"Le Monde" muss zahlen / NADA-Justitiarin im Interview

Die “Le Monde” muss Real Madrid 330.000 Euro zahlen, dafür, dass sie behauptete, dass der Verein die Dienste des Doping-Arztes Eufemiano Fuentes in Anspruch genommen hätte. Ein Gericht in Madrid urteilte, dass die Behauptungen jeder Grundlage entbehrten, man sich auf “Quellen zweifelhafter Glaubwürdigkeit” verlassen hätte und diese nicht ausreichend geprüft hätte. Daraus resultiert die Verurteilung gegen “Le Monde” wegen Rufschädigung. 300.000 Euro gehen an den Club. 30.000 Euro gehen an Real-Vereinsarzt Alfonso del Corral. “Le Monde” war bereits in einem ähnlichen Verfahren dem FC Barcelona unterlegen.

Frage: Ist Jesus Manzano eigentlich für seine Äußerungen belangt worden, dass Spieler dieser Vereine Kunde bei Fuentes gewesen seien?

Ein interessantes Interview gab es heute in der lokalen Presse mit der NADA-Justitiarin Anja Berninger. Folgende Äußerungen gab sie von sich, zum Thema Einschneidungen in die Privatsphäre/totale Überwachung der Sportler.

Berninger: Zu der Gruppe, die sich täglich für eine bestimmte Stunde für den Kontrolleur bereit halten muss, gehören nur Spitzenathleten der Risikogruppe I. Das sind absolute Profis. […]

MZ: Das heißt, diese Sportler dürfen sich in dieser Stunde nicht vom Fleck rühren?

Berninger: Nein. Niemand muss auf dem Kino-Besuch oder sein Kölsch verzichten. Der Sportler kann die Stunde kurzfristig verschieben. Eine Abmeldung per PC, SMS oder Anruf genügt. Auch eine Minute vorher. Passiert das aber zu oft, werden wir ein Auge auf die Sportler haben. […]

MZ: Es sind ja einige Klagen von Sportlern anhängig, die sich in ihren Grundrechten eingeschränkt sehen.

Berninger: Ja, meine Lieblingsklage ist des Radsportlers Kasheshkin. Er klagt, das er ein Recht habe, im Urlaub ungestört zu sein. Interessanterweise wurde er im Urlaub beim Fremdblut-Doping erwischt. Gerade die Regeneration und die Vorbereitung sind besonders sensible Phasen. Wenn uns hier Trainingskontrollen verwehrt werden, macht der Anti-Doping-Kampf keine Sinn.

(Hervorhebungen durch mich. Diese Passagen sind insgesamt auch im Fußballkontext interessant. Wir haben es schließlich mit Profis zu tun, die meisten müssen noch nicht mal eine Stunde am Tag bereit stehen und während des Trainings werden einfach zu wenig Proben durchgeführt, wie schon oft gehört. Die Regenerationsphasen dürften auch für Fußballer interessant sein.)

Quelle: Münstersche Zeitung, 13.03.2009

Vorschau: Hertha BSC Berlin – Bayer Leverkusen

Schon mal vorne weg. Es wird in den kommenden Wochen nur wenig Liveblogging geben, da ich an den Spieltagen meist selber sportlich aktiv bin. Das nächste live gebloggte Bayer-Spiel wird wohl das Derby gegen Köln am 05.04.2009 sein.Vorher vielleicht die ein oder andere Sonntagspartie oder irgendwas Internationales. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Am Samstag steht nun die Auswärtspartie gegen Hertha BSC Berlin an. Das Olympiastadion ist eigentlich ein gutes Pflaster für die Werkself. In den letzten drei Jahren (alle unter Skibbe) siegte Leverkusen jeweils (souverän (3:0/3:2(1 Tor Voronin)/5:1)) in der Hauptstadt, doch dieses Jahr steht man unter enormen Druck und spielt gegen den Tabellenführer, der neun Spiele in Folge daheim gewann. Die letzte Heimniederlage gab es für die Hertha am 27.09.2008 gegen Cottbus. Die Bilanz von Berlin gegen Leverkusen ist mehr als schlecht: Drei Siege, fünf Remis und sechs Niederlagen stehen zu Buche. Betrachtet man nur die Heim- und Auswärtstabelle spielt der Zweite (Hertha) gegen den Ersten (Bayer)!

Taktisch wird man sich bei Berlin wieder auf einen gemächlichen Beginn einstellen dürfen, wie auch Enno von Welt Hertha Linke bestätigte. So gewann man bereits das Hinspiel in Leverkusen mit 1:0 durch einen Last-Minute-Treffer durch Voronin. Hertha stand kompakt und sicher in der Defensive und reduzierte das Spiel nach vorne auf einige gefährliche Konter. Der letzte war ein Volltreffer und die alte Dame nahm drei Punkte mit. Überhaupt hat Leverkusen gegen tiefstehende und kompakte Mannschaften so seine Probleme, wie jüngst gegen Hannover und Bochum zu beobachten war.

Die Leverkusener Anhängerschaft wird sich fragen, ob Bruno Labbadia ein neues taktisches Konzept aus dem Hut zaubern wird. Die Hurra-alle-Mann-nach-vorne-Strategie ging zuletzt immer öfter nicht mehr auf. Weiterhin fraglich ist, ob taktische und organisatorische Mängel bei Standards abgestellt werden können – hier brennt es seit Beginn der Saison immer wieder lichterloh – vorneweg Leuchtturmwärter Rene Adler, der sich zwar in den letzten Partien stabilisierte, bei hohen Bällen aber immer noch regelmäßig an der Pille vorbeispringt/vorbeifaustet/danebengreift/zum-Gegenspieler-abtropfen-lässt.

Bei den Aufstellungen lässt sich spekulativ vermelden, dass Berlin wohl mit dem Kader der letzten drei Matches auflaufen wird. Das bedeutet, dass “la diva” Pantelic wohl auf der Bank trällern muss. Voronin wirds danken, denn so bekommt der Ukrainer auch mal den ein oder anderen Ball zugeschustert. In Leverkusen macht sich Labbadia noch Gedanken über die Besetzung des Mittelfelds. Arturo Vidal fällt nach seiner Gehirnerschütterung und Augenhöhlenverletzung noch drei Wochen aus, Toni Kroos drängte sich im Bochum-Spiel nicht gerade auf, womit Pirmin Schwegler zu seiner Chance kommen könnte.

Der Wetterbericht sagt wechselhaftes Wetter bei 11° Celsius voraus. Der Biorhytmus wird leicht positiv beeinflusst und der Mond steht im zwölften Haus des Merkur. Kann also nichts schief gehen.

Pillenpackung XV

So kurz vorm Wochenende reiche ich nochmal eine kleine Pillenpackung rein, da es 1-2 interessante Neuigkeiten gibt. So wird zum Beispiel Bernd Schneider endlich wieder aktiv Fußball spielen. Zwar noch nicht bei den Profis, dafür im Regionalliga-Team.

Nationalspieler Bernd Schneider feiert nach elfmonatiger Verletzungspause am Samstag in der Regionalliga- Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen gegen die Sportfreunde Lotte sein Comeback.Dies bestätigte der Fußball-Bundesligist. Der 35 Jahre alte Mittelfeldspieler hatte am 13. April 2008 sein letztes Pflichtspiel bestritten und musste sich danach einer Operation an der Halswirbelsäule unterziehen. (dpa/SZ)

Großen Andrang gibt es derzeit auf die Karten für das Spiel Berlin – Leverkusen am Samstag. Bis Mittwoch Nachmittag waren 44.000 Karten abgesetzt. Die Verantwortlichen rechnen mit 60.000 Zuschauern.

Die Euphorie um Hertha erfasst jetzt doch spürbar die Bevölkerung der Hauptstadt. “Ich merke es jeden Morgen, wenn ich auf der Geschäftsstelle eintreffe”, sagt Schiller. “Die Leute warten dann schon auf die Öffnung des Fan-Shops, um sich mit Eintrittskarten und Fanartikeln einzudecken.”
Gegen Leverkusen rechnet Hertha mit knapp 60 000 Zuschauern. “Das wäre für mich ein absoluter Traum”, sagt Schiller. Einer, der Wirklichkeit zu werden verspricht. Bis zum Nachmittag waren gestern 44 000 Tickets verkauft. Allein am Montag und Dienstag dieser Woche wurden je rund 4000 Karten abgesetzt – für Schiller sind das unfassbare Werte: “In meinen elf Jahren bei Hertha kann ich mich nicht daran erinnern, so etwas einmal erlebt zu haben.” (Morgenpost)
Ein weiteres “geerdetes” Interview von Rene Adler, allerdings ohne großen Mehrwert, gibt es Fifa.com zu lesen.
Sehen wir René Adler im kommenden Jahr als Stammtorhüter in Südafrika?
Der Bundestrainer hat den Konkurrenzkampf ausgerufen. und wer dann spielt, ist, denke ich mal, noch offen. Von klarer Nummer 1 zu sprechen oder vom schwerem Erbe ist noch nicht angebracht.
(Fifa.com)
Ein interessantes Tool möchte ich noch kurz vorstellen für alle Statistik-Fans. Daytum.com sammelt persönliche und unpersönliche Daten von seinen Usern und erstellt kleine Grafiken dazu. Sieht schick aus, hat seinen Reiz, ich suche allerdings noch nach dem Nutzen für catenaccio.de!
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Deine Hertha – das unbekannte Wesen!

Hallo?! Versteht jemand was in Berlin vor sich geht? Hertha BSC Berlin auf Platz 1 in der Fußball-Bundesliga? Da stimmt doch was nicht. Die Republik rätselt und anlässlich des Spiels der Werkself in der Hauptstadt, habe ich mal bei Enno Aljets von Welt Hertha Linke nachgefragt, ob sich der Hertha-Blogger einen Reim auf die Leistungen seines Teams machen kann. Doch auch Enno rätselt, angesichts der Leistungen der Werkself. Irgendwie spielen die Labbadia-Kicker immer gut, aber die Punkte bekommt der Gegner. Das wäre perfekt für die Hertha und Enno am Wochenende, doch ich erkläre ihm drüben bei Welt Hertha Linke, dass daraus nichts wird.

Jens: Was viele überrascht und verwundert. Hertha ist auf dem Sonnenplatz der 1. Fußball-Bundesliga. Nicht nur mal eben gerade so – sondern der Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern beträgt vier Punkte. Wie konnte es dazu kommen? Ist die Liga so “schlecht” oder Hertha so “gut”? Ich selber kann mir ehrlich gesagt keinen Reim auf die Leistungen der alten Dame machen. Du bist der Spezialist, erklär es mir!

Enno: Also ich bin selbst natürlich auch verwundert. Doch die Irritation über die erstaunlich gute Leistung der Hertha weicht langsam einem selbstbewusstem Optimismus. Und zwar nicht nur bei mir und vielen anderen Fans, sondern auch bei der Mannschaft. Sie wissen mittlerweile, dass sie diese Saison einiges erreichen können. Vielleicht sogar die Meisterschaft. Hertha ist vor allem deshalb so gut, weil sie überragend trainiert wird. Die lange, mühsame Arbeit von Lucien Favre wird nun belohnt. Schau dir einmal die taktische Disziplin und die Kürze der Ballkontakte (im Schnitt 1,1 Sekunden) beim kommenden Spiel an. Das ist Liga-Spitze und kommt nicht von ungefähr. Darüber hinaus bietet die Liga dieses Jahr die Chance für einen Überraschungs-Meister, weil Bayern, Schalke und Bremen schwächeln. Aber das heißt noch lange nicht, dass die Spitzengruppe unbedingt so schlecht sein muss, wenn man an HSV, Hoffenheim, Wolfsburg und neuerdings Stuttgart denkt.

Jens: Du hast den Trainer angesprochen: Lucien Favre. Wer nicht gerade den Schweizer Fußball mit Argusaugen beobachtet, für den war die Verpflichtung des Trainers wohl eine kleine Überraschung zu Beginn der Saison 2007/2008. Die Spielzeit selber verlief dann sehr durchwachsen, trotzdem hielt der Vorstand an Favre fest und nun läuft es. Zahlt sich die kontinuierliche Arbeit aus, oder was ist das Geheimnis von ihm?

Enno: Als Favre in Berlin anfing, fragte ich: Wer ist Favre? Wie die meisten hatte auch ich keine Ahnung, was auf Hertha zukommen würde. Jetzt weiß man, dass sicherlich das taktisch geprägte Training einen großen Teil des aktuellen Erfolgs ausmacht. In verschiedenen Interviews ist zwischen den Zeilen immer wieder zu lesen, wie enervierend die Übungen sein müssen. Erstaunlicherweise ziehen die meisten Spieler mit. Hier die Motivation hoch zu halten, ist die eigentliche Leistung, denke ich. Aber das allein kann es nicht sein. Die Ausdauerwerte der Spieler sind bestens und auch die Stimmung im Team war schon zu Beginn der Saison ziemlich gut. Der Erfolg bestätigt den Trainer und alle Spieler, die mitgezogen haben. So ergibt sich eine Positiv-Spirale, von der alle profitieren. Allerdings glaube ich, dass das von Favre einkalkuliert war. Wie man soetwas plant, wird nur er selber wissen. Jedenfalls hat er die Zeit bekommen, sein Konzept umzusetzen. Und hier kommt auch Dieter Hoeneß ins Spiel. Er hat trotz allerlei Streitereien Lucien Favre den Rücken frei gehalten. Insofern gehört der Erfolg auch zu einem kleineren Teil dem oftmals ungeliebten Manager.

Jens: Du sprichst die Streitereien um Pantelic an. Nun scheint er nur noch Stammkraft auf der Ersatzbank zu sein, weil das Ukrainische Wundersturmpaket zu ungeahnten Höhenflügen ansetzt. Was ist bitte mit Andrej Voronin los? Die olle Langhaarmatte hatte ja schon gute Ansätze bei uns in Leverkusen, aber gerade spielt er ja wie vom anderen Stern. Liegt es wirklich daran, dass Pantelic nicht mehr neben ihm spielt? Und hat Pantelic noch einen Platz im Team?

Enno: Voronin hat einen tollen, blonden Zopf, an dem man ihn sofort erkennt. Das gibt ihm auf dem Platz noch mal fünf Prozent mehr Aufmerksamkeit. Aber er spielt natürlich auch nicht schlecht derzeit, was seine Herausstellung durchaus rechtfertigt. Wobei ich nicht müde werde, zu wiederholen, dass die ersten beiden Tore gegen Cottbus auch jeder andere Stürmer auf dem Platz gemacht hätte (außer Jula). Sie entstanden aus einstudierten Spielzügen, an deren Ende Voronin stand. Sein dritter Treffer war natürlich ein individuelle Weltklasse-Leistung gegen demoralisierte Cottbuser. Pantelic hat unter Favre einfach nicht begriffen, dass es nicht um individuelle Leistung geht, sondern um eine geschlossene Mannschaftsleistung auf und neben dem Platz. Entweder kann oder er will es nicht lernen. Jedenfalls ist Favre der erste Trainer, der die Traute hat, Pantelic konsequent auf die Bank zu setzen. Pantes Zug ist definitv abgefahren, er wird Hertha zu Saisonende verlassen, aber noch das ein oder andere Spiel von Beginn an machen. Ich rechne damit, dass auch Voronin gehen wird und Hertha im Sturm bei Null anfangen muss. Voronin wird mit diesen Leistungen einfach zu teuer werden.

Jens: Wen hättest du denn gerne als Sturm im nächsten Jahr in Berlin? Was für Spielertypen passen in die Hauptstadt und ist es sinnvoll in einem Mannschaftsteil bei Null anzufangen? In Leverkusen habe ich derzeit das Gefühl, dass es einen Masterplan für die nächsten Jahre gibt – in Berlin auch? Oder steht man überraschend als Meister am Ende der Saison da, bloß hat man keine Spieler, mit denen man in die Champions League geht?

Enno: Wenn ich mir wen wünschen dürfte… Nein, lassen wir das und gehen einmal davon aus, dass Pantelic und Voronin gehen. Es wäre natürlich ungünstig mit einem neuen Sturmduo in die Championsleague zu starten. Aber was soll man machen? Das Scouting von Hertha ist als ziemlich durchwachsen zu bezeichnen. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich einen durchdachten Plan gibt. Für die kommende Saison hoffe ich, dass sowohl Chermiti als auch Domovchiyski, oder zumindest einer von beiden, Stammspieler werden. Erst danach würde ich sagen, dass Favres Plan, nämlich junge Spieler in die erste Mannschaft zu integrieren, wirklich erfolgreich ist. Bisher hat er das nur im Mittelfeld geschafft. Ich würde mir für den Sturm also eine weitere Nachwuchskraft wünschen. Vielleicht einen talentierten Serben, aber bitte keinen Brasilianer á la Lima. Dazu einen etablierteren Spieler mit Entwicklungspotential, wie zum Beispiel Marc Janko von Red Bull Salzburg. Viel wichtiger wäre allerdings ein wirklich guter Außenbahnspieler für die linke Verteidigung.

Jens: Es gibt in Josip Simunic einen Spieler bei Hertha, der fest an die Meisterschaft glaubt und sie sogar den Fans versprochen hat. Mal angenommen, es würde tatsächlich so kommen und die Hauptstadt bekäme ihren Fußballmeister, was würde das verändern in Berlin und der Republik?

Enno: Es wäre eine Sensation, deren Auswirkungen kaum abzuschätzen sind. Wovon man allerdings mit Sicherheit ausgehen kann, sind der wachsende Zuspruch und die vermehrte Aufmerksamkeit seitens der Medien, von “wichtigen Leuten” der Stadt und des Vereins, sowie der Fans. Damit steigen die  Erwartungen und Ansprüche an Leistung, Erfolg und Darstellung. In der Konsequenz bedeutet das für Hertha, dass die Vielzahl der Anforderungen und ihre Enttäuschgssensibilität drastisch steigen wird. Für mich ist fraglich, ob das derzeitige Team um die Mannschaft damit umgehen kann. Ich glaube es ehrlich gesagt nicht, weil man in der Vergangenheit an den verschiedensten Stellen beobachten konnte, dass Kritikfähigkeit und gelassener Umgang mit überzogenen Ansprüchen nicht gerade zum zentralen Kompetenzfeld der Hertha gehören. Handelte es sich beispielsweise um Fragen des Managements, der Öffentlichkeitsarbeit, der Fanbetreuung oder der Gestaltung des Internetauftritts, gingen die Verantwortlichen sofort an die Decke, wenn mal kritische Töne kamen. Ich glaube nicht, dass das gute Voraussetzungen sind, um mit den Herausforderungen umzugehen, die nach einer Meisterschaft auf Hertha zukommen würden. Einzig der Mannschaft und dem Trainerteam würde ich zutrauen, mit dem Erfolg umgehen zu können. Eigentlich ein Armutszeugnis, aber man muss den Tatsachen ins Gesicht sehen.

Jens: Anders rum gefragt. Was würde passieren, wenn Hertha die internationalen Plätze noch verspielt? Möglich ist ja diese Saison alles. So wie du das beschreibst, hört es sich an, als ob es unter der ruhigen Oberfläche ganz schön stürmisch ist.

Enno: Für die Mannschaft, den Trainer und auch das Management wäre es wohl das kleinste Problem, wenn Hertha nicht einmal international spielt. Zumindest kurzfristig gesehen, ließe sich das intern damit legitimieren, dass andere Mannschaften einfach finanziell wesentlich besser ausgestattet sind. Aber schon bei der nächsten sportlichen Krise in der kommenden Saison würde die Mannschaft auseinander brechen, denke ich. Der Trainer würde schnell in Frage gestellt und wohl entlassen werden. Man wäre dann ganz schnell in einer Negativ-Spirale. So gesehen, wäre es eine Katastrophe für Hertha, wenn sie nicht mindestens Fünfter werden. Die Fans wären natürlich bitter enttäuscht, aber das gehört sich so. Am schlimmsten fände ich allerdings die mediale, deutschlandweite Häme, die über Hertha hereinbrechen würde. Die Sommerpause würde ich dann definitiv offline und ohne Zeitungen verbringen.

Jens: Gut – das ist ein Phänomen, das Leverkusen durchaus bekannt ist. Wie sieht denn deine Prognose für das Spiel am Samstag aus? Dieses Mal ein sicherer Sieg für die Hertha? Das Hinspiel gewann Berlin ja “etwas” glücklich in Leverkusen. Wie wird Berlin ins Spiel gehen? Mit der Hinspiel-Taktik oder wird man offensiver agieren?

Enno: Ich glaube kaum, dass Hertha von der abwartenden, defensiven Taktik abweichen wird. Warum auch? Schließlich war man sehr erfolgreich damit. Ich gehe davon aus, dass Leverkusen anrennen wird, vielleicht sogar in Führung geht, aber Hertha im letzten Drittel der Partie die Entscheidung herbeiführt. Es wird ein spannendes und durchaus chancenreiches Match werden. Voronin wird den Ausgleich machen und ein Mittelfeldspieler den Siegtreffer. Es wird also 2:1 für Hertha ausgehen, tippe ich.

Jens: Könnte passen – hoffen will ich es nicht. Ich tippe ja eher auf ein 3:0 für Leverkusen, oder die 2:1-Niederlage passt. Was meinst du denn, wie die Saison für die beiden Teams weiter gehen wird?

Enno: Für beide Teams wird der Rest der Saison ganz bestimmt schwierig. Leverkusen muss schauen, dass sie nicht im Loch versinken. Allerdings könnten sie mäßige Leistungen in der Rückrunde mit dem Pokal-Gewinn kompensieren. Platz sechs, aber Pokal-Sieger, könnte ich mir durchaus gut vorstellen. Hertha muss jetzt einfach durchziehen und sieben der letzten elf Spiele gewinnen. Dann reicht es laut Simunic für die Meisterschaft. Ich glaube ihm und denke, dass es diese Saison etwas wird, mit Hertha und der Meisterschaft!

Jens: Enno – vielen Dank für das Interview! Ein schönes Spiel wünsch ich uns am Samstag!!

Notenübersicht: Spieltag 23

Das Spiel gegen Bochum durfte ich wieder selber sehen. Deshalb hier die Noten von Bild, Kicker, Sportal und mir. Nichts besonders Auffälliges. Toni Kroos mit einem “solala”-Einstand!

name - bild - kicker - sportal - cat - schnitt
adler - 2 - 3 - 3,5 - 3,5 - 3,00
henrique - 5 - 3,5 - 3 - 3 - 3,63
castro - 6 - 3 - 4 - 3,5 - 4,13
sinkiewicz - 3 - 3,5 - 3,5 - 3,5 - 3,38
kadlec - 3 - 5 - 3 - 4 - 3,75
rolfes - 4 - 3 - 3 - 3,5 - 3,38
renato augusto - 4 - 4 - 2,5 - 4 - 3,63
vidal - 4 - 4 - 3,5 - 4 - 3,88
barnetta - 5 - 4,5 - 3,5 - 4,5 - 4,38
kießling - 3 - 4 - 4 - 3 - 3,50
helmes - 3 - 3 - 4 - 3,5 - 3,38
kroos - 4 - 4 - 4 - 4 - 4,00

Schnitt – 3,83 – 3,71 – 3,46 – 3,67 – 3,67

Notenübersicht: Spieltag 22

Ordnung muss sein. Deshalb hier im Nachtrag die Notenübersicht des 22.Spieltags. Das Spiel gegen Hannover muss wirklich übel gewesen sein. Die für ihre objektive Notenvergabe bekannte Bild-Zeitung, vergab zehn Mal die Note 6!! Ohne Worte. Neben Bild, auch noch in der Wertung Kicker, Sportal und Wams. Alles ziemlich düster!

name - bild - kicker - sportal - wams - schnitt
adler - 3 - 3,5 - 3 - 4 - 3,38
friedrich - 6 - 3,5 - 3,5 - 3 - 4,00
sarpei - 6 - 4 - 4,5 - 3 - 4,38
sinkiewicz - 6 - 3,5 - 4,5 - 5 - 4,75
kadlec - 6 - 3,5 - 4 - 4 - 4,38
rolfes - 6 - 4 - 4 - 4 - 4,50
renato augusto - 6 - 5 - 3,5 - 4 - 4,63
vidal - 6 - 3,5 - 3,5 - 4 - 4,25
barnetta - 6 - 5 - 4,5 - 5 - 5,13
kießling - 6 - 4,5 - 4,5 - 4 - 4,75
helmes - 6 - 5 - 5 - 5 - 5,25

Schnitt – 5,73 – 4,09 – 4,05 – 4,09 – 4,49

Kontroverse Spielerwahrnehmung: Kießling

In den letzten Artikeln fiel mir in den Kommentaren auf, dass die Leistungen von Spielern immer wieder unterschiedlich wahrgenommen werden. Erstes Anzeichen war die Äußerung von Herrn Wieland zu Max Alletsees Gastbeitrag: Wie wird Bayers erste Elf in fünf Jahren aussehen?

Der Schalker Königsblogger erklärte den Franken Stefan Kießling zum am schlimmsten unterschätzten Spieler der Liga.

Und Kießling? Ist der dann bei Bayern? Oder schon in England?

Nur mal so: Bislang stand er in allen 22 Spielen in der Startformation, wurde nur dreimal ausgewechselt (71., 83., 90.), schoß 9 Tore und gab 7 Vorlagen. Meines Erachtens ist Stefan Kießling einer der am schlimmsten unterschätzten Spieler der Liga.

Wenige Tage später spielte die Werkself gegen Bochum und Kießling ackerte und rackerte mal wieder, blieb jedoch ohne Tor, ohne Vorlage, verdaddelte Großchancen und war auch noch “in der Nähe des Gegentors” zu finden. Trotzdem fand ich die Leistung des Stürmers ansprechend. Die Ballannahme klappt immer besser bei ihm, er dribbelt auch mal einen Spieler aus, wie zum Beispiel vorm 4:2 gegen Bayern München, ähnliches gelang ihm vor seiner Großchance am Sonntag gegen Bochum, er wird oft gefoult und holt somit gefährliche Freistöße raus, er läuft viel und holt sich Bälle aus dem Mittelfeld, ist sich aber auch nicht zu schade, Drecksarbeit in der Defensive zu verrichten. Dass das nicht alles klappen kann ist nur natürlich, auf der anderen Seite stehen aber auch 16 Scorerpunkte in 22 Spielen.

Nach dem Spiel gegen den VfL gab es dann zum Beispiel auch den Kommentar von Mahqz. Man muss halt die Dinger auch rein machen, wenn man sie sich erarbeitet.

Ich weiss, dass sich an Kießling die Geister scheiden, aber in meinem Umfeld im Stadion gab es gestern keinen, der sich nicht eine frühere Auswechslung Kießlings gewünscht hat.

Er ist Stürmer, da muss er die Dinger einfach reinmachen.

Ich frage mich, ob er sie reinmachen würde, wenn er weniger Aufwand betreiben würde? Ein Patrick Helmes hat sich am Sonntag wenig bewegt, war selten am Ball, hat dann aber natürlich den Elfer verwandelt, was das Bild von ihm positiver erscheinen lässt.

Ist ein Spieler immer positiver, wenn er nicht lange fackelt und einfach drauf losspielt oder wenn er sich aufreibt, foult, gefoult wird, auch mal was verdaddelt, weil er mehr mit dem Ball läuft? Zwei Spielertypen stehen da bei Bayer nebeneinander im Sturm und bei Kießling sehen glaub ich viele die eigentliche Leistung des Stürmers nicht.

Auch der Bundestrainer scheint nicht so richtig viel von Kießling zu halten. Trotz guter Noten, wurde er erst im letzten Spiel wieder berücksichtigt. Leider ließen danach auch etwas die Leistungen des Franken nach. Warum gab es den Elfer eigentlich am Sonntag? Also wie ist die Leistung von Kießling zu beurteilen? Gibt es ähnliche Spielertypen in der Bundesliga? Wer wird noch unterschätzt?