Pillenpackung XXIII

Kleine Häppchen um sich langsam wieder an das Dauerfressen den Rückrundenfußball am Wochenende zu gewöhnen. Freitag startet der 18.Spieltag mit der Partie Bayern München gegen Hoffenheim. Samstag um 15:30 startet auch der Tabellenführer aus Leverkusen in die Rückrunde gegen Mainz, womit auch schon die interessantesten Partien genannt wären aus Sicht des neutralen bzw. Bayer-Fans.

– Thomas Zdebel ist am Meniskus operiert worden. Nach dem Winter-Cup in Düsseldorf hatten die Mannschaftsärzte einen Einriss beim 36-Jährigen entdeckt. Neben Zdebel fällt auch Gonzalo Castro mit einem Jochbeinbruch für vier Wochen aus und Lars Bender befindet sich in der Reha, ebenfalls nach einer Meniskus-OP.

– Wenig kreativ fand Jupp Heynckes, die wiederkehrende Frage eines Medienvertreters, wann denn der Einbruch der Werkself anstünde. Nachzulesen bei Zeit Online. Das Bayer das Vizekusen-Syndrom ablegen will, ist bei Welt Online zu begutachten.

Querdenker Wolfgang Holzhäuser wird 60. Der Express schenkt den Internetlesern ein unsägliches Klickinterview. Essenz: Holzhäuser will den Fans einen Titel schenken.

– Herbstmeister wurde Leverkusen. Erster Titelkandidat nach Ansicht der Bundesliga-Trainer bleibt aber Bayern München. Immerhin vier Mal wurde die Werkself genannt. Gar nicht übel.

– Die Vorbereitung samt Testspielen ist abgeschlossen und die Bilanz der Leverkusener über die gesamte Saison ist immer noch höchst beeindruckend. Keine Niederlage in der Sommervorbereitung. Keine Niederlage in der Bundesliga. Eine Niederlage im DFB-Pokal und nun eine Niederlage beim Winter-Cup in Düsseldorf gegen Fortuna Düsseldorf (45 Minuten-Match). Das Spiel um Platz 3 gegen Wolfsburg wurde gewonnen. Am Freitag gab es einen echten Härtetest in Enschede beim holländischen Herbstmeister, den man 2:1 bezwang.

Winterzeugnisse 2009/2010

Letztes Jahr habe ich mir noch die Mühe gemacht, für jeden Spieler ein Einzelzeugnis anzufertigen. Das klappt leider dieses Jahr nicht, aufgrund der leicht verkürzten Winterpause und der Tatsache, dass ich nicht mehr nichts tuend auf der Arbeit sitze, sondern arbeitend studiere. Gegen jedes Klischee. Schön!

Also ein Post für alle Mann.

Tor:

Rene Adler: Eine gute Hinrunde für die Nummer 1 im Werkself-Tor. Nach dem Rummel seiner Nominierung für die DFB-Elf in der letzten Saison und diversen Fehlgriffen stabilisierte sich Adler immer mehr. Viele ordentliche Spiele, zwei sehr gute gegen Hannover und Bayern München und ein mieses gegen Schalke. Adlers größte Schwäche sind hohe Bälle vor das Tor. Da stimmt das Timing vorne und hinten nicht. Sein Ziel ist die Nummer 1 im DFB-Tor. Dafür muss Leverkusen gut abschneiden.

Fabian Giefer: Ein junger Mann aus der Leverkusener Torwartschule, der gegen Frankfurt beim 4:0 sein Bundesliga-Debüt gab. Ein undankbares Spiel, weil Giefer vielleicht zwei ernsthafte Ballberührungen hatte. Sein wahres Talent zeigte er just dieser Tage beim Winter-Cup in Düsseldorf, als er gegen Wolfsburg ein ums andere Mal sicher und souverän auch schwierige Situationen meisterte.

Abwehr:

Gonzalo Castro: Vor der Saison äußerte der Verteidiger, dass er gerne mal defensives Mittelfeld spielen wolle. Seine eigentliche Sahneposition. Stattdessen spielte Castro als Notnagel links, obwohl er doch, wenn schon, sonst rechts spielte. Und siehe da – das klappte wunderbar. Castro ist flexibel einsetzbar und durfte tatsächlich auch noch im defensiven Mittelfeld ran, auch da ohne Fehl und Tadel. Auch für ihn, ist die WM oder im Notfall die EM auch wieder ein Thema, wenn er auf dem Niveau weiter spielt. Jetzt leider vier Wochen außer Gefecht mit einem Jochbeinbruch.

Manuel Friedrich: Letztes Jahr sollte er die Abwehr ordnen. Das gelang nur mäßig. Stellungsspiel und Zweikampfverhalten ließen zu wünschen übrig. Diese Saison sieht das ganz anders aus. An der Seite von Sami Hyypiä blüht der Ex-Mainzer auf und zeigt die besten Spiele seiner Karriere. Wie abhängig er aber noch vom Finnen ist, zeigte das DFB-Pokalspiel gegen Kaiserslautern. Dort patzte er ohne Hyypiä. Beim Winter-Cup in Düsseldorf jedoch sah das schon anders aus. Vielleicht nimmt er das Selbstvertrauen mit und startet vielleicht auch noch eine DFB-Karriere.

Sami Hyypiä: Eigentlich ist über ihn alles gesagt. Die Frage ist, was passiert, wenn der alte Mann mal verletzt ist?

Stefan Reinartz: Wird im Kader als Verteidiger geführt. Gehört aber zu den wandelbarsten und potenziell stärksten Nachwuchsspielern. Agierte die halbe Saison als Ersatz für Simon Rolfes im defensiven Mittelfeld und ersetzte den Nationalspieler 1:1. Beeindruckend für so einen jungen Mann, der gerade aus der Fernleihe des Nürnberger Ausbildungsinstituts wieder kam. Jupp Heynckes sieht in ihm aber einen noch stärkeren Innenverteidiger. Ein Mann für Bayers Zukunft.

Daniel Schwaab: Rückte vor allem in den Kader, weil Kadlec lange Zeit verletzt war. Spielte defensiv ordentlich, hat jedoch noch Schwächen in der Vorwärtsbewegung. Kann sich selten bis zur Grundlinie durchsetzen und flanken, sondern feuert lieber die Willy-Sagnol-Gedächtnis-Bogenlampe am Strafraumeck ab. Hier hat der Trainer noch was zu tun, aber auch beim Freiburger Neuzugang erkennt man das Potenzial.

Michal Kadlec: Nach der Länderspielreise mit Tschechien außer Gefecht gesetzt mit einer Sprunggelenksverletzung. Wurde zum Saisonende langsam wieder ans Team herangeführt. Spielte sogar zunächst im linken Mittelfeld, dann auch wieder links defensiv. Wird Daniel Schwaab im Laufe der Rückrunde verdrängen.

Lukas Sinkiewicz: Wartet sehnsüchtig auf den Wechsel nach irgendwo. Letzte Saison dauerverletzt und wenn auf dem Platz ein Sicherheitsrisiko, aufgrund fehlender Praxis und Selbstbewusstsein. Ein ähnlicher Eindruck entstand beim Spiel gegen Schalke, als er zusammen mit Rene Adler eine 2:0-Führung verspielte. Sinkiwiecz wird sicherlich nicht mehr glücklich werden in Leverkusen.

Mittelfeld:

Tranquillo Barnetta: Vor der Saison immer mit dem Wechsel kokettierend. In dieser Spielzeit Vertragsverlängerung und im Großen und Ganzen gute Leistungen. Die Schwankungen im Gegensatz zur Spielzeit letztes Jahr sind nicht mehr so extrem. Kommt nach vorne nicht mehr so viel, arbeitet der Schweizer auf jeden Fall fleißig nach hinten mit. Sieben Assists und zwei Tore sprechen eine eigene Sprache. Immer brandgefährlich bei Standards.

Toni Kroos: Mäßiger Saisonbeginn, mit famosen Hinrundenabschluss. Sicherte die Herbstmeisterschaft mit einem Doppelpack gegen Gladbach. Heynckes Vertrauen, die Spielpraxis und die ersten Erfolgserlebnisse sind gut für den Münchner Leihspieler, der von den Verantwortlichen gerne gehalten werden soll. Genaues weiß man nicht. Nach den guten Leistungen zuletzt, stiegen die Begehrlichkeiten der Bayern. Nun auch ein Thema für Jogi Löw und die WM. Dafür muss er allerdings konstant gute spielen und die Leistungen der letzten 5-7 Spiele bestätigen.

Arturo Vidal: Machte in meinen Augen mit den größten Sprung im Team. Auch er profitierte von Jupp Heynckes Einfluss. Vidal spielt den defensiven 6er neben Rolfes bzw. Reinartz sehr gut. Er ist zweikampfstark und immer Willens alles zu geben. Das war früher oft sein Problem, inzwischen hat er sich besser unter Kontrolle, provoziert weniger, fällt weniger spektakulär, foult weniger. Damit ein echter Gewinn in der Hinrunde.

Renato Augusto: Spielte beim Winter-Cup in einem Spiel im 4-5-1-System mit Barnetta und Kroos zusammen. Ein famoses Trio, dass in dieser Aufstellung, wenn der Brasilianer fit ist, sicherlich eine Alternative für Heynckes ist. Gehört zu den Rekonvaleszenten, die langsam ans Team herangeführt werden müssen.

Simon Rolfes: Eine erste echte Verletzung warf Rolfes weit zurück. Gefühlte 200 Spiele am Stück absolvierte er für Bayer, nun kam ihm der Meniskus dazwischen und das wo es gerade auf der 6er-Position auch in der Nationalelf krankt. Für Rolfes wäre die Chance auf die WM und einen Startelfplatz bei normalen Leistungen enorm groß. Wird sich wieder in die Elf spielen und weiterhin Mister Zuverlässig bleiben. Saisonstart war sehr gut, vor allem mit Scorerqualitäten. Vier Tore, zwei Assists in neun Spielen sind sehr gut für einen defensiven Mittelfeldmann.

Lars Bender: Unter der Saison von den 60ern gekommen. Erste Duftmarken gesetzt bei Kurzeinsätzen. Erzielte sein erstes Bundesliga-Tor gegen Frankfurt, durfte einmal von Beginn an gegen den BVB starten, überzeugte dort aber nicht. Viel Potenzial was noch in die richtigen Bahnen gelenkt werden muss.

Burak Kaplan: Spielte ein tolles Trainingslager vor der Saison und bekam deshalb einen Profivertrag. Durfte dann in Match 16 als Einwechselspieler ran und traf direkt. Schneller, quirliger Tempodribbler für das offensive Mittelfeld – ebenfalls mit Potenzial.

Thomas Zdebel: Der Ex-Bochumer hat in Leverkusen sein Altenteil gefunden. Fällt ebenfalls in die Kategorie zuverlässig. Immer für eine Einwechslung gut oder die Sicherung eines Ergebnisses.

Sturm:

Stefan Kießling: Ungezählte Bälle sprangen dem Franken in seiner Karriere vom Fuß, in der Saison 2009/2010 irgendwie ausnahmsweise nicht. 12 Tore und vier Assists machen ihn, inklusive diverser Spitzenleistungen zum besten Feldspieler der Hinrunde (laut kicker). Wichtig für ihn, dass er weiter trifft und sein Selbstbewusstsein nicht verliert. Absolut gesetzt im Sturm.

Eren Derdiyok: Der Schweizer kam und profitierte gleich von Patrick Helmes Verletzung und seiner Körpergröße. Spielte eine ordentliche Hinrunde, nutzte aber oft sein Potenzial nicht, spielte eigensinnig und mit dem Kopf nach unten. Man darf gespannt sein, wie er auf den Druck durch Helmes reagieren wird. Ein kleiner Konkurrenzkampf wird dem Sturm der Leverkusener sicherlich nicht schaden.

Patrick Helmes: Wird langsam ans Team wieder herangeführt. Spielte beim Wintercup in Düsseldorf an der Seite von Eren Derdiyok und zeigte seine Qualitäten. Was ihm fehlt ist die Spielpraxis und dann ein schnelles Erfolgserlebnis und Konkurrent Derdiyok dürfte sicherlich darauf das nachsehen haben. Man darf gespannt sein.

Halbzeitbilanz 2009/2010

Zwei Wochen sind seit dem Abschluss der Hinrunde und der damit verbundenen Herbstmeisterschaft für Bayer Leverkusen ins Land gegangen. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Die blanken Zahlen.

Neun Siege, acht Unentschieden und keine einzige Niederlage: Zum Vergleich – In der Vorsaison gab es zehn Siege, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen. Das sind drei Punkte weniger gewesen und statt Platz Eins nur Platz Fünf. Auch letztes Jahr reichten Hoffenheim 35 Zähler zur Halbzeitmeisterschaft, was dann kam ist allseits bekannt, auch was aus den Leverkusener 32 Punkten wurde. Nämlich gerade mal 49 am Ende der Saison. Das soll aber erstmal nicht das Thema sein.

Neun Siege, von denen ich keinen als besonders glücklich oder unverdient darstellen würde. Gegen Hoffenheim gewann man 1:0, war aber klar das bessere Team. Gegen Bochum gewann man mit 2:1 und drehte erstmals seit über einem Jahr ein Spiel nach Rückstand. Gegen Wolfsburg gab es ein 3:2 – hier schwächelte die Werkself zum Schluss. Das 1:0 gegen Köln fiel in der Schlussphase. Die Kölner hätten sicherlich ein Remis verdient gehabt, nutzten aber ihre Chancen nicht. Dann noch das 3:2 gegen Gladbach am letzten Spieltag der Hinrunde. Knapp aber verdient und wieder ein Spiel gedreht. Sehr beeindruckend, weil man der Mannschaft ansehen konnte, dass sie wollte und es tatsächlich auch schaffte. Die restlichen fünf Siege liegen im Bereich 4:0 oder 5:0. Starke Spiele. Verdiente Siege.

Beim Blick auf die Unentschieden hält sich auch hier der Eindruck, dass die Ergebnisse standesgemäß waren. Hier und da wäre mal ein Sieg drin gewesen, manchmal vielleicht auch eine Pleite.

Letztlich sind es aber diese massive Anzahl an Unentschieden, vor allem zum Ende der Hinrunde, die den Eindruck entstehen ließen, dass Bayer nicht reif ist. Dass sie noch kein Spitzenteam sind. Trotzdem stehen sie am Ende der Hinrunde auf Platz Eins. Und das ist für mich entscheidend. Zudem hatte Bayer kein leichtes Restprogramm mit Topteams und mehr Auswärts-, als Heimspielen. Schafft die Werkself eine ähnlich gute Rückrunde, gehört die Mannschaft zu den Titelkandidaten und Spielplan und Kader versprechen einiges.

Zum Zahlenabschluss. 35:13 Tore. Eine Tordifferenz von +22. Bester Sturm, beste Abwehr (mit Schalke), beste Tordifferenz.

Der Kader.

Das Bayer einen guten Kader hat, zeigte eigentlich schon die letzte Saison. Viele junge Talente, die ein sehr großes Potenzial haben. Leider fehlte die führende Hand, sowohl neben, als auch auf dem Platz. So verstärkten die Verantwortlichen den Kader vor allem punktuell.

Eine erste Schlüsselverpflichtung wurde im Mai des letzten Jahres getätigt, die allseits belächelt wurde. Mit Sami Hyypiä kam ein alter Finne für die Abwehr. Die Verpflichtung muss man sowohl Völler, als auch Labbadia zuschreiben, die sich folgend äußerten am Tag des Vertragsabschlusses.

Sportchef Rudi Völler: „Sami Hyypiä wird mit seiner Erfahrung und seiner Präsenz auf dem Platz mehr Stabilität in unsere junge Mannschaft bringen.”

Cheftrainer Bruno Labbadia: „Hyypiä ist derjenige, der unserer Mannschaft weiterhelfen kann. Ich freue mich, dass er sich für Bayer 04 entschieden hat.”

Das lass ich einfach mal so stehen. Weiterhin wurde Eren Derdiyok für den Sturm verpflichtet. Ebenfalls jung. Mit Potenzial. Ersetzte Patrick Helmes im Sturm und machte seine Sache soweit ganz gut. Mehr demnächst in der Einzelbewertung. Theofanis Gekas kam aus Portsmouth wieder und sah überhaupt kein Land. Für das Mittelfeld wurde unter der Saison Lars Bender nach Leverkusen geholt, der aber nur sporadisch zum Einsatz kam. Eine Doppelrolle in Abwehr und Mittelfeld hatte Nürnberg-Heimkehrer Stefan Reinartz. Für die Abwehr heuerte noch Daniel Schwaab an, der ebenfalls auf eine stattliche Anzahl von Einsätzen kam.

Das lag vor allem daran, dass eine mittlere Verletztenmisere den Bayer-Kader heimsuchte. Helmes verletzte sich schon vor der Saison. Im Mittelfeld fehlten unter anderem Simon Rolfes und Renato Augusto lange Zeit, Toni Kroos spielte zu Beginn auch nur mit halber Kraft. Hinten erwischte es Michal Kadlec, aber auch Patrick Sinkiewicz, sowie Gonzalo Castro, den immer wieder Muskelproblemen plagten. Das ist natürlich nicht mit der Situation beispielsweise in Hamburg zu vergleichen, aber dennoch gravierend, wenn man bedenkt, wer denn nun fehlte. Das Überraschende ist, dass alle Ausfälle kompensiert wurden. Zur Rückrunde sollen dann alle wieder fit sein, was dem Kader mehr Tiefe gibt, aber den Trainer aber vor die Qual der Wahl stellt und nebenbei muss er auch noch die Reservisten bei Laune halten. Ob das so gut klappt, wie Heynckes prognostiziert ist fraglich.

Zur Winterpause waren die Verantwortlichen vor allem im Ausmisten des Kaders aktiv. Im Sturm gingen Gekas und Richard Sukuta-Pasu, jeweils leihweise nach Berlin, bzw. St.Pauli. Gekas wird dort wohl eher sein Glück finden, als in Leverkusen, da die Heynckes-Taktik dem Griechen überhaupt nicht entgegen kam. Sukuta-Pasu kann so endlich Spielpraxis sammeln und vielleicht gestärkt, wie zuvor bspws. Stefan Reinartz heimkehren.

Bleiben noch drei Spieler im Sturm, was im Ernstfall – Verletzung, Sperre, etc. – etwas eng werden könnte. Ein weiterer Kandidat für einen Wechsel wäre noch Sinkiewicz, der auch nicht so richtig glücklich wird.

Zu den Leistungsträgern im Kader zählte im Tor sicherlich Rene Adler, der immer noch Probleme bei hohen Bällen hat, aber deutlich stabiler in dieser Saison spielt. Manuel Friedrich und Sami Hyypiä in der Abwehr. Friedrich blüht an der Seite des Finne richtig auf und darf sich vielleicht doch noch mal Hoffnung auf den WM-Kader machen? Hyypiä ist der Name überhaupt, auch für die Medien. Ein Stellungsspiel vom Feinsten, Spieleröffnungen über 40 Meter auf den Bierdeckel und Kopfballstärke pur. Wermutstropfen: Noch kein Tor und teils etwas leichtsinnige Ballverluste.

Im Mittelfeld wusste Stefan Reinartz zu gefallen, der lange Zeit Simon Rolfes ersetzte und dies mit Bravour schaffte. Arturo Vidal muss ich ebenfalls loben. Der Chilene spielt wesentlich beherrschter und “Hyde” kommt immer seltener zum Vorschein. Toni Kroos hat vorerst den Durchbruch geschafft. Nach langen Wochen durchwachsener Leistungen, zeigte er immer häufiger gute bis sehr gute Leistungen. Tranquillo Barnetta spielte nicht immer schön, aber spulte enorm viele Defensivmeter ab, wie überhaupt das ganze Team in der Rückwärtsbewegung wesentlich flotter ist und mehr arbeitet.

Vorne schlug Stefan Kießling vollends ein. 12 Tore, vier Assists. Damit fast in jedem Spiel an einem Tor beteiligt. Die letzten Wochen aber weniger treffsicher. Schön wäre, wenn er noch mal 6-7 Tore in der Rückrunde schaffen könnte. Für ihn sind die letzten 17 Spiele besonders wichtig, weil er die Hinrunde bestätigen muss, um mit zur WM zu fahren.

Enttäuschungen? Sehe ich nicht.

Der Trainer.

Auch der wurde belächelt. Scheint aber bisher der Gewinn für die Leverkusener zu sein, der die jungen Spieler anleitet und ihnen die richtigen Tipps gibt. Vergessen ist Osram an der Seitenlinie, der schon mal Tage beleidigt war, wenn ihm was nicht passte, der mehr schlecht als recht zuletzt in Gladbach und Schalke an der Seitenlinie agierte.

Das Team profitiert taktisch enorm von ihm. Einzelspieler, wie Toni Kroos und Stefan Kießling ebenfalls, wie sie immer wieder betonen. Meine Hoffnung zu Beginn der Saison scheint sich zu erfüllen.

Bitte weiter so.

Die Hoffnung.

Die Hoffnung ist natürlich da. Meisterschaft. Aber nun ja. Mehr will ich nicht sagen. Ich wäre nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt. Enttäuscht wäre ich, wenn die Rückrunde eine einzig große Pleite, wie in der letzten Saison wird. Das wäre wirklich enttäuschend. Das bedeutet aber auch, dass mindestens Platz Fünf drin sein muss.

Ein Lesetipp.

Nedsblog hat ein etwas anderes Resümee mit einer Unmenge von Zahlen gezogen – beim HSV – aber unbedingt lesenswert.

Borussia Mönchengladbach, Teil 3 (Teil 5, Catenaccio-Dokusoap)

Im gestrigen Match gegen Borussia Mönchengladbach zeigte sich nochmal die ganze Hinrunde der Leverkusener. Bayer ist stark bei eigenen Standards (1:0), ist schlecht bei gegnerischen Standards (1:1, 1:2), ist weiter als in der Vorsaison und kann auch Spiele drehen, macht auch mal glückliche Tore (2:2) und ist spielerisch ganz vorne mit dabei (3:2). Rene Adler findet zu einer guten Stabilität mit teils sehr guten Leistungen, die Abwehr um Hyypiä und Friedrich steht, Schwächen gibt es noch auf den Außen bei Schwaab und Castro, doch die Verletzten kommen wieder, wie zum Beispiel Michal Kadlec der gleich für Belebung sorgte, Toni Kroos ist torgefährlich wie noch nie und ersetzt den bisher noch nie so torgefährlichen Renato Augusto hervorragend, Tranquillo Barnetta läuft und läuft und läuft, Stefan Reinartz springt in die Bresche für Simon Rolfes, Arturo Vidal setzt Zeichen und kann auch mal hinten rechts spielen. Eren Derdiyok trifft auch noch und wenn Kießling nicht trifft, dann bereitet er wenigstens ein Tor vor.

So wird man dann auch Herbstmeister. Verdient wie alle sagen, aber dies liegt vor allem an der Schwäche der Liga, wie ich finde. 9 Siege und 8 Remis ist eine hervorragende Bilanz, doch wo waren die wirklich starken, dominanten Mitkonkurrenten. Fast immer schwächelte entweder Bayern, Schalke, zwischendurch mal Hamburg und dann zum Ende die Bremer. 35 Punkte zur Herbstmeisterschaft reichen, so glaub ich, eher selten. Und um so schöner ist es, dass Bayer in so einem entscheidenden Moment doch mal da war und gegen Gladbach gewann. Das ist meiner Meinung nach ein gutes Zeichen für die Rückrunde, auch wenn man mit der Herbstmeisterschaft letztlich nichts gewonnen hat.

Zur Dokusoap: Nochmals vielen Dank an Marco von der Tippfabrik, der mir einen tollen Nachmittag in der BayArena ermöglichte. Neben ihm, als Leverkusen-Fan, waren noch ein Gladbacher und ein Schalker mit an Bord in Block 5A. Dieser Block gehört in die Kategorie ganz oben, aber mit fantastischer Sicht auf den Platz und vorwiegender Belegung durch Gladbach-Fans. Das war aber nicht weiter schlimm, denn die Stimmung war prächtig und sowohl Leverkusener, als auch Borussen gingen irgendwie zufrieden nach Hause. Zwar sprang kein Erfolg für das Frontzeck-Team heraus, dennoch spielten sie sehr gut mit und absolvierten eine gute Hinrunde.

Sehr gut mitspielen war dann auch wohl das Problem der Gladbacher. Nach dem 2:1 für die Borussia einigte ich mit der Gladbacher Begleitung darauf, dass das eigentlich nicht so gut wäre und die Quittung dafür wohl bald zu kassieren sei. So kam es dann auch und Bayer drehte die Partie.

Zum Programm des Blogs:

Ich habe noch ein, zwei Artikel für die nächste Woche in petto, zudem werde ich die Winterzeugnisse der letzten Saison beleben und mir mal alle Spieler und ihre Leistungen genauer anschauen.

Catenaccio-Dokusoap: (Herbst-)Meister (Teil 4)

Wer erinnert sich nicht gerne an die spannende Catenaccio-Dokusoap-Serie im Sommer dieses Jahres? Spannungsgeladen, voller Emotionen und mit einem Cliffhanger, der sich gewaschen hat. Damals wollte der Protagonist zum DFB-Pokal-Halbfinale gegen Mainz in die BayArena fahren. Eine fiese Darmgrippe stoppte ihn – nun geht es in die zweite Staffel. Dieses Mal ist das Hinrunden-Finale gegen Gladbach das Ziel.

Ein treuer Leser von der Tippfabrik war so nett, dem Protagonisten eine übrig gebliebene Karte zu schenken, die nun am Samstag eingelöst wird. Mit dabei besagter Leser, seines Zeichens natürlich Bayer-Fan, ein Gladbach- und ein Schalke-Fan.

Unabhängig vom persönlichen Wohl des Protagonisten geht es gegen die Gladbacher. Kleines Derby wie man liebevoll sagt. Die Vorzeichen sind klar und schon des öfteren im Zusammenhang mit der gewollten Herbstmeisterschaft diskutiert worden. Ein Sieg muss her und wer kommt da gelegener als die Gladbacher. An die letzte Niederlage kann ich mich kaum noch erinnern in heimischen Gefilden. Die Geschichtsbücher sprechen von einem 0:1 in der Saison 93/94.

Jetzt kommt jedoch wieder die Suche nach dem Haar in der Suppe. Man darf die Gladbacher auf keinen Fall unterschätzen, weil es in den letzten sechs Spielen vier Siege gab, man gegen die Bayern etwas unglücklich verlor, es generell gut und harmonisch läuft, es der alte Verein von Jupp Heynckes ist, Michael Frontzeck mit Heynckes befreundet ist und natürlich alle auf das Einbrechen der Leverkusener warten.

Ich könnte jetzt einfach einen der Texte aus den Vorberichten gegen Berlin oder Hannover hier hinein kopieren, warum die Werkself eigentlich gewinnen sollte, aber das spar ich mir. Wie der besagte Leser, mit der geschenkten Karte anmerkte, bin ich im Moment etwas unentspannt was die Leistungen der Leverkusener und die Gesamtsituation in der Liga angeht.

Zeit für die Winterpause.

Die Geschichte mit der Herbstmeisterschaft

Also Leverkusen kann ja am Samstag Herbstmeister werden. Das ist so ein Preis aus der Kategorie “Goldene Ananas”, trotzdem wird der ganzen Geschichte ein großer Einflussfaktor für die Meisterschaft zugesprochen und jeder nimmt diesen inoffiziellen Titel gerne mit in die Winterpause. Warum eigentlich?

Ja warum? Weil immerhin 67% aller Herbstmeister bisher auch am Ende deutscher Meister geworden sind.

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Von drei deutschen Meistern, waren zwei auch Herbstmeister. Oder anders gesprochen. Wenn man schon einmal die Meisterschaft, trotz der Halbzeitauszeichnung verpasst hat, dann wird quasi die Salatschüssel schon vor Ende der Saison ausgehändigt. Also super für Leverkusen, denn die schafften es im Winter 2001 auf Platz 1. Gibt es jetzt die Herbstmeisterschaft, dann braucht sich der Bayer-Fan keine Sorgen mehr machen.

Apropos Sorgen. Die kann man als Bayer-Anhänger ja dann doch nicht ausschalten. Mal angenommen, es reicht doch nicht für die Meisterschaft. Was dann?

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Naja, wie schon oben zu sehen war, folgt dann in 93% aller Fälle ein Platz zwischen Rang 2 und 5. Lediglich Hoffenheim machte es letzte Saison möglich, trotz Herbstmeisterschaft noch aus den internationalen Rängen zu fallen. Das gab es bisher noch nie zuvor. Schon Platz 5 von Eintracht Frankfurt in der Saison 1993-94 war die Ausnahme. Sonst gab es nur entweder Platz 2 oder Platz 3.

Wer ist denn eigentlich ganz vorne dabei, wenn es darum geht Meisterschaften nach gewonnen Herbsttiteln noch zu verlieren? Da gibt es einige Kandidaten.

herbstmeister

Bayern München, Schalke 04, der Hamburger SV, Werder Bremen und der Eintracht aus Frankfurt gelang das Kunststück jeweils zwei Mal. Interessant, weil sonst nur noch Leverkusen, Köln, Hoffenheim und Kaiserslautern ebenfalls ein mal “patzten”. Ein relativ eingeschränkter Kandidatenkreis.

Aber wie gesagt, dafür muss man am Samstag erst einmal Herbstmeister werden. Gilt natürlich auch für Schalke und für Bayern.

Alternative Interpretationen sind gerne genommen.

Gekas wieder verliehen

Das letzte Leihgeschäft von Theofanis Gekas war ein Riesenreinfall für den Griechen – jetzt soll alles besser werden. Bis Sommer 2010 wird er in die Hauptstadt zur Hertha verliehen, im Falle des Klassenerhalts gibt es eine Kaufoption für den besten Stürmer der WM-Qualifikation. An für sich dürfte Gekas gut ins System der alten Dame passen, wie schon damals in Bochum.

Hertha BSC hat die erste Neuverpflichtung für die Rückrunde vermeldet. Der Grieche Theofanis Gekas wird die Berliner ab Januar 2010 verstärken. “Wir haben uns mit Bayer Leverkusen und dem Spieler geeinigt und sind froh, dass Thefanis für uns spielen wird. Er wird die erhoffte Verstärkung für uns sein”, so Hertha-Manager Michael Preetz.Auch Trainer Friedhelm Funkel ist froh über seinen neuen Stürmer: “Er ist ein richtiger Toremacher, der aus wenige Möglichkeiten seine Treffer macht. Darüber hinaus ist er sehr schnell, was uns in unserem Spiel zugute kommmt.”

(Offizielle Homepage Hertha BSC Berlin)

Mehr auch noch im Hertha-Blog.