Fader Beigeschmack

Jupp Heynckes geht zum Saisonende. So schlau ist die Fußballwelt nun schon seit Montag. Nur das wohin war bis heute relativ unklar. In den Ruhestand oder doch tatsächlich zu den Bayern. Am Ende sind es die Bayern. Gar für zwei Jahre unterschrieb der 65-Jährige bei seinem alten Buddy Uli Hoeneß. Was bei den meisten Anhängern bleibt, ist ein fader Geschmack.

Als Heynckes vor zwei Jahren nochmal aus dem Ruhestand geholt wurde, sollten es eigentlich nur 5 Spiele sein. Nochmal die Bayern retten. Hoeneß einen Gefallen tun. Er schaffte es, die Bayern noch zum Vizetitel zu führen – in der Zwischenzeit verpflichteten die Münchner Louis van Gaal. Hoeneß meinte später, dass er, wenn er gewusst hätte, dass Heynckes wieder Spaß am Trainerjob bekommen hatte, ihn verpflichtet hätte.

Stattdessen schlugen Holzhäuser und Völler zu und holten Osram an den Rhein. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, denn Heynckes neue (?) Art passte gut zu dem jungen Team, dass eine erfahrene Hand benötigte. Die Werkself stabilisierte sich, schaffte zunächst die Euro League-Quali und dieses Jahr könnte gar die Champions League winken.

Das Potenzial von schwierigen Spielern, wie Toni Kroos oder Arturo Vidal brachte der Trainer (wieder) an die Oberfläche, aber auch andere Talente wurden nahtlos in das Leverkusener Team eingepflegt, zusammen mit ein paar älteren, erfahrenen Hasen. Hochkochende Personalien à la Ballack, verletzte Spieler wieder an den harten Bundesligaalltag heranführen – all das meisterte Jupp Heynckes mit Bravour.

Trotzdem schafften es die Bayer-Verantwortlichen nicht, Jupp Heynckes zumindest noch ein Jahr in Leverkusen zu halten. Das war das erklärte Ziel von Holzhäuser und Völler gewesen. Ein Jahr noch mit Heynckes in der Königsklasse, danach könnte dann ja Plan B, Rubin Dutt übernehmen. Aber irgendetwas passte nicht.

Im Herbst schon sollte verhandelt werden, dann im Winter, dann nach Weihnachten. Immer länger schob der Coach die Verhandlungen auf. Vor Weihnachten, so erklärte er diese Tage, dass er bereit für die Verlängerung gewesen sei, nach Weihnachten kamen die Zweifel. Warum? Ballack? Zwist mit der Vereinsführung? Keine Lust mehr auf Leverkusen?

Alles Spekulation, doch man fragt sich nun schon, warum Heynckes nach München geht. Seine Frau wolle schon lange, dass er den Job an den Nagel hängt, den Streß mit den Reisen und dem Boulevard war er schon in Leverkusen leid, hörte man allen Orten während der letzten Monate und nun in München. Ein fader Beigeschmack bleibt, doch er ist nicht zuzuordnen. Hat die Bayer-Führung geschlampt? Hat sie es sich mit Heynckes verscherzt oder hatte er keine Lust mehr auf Leverkusen?

“Bayer 04 Leverkusen ist ein sehr gut geführter Verein mit einer tollen Mannschaft. Es ist mir sehr schwer gefallen, diese Entscheidung zu treffen. Ich werde alle meine Kraft einsetzen, um den zweiten Tabellenplatz in der Bundesliga zu festigen und die direkte Qualifikation für die Champions League zu erreichen.” (Heynckes, Kicker)

Diese Worte bleiben stehen und an denen wird er sich am Ende der Saison messen lassen müssen. Ich sehe mit einem weinenden Auge Jupp Heynckes aus Leverkusen gehen.

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