Statistikeinwurf: Siegtorschützen

Eigentlich hatte ich diese Statistik schon für die letzte Saison geplant, jedoch kam mir die Idee erst relativ spät, so dass ich etwas zu faul war, alle Partien durchzuschauen. Worum es geht? Siegtorschützen. Es wird immer wieder von Wertigkeiten von Toren geschossen. Zählen Mario Gomez Treffer, wenn sie während eines 6:0 fallen weniger, als wenn es das 2:1 in der letzten Minute ist?

Im Eishockey gibt es einfache Statistik, die natürlich nicht all das widerspiegelt, was man aus der Frage heraus holen könnte, aber immerhin einen Ansatz liefert. Siegtore sind die entscheidenden Tore in einem Spiel.

Beispiel: München gewinnt 3:1 gegen Mainz, dann ist das zweite Tor von München der entscheidende Treffer. München gewinnt 5:0 gegen Fürth. Hier ist bereits das erste Tor das entscheidende. Usw. Ich hoffe, dass das verständlich ist.

Nebenbei gibt es immer noch die Statistik mit den Toren, die zu einem Unentschieden führen. Wird es definitiv weniger geben.

Ob die Statistik für Fußball auch eine Aussagekraft hat, wird sich am Ende der Saison zeigen.

Zahlenspielereien

Die guten alten Statistiken waren lange Zeit hier verschwunden. Noch weit weg vom Infografikalarm, aber immerhin ein paar (vielleicht) nichtssagende Diagramme rund um die Werkself. Naturgemäß müssen sich Trainer und Mannschaft doch immer irgendwie an den nackten Zahlen messen lassen. Was liegt da nun näher als beispielsweise die Punktzahlen nach dem 10.Spieltag in den letzten 10 Jahren miteinander zu vergleichen.

Was sagt uns das? In 6 Spielzeiten hatte Bayer Leverkusen am 10.Spieltag mehr als die jetzigen 14 Punkte. Angesichts der Tatsache, dass man sich vor der Saison ernsthaft mit der Meisterschaft beschäftigt hat, eine traurige Zahl. Immerhin 2006 und 2007 hatte man noch weniger Punkte (12) und landete am Ende wenigstens auf den internationalen Rängen. Anbei die Platzierungen der letzten 10 Jahre nach dem 10.Spieltag.

Zuguterletzt ein Blick auf die Tore. 12 sind für diese Spielzeit verbucht. Das ist die schlechteste Zahl überhaupt in den letzten 10 Jahren. Blickt man in die Historie so findet man in mehr als 30 Jahren Bundesligazueghörigkeit gerade drei Jahrgänge mit weniger erzielten Toren (1992/11 – 1988/11 – 1983/5).

“Bei unserer Mannschaft muss du in punkto Offensive eigentlich nur sagen “Spielt, macht, tut”, weil wir vorne immer ein Tor machen.” Stefan Kießling, RP, 07.10.11

Die Geschichte mit der Herbstmeisterschaft

Also Leverkusen kann ja am Samstag Herbstmeister werden. Das ist so ein Preis aus der Kategorie “Goldene Ananas”, trotzdem wird der ganzen Geschichte ein großer Einflussfaktor für die Meisterschaft zugesprochen und jeder nimmt diesen inoffiziellen Titel gerne mit in die Winterpause. Warum eigentlich?

Ja warum? Weil immerhin 67% aller Herbstmeister bisher auch am Ende deutscher Meister geworden sind.

Bildschirmfoto 2009-12-17 um 16.55.44

Von drei deutschen Meistern, waren zwei auch Herbstmeister. Oder anders gesprochen. Wenn man schon einmal die Meisterschaft, trotz der Halbzeitauszeichnung verpasst hat, dann wird quasi die Salatschüssel schon vor Ende der Saison ausgehändigt. Also super für Leverkusen, denn die schafften es im Winter 2001 auf Platz 1. Gibt es jetzt die Herbstmeisterschaft, dann braucht sich der Bayer-Fan keine Sorgen mehr machen.

Apropos Sorgen. Die kann man als Bayer-Anhänger ja dann doch nicht ausschalten. Mal angenommen, es reicht doch nicht für die Meisterschaft. Was dann?

Bildschirmfoto 2009-12-17 um 16.49.18

Naja, wie schon oben zu sehen war, folgt dann in 93% aller Fälle ein Platz zwischen Rang 2 und 5. Lediglich Hoffenheim machte es letzte Saison möglich, trotz Herbstmeisterschaft noch aus den internationalen Rängen zu fallen. Das gab es bisher noch nie zuvor. Schon Platz 5 von Eintracht Frankfurt in der Saison 1993-94 war die Ausnahme. Sonst gab es nur entweder Platz 2 oder Platz 3.

Wer ist denn eigentlich ganz vorne dabei, wenn es darum geht Meisterschaften nach gewonnen Herbsttiteln noch zu verlieren? Da gibt es einige Kandidaten.

herbstmeister

Bayern München, Schalke 04, der Hamburger SV, Werder Bremen und der Eintracht aus Frankfurt gelang das Kunststück jeweils zwei Mal. Interessant, weil sonst nur noch Leverkusen, Köln, Hoffenheim und Kaiserslautern ebenfalls ein mal “patzten”. Ein relativ eingeschränkter Kandidatenkreis.

Aber wie gesagt, dafür muss man am Samstag erst einmal Herbstmeister werden. Gilt natürlich auch für Schalke und für Bayern.

Alternative Interpretationen sind gerne genommen.

Die englische Woche

Kaum schreitet das Jahr dem Ende entgegen, hört man allen Ecken und Enden, dass die Belastung hoch sei und man so viele Spiele zu absolvieren habe. Tim Wiese erklärte nach dem Werder Bremen unter der Woche in der Europa League antrat und am Sonntag nur Unentschieden gegen den BVB spielte, dass man jetzt quasi frei hätte bei der Nationalmannschaft. Rene Adler sprach die Woche zuvor davon, dass man gegen Schalke ab der 70.Minute einfach platt gewesen sei. Ein Spiel unter der Woche konnte die Werkself allerdings im Gegenteil zum Gegner nicht vorweisen, der wie wir alle wissen in den letzten 10 Minuten einen 2-Tore-Rückstand egalisierte.

Die englische Woche muss herhalten, wenn es nicht läuft, die Spieler ideenlos über den Platz traben, ab der 60. Minute jegliche Laufbereitschaft vermissen lassen und nach dem Spiel so aussehen, als ob sie einen Ironman absolviert hätten. Was hat es eigentlich mit dieser ominösen englischen Woche auf sich und wer hat überhaupt Recht sich zu beklagen?

Die englische Woche gibt es in England eigentlich gar nicht. Dort gibt es nur die “Three-game-week”, resultierend aus 20 Mannschaften in der Liga und damit verbundenen 38 Spielen pro Team, sowie zwei verschiedenen nationalen Pokalwettbewerben. Drei Spiele in der Woche waren also dort an der Tagesordnung, so dass man nach und nach, als es zu einer Vervielfachung der Spiele in Deutschland und dem restlichen europäischen Ausland kam, der Einfachheit halber von einer englischen Woche sprach. Heute sind für Spitzenteams die drei Spiele pro Woche die Regel, denn auch europäische Wettbewerbe stehen noch auf dem Programm und wurden im Laufe der Jahre immer mehr erweitert.

Werfen wir mal einen Blick auf die Top-5 der aktuellen Bundesligatabelle bis zur Winterpause:

plan

Bayer Leverkusen, Werder Bremen, der Hamburger SV, Schalke 04 und der VfL Wolfsburg stehen da ganz oben und sind Sinnbild für ganz unterschiedliche Spielpläne. (Zur Erläuterung; Grün = Pokal, Rot = Bundesliga, Blau = Europa oder Champions League – Die großen Lücken entstanden durch die Länderspielwochen)

Leverkusen ist international nicht vertreten und ist in der 2.Runde des DFB-Pokals rausgeflogen. Dementsprechend ist Zahl der Spiele relativ gering bis zum Winter. 19 Spiele und nur eine englische Woche. Das bedeutet durchschnittlich 7,6 Tage bis zum nächsten Match. Das einzige Spiel nach einer englischen Woche in der Bundesliga wurde gewonnen.

Werder Bremen absolviert das volle Programm. Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League. 26 Spiele stehen auf dem Programm. Bereits sechs englische Wochen (EW) liegen hinter den Hansestädtern und die Bilanz ist trotzdem äußerst positiv. 4 Siege und 2 Remis wurden nach den EW in der Bundesliga verbucht. 2 EW liegen noch vor Bremen bis zum Weihnachtsfest. Zwischen den Spielen liegen durchschnittlich nur 5,6 Tage. Das sind zwei Tage weniger, als der aktuelle Tabellenführer.

Der Hamburger SV hat einen mit Bremen vergleichbaren Spielplan. Einziger Unterschied: das vorzeitige Aus in DFB-Pokalrunde 2. Macht summa summarum 25 Spiele, 5 englischen Wochen bisher und noch zwei ausstehende. Bilanz: 2 Siege und 3 Remis. Zwischen den Spielen liegen 5,8 Tage im Schnitt.

Schalke 04 ist ebenfalls, wie Tabellenführer Leverkusen international nicht vertreten, dafür aber noch im DFB-Pokal aktiv. Somit spielen die Knappen bis zum Winter 20 Mal. 2 EW standen auf dem Plan, nach einer wurde gewonnen, nach der anderen folgte ein Remis. Schalke hat 7,2 Tage zwischen den Spielen.

Wolfsburg spielt Champions League, aber nicht mehr im Pokal. 25 Spiele, 5 EW bisher und noch 2, die auf dem Plan von Armin Veh stehen. Die Bilanz ist gut mit 3 Siegen und 2 Remis. Zwischen den Spielen liegen im Schnitt 5,8 Tage.

Was sagt uns das alles. Zunächst einmal ist bezüglich der Belastung ein klarer Unterschied zwischen international aktiven und “nur” national spielenden Teams zu vermerken. Die Zeit zwischen den Spielen schwankt im Schnitt, zwischen 5 und 7 Tagen und da liegt die Krux. Nicht zu sehen ist, dass zeitweise 3 EW nacheinander gespielt wurden mit höchstens 4 Tagen Pause. Auch nicht mit einberechnet sind die teils langen Länderspielpausen.

Die Bilanz nach den EW ist durchweg positiv, allerdings würden die Mannschaften natürlich auch sonst nicht so weit oben in der Tabelle stehen. Schaut man auf die Bayern, die ein ähnliches Programm wie Wolfsburg haben, sehen wir 2 Siege, 3 Remis und 1 Niederlage nach EW. Die Stuttgarter passen da schon besser als Negativbeispiel, stehen aber auch im hinteren Mittelfeld der Bundesliga. Bereits 8 EW, aufgrund der Champions League-Quali liegen hinter den Schwaben. Nur eine Partie wurde nach einer EW gewonnen, sonst gab es 4 Remis und 3 Pleiten.

Und was sagt uns das alles weiter? Nichts, wie ich behaupten möchte. Die Belastung ist auf jeden Fall groß für einige Teams, doch die Ergebnisse stimmen bei den Spitzenteams immer noch. Vielleicht ändert sich das im Laufe der Saison und vielleicht sind die wenigen Spielen der Leverkusener und Schalker ein klarer Vorteil. Vielleicht auch nicht. Vielleicht sind die aktiven Teams besser im Fluß.

Geld schießt Tore oder die Statistikdiskussion

Liebe Leute, wie schon oft hier bemerkt, bin ich Fan von Statistiken. Fan vor allem guter Statistiken. Über die komplette letzte Saison habe ich beispielsweise Durchschnittsnoten gesammelt, ausgewertet und aufgerechnet. Da konnte man mal hübsch den Leistungsverlauf eines Spielers beobachten. Soweit so gut. Die Resonanz darauf, war unter Nicht-Bayer-Fans, gelinde gesagt, eher bescheiden. Da diskutiert man mal über eine Note, aber das kann aber auch bei Sportal mit dutzenden anderen Irren tun.

Für diese Saison hatte ich mir folgendes überlegt. Bei bundesliga.de gibt es doch diese tollen Zweikampf-Statistiken, Pass-Statistiken, Urwald-Schneuz-Statistiken und so weiter. Das fanden wiederum viele ganz interessant, fand auch Nachahmer, allerdings habe ich mich nach ein paar Spieltagen gefragt, wie verlässlich sind diese Statistiken. Zählt man mal vergleichsweise mit, kommt man auf ganz andere Werte. Verteidiger, die ein ganzes Spiel ohne Zweikampf auskommen. No way. Also hab ich es dabei bewenden lassen, auf diesen Statistik-Irrsinn zu verzichten.

Just dieser Tage wollte ich dann folgenden Artikel schreiben:

Die letzten Tage habe ich mir Gedanken über die These “Geld schießt Tore” gemacht. Erste Überlegung war, dass die wertvollsten Spieler (laut Transfermarkt.de) einer Mannschaft zwar nicht unbedingt Tore schießen müssen, aber zumindest Topleistungen abliefern sollten. Um diese Noten (Quelle: kicker / nach dem 9.Spieltag) vergleichbar machen zu können, habe ich sie in Relation zur Gesamtleistung der Mannschaft gesetzt. Der Spieler, der am meisten wert ist in einem Team, sollte auch besser sein, als der Durchschnitt der Mannschaft.

relationnote_02

Bei 13 der wertvollsten Spieler eines Teams trifft zu, dass sie zumindest besser sind, als der Durchschnitt einer Mannschaft. In einem weiteren Schritt habe ich einen Wert gebildet, der sich die Relation des Marktwerts des Topspielers zur Mannschaft ausdrückt. Ein Spieler, wie zum Beispiel Lukas Podolski ist 6,06 Mal so wertvoll wie der Durchschnitt. Dementsprechend sollte er auch mehr Leistung bringen. Weitere Überlegung ist, dass solche wichtigen Spieler ja eine Mannschaft mitreißen, oder gar anführen sollen. Die Frage ist nun, ob schlechte Leistungen dieser Topspieler sich auch auf die Mannschaftsleistung auswirken.

Genau an diesem Punkt, kam ich ins Zweifeln. Was will ich vergleichen. Das passt doch hinten und vorne nicht. Kann man das nur anhand der Noten ausdiskutieren. Im Sportblogger-Netzwerk stellte ich das Thema zur Diskussion – es gab gute Resonanz und unterschiedliche Ansätze. Für mich kam ich aber erneut zum Schluss, dass diese Gegenrechnung von Werten nichts bringt. In diesem Fall zumindest.

Rechnet man wirklich wissenschaftlich, so braucht man ein gutes Forschungsdesign, verlässliche Datenquellen und vernünftige Instrumente zur Auswertung. Daran fehlt es mir leider häufig. Die wirklich verlässlichen Werte erheben große Institute, die dafür viel Geld beispielsweise von Bundesliga-Mannschaften erhalten. Also warum sollten dann die 08/15-Stats irgendwelcher Internetseiten etwas bedeuten.

Deskriptive Statistiken funktionieren gut, wie beispielsweise dieser hervorragende Beitrag vom Königsblog zeigt!

Fragen? Meinungen? Immer her damit….