehrgeizigen Menschen, je ehrgeiziger umso dünnhäutiger. Ich finde dieser Ehrgeiz steht uns gut zu gesicht,die Spieler sollten auch nciht mehr so verhalten sein!

  3. Sicher, souverän ist anders, aber das sind Erfahrungen, die junge Trainer machen müssen. Und Souveränität ist in der momentanen Situation sicher auch schwer zu erwarten. Aber um die Probleme zu lösen, die Jens trefflich analysiert hat, benötigen Trainer und Team Zusammenhalt und Unterstützung von allen Seiten. Hier ist die Mannschaft genauso gefordert, wie die Verantwortlichen neben dem Platz. Die Jungs können ja nicht von heute auf morgen das Kicken verlernt haben. Allerdings – zu viel Zeit bleibt nicht mehr, in vier Wochen werden wir wissen, wo die Reise hin geht. Aber auch das ein oder andere Rückrundenwunder haben wir in der Liga schon bestaunen können – in Leverkusen? Das wäre allerdings mal was ganz Neues.

  4. Als Leverkusen verkündete, das der Nachfolger von Jupp Heynckes Robin Dutt heisst, hab ich so bei mir gedacht “das ist genauso ein Schwachsinn wie den Oenning beim HSV einzustellen!”.
    Genauso wie von seinem – mittlerweile entlassenen HSV Kollegen – halte ich von Dutt nicht viel. Um die – durch den Erfolg von Heynckes – genährten Träume auf den Sieg einer Meisterschaft hätte es dann auch eines “meisterlichen” Trainers bedurft – aber sicher keinen, der bisher eine Aufsitegsmannschaft leidlich erfolgreich trainiert hat.

    Ich hab nichts gegen die Person Robin Dutt – doch glaube ich nicht, das er die Fähigkeiten mitbringt, eine Mannschaft wie Leverkusen zum nachhaltigen Erfolg zu führen.

    • Was ist wenn man ihm Zeit gibt, wie zum Beispiel Klopp. Vielleicht fängt man sich und startet dann richtig durch in der nächsten Saison. Kann Dutt das auch?

  5. Es ist ja wie immer: Stimmen die Ergebnisse nicht, kommen diese ganzen Geschichten hoch, dass es zwischen Mannschaft und Trainer nicht passe.

    Kies hat das angedeutet und über eine Aussprache gesprochen. Rolfes auch. Sogar detaillierter, indem er Dutts Taktik mit der des Vorgängers verglich und seine persönliche Präferenz eher beim Heynckes Stil verortete (Kontrollierter Spielen und in der letzten halben Stunde die Spiele gewinnen).

    Ich finde das blöd von Rolfes. Da kann man sich ja gleich den Philipp Lahm ins Team kaufen. Ich finde es auch erstmal blöd, dass sich Rolfes und Co in Teilen den Innovationen anscheinend verweigern beziehungsweise Dutt es nicht schafft, die Mannschaft bisher hinter sich zu bringen und auf seinem Weg mitzunehmen.

    Doof ist Dutt nicht. Ich habe das Gefühl, dass er in der Analyse der Dinge schon oft des Pudels Kern trifft. Ein bisschen mehr Spaß und Lockerheit stünden ihm vielleicht gut zu Gesicht …

    Thema Komfortzone: Normalerweise unterstelle ich das keinem, aber das war schon unter Labbadia so, dass wegen des zu harten Trainings und des Powerfußballs gemeckert wurde. Rolfes schlägt nun in die selbe Kerbe, wenn er sagt, dass man wegen der vielen Positionswechsel sehr kraftaufwändig spielen würde, weshalb am Ende die Kräfte fehlen … Hahaha, das macht mich einfach nur traurig. Ich habe letzte Saison von keinem Dortmunder gehört, dass er lieber weniger laufen wollen würde. Ich hab das auch bisher noch nicht von denen gehört, obwohl auch deren Ergebnisse nicht mehr so stimmen.

    • >>Doof ist Dutt nicht. Ich habe das Gefühl, dass er in der Analyse der Dinge schon oft des Pudels Kern trifft. Ein bisschen mehr Spaß und Lockerheit stünden ihm vielleicht gut zu Gesicht …

      Sehe ich ähnlich. Irgendwas an ihm, scheint halt auch der Mannschaft nicht zu passen.

      Verweigerung auf dem Platz auch deshalb?

    • Ich denke mal, dass Dutt halt nicht so der Kumpeltyp ist wie Jupp. Der hat ja kraft seiner Erfahrung für die Spieler die Vaterfigur gegeben, was sehr gut ankam.

      Dutt scheint – ganz aus der Ferne betrachtet – jemand zu sein, der für sich Geschäftliches und Privates sehr trennt. Vielleicht erwartet er das auch von seinen Spielern, die zuvor jedoch viel Nachsicht erfahren haben, wenn sie irgendwelche Wehwehchen hatten.

      Wie gesagt, Dutt kriegt ja mit, was da gerade passiert und ich hoffe sehr, dass er nun vorrangig versucht, die gesamte Mannschaft hinter sich zu bringen und sich vielleicht auch durchringt, den Umbruch moderater zu gestalten.

      Ich denke schon, dass wir uns spielerisch weiter entwickeln müssen. Letztes Jahr profitierten wir von der Schwäche der Bayern und von den vielen knappen Siegen gegen die kleinen Buli-Teams. Das darf schon dominanter werden, vor allem, wenn man international auch mal wieder Ansprüche haben und nicht nur am Wettbewerb teilnehmen will.

  6. Die Situation ist unausreichend.
    Aber,… ich sehe das ganze nicht ganz so schwarz.Team und Trainer haben sich noch nicht gefunden,was nicht ganz unüblich ist bei neuen Trainern,die Bayern hauen derzeit alles weg,in Deutschland,..einzig ärgerlich ist das Verhalten (Spiel will ich es nicht nennen) gegen die Herrschaften der anderen Rheinseite.
    Ich denke das gegen Genk und WOB 2 Siege heraus springen,dann sind wir zwar nciht automatisch am Nachbarn vorbei,aber ich halte auch relativ wenig davon jeden Spieltag die Tabelle als indikator für eine ganze Saison zu sehen.
    Gerade habe ich auch gelesen das gegen Genk wohl 2 Stürmer vorne drin stehen,was meiner Idee von Leverkusener Fussball”pracht” eh eher entgegen kommt,das Zweite, aber das war wohl allen,ausser den Finanzträgern klar ist,das ein Guter IV fehlt.Pech gehabt,da kann man bis zur Winterpause nix mehr ändern.

    Ich bin von Dutt nicht enttäuscht,denke auchd as er ein guter Mann ist,auch für Leverkusen,aber alles neue funktioniert nicht automatisch vom 1.Tag,leider.AUCH deshalb haben die Bayern einen Bekannten zurück geholt°!
    WArten wir ab, und geraten alle erst in Panik, wenn die nächsten 2 Spiele verloren werden!

    • Ich hoffe in 2 Spielen ist die Saison nicht gelaufen ;)

    • Das denke ich auch nicht, mit Panik meine ich orientierung nach unten,mit negativer Mentalen Dynamik. (und ich meine die nächste 2 BuLi Spiele)

  7. Das die meisten Trainer, wenn man ihnen die Zeit gegeben hätte, sich bestimmt wieder gefangen hätten und auch Erfolg gehabt hätten ist auch einer meiner Gedanken. Doch kommt es hier auf den Verein an: mit welcher Vorstellung und mit welchem Ziel starte ich die Saison? Und daran wird der Trainer (und in zweiter Instanz auch die Vereinsführung) gemessen. Zeichnet sich ab, das der vordefinierte Kurs nicht eingehalten werden kann muss eine Kurskorrektur erfolgen. Und hier fallen viele Trainer dann hintenrunter – wobei ich der Meinung bin, das man die gesteckten Ziele eher nochmal kritisch durchleuchten sollte ehe man den Trainer feuert.

    Dennoch halte ich an meiner Meinung fest, das Dutt nicht zu einem meisterlichen Trainer taugt (zumindest derzeitig nicht). Damit will ich nicht ausschliessen das er es nicht doch irgendwann einmal schafft. Doch habe ich bei ihm nicht das GEFÜHL eines “Meistertrainers”.

    Unabhängig davon wünsche ich ihm persönlich jeden Erfolg.

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