Schalke 04, Teil 3

“Am Ende ist es halt doch Bayer Leverkusen”, schoss es mir Samstag Abend nach dem Spiel auf Schalke durch den Kopf. Wie konnte ich annehmen, dass man die Schwäche der Konkurrenz nutzt und sich an der Tabellenspitze ein kleines bischen Luft verschafft? Dabei hatte ich ein gutes Gefühl, was in Hälfte Eins bestätigt wurde.

Die Werkself spielte relativ konzentriert, passsicher und bemüht. Peter Hermann hatte am Donnerstag noch erklärt, dass man viel schnelles Spiel auf engen Raum geübt hatte und dass die Übungen gefruchtet hatten, war nun zu sehen. Hinten stand man sicher. Marcel Reif wurde nicht müde, über die komplette Spielzeit Sami Hyypiä zu vergöttern, vergaß aber dabei, dass auch der Finne nicht Lapsus-frei in Hälfte 1 blieb. Denn wenn Schalke etwas zustande brachte, dann nur mit freundlicher Mithilfe des Gegners.

Bayer dagegen schaffte es (angeblich, so Magath, mit Hilfe des Schiedsrichters Weiner) das Heimteam unter Druck zu setzen, Chancen herauszuarbeiten und Schalke in der eigenen Hälfte einzuschnüren. Magath vergaß nicht zu betonen, dass Leverkusen eine Klasse besser gewesen war in den ersten 45 Minuten. So fielen die Treffer zum 0:1 und 0:2 zwar aus Standards, trotzdem aber völlig verdient.

Erst ließ Toni Kroos Franz Beckenbauer mit der Zunge schnalzen, indem er eine abgwehrte Ecke volley ins Tor zimmerte. Dann animierte Stefan Kießling Jogi Löw, ihn nun doch zu nominieren, weil er eine Barnetta-Vorlage direkt per Kopf versenkte und Minuten später das gleiche noch einmal wiederholen wollte, jedoch von Manuel Neuer aufgehalten wurde.

In der Halbzeit federte dann Jogi Löw, Marcel Reifs orgiastische Lobpreisungen des Leverkusener Spiels ab, mit der Behauptung man habe zwei Mannschaften gesehen, die starke Probleme im Spielaufbau hatten. Habe ich eigentlich nicht so gesehen, aber der Bundestrainer wird es wissen.

In Halbzeit 2 kam dann das Unvermeindliche. Leverkusen war satt oder zufrieden und hörte auf zu spielen. Warum? Ich weiß es nicht. Weil es doch nur Leverkusen ist? Dann wechselte Jupp Heynckes Gonzalo Castro aus. Hans Sarpei rein. Der Hans, so ist bekannt kann eigentlich nur hinten spielen, nach vorne geht da nichts. Warum wechselt man ihn ein? Es war der erste Teil einer Destabilisierung der Verteidigung, denn irgendwann musste auch Sami Hyypiä verletzungsbedingt den Platz verlassen und Daniel Schwaab und Manuel Friedrich konnte die restlichen Minuten den Laden nicht mehr zusammenhalten.

Die Folge. Erst ein Kuddelmuddeltor durch Kuranyi und kurz vor Ende noch ein Eigentor von Rene Adler. Ach nein. Herr Sanchez traf. Da hingen die Köpfe mal wieder tief in Leverkusen. Wie immer kurz vor Ende des entscheidenden Spiels, der entscheidenden Saisonphase, halt kurz vor Knapp. Für Reif und auch für Nationaltorhüter Adler war klar, dass vor allem Sami Hyypiä der entscheidende Faktor gewesen war. Adler schaffte es zwar noch gerade zu sagen, dass er, wenn er rausgeht beim 2:2, den Ball auch bekommen muss, aber er war auch weggerutscht und weil Hyypiä nicht mehr da war, musste er mehr riskieren.

Für Reif ist sowieso alles schwarz oder weiß. Graustufen gibt es im Verständnis des Sky-Kommentators nicht. Etwas schien aber unter der Woche bei all der Technikschulung doch zu kurz gekommen zu sein. Hermann hatte betont, dass Ausfälle von Leistungsträgern durchaus mal 2-3 Spiele kompensiert werden müssten. Leider schaffte man dies nicht einmal 15 Minuten gegen Schalke.

“Eine gefühlte Niederlage” sagte dann auch Rudi Völler in Ersatz für den immer noch angeschlagenen Jupp Heynckes. Für mich war es ein warmes, wohliges Gefühl. Nach Hause kommen. Bist du Fan von Bayer, muss man so etwas wollen, wünschen und immer wieder erfahren. Übrigens haben mir lange Zeit Stefan Reinartz und Arturo Vidal gefallen. Reinartz probierte sich als Rolfes-Ersatz und machte wenig Fehler, spielte kluge Pässe und ordnete im Mittelfeld.

Vidal spielte endlich einmal seltsam unaufgeregt, ganz ohne fiese Grätschen, unnötige Fouls, sondern konzentriert im Hintergrund arbeitend. Klar hat der Chilene noch mehr Potenzial, aber es war schön ihn nicht als ständiges Sicherheitsrisiko zu erleben. Kroos traf zwar klasse zum 1:0, konnte aber außer bei Standards wenig einbringen. Kießling spielte eine Halbzeit großartig, war dann aber anscheinend völlig ausgepumpt. Überhaupt wirkte die Werkself irgendwann einfach nur noch leer.

Unterm Strich bleibt ein weiteres Match ohne Niederlage. Ein Punkt bei einem vermeintlichen Spitzenteam und die Hoffnung endlich nächste Woche einen 3er nach drei Remis in Folge zu holen.

7 comments » Write a comment

Leave a Reply

Required fields are marked *.