Winterzeugnis: Sascha Dum

Bruno Labbadia verfolgte diese Saison vor allem ein Prinzip. Die besten Elf starten lassen, alle anderen Spieler haben sich hinten anzustellen und dürfen sich durch gute Leistungen für die Stammformation anbieten. Gute Leistungen kann der gewillte Spieler vor allem im Training zeigen. Gehört der Spieler zu den wenigen Auserwählten, die auf den Platz am Spieltag dürfen, hat man in der Regel 10-20 Minuten Zeit um etwas zu reißen.

Sascha Dum gehörte zu den Akteuren, die diese Rolle ohne zu Murren angenommen haben. Von Spieltag Eins bis Zehn, lief Dum zehn Mal auf, allerdings nur als Einwechselspieler und sammelte 102 Minuten Spielzeit. Bei 10 Minuten im Schnitt war nicht viel zu holen, trotzdem bekam Dum seine Chance von Beginn aufzulaufen am 16.Spieltag gegen Mönchengladbach und nutzte diese. Ein sehr agiles und aggressives Spiel des Mittelfeldmanns, der Torgefahr ausstrahlte und sich auch einiges traute. Leider sah man davon im darauf folgenden Match gegen Cottbus nichts mehr. Auch gegen die Lausitzer startete er, doch zahlte er das Vertrauen, dass Labbadia in ihn gesetzt hatte, nicht zurück.

Fazit: Es ist schwer im Mittelfeld einen Startplatz zu ergattern. Rolfes, Barnetta, Vidal und Renato Augusto sind fest gesetzt, dazwischen rutscht man nur, bei Verletzungen oder Sperren. Für die Rückrunde gibt es dazu noch starke Konkurrenz durch Schwegler, Zdebel und Schneider. Trotzdem ist Dum äußerst wertvoll, vor allem durch seine Bissigkeit. Neben Vidal, gehört Dum wohl zu den Spielern, die man ungern im Nacken spüren möchte.

Winterzeugnis: Henrique

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Auch im Falle von Henrique sind die vermeintlichen Gerüchte um seine baldige Rückkehr nach Barcelona, nicht zwingend Qualitätsbezeugungen. Vielmehr wünscht man sich in Spanien einen soliden Verteidiger, der Spielpraxis hat und für die Rotation bereit steht. 17 Spiele absolvierte der brasilianische Innenverteidiger in der Hinrunde für Bayer und ist damit der einzige Abwehrrecke, dem dies vergönnt war. Seine Leistungen passten sich in der Regel, denen seiner Defensivkollegen an. Konstant, mit wenigen Ausfällen, vor allem im Spiel nach hinten, jedoch im Offensivbereich mit viel Luft nach oben. Kein Tor, kein Assist von dem Leihspieler.

Trotzdem bleibt der Eindruck, den der Brasilianer hinterlässt vor allem positiv. Unauffällig und vielfältig einsetzbar, so kann er

auch auf Außen eingesetzt werden, eher der stille Spielertyp der seine Arbeit macht. Bestes Spiel gegen Wolfsburg, als er Grafite und Dzeko nicht den Hauch einer Chance ließ. Schlechtestes Spiel gegen Karlsruhe, als er als einer von vielen, jegliches Spielen einstellte und dem KSC ein 3:3 nach einem 0:3 ermöglichte.

Fazit: Bayer darf froh sein, wenn Barca den Brasilianer noch ein Jahr in Leverkusen spielen lässt. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering. Defensiv gut, im Spiel nach vorne noch mit Luft.

Google Chart

(Durchschnittsnote auf Basis der Spieltagnoten)

Frühlingsgezwitscher

Twitter ist zur Zeit ja in aller Munde. Das In-Tool des Internets. Für den perfekten Bürgerjournalismus, aber auch für mehr. Vor einem Jahr wurde ich erstmals auf den Microblogging-Dienst aufmerksam, doch irgendwie machte das Gezwitscher für mich keinen Sinn. Ich kannte nämlich niemanden. Wem soll ich folgen? Irgendwelchen wildfremden Leuten? Das ist doch alles irgendwie privat, was da gepostet wird, oder? Was interessiert mich der Gesundheitszustand von XY? Eine Zeit später stellte sich für mich heraus, dass man niemanden kennen muss, um einen Nutzen darin zu sehen. Als in Mumbai Hotels brannten, waren User schneller als die “alten” Medien – als ein Flugzeug in den Hudson River stürzte, bekam ich die aktuellsten Meldungen immer per Twitter auf mein Handy. Der Nutzen stieg und inzwischen twittern auch ein paar Freunde, sowie die Fußball-Blogger-Szene. So wird man immer auf dem Laufenden gehalten. Privates und Offizielles vermischt sich und man bestimmt das Programm selber, indem man Usern folgt oder eben nicht.

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist uns – natürlich – wie immer einen Schritt voraus. In Amerika twittert jeder, las ich jüngst in einem Onlinemagazin. Es gehört zum guten Ton, dass nicht nur Privatleute Twitter nutzen, sondern auch Nachrichten-Agenturen, aber auch Vereine und Sportler. So kann man, wenn es einen denn wirklich interessiert, nachlesen, was Lance Armstrong derzeit in Australien so treibt, wo George Hincapie trainiert, was Shaquille O’Neill vom letzten Spiel seines Teams hält und welche Tricks Alex Ovechkin fürs NHL-Allstar-Spiel plant.

Wie gesagt in Deutschland ist man noch nicht ganz so weit. Bei “Du gehst niemals allein” konnte man jüngst eine Diskussion darüber verfolgen, ob und wie Vereine Twitter nutzen und wer hinter bestimmten Twitter-Accounts steckt. Letztlich äußerte sich sogar ein Hertha-BSC-Verantwortlicher zum Thema. Auch Heinz Kamke hat sich ein paar wertvolle Gedanken zum Thema gemacht. Scheinbar nutzt aber nicht wirklich ein einziger Bundesliga-Verein Twitter. Auch kein Bundesliga-Akteur ist zu finden, was schade ist, denn warum nicht mal hören, was Bernd Schneider während seiner Verletzungspause so alles gemacht hat, wann Philipp Lahm seine Hasen füttert, was Lukas Podolski gerade auf der Bank denkt und Ivica Olic über seine Schlägerei mit Eduardo.

So bindet man Fans, das gilt nicht nur für Spieler, sondern auch für Vereine. Beug dich runter zu ihnen, lass sie an deinem (Vereins-)Leben teilhaben. Das stärkt und kurbelt nebenbei die Wirtschaft an.

Pillenpackung XI

Leicht depressive Stimmung herrscht im Fußball-Blogger-Land. Immer noch Winterpause, immer noch kein Fußball. Biathlon, Ski, Skisprung, Darts, Basketball, Eishockey, Snooker, Handball – alles nur schlechte Ersatzbefriedigungen. Und jetzt auch noch nicht einmal mehr eine meteorologische Rechtfertigung für die unsagbar lange spielfreie Bundesligazeit. Kein Schnee, kein Eis würden die Kicker stoppen, nicht einmal mehr Frostbeulen würden an südamerikanischen Fußballdivenstars entstehen.

Einer, der aber trotzdem die Notwendigkeit einer so langen Winterpause sieht, ist Rudi Völler:

Das kann im Januar gut gehen, das kann aber ein großer Reinfall werden. Es kann mir keiner erzählen, dass es im Januar bei dieser Witterung Spaß macht, im Stadion zu sitzen. Da verstehe ich jeden Zuschauer, der zuhause bleibt.

Wir müssen umdenken und genau abwägen, ob man noch ins Trainingslager fährt. Vielleicht muss man dann auch kurzfristig reagieren. Eines ist klar: Bei Minusgraden wie zuletzt, kann man nicht in Deutschland bleiben. Da geht trotz Rasenheizung nichts. Das Problem ist ja der Rahmenterminplan, den Uefa und Fifa machen – der tut weh. Nächste Saison ist ja das Champions-League-Endspiel an einem Samstag, das wollte ja Michel Platini unbedingt. Dadurch reißt man allen Ligen im Mai, zur besten Spielzeit, einen Spieltag weg. Es ist ja eigentlich ein Wahnsinn, dass den halben Mai und den ganzen Juni nicht gespielt wird.

Auch macht Völler ein Fass für die englische Premier-League auf. Da ist nämlich nur alles halb so toll, wie in den Medien propagiert wird. Mehr in der Frankfurter Rundschau Online.

Unruhe kommt derweil in die Personalie Henrique. Der Leihspieler soll, laut Marca, nun auf jeden Fall im Sommer in die erste spanische Liga zurückkehren. Marca spekuliert weiterhin über ein weiteres Leihgeschäft mit dem uruguayanischen Fehlkauf  Caceres nach. Bild fragte bei Rudi Völler nach:

„Ich kenne die Meldung nicht, wir bleiben gelassen und werden alles dafür tun, um Henrique bis 2010 zu halten. In den nächsten vier bis sechs Wollen fällt eine Entscheidung“, sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler gestern zu BILD, „klar ist aber, dass die Entscheidungsgewalt bei Barcelona liegt.“

Sonst hatte die Bayer-Truppe nach Abschluss des Trainingslagers in Belek am Wochenende frei. Heute gabs als Hausaufgabe eine Laufeinheit für die Werkskicker. Morgen geht es ganz normal in der Vorbereitung weiter. Mittwoch dann noch ein Testspiel gegen Koblenz.

Ehrenwort

“Meine Entscheidung für Bayer ist gefallen. Das Interesse der TSG ehrt mich. Aber ich habe mich für Leverkusen entschieden und werde meine Karriere dort fortsetzen.” – Eren Derdiyok zum Kicker.

“Natürlich kommen viele Anrufe, aber alle Fragen sind die gleichen. Und aus der Schweiz rufen die Journalisten an, um nach Derdiyok zu fragen. Um es kurz zu machen: Wir haben schon am Mittwoch Abend mit Eren und seinem Berater gesprochen, aber er hat in Leverkusen sein Wort gegeben und möchte dieses einhalten. Das respektieren wir. Damit war das Thema für uns auch innerhalb von einer Minute vom Tisch.” – Ralf Rangnick zu 20 Minuten.

Gibt es heute noch so etwas, wie ein Ehrenwort im Profigeschäft?

Das Unterhaltungsprogramm "Bundesliga"

Vor Jahren trafen sich in einer geheimen Sitzung, Dietmar Hopp, Vertreter der DFL und des DFB und einer kleiner Mann aus Hollywood – ein Drehbuchschreiber – in Frankfurt um einen unglaublich ausgeklügelten Plan für die Bundesliga auszutüfteln. Seit Jahren litt die Bundesliga unter der Dominanz der Bayern, aber durch geschickte Spielplanterminierungen, Sperren und diverse andere Tricks hatten die Verantwortlichen den ein oder anderen Überraschungsmeister wie Kaiserslautern, Stuttgart, Bremen oder Dortmund kreiert. Meist hatte man aber nur kurzfristig etwas mauscheln können, so dass die Vereine bald wieder in der Versenkung verschwanden.

Nun sollte langfristig etwas geschaffen werden. Dafür braucht es Geld, eine gute Story und ein paar talentierte Männer, die den Plan durchführen. Hopp und der Hollywood-Mann nahmen die Herausforderung an und stellten dem DFB und der DFL ein schönes Drehbuch für die nächsten Jahre vor.

Nun liegt Catenaccio ein Textauszug aus Episode 43 vor:

Übergeordnetes Ziel von Episode 42 sollte sein, dass aus dem sympathischen Dorfclub von vor vielen Jahren mit der tollen Jugendarbeit, ein Hassobjekt der Fans und der übrigen Mitkonkurrenten wird. Die einzelnen Charaktere Hopp, Rangnick und Schindelmeiser sollten die Zielscheibe des Mobs werden. Spieler, wie Obasi, Eduardo oder Ba sollen die Truppe ins Schauspielermilieu verlagern, Beck wurde beispielsweise als intelligenter Nerd angelegt, Salihovic als Künstler mit der zarten Seele und Ibisevic als Überspieler, den der Kicker nach der Hinrunde als Weltklasse bezeichnen sollte. Das Team selber, um den Hass gegen den Nicht-Traditionsverein weiter zu schüren, sollte noch vor den Bayern Herbstmeister werden. Dies hat alles soweit geklappt, für Episode 43 wird Hoffenheim nun von multiplen Schicksalsschlägen getroffen. Diverse Verletzte (Ibisevic), Exzesse neben (Beck wird auf dem Ballermann verhaftet) und auf dem Platz (Eduardo bekommt dreimonatige Sperre nach Schlägerei in Testspiel), Schindelmeiser verpflichtet Toni Ailton, der während der ganzen Rückrunde auf drei Minuten Einsatzzeit kommt, Teile des Stadiondachs verletzen beinahe Franz Beckenbauer während der Einweihung des neuen SAP-Palasts, doch Klaus Allofs rettet den Kaiser im letzten Moment, Bernhard Peters entscheidet sich nun doch für den DFB zu arbeiten, Ralf Rangnick erklärt im aktuellen Sportstudio die neu eingeführte Abseitsregel falsch an der Taktiktafel, etc.pp. [..]

Doch am Ende der Saison wendet sich alles zum Guten. Vedad Ibisevic kehrt im letzten Spiel der Rückrunde zurück in den Kader und schießt die Hoffenheimer zum Meistertitel.

Fortsetzung folgt.

Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr Catenaccio, dass das Ende und Teile der 43.Episode noch nicht von DFB und DFL abgesegnet sind. Zudem soll in Kürze ein Kooperationsvertrag zwischen der World Wrestling Federation und der DFL unterzeichnet werden. Der Drehbuchschreiber arbeitet schließlich schon seit Jahren für die Deutschen.

Zukünftig ältester Spieler der Bundesliga

Bayer hat einiges vor, wie man jetzt bei den 11 Freunden lesen darf. Renato Augustos Vertrag wurde ja verlängert. Der “sid” oder die “11 Freunde” – man weiß nicht wer da geschlampt recherchiert hat – haben nun neue Details zum Vertrag rausgefunden.Demnach wird wohl doch nicht mehr auf die Jugend gesetzt.

renato