Minutenandacht – ein neues Format hier bei Catenaccio. Ich habe eine Minute (oder sagen wir bis 1:59 Min.) Zeit meine Gedanken auszudrücken. Anbei gibts dann Links und Hinweise.
1.FC Kaiserslautern, Teil 1
Über ein Jahr ist es her, da schied Bayer Leverkusen im DFB-Pokal gegen den 1.FC Kaiserslautern aus. 2. Runde – die Pfälzer gewinnen daheim auf dem Betze 2:1. Das 1:0 für Lautern erzielte damals – ausgerechnet – Sidney Sam. Ausgerechnet Florian Dick bereitete dieses Tor vor. Sachen gibts. Mich wundert, dass keinem TV-Kommentator diese Koinzidenz aufgefallen ist. Die Kärtchenschreiber dieser Welt haben schlechte Arbeit geleistet.
Denn – ausgerechnet – Dick traf heute völlig überraschend zum 0:1 für Kaiserslautern nach einer verunglückten Freistoßabwehr und Sam erzielte nicht nur den Ausgleich, sondern auch ein äußerst ansehnliches Volleytor aus rund 25 Metern in den rechten Winkel. Verschwiegen werden darf auch nicht, wenn auch völlig zusammenhangslos in Bezug auf vorherige Spiele und ganz ohne “ausgerechnet”, dass Patrick Helmes das 2:1 markierte.
In einer nicht ausverkauften BayArena sahen die Zuschauer ein munteres Spielchen und die von Rudi Völler geforderte 100%ige Leistungssteigerung der Leverkusener Mannschaft. Gegen den Aufsteiger überraschte zunächst die Aufstellung, denn Heynckes hatte an Klasse aufgeboten, was aufzubieten war. Adler, Kadlec, Reinartz, Friedrich, Schwaab, Rolfes, Vidal, Barnetta, Renato Augusto, Sam und Derdiyok sind Namen, die auch bei voller Kaderstärke durchaus einmal die Startelf stellen könnten. Gleichzeitig war die Aufstellung mit fünf Änderungen gleichbedeutend, obwohl Heynckes in der PK vorm Spiel lediglich drei angekündigt hatte.
Die Klasse zahlte sich aus. Bayer bestimmte fast die gesamten 90 Minuten das Spiel, ließ aber immer wieder einmal die ein oder andere gute Möglichkeit der Gäste zu. Speziell nach dem 2:1 zog sich Bayer zurück und hätte fast noch den Ausgleich kassiert. Adler rettete in höchster Not. Stattdessen machte Sam seinen Tag gegen die alten Kollegen perfekt und zeigte warum man ihn nach Leverkusen geholt hat. So werden wohl die wenigsten Fans Toni Kroos nachtrauern. Neben Sam, wussten auch Tranquillo Barnetta und Renato Augusto zu begeistern. Der Brasilianer war nach langer Verletzungspause ein echter kreativer Lichtblick, der der Heimmannschaft in den letzten Wochen immer wieder gefehlt hatte.
Die Abwehr stand weitestgehend stabil. Der Unsicherheitsfaktor Nr. 1 der letzten Wochen Reinartz erreichte heute gerade noch Normalniveau, auch wenn die Abseitsfalle mit Friedrich und die Abstimmung im Allgemeinen noch nicht ganz passte. Das Mittelfeld arbeitete gut nach hinten. Nach vorne fehlt noch die Abstimmung mit dem einen Stürmer. Derdiyok lässt sich oft zurück fallen und fehlt dann vorne. Nach der Verletzung von Derdiyok hing Helmes lange Zeit im luftleeren Raum rum, um dann im entscheidenden Moment doch da zu sein, wo er stehen muss. Einsatz und Wille stimmten heute, an den Feinheiten muss noch gearbeitet werden.
Am nächsten Samstag wartet der nächste Aufsteiger auf Leverkusen. St.Pauli so der Gegner am Millerntor.
Fussballstadien begehen
Wer zu faul ist, zum Verein seiner Wahl zu reisen oder kein Geld hat oder einfach lieber Fußball im TV schaut, aber doch gerne mal sich so ein Stadion anschauen möchte – der ist seit heute bei Google Streetview richtig.
Was wirklich toll ist – hier wird nichts geschönt!
Am Start sind natürlich die BayArena, die Allianz-Arena, sowie die Stadien in Hannover, Freiburg, Kaiserslautern, St.Pauli, Hamburg, Köln, Dortmund und Gelsenkirchen. Leider ohne Stadionsound und ohne Menschen.
Schalke 04, Teil 5
Gestern um 10:03 Uhr hielt ich die Süddeutsche Zeitung in der Hand und las einen interessanten Artikel über die deutsche Bundesliga. Die SZ hielt ein fesselndes Plädoyer dafür, dass die deutsche Liga die beste Liga der Welt sei. Wenn man mal die ständigen Berti-Vogts-Möhrchen-Witze der Redaktion überliest, mag man es fast ein bisschen glauben, was dort geschrieben steht.
Zehn Stunden später wurde der ganze Artikel ad absurdum geführt. Das mag mit einem der miesesten Fußballspielen zusammen hängen, die ich in den letzten fünf Jahren gesehen habe. Da spielten auf der einen Seite Schalke 04 und auf der anderen Bayer 04 und beide Teams konnten einfach nichts mit der besten Liga der Welt zu tun haben. Oder? Gibt es Widerspruch?
Schalke übernahm von Beginn die Initiative, wenn man bei Ballbesitz von Initiative sprechen mag. Knapp 70 Prozent standen bei den Knappen zu Buche. Zählbares, die Kreation einer Chance sprang höchst selten heraus. Leverkusen wirkte müde und spielte überraschenderweise mit der gleichen Elf, wie noch am Mittwoch gegen Gladbach. Auch der Begriff spielen, muss als wohlwollend ausgelegt werden, denn eigentlich stand man nur auf dem Platz und spielte den Ball möglichst schnell den Schalkern zu.
Flippern, wie Sky-Kommentator Marcel Reif immer wieder betonte. Bei einem dieser Flipper-Dinger bekam dann Huntelaar eine Chance, die er an die Latte setzte. Im direkten Gegenzug, weil Flipper, flankte Schwaab in den Strafraum und Helmes und Vidal verpassten das 0:1. Der Ball ging ins Flipper-Aus, das Spiel war aber noch nicht vorbei.
Beide Mannschaften kamen noch zu der ein oder anderen Chance, wenn man dem Torwart zuspielen, als Chance bezeichnet. In der Halbzeit wechselte Heynckes dann Sam ein. Es war die Entscheidung des Spiels, genauso wie die von Magath Matip für Schmitz zu bringen. So musste Rakitic nach hinten links bei den Blauen. Sidney Sam tat direkt das, wofür er eingewechselt wurde. Eine Art Schwung ins Match bringen. Ein langer Ball, Sam flitzt wie ein junger Odonkor davon, Metzelder rauscht schnaufend wie eine Dampflokomotive hinterher und nur der mangelnden Entschlussfreudigkeit des ehemaliger HSVlers ist es zu verdanken, dass der ehemalige Realo aus Madrid noch ein Bein dazwischen bekommt und das 0:1 verhindert.
Wenig später kommt es zu einer Kopie dieser Szene. Wieder entwischt Sam nach einem famosen Bender-Pass. Der zuvor erwähnte Rakitic ist zu weit von ihm weg und auch kein Schalker Innenverteidiger ist da um Sam zu stoppen. 0:1. Wer jetzt glaubt, dass ein Tor dem Spiel zwangsweise gut tut, sah sich in diesem Fall getäuscht. Schalke versuchte, kam aber gegen die überraschend kompakt und sicher stehenden Leverkusener zu keiner großen Chance mehr.
Ein grausames Spiel, dass mit Pfiffen von Seiten der Schalker Fans bedacht wurde. Leverkusen feierte. Zu Recht. Drei Punkte. Tabellenplatz 3. Wie es dazu kommen konnte, verstand an diesem Tag niemand. Es war fast wie ein Wunder!
-los
Sprachlos, ideenlos, konzeptlos, …..-los!
Angesichts des gestrigen Spiels in Gladbach fällt mir nicht viel ein zu dieser Leverkusener Mannschaft. Ich bin sprachlos. Ich war noch nicht mal wütend über diesen ideenlosen Auftritt. Ohne Konzept ging es gegen tiefstehende Gladbacher, die die Räume oft geschickt und einsatzstark zugemacht haben.
“Die Mannschaft hat gestern ein superklasse Spiel gemacht!” äußerte Jupp Heynckes in der heutigen PK vor dem Spiel gegen Schalke. Ich sehe das ein bisschen anders, denn ohne Rene Adler, der in den ersten 20 Minuten Leverkusen überhaupt im Spiel hielt, mit diversen exzellenten Paraden, wäre die Partie ganz schnell gelaufen gewesen.
Dann übernahm man zwar das Kommando, aber wirklich zwingende Chancen habe ich den restlichen 70 Minuten vielleicht zwei gezählt. Einmal Eren Derdiyok, der den Ball aus drei Metern nicht am Gladbacher Keeper Heimeroth vorbeibringt und dann noch der Elfmeter von Patrick Helmes. Dass es den gab, war auch sehr glücklich. Unabhängig von der Berechtigung hätten wohl die wenigsten Schiedsrichter einen Elfmeter gegeben.
Glück-los war man schon mal nicht. Auch nicht in der letzten Minute der Nachspielzeit, als Reinartz auf der Strafraumlinie seinen Gegenspieler legte. Schiedsrichter Stark zeigte es kurz danach an. Ein Fingerbreit fehlte zum fälligen Strafstoß. Apropos Strafstoß. Warum schießt Patrick Helmes? Wenn Arturo Vidal schon diverse Elfer versenkt hat? Normalerweise würde Helmes wohl auch sicher treffen, aber gestern ging das Ding nicht rein und dann kommen solche Fragen zwangsweise.
Apropos Strafstoß II. Als es dann ins Elfmeterschießen ging, war eigentlich klar, dass nur Gladbach gewinnen konnte. Auf das 0:1 antwortete Gladbach innerhalb von zwei Minuten mit dem Ausgleich und im Leverkusener Tor stand ein Keeper, der alles andere als Elfmeterkiller ist. So verschoss dann wieder nur Helmes. Alle anderen trafen. Aus. In der zweiten Runde. Kann passieren. Muss aber nicht.
Wo da jetzt das superklasse Spiel war, weiß ich persönlich nicht. Klar hat man das Spiel dominiert. Einsatzwillen gezeigt. Viel Ballbesitz gehabt, aber Chancen waren Mangelware – ein Tor, das nicht reichte fiel erst in der Nachspielzeit. Superklasse. Naja. Gut! Vielleicht sehe ich das aber auch alles zu schwarz. Vielleicht liegt es auch an den zahlreichen Spielen in kurzer Zeit und den vielen Verletzten. Wir werden sehen. Samstag – 18:30 Uhr gegen Schalke 04.
Systemzahlen
In den letzten Tagen und Wochen gab es immer wieder die Frage nach dem System. Spielt Bayer besser mit einem Stürmer, mit zweien oder zwei Sechsern, einem Sechser, etc? Besonders auffällig war die Systemfrage im Sturm. Ein Stürmer war ein Stürmer, während im Mittelfeld schon mal variiert wurde von der Mitte auf Außen, vom Sechser zum Zehner, auch während des Spiels. Also habe ich mir simpel die Spiele und die Ergebnisse angeschaut, um zu erheben mit welchem Stürmer-System Bayer erfolgreicher war.
Gewertet wurden Bundesligaspiele, Pokal und Euroleague-Matches. Da im Spiel von einem Stürmer, schon mal auf zwei Stürmer gewechselt wurde, zählte für die Auswertung nur der Zeitpunkt, zu dem das spielentscheidende Tor gefallen war. Ähnlich dem Gamewinning und Gametieing Goal im Eishockey.
Leverkusen hat 8 Mal mit zwei Stürmern und 5 mal mit einem Stürmer zum Zeitpunkt des spielentscheidenden Tores gespielt. Beispiel: Leverkusen begann gegen Bremen mit einem Stürmer, geriet ins Hintertreffen und nahm einen zweiten Stürmer mit aufs Feld und schießt den Ausgleich. Somit zählen die zwei Stürmer, da der Wechsel sich auf dem Blatt bemerkbar gemacht hat.
Die 8 Aufstellungen mit einem Stürmer waren vor allem zu Beginn der Saison, als man noch nominell vier Angreifer zur Verfügung hatte – mit einem Akteur in der Spitze ist man seit dem Frankfurt-Spiel aktiv.
Mit einem Stürmer sammelte man 11 Punkte, mit zwei Stürmer 12 Punkte. Die prozentuale Wert gegenüber den maximal erreichbaren Punkte liegt mit einem Stürmer bei 73% und bei zwei Stürmer bei 50%.
Es sieht offensichtlich so aus, als ob das Modell “1 Stürmer” das effektivere ist. Ob das so pauschal festzuhalten ist, bleibt fragwürdig.
FSV Mainz, Teil 3
Zwei Wochen war ich hier raus. Ein Bundesliga-Spiel habe ich verpasst. Wohl das Spiel, dass das beste Gefühl erzeugt bei einem Fan, dass es so gibt. Ein 0:2 drehen und noch 3:2 gewinnen mit einem Matchwinner, dem man es von Herzen gönnt. Ein ähnliches Spiel hätte ich mir nach dem Wolfsburg-Spiel gerne ebenfalls angeschaut, statt dessen gab es ein ernüchterndes 0:1 gegen Mainz. Den neuen Tabellenführer der Bundesliga. Was wenig tröstet.
Statt dessen saß ich den Kopf schüttelnd vor dem TV und sah eine Leverkusener Mannschaft, gezeichnet von vielen Ausfällen, mit guten ersten 20 Minuten und dann einem 60-minütigen Dauerschlaf. Das 4-5-1 funktioniert nicht, weil der Stürmer permanent vorne fehlt. Weshalb ein Patrick Helmes Tranquillo Barnetta auf links 1 zu 1 ersetzen soll ist mir auch knapp zwei Stunden nach dem Spiel extrem schleierhaft. Die Mannschaft war nicht in der Lage zwingende Chancen zu erarbeiten und dass man immer noch unter den ersten fünf weilt, ist wohl reine Glückssache.
Ich freue mich schon auf ein nächstes Spiel mit einem 4-4-2. Einem Spiel mit einer sattelfesten Innenverteidigung, einer Doppelsechs, zwei offensiven und einfallsreichen Mittelfeldaußen und zwei Stürmern, die dort stehen, wo sie stehen müssen. Wie lange wir da noch drauf warten müssen steht auf einem anderen Blatt Papier. So sind wir trotz aller spielerischer Möglichkeiten auch nur ein Mittelklasseteam.

