Hysterie

Endlich gibt es ein Lebenszeichen in der Bayer-Fanbase. Die Hysterie ist groß. Das dritte Spiel der Saison wurde verloren gegen den Meisterschaftskandidaten Nummer 1. Der Trainer hat sich vertan. Die Spieler haben mal wieder nicht das gebracht was sie sollen. Neben dem Trainer, sind Spieler wie Manuel Friedrich und Patrick Helmes die Buhmänner. Die Innenverteidigung wird ganz allgemein verflucht. Zudem gibt es keine Spieler mit Biss im entscheidenden Moment. Ach und im Vorstand gibt es auch keine Grabenkämpfe.

Darüber mockiert sich nun die Bayer-Welt. Ein Luxusproblem, wie ich finde. Wir sprechen von einem verlorenen Spiel. Gegen einen guten Gegner. Die Werkself liegt auf Rang 4. In Schlagweite des Saisonziels, nämlich einen Champions League-Qualifikationsplatz. Alles im Plan. Nur weil die Bayern nicht so gut sind diese Saison, heißt es ja noch lange nicht, dass Leverkusen Titelaspirant Nummer 1 ist. Man darf nicht vergessen, dass die Mannschaft immer noch extrem jung ist. Das ist keine Entschuldigung oder die alles beantwortende Erklärung, aber die Mannschaft hat weiterhin Potenzial. Dieses Potenzial hat der Trainer zu großen Teilen gefördert und überhaupt erst hervor gelockt.

Was wäre ohne Heynckes aus einem Kroos oder einem Vidal geworden? Kroos würde vermutlich immer noch irgendwo in Leverkusen abhängen und Vidal wäre bereits zwei Mal gesperrt gewesen. Auch taktisch hat sich einiges getan in Leverkusen. Lange Zeit gab es nur das eine System, inzwischen sind wir bei zwei Systemen angekommen und dann hat man die Qual der Wahl und kann auch als Trainerfuchs mal daneben greifen. Deshalb gleich den Trainer verbannen wollen ist eine große Respektlosigkeit.

Die Personaldiskussionen gingen erstaunlicherweise erst nach der BVB-Pleite so richtig los. Über Helmes Abgang zu Wolfsburg würde sich gefühlt die gesamte Bayer-Welt freuen – wie es sein kann dass der Mann mal über 20 Tore geschossen hat und derzeit nicht klar kommt, fragt sich nur ein kleiner anderer Teil. Verstärkungen für die Innenverteidigung werden gesucht. Friedrich zu alt und langsam, Reinartz bisher mit mauen Spielen im defensiven Zentrum und Hyypiä muss ja auch bald aufhören.

Dass Friedrich glänzende Spiele gemacht hat in der Hinrunde wird schnell vergessen. Dass Heynckes Reinartz in der Innenverteidigung stärker sieht, als im defensiven Mittelfeld auch. Dass ein Reinartz Zeit braucht und nicht von einem Tag auf den anderen der Heilsbringer sein kann, muss doch auch den Meisten klar sein. Die Verdammung all dieser Akteure und Entwicklungen ist vor allem den Erfahrungen der Bayer-Fans geschuldet. Der ewige Zweite.

So unterhielten sich nach dem BVB-Spiel zwei Fans beider Kontrahenten miteinander. Der eine, Leverkusen-Fan, fast den Tränen nah, erklärte dem BVB-Fan, auf einer Welle des Erfolgs schwimmend, dass es ja nicht sein kann, dass Bayer immer in solchen Spielen verliert und dass der BVB den Sieg nicht verdient hätte. Der wiederum zeigte kein Verständnis. Warum auch. Das bessere Team ging als Sieger vom Platz. Wie es sich gehört.

Klar ist. Es gibt Baustellen. Daran muss gearbeitet werden. Ob dass nun die Innenverteidigung ist, die Außenverteidigung, das Mittelfeld oder der Sturm. Es wird immer etwas zu meckern geben, aber ein Kader ist auch nie perfekt. Und so eine Tiefe, wie es im Moment im Kader gibt, gab es schon lange nicht mehr. Der Trainer hat Wahlmöglichkeiten en masse – das sah lange Zeit nicht so aus. Es gibt also eine Entwicklung. Und wenn diese Entwicklung langsam so weiter geht, dann ist doch alles in Ordnung.

Genau dann brauche ich auch keinen neuen Trainer in der nächsten Saison. Sollte es weiterhin der europäische Pokal bleiben, ob CL oder EL, dann hilft der erfahrene Mann an der Seitenlinie weiter. Und in der Zwischenzeit kann nach einem neuen Trainer gesucht werden, der dann vielleicht auch in den Aufbauprozess für 2012/2013 mit einbezogen werden kann.

PS: Nebenbei sendet der Trainer Signale, dass er wohl weiter mit zwei Spitzen spielen lassen will.

Borussia Dortmund, Teil 6

Aufgrund der mehr kassierten Heimtore schied Bayer Leverkusen aus dem Meisterschaftsrennen aus. Nach einem überragenden 2:0 in Dortmund, musste die Werkself ein 1:3 im Rückspiel hinnehmen und schaffte es nicht, den komfortablen Vorsprung über die Runden zu retten. Oder so ähnlich.

Das war mal ein Fall von komplett vercoacht + individuelle Aussetzer führen zu einem desaströsen Auftreten mit katastrophalen Ausgang.

Thema: Vercoacht – Gegen die Dortmunder spielte man das klassische 4-4-2, dass lange Zeit das Non-Plus-Ultra bei Jupp Heynckes gewesen ist. Hätte klappen können. Wenn, ja wenn, vielleicht der Gegner ein anderer gewesen wäre. Statt dessen gelang im Mittelfeld nichts, da die Dortmunder sämtliche Anspielmöglichkeiten zustellten. So einfach kann das sein. Ein 4-5-1 wäre wohl die bessere Lösung gewesen. So hätte Renato Augusto hinter den Spitzen spielen können, Sam auf seiner rechten Seite und Bender und Rolfes hätten vielleicht nur halb so alt als 6er ausgesehen.

Die Personalentscheidungen waren ebenfalls unglücklich. Einen Arturo Vidal im Spiel der Saison zunächst draußen zu lassen, ihn auch in der Halbzeitpause nicht zu bringen, war fatal. Trainingsrückstand hin oder her. Benders gute Form mag ja sein, aber die Bissigkeit des Chilenen fehlte vor der Abwehr, sowohl defensiv, als auch offensiv. Weitere Ausfälle waren Patrick Helmes – der mal wieder irgendwo rumgeisterte, aber nicht da wo der Ball war und Manuel Friedrich. Beides jedoch Ausfälle, mit denen man nicht unbedingt rechnen konnte. Ein Friedrich hat zuletzt famose Spiele gemacht – das darf auf keinen Fall vergessen werden. Stefan Reinartz daneben wirkt immer noch wie ein Fremdkörper in der Innenverteidigung – vielleicht wäre Hyypiä an Friedrichs Seite die richtige Wahl gewesen. Spekulation.

Auf den defensiven Außen Schwaab und Castro einzusetzen war aufgrund der Personalsituation folgerichtig. Ein Tor wird zwar Schwaab angekreidet, aber wenn sich vor mir Manuel Friedrich so dermaßen verschätzt, dann kann so ein Ding schon mal passieren.

Im Mittelfeld brachten Sam und Augusto zwar nichts, jedoch war dies wohl eher der taktischen Ausrichtung geschuldet. Barnetta brachte nach seiner Einwechslung Schwung rein, aber das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zudem Barnetta wohl auch angeschlagen war und keine 90 Minuten gehen konnte.

Mentale Stärke gibt es in Leverkusen nicht. Wie kann es sein, dass man nach einem Gegentor so in sich zusammen fällt? Wie kann es sein, dass man in einem Spitzenspiel so agiert? Natürlich kann man auch nicht alles Manuel Friedrich in die Schuhe schieben. Die Fehler passieren nicht erst in der Abwehr. Manche Dinge darf man erst gar nicht zulassen. Von der 49. bis zur 70.Minute waren quasi nur hängende Köpfe zu beobachten. Kein Biss, kein jetzt-erst-Recht – irgendwann hatte man sich dann gefangen. Zu spät.

Jetzt kann man natürlich hingehen und sagen – das tue ich auch – “Hey Mann, ist doch nur ein Spiel – daraus kann man viele Schlüsse ziehen – jetzt gewinnen wir halt die letzten 16 Spiele.” Man kann aber auch einfach mal so ein Spiel gewinnen.

Ein Wort noch zum Gegner. Der Gegner war gut und vor allem beeindruckend in den sechs Minuten als er die Werkself erledigte. Allerdings war der BVB über den Rest der Spielzeit auch nicht das Überteam. Bayer war lange Zeit auf Augenhöhe oder knapp darunter. Da kommt noch einiges auf die Dortmunder zu. Druck, Überheblichkeit, kleine mauernde Gegner und vielleicht auch Spitzenspiele, die nicht so einfach gewonnen werden. Für mich ist die Meisterschaft weiterhin noch nicht entschieden.

Mehr zum Thema: Im Stadion

Im Stadion

Ich bin ja bekanntlich nicht der größte Stadiongänger. Als Leverkusen-Fan war ich jetzt mit Freitag zwei Mal in der BayArena, hinzu kommen noch ein paar Testspiele von der Werkself. Andere Fußballspiele habe ich schon einige live vor Ort gesehen und fußballerisch groß geworden bin ich im Preußen-Stadion an der Hammer Straße in Münster. In der Kurve. Stehend. Wie sonst, damals in den 80ern?

Warum ich nicht häufiger nach Leverkusen fahre? Nun ja. Ich bin kein Hardcore-Fan, der sämtliches Geld, dass er besitzt in Fahrten in die Bundesliga-Städte der Nation investiert. Nebenbei mag ich es vor dem Fernsehen zu sitzen und dort das Spiel zu beobachten. Ganz bequem. Spießig. Whatever. Jeder mag sich seinen Teil dazu denken. Fan sein, ist vor manche Menschen etwas anderes. Nebenbei macht Fußball gucken in Leverkusen auch nicht den größten Spaß. Freitag zum Beispiel.

Ich saß, Entschuldigung ich stand, zum Leidwesen der Menschen hinter mir, in Block F. Ein netter Block, der oft auch von Auswärtsfans frequentiert wird und von dem man eine famose Sicht auf das Spielgeschehen hat. Überhaupt ist das Stadion an sich, ein Schmuckkästchen, was von der Architektur zum Fußballgucken einlädt.

Stimmung machten in Block F vor allem die Auswärtsfans. Im Stadion selber waren am Freitag bestimmt 8.000-10.000 BVB-Fans, die auch vornehmlich für Atmosphäre sorgten. Natürlich in so einem Spiel. Oder nicht natürlich?Natürlich wenn man so ein Spiel gewinnt. Natürlich, dass die Stimmung bei den Heimfans vielleicht bei so einem Spiel auch nicht die beste ist. Zumindest nach drei solchen Gegentoren. Auf jeden Fall habe ich sie allerdings auch noch nie großartig anders erlebt. Auch nicht beim Gewinn der Herbstmeisterschaft vorletztes Jahr.

Das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern. Die Leverkusener Kurve hat vor dem Spiel noch eine seltsame Sternenkrieger-Choreo inszeniert, die zwar technisch ganz toll anzusehen war, aber irgendwie auch seltsam war. Ich kann mit so Choreos auch nicht viel anfangen. Sitzen da eigentlich Erwachsene und basteln Rene Adlers in Jedi-Klamotten? Ganz ernsthaft. Ich kenne mich da nicht aus. Für mich ist das kein Stimmungsmacher.

Dieses Jahr wird alles anders!

Dieser Hoffnung gibt sich jeder Leverkusen-Fan hin. Es wird alles anders. Wir verspielen keine Meisterschaften, keine Pokale – nein! Wir werden Meister, wir holen den Europapokal und die ganze Liga wird über die Werkself staunen. Hofft man halt irgendwie. Augenzwinkernd und nickend lesen wir Berichte, dass ja Leverkusen der einzige wirkliche Herausforderer der Dortmunder ist. Dieses Jahr. Diese Spielzeit. Wirklich.

Lange Zeit hat man das Heynckes-Team medial vernachlässigt. Jetzt wagt man wieder vorsichtig optimistische Prognosen, dass es ja vielleicht irgendwie mit ganz viel Glück, aber wenn nicht mit diesem Kader, mit welchem dann, mit der Meisterschaft klappen könnte. Wenn man nicht in der Rückrunde wieder wertvolle Punkte liegen lässt. Der Nebensatz wird noch schnell angefügt, dass man sich ja nicht vorwerfen lassen muss, dass man falsch gelegen hat oder gar auf den ewigen Verlierer gesetzt hat.

Nun ja. Der Fan hofft halt weiter. Liest die ganzen Artikel mit ein bisschen Stolz, aber auch einem leichten Schmerz in der Herzregion, weil der letzte Titel schon Dekaden zurückliegt. Also Pokal jetzt. Nicht Meisterschaft. War ja eh jedem klar.

Morgen geht es gegen Dortmund und die ganze Geschwafel kommt nicht von ungefähr, schließlich ist man ja noch ernsthafterer Titelkandidat, wenn man gegen den BVB gewinnt. Schließlich und überhaupt und sowieso waren die Bayers von nebenan ja lange Zeit das einzige Team, dass gegen Dortmund gewonnen hat und selbst fast nie verloren hat. Und das obwohl man schlecht gespielt, massig Verletzte hatte und dann bestimmt auch noch Fehlentscheidungen und Pech und alles zusammen gekommen ist, so dass man nicht mit 10 Punkten vorne liegt, sondern Dortmund. Ach 10 Punkte hätten eh nicht gereicht um Meister zu werden.

Oder doch? Oder jetzt mit 10 Punkten Rückstand? Ein Sieg, dann sind es nur noch 7. Der BVB kommt ins Schwimmen. Leverkusen fährt Sieg um Sieg ein. Jupp Heynckes schwelgt in formidablen Spielermaterial, dass endlich motiviert und gesund auf dem Platz steht und Punkte wie keine zweite Mannschaft in der Liga sammelt. Der BVB wird ganz gelb vor Neid und erzittert sich Unentschieden um Unentschieden. Und das beste am Ende gibt es nicht einmal ein Unterhaching. Bayer wird einfach Meister.

Bin ich abgeschweift? Ich wollte kurz zum Spiel morgen referieren. Ein Sieg wäre gut für die Heimbilanz. Die Liga würde sich freuen, die Fans auch, der FCB lacht sich wahrscheinlich schon grimmig ins Fäustchen und stellt den Kurs auf Platz 1 der Tabelle ein. Leverkusen meine ich.

Heynckes hat einige schwere Entscheidungen zu treffen. Nicht, ob Michael Ballack spielt – diese Entscheidung dürfte ihm leicht gefallen sein – sondern wer sonst spielt. Hyypiä oder Reinartz in der Innenverteidigung. Bender oder Vidal im defensiven Mittelfeld und der Rest ist ja dann schnell aufgestellt.

Man befindet sich auf Augenhöhe, erklärte Jupp Heynckes vor dem Spiel. Ich frage mich, warum Bayer dann 10 Punkte hinter dem BVB in der Tabelle steht. Morgen könnte Heynckes mir das genauer erklären, in dem wir ein famoses Spiel der Bayer-Elf sehen.

Das Bundesliga-Tagebuch, Teil 1: Der FCB mit Wortspielverbot

Eine neue Kategorie im Catenaccio-Lande. Dem Bayer-04-Blogger wird ab und zu mal langweilig und dann wildert er in fremden Gewässern. Und ehe er das Blog an den ominösen Nagel hängt, wird halt lieber mal was neues ausprobiert. Ich hatte auch mal in Erwägung gezogen, eine halbe Spielzeit über einen anderen Verein zu bloggen. Jetzt echt. Ernsthaft. Kein Spaß. Gute Geister haben mich aber davon überzeugt, dass das nicht gut ist. Gar nicht gut. Also. Gut.

Fast vier Wochen hat die Bundesliga geruht. Eine schlimme Zeit für die Medien, wenn die Bundesliga kein Selbstläufer ist, sondern sich die werten Journalisten in irgendwelche Trainingslager am Rande der zivilisierten Welt begeben müssen. Dort werden verbale Auseinandersetzungen in handfeste Schlägereien verwandelt und schlechte Leistungen gegen unterklassige Hottentottenteams bringen die Reporter dazu, den nächsten Abstiegskandidaten auszurufen.

Auch immer ein beliebtes Thema sind die Mannen des FC Bayern München. Ausgestattet mit einem famosen Tross an Hofberichterstattern, ist der FC Hollywood eigentlich immer eine Schlagzeile wert. Nicht während der Spielzeit, sondern auch in den Pausen. Nun darf über den Wert der Meldungen der Sportjournaille streiten, die sich dem einem Lager anschließen, um das andere fertig zu machen, aber spannend ist es doch irgendwie für den andersartig herzschlagenden Fan.

Eine Verpflichtung von Luiz Gustavo ist irgendwie unspektakulär, auch wenn man hofft, dass eine neue Variable im Defensivverbund – vermutlich auf der Außenbahn – die Bayern-Abwehr vorerst schwächt. Umso spannender sind die Grabenkämpfe zwischen Vorstand und Trainer, die nach der T-Frage im Bayern-Kasten entstanden sind.

Moment. Eine T-Frage im Bayern-Tor? Richtig. Zu fast aller Überraschung, auch der des FCB-Präsidiums hat sich der etwas “eigenwillige” Louis van Gaal dazu entschlossen, ganz eigenmächtig, den Torhüter auszuwechseln. Der junge Kraft, ersetzt den alten Butt. Soweit so gut. Im Hintergrund bebt da auch noch das Neuer-Beben, aber alles der Reihe nach.

Ein Torwart-Wechsel ist ungewöhnlich zu diesem Zeitpunkt, speziell wenn sich der alte nichts zu Schulden hat kommen lassen. Torhüter sind ja sensible Gestalten und dass Louis van Gaal wenig Rücksicht darauf nimmt, liest man in den Geschichtsbüchern der Ligen dieser Welt. Aber vielleicht hat das Gründe.

Die Meinung eines Außenstehenden. Vielleicht auch das Wunschdenken. Thomas Kraft ist ein talentierter junger Keeper. Was er kann, hat er schon in einigen wenigen Spielen bewiesen. Das reicht für van Gaal. Das wenige gute Spiele reichen, um jemand einzusetzen, an den er glaubt, ist alte van Gaal-Schule. Für den Fall, dass es doch nicht läuft und der junge Mann unter dem Druck zerbricht, kann man immer noch den alten wieder einbauen.

Van Gaal hat schon zu Beginn seiner ersten und zweiten Saison bei den Bayern experimentiert. Und weiter experimentiert. Bis es geklappt hat. Und er hat Erfolg gehabt. Wenn es diese Saison nicht klappt, dann halt nicht. Der FCB ist Fünfter nach der Hinrunde, die Meisterschaft gar schon abgeschrieben. Warum dann nicht ein kleines Risiko eingehen mit Thomas Kraft? Dass man keinen Champions League-Platz erreicht, glaubt doch eh niemand. Mainz und Hannover stehen vor dem FCB. Also bitte!

Dann ist da noch Manuel Neuer. Der Mann mit der Eckfahne in der Allianz-Arena. Vielleicht braucht es ihn ja gar nicht? Wenn der Torhüter Kraft ein Großer wird, anders als der Torhüter Rensing, der Jahre hinter Oliver Kahn schmoren musste.

Und das Präsidium? Das ist ja eh eine Geschichte für sich. Da ist der Ex-Präsident Beckenbauer, der Ex-Manager Hoeneß, der jetzt Präsident ist und da ist der Ex-Spieler Nerlinger, der jetzt Manager ist. Ach und das Ex-One-Hit-Wonder-Thema Rummenigge. Alle reiben sich die Augen, was denn ihr Trainer da macht, ohne erst um Erlaubnis zu fragen.

Dabei ist doch der Trainer Experte für seine Spieler, oder? Traut man dem Trainer, der den FCB zum Meister machte, zum Pokalsieger und zum Champions League-Finalisten, nicht ein bisschen Fachwissen zu? Schade, denn ich glaube, so einen starken Trainer hat der FC Bayern schon lange gebraucht, um auch international wieder eine Nummer zu werden. Nicht, dass ich ihnen das wünschen würde.

Winterzeugnisse 2010/2011

Inzwischen gute alte Tradition sind die von Catenaccio ausgestellten Winterzeugnisse für die Bayer-04-Akteure. Im ersten Winter gab es noch für jeden Spieler ein eigenes Zeugnis, letzte Saison gab es ein Gesamtzeugnis, um das ganze ein bisschen zu straffen. Alle Winterzeugnisse gibt es unter dem entsprechenden Tag.

Tor:

Rene Adler: Eine wichtige Saison für den Nummer-1-Keeper der Leverkusener, den jüngst traten erste Gerüchte auf den Plan, dass Manchester United Interesse an Adler habe. Adler, seines Zeichens ehemaliger Nummer-1-Keeper des DFBs hatte gerade diesen Posten aufgrund eines Rippenbruchs vor der WM verloren und hatte sowieso eine durchwachsene Saison 2009/2010 gespielt. Nun klopft Adlers Lieblingsverein an und da heißt es sich empfehlen, wenn es schon in der Nationalelf nicht klappt. Schließlich sind die Plätze bei Topclubs in Europa im Tor spärlich gesäht. Adler spielte solide mit einige Ausreißern nach Oben und Unten, jedoch nie mit den ganz derben Patzern, wie noch in den letzten Spielzeiten. Speziell in den Pokalwettbewerben zeigte er seine Klasse. Gegen Gladbach hielt Adler Bayer überhaupt im Spiel, eine ähnliche gute Leistung zeigte er beim 1:0 zuhause gegen Saloniki in der Europa League. Insgesamt ein echter Rückhalt, der wohl früher oder später den Verein verlassen wird. Schwächen bleiben weiterhin hohe Bälle und die Strafraumbeherrschung, wenn auch nicht mehr ganz so gravierend wie noch in den Monaten vor der WM.

Fabian Giefer: Giefer könnte früher oder später der Nutznießer des Adler-Abgangs sein und damit könnten sich wohl alle Beteiligten anfreunden. Giefer durfte in der Bundesliga ein Mal ran und spielte 2:2 gegen Freiburg. Ein solides, aber kein herausragendes Match. Hinzu kamen noch zwei ordentliche Auftritte in Trondheim und gegen Madrid, was wohl sein bester Auftritt im Bayerdress in dieser Saison war.

Abwehr:

Gonzalo Castro: Castro war zwischen dem 3. und dem 12. Spieltag verletzt. Ein Muskelfaserriss im Oberschenkel setzte den erst 23-Jährigen ausser Gefecht. Und da liegt auch schon das Problem des Mannes, der seit Jahren als großen Hoffnung auf der Außenverteidigerposition gilt, dies aber oft wegen Verletzungen nicht umsetzen kann. Zu seinen Stärken gehören die Vielseitigkeit – ähnlich wie bei Philipp Lahm, kann er links wie rechts spielen und hat einen fantastischen Schuss. In den nur neun Spielen der Hinrunde, die er bestritt wechselten sich gute mit schlechten Leistungen ab. Hinzu kamen drei gelbe Karten, was wohl früher oder später zu einer Gelbsperre führen wird.

Manuel Friedrich: Blickt man in die Kicker-Noten von Manuel Friedrich so offenbart sich beim ehemaligen Mainzer zunächst das Grauen. In schöner Regelmäßigkeit wechseln sich 4er und 5er ab – erst ab Mitte der Hinrunde stabilisiert sich das Ganze. Zum Ende könnte man fast sagen, dass er in die Kategorie Leistungsträger fiel. Eine erstaunliche Wandlung, die wohl auch auf Jupp Heynckes zurück zu führen ist, der den 31-Jährigen zwischenzeitlich beiseite nahm und ihm verklickerte, dass es so nicht weiter geht. Friedrich biss die Zähne zusammen und zeigte Leistung. Groß. Wenn er jetzt bei den Standards auch mal das Tor treffen würde.

Sami Hyypiä: Man gewöhnt sich ja daran, dass man langsam alt wird. Dass es kaum Spieler gibt, die in der Bundesliga spielen und noch älter sind als man selbst. Aber es gibt sie. Hyypiä gehört dazu. Die Legende bringt weiter Leistung, auch wenn der Körper hin und wieder zwackt. 11 Spiele absolviert er in der Liga, aber wenn er auf dem Platz steht, strahlt er Ruhe aus, er verteilt die Bälle gewissenhaft. In dunklen Stunden können die Jungen zu ihm aufblicken. Nicht so dominierend wie noch in der letzten Spielzeit, aber immer da, wenn man ihn braucht (Das Gladbach-Spiel vergessen wir einfach mal).

Michal Kadlec: Etwas überraschend stellte ich fest, dass Kadlec fast alle Spiele in der Hinrunde mitgemacht hat. Ein einziges Mal fehlte er in der Liga, zwei Mal in der Euroleague. Dafür, dass er eigentlich nicht die Leistungen zeigt, die für die erste Elf reichen sollten, beeindruckend. Der Tscheche steht oft zu hoch oder zu tief, das Gefühl für die beste Position fehlt noch. Eine Flanke von der Grundlinie ist in dieser Spielzeit noch nicht zu besichtigen gewesen, aus dem Halbfeld kommen sie mehr schlecht, als recht. Gegen den BVB wird er aufgrund einer Sperre fehlen. Zeit für Heynckes mal was Neues zu probieren.

Stefan Reinartz: Etwas überraschend kam vor der Saison der Hinweis vom Trainer, dass Stefan Reinartz eine Einsatzgarantie habe. Und so kam es dann auch. In der Bundesliga gab es einen Fehltermin, ebenso wie in der Euroleague, sonst stand er immer auf dem Platz. Zumindest physisch. Reinartz pendelt derzeit noch zwischen der 6er- und der Innenverteidiger-Position. Auch wenn allseits gesagt wird, dass die IV-Position seine Position ist, hat er hier noch einiges zu lernen. Ein Fehler, der auf der 6er-Position noch ausgebügelt werden kann, kann auf der IV-Position schon zum Tor führen. Da schwamm Reinartz doch desöfteren mal.

Daniel Schwaab: Für mich einer der Spieler, die sich am besten entwickelt haben. Schade, dass er nicht die entsprechende Einsatzzeit bekommen hat. Inzwischen auch passabel auf der IV-Position, spielt er eine arg unterschätzte Rolle auf der AV-Position. Ballsicher, dribbelstark und inzwischen auch bei Flanken besser. Schwaab gehört zu den Spielern mit den meisten Ballkontakten, wenn er auf dem Platz steht. Nicht ohne Grund. Verbesserungspotenzial auch hier im Stellungsspiel, wie auf der gegenüberliegenden AV-Position und beim Flanken. Aber es wird.

Domagoj Vida: Viel war von ihm nicht zu sehen. Kein Einsatz in der Bundesliga, dafür vier in der Euroleague, die eher unterer Durchschnitt waren. Eine weitere Winterpause und ein paar Kurzeinsätze werden ihm gut tun. Potenzial ist auf jeden Fall zu sehen.

Mittelfeld:

Hanno Balitsch: 14 Spiele. 10 Einwechslungen. Dafür wurde er geholt und diese Rolle füllt er perfekt aus. Bissig, zweikampfstark – ein Fighter, der entweder dem Gegner den Schneid abkaufen soll, das Spiel beruhigen oder antreiben soll. Wenn er von Beginn an aufläuft, ein solider 6er, speziell im Spiel nach Hinten. Ein nicht zu unterschätzender Spieler im System des Jupp Heynckes.

Michael Ballack: Ein trauriges Jahr für Ballack. WM verpasst, ent-capitanot und dann direkt wieder verletzt. Drei Spiele machte er für Bayer. Ohne groß aufzufallen. Er wird es in der Rückrunde schwer haben.

Tranquillo Barnetta: In Leverkusen haben die Flügelspieler in der Regel das Problem, dass sie entweder brillant spielen oder kaum auffallen, weil ihr Gegenüber eine famose Partie abliefert. So auch Barnetta. Große Spiele wechseln sich mit nicht so großen ab. Die Leistungsabfälle sind aber nicht so groß, wie schon die Spielzeiten zuvor, speziell deshalb weil er die taktische Linie hält und im Zweifelsfall weiter nach hinten arbeitet, wenn es vorne dann auch mal nicht so gut läuft. Da können die jungen Wilden im äußeren Bayer-Mittelfeld noch was lernen.

Lars Bender: Er spielt noch die ganz große Rolle, wie sein Bruder in Dortmund, dennoch deutet er immer wieder gute Leistungen an. Im defensiven Mittelfeld solide, wenn noch nicht mit der Übersicht, der übrigen 6er im Leverkusener Auffangbecken für defensive Mittelfeldspieler. In der Euroleague mit sehr guten Leistungen gegen Trondheim zwei Mal und gegen Atletico daheim.

Burak Kaplan: Ein kleiner Stern ging dann letzte Saison im Leverkusener Mittelfeld auf. Burak Kaplan spielte vier Mal und sammelte vier Scorerpunkte. Diese Saison spielte er kein Mal in der Liga und in den vier Spielen der Euroleague konnte er sich nicht empfehlen für weitere Einsätze. Beim Überangebot im Leverkusener Mittelfeld könnte für ihn, früher oder später ein Leihgeschäft in die zweite Liga in Frage kommen.

Renato Augusto: Aus der Kategorie: “Ewiges Talent, ewig verletzt” entsprang diese Spielzeit zumindest teilweise der Brasilianer. Zur Mitte der Hinrunde nochmal mit Knieproblemen, danach aber mit sich stabilisierenden Leistungen. Famoses Ausrufezeichen im Spiel gegen Hamburg. Zwei Tore, davon eins mit Zuckerguss und ein weiteres vorbereitet (die offizielle Statistik spricht von einem Eigentor Frank Rosts). Stichwort Leistungsschwankungen: Siehe Barnetta, Tranquillo.

Simon Rolfes: Der Spieler, der wohl am schmerzlichsten in der letzten Spielzeit vermisst wurde. Man unkt, dass zumindest die Champions League-Quali mit ihm möglich gewesen wäre. Diese Saison ab Spieltag 5 mit Kurzeinsätzen, ab Spieltag 11 wieder eine feste Größe im defensiven Mittelfeld. Wenn er auf dem Platz steht, ist Ruhe im Karton. Wenn er noch im Aufbau und in der Verteilung leichte Probleme hat, so scheint er doch mit seiner Präsenz die anderen Spieler zu führen. Das Spiel der bisherigen Spielzeit machte er in Wolfsburg. Beim Stand von 0:2 eingewechselt, drehte er mit Bayer das Match, traf zwei Mal u.a. zum 3:2.

Sidney Sam: Dass der kleine Mann aus Kaiserslautern gleich so einschlägt, hätten wohl die wenigsten gedacht. 14 Scorerpunkte sammelte er in 20 Pflichtspielen, davon unter anderem das Tor des Monats gegen den 1.FC Kaiserslautern. Sam lebt von seiner Schnelligkeit, mit Ball, ohne Ball, während des Dribblings, jedoch noch nicht von seiner taktischen Disziplin. Da ist sicherlich noch dran zu arbeiten. Speziell nach vorne, wäre der Blick für den Mitspieler manchmal sinnvoller. Nicht umsonst sammelte er nur einen Assistpunkt in der Bundesliga. HSV-Fans fragen sich noch heute, was wohl damals im HSV-Internat so schlimm war, dass man ihn dieses Jahr für nur 2 Millionen verscherbelte.

Arturo Vidal: Ohne Worte. Der Chilene hat eine fabulöse Wendung unter Jupp Heynckes genommen. Als einziger Bayer-Spieler in allen 17 Bundesliga-Spielen dabei. 8 Tore. 6 Assists. Hinzu kommen 2 DFB-Pokal-Spiele mit einem Tor und vier Euroleague-Spiele, mit dem enorm wichtigen Last-Minute-Siegtreffer gegen Aris Saloniki. 23 Spiele. Und das beste. Nur zwei gelbe Karten!

Sturm:

Eren Derdiyok: 8 Spiele im sowieso schon etwas untertoreversorgten Bayersturm ohne Treffer. Eren Derdiyok befindet sich im Leistungsloch. Das Spielsystem kam ihm nicht zuletzt nicht entgegen. Zu oft geht der Schweizer ins Mittelfeld um sich im Ein-Mann-Sturm-System die Bälle zu holen, da fehlte dann oft der Sturmpartner. In der Rückrunde darf man gespannt sein, wie oft Heynckes wieder das 4-4-2 spielen lässt und ob Derdiyok dann ran darf.

Patrick Helmes: 18 Spiele. 12 Tore. Hört sich erstmal gut an, aber für Helmes nicht das Optimum. Zu wenig Einsatzzeit, was laut Heynckes an zu wenig Einsatz lag. Wo es mit Helmes hingeht, hängt vom System ab. Im 4-5-1 wird er, wenn Kießling fit ist, nicht spielen dürfen. Auch wenn die Laufbereitschaft zuletzt nach oben ging, ist er ein Strafraumstürmer und keiner, der durch viele Aktionen außerhalb dieses Bereichs auffällt.

Nicolai Jörgensen: Im 4-5-1 oft im Mittelfeld eingesetzt, dass aber zu gut und zu effektiv für den dänischen Zweitligaspieler war. Ab Mitte der Saison kaum noch Matches, dafür Einsatzzeit, aber wenig empfehlenswertes in der Euroleague. Noch einiges an Entwicklungspotenzial.

Stefan Kießling: Am 4.Spieltag mit Syndesmosebandriss. Am 17.Spieltag wieder gekommen und gleich wieder der Alte. Bälle im Mittelfeld erobern, ablegen, nach vorne arbeiten, laufen, vorbereiten. Hoffnungsträger für den Bayer-Sturm.

Minutenandacht, Teil 11 – Die Torwand der Peinlichkeiten

Einst stand das Aktuelle Sportstudio im ZDF für Qualität. Inzwischen erinnert das Ganze immer mehr an den Sportstadl. Vornweg turnt Frau Müller-Hohenstein auf einer Welle der Folklore durch den Sportabend und schafft es sogar das Torwandschießen zum Politikum zu machen.

Eine Geschichte über Katrin Müller-Hohenstein, Louis van Gaal, einen Holzklompen und Didier Ya Konan und das Tamtam.

Technische Anmerkungen: Habs heute nicht scharf gekriegt. Und die ZDF-Beiträge, die ich mal unters Zitatrecht fallen lasse, waren qualitativ leider nicht besser.