Pawlow zwei Jahre gesperrt

Wie versprochen, werde ich weiter das Thema “Doping im Fußball” verfolgen. Passend dazu die heutige Meldung des Sport Informations Diensts (sid), dass der Bulgare und Sofia-Spieler Nikolaj Pawlow für zwei Jahre von der UEFA gesperrt worden sei.

Pawlow war im August bei einem UEFA-Cup-Qualifikationsspiel zwischen Sofia und Borac positiv auf Testosteron getestet worden. Testosteron verstärkt und beschleunigt den Aufbau von Muskelmasse, bei gleichzeitiger Abnahme der Körperfettmasse und verursacht zudem eine Verkürzung der Regenerationsphasen.

Pawlow behauptete, dass sein Arzt ihm ein Medikament verschrieben habe, worauf der Testosteron-Wert zurückführbar sei und er davon nichts gewusst habe. Allerdings gestand er auch ein, dass die Verantwortung für eine solche Medikamenteneinnahme bei ihm läge.

Abfallprodukt meiner Recherche: Ivica Olic – Neu-Bayer ab Sommer 2009 – ist bei der EM 2004 positiv auf Methylprednisolon getestet worden. Auch hier hatte der Mannschaftsarzt “schuld”. Olic hatte das Medikament mit der verbotenen Substanz gegen die Schmerzen einer Rippenverletzung bekommen. Olic wurde später freigesprochen und durfte weiter bei der EM spielen. Der kroatische Fußballverband bekam eine Geldstrafe von 6600 Euro. Wusste ich auch noch nicht.

Auch der Dopingfall Savid Solga beruht auf einer Medikamentengabe eines Teamarztes. Solga spielt beim Drittligisten Wacker Burghausen und war am 4.Oktober auf Methylpseudoephedrine positiv getestet worden. Die Substanz befand sich in einem Grippemittel, dass Solga auf Anraten des Arztes zu sich genommen hatte. Solga wurde später vom DFB verwarnt und zu einer Geldstrafe von 5500 Euro verurteilt.

Es habe sich nicht um einen klassischen Dopingfall mit der Einnahme eines verbotenen Medikamentes zur Leistungssteigerung gehandelt, Solga hätte sich andererseits aber “nicht blind auf seinen Vereinsarzt verlassen” dürfen. (sid)

Dies die Begründung des Urteils.

Winterzeugnis: Benedikt Fernandez

Fernandez gehört zu den hoffnungsvollen Talenten im Kader von Bayer Leverkusen. Leider steht vor Fernandez noch ein weiteres großes Talent – Rene Adler, der sogar sieben Tage jünger ist, aber seit der Jugend, Fernandez mindestens ein Jahr vorraus ist. Die Chancen den, inzwischen zum Nationalkeeper aufgestiegenen Adler, vom Thron in Leverkusen zu stoßen, sind äußerst gering. Das sieht Fernandez auch selber so.

Die Perspektive, hier die Nummer 1 zu werden, ist natürlich sehr gering. Ich habe aber immer schon Jahr für Jahr und Step by Step gedacht. Vor 2 Jahren wurde ich noch an den Verbandsligisten SC Renault Brühl ausgeliehen, und jetzt bin ich Bundesligaspieler. Das ist schon eine riesige Entwicklung, die ich mir durch meinen Ehrgeiz erarbeitet habe. Da ich nie so talentiert war wie z.B. ein Rene Adler oder manch anderer, musste ich mir alles durch viel Fleiß und Ehrgeiz erarbeiten. So denke ich auch jetzt von Saison zu Saison. Letztes Jahr war ich noch die Nummer 3, jetzt bin ich die Nummer 2. Natürlich danke ich auch dem Verein für das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben. Ich möchte die nächsten 2-3 Jahre noch dazu nutzen, hinter einem sehr guten Torhüter Erfahrung zu sammeln und die Spiele mitnehmen, die ich bekomme. Da in unserem Sport Verletzungen keine Seltenheit sind, habe ich vielleicht immer mal wieder die Chance mich zu präsentieren und muss dann meine Chance nutzen. Mein mittelfristiger Plan ist es, mit 25 oder 26 Jahren irgendwo die Nummer 1 zu werden, am liebsten natürlich in der Ersten Liga, aber auch vielleicht erst mal in der Zweiten Bundesliga. (2007, Goalkeeping.com)

Immerhin in drei Spielen, durfte sich Fernandez in dieser Saison dem Publikum präsentieren. Durch die Verletzung von Adler startete er gegen Dortmund (2:3), gegen Stuttgart (2:0) und gegen Hoffenheim (5:2). Alle Spiele gestaltete er fehlerfrei, souverän und ohne große Aufreger. Sein Notenschnitt lag bei 3,08, lediglich das Spiel gegen Dortmund war eher mäßig bewertet worden. Jüngst zeigt er hervorragende Leistungen beim Hallenturnier in Dortmund und wurde zum Torhüter des Turniers gewählt. Ein Mann, auf den man sich verlassen kann. Im September verlängerte er seinen Vertrag in Leverkusen um zwei Jahre.

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Pillenpackung VII

Erster Tag im neuen Jahr im Büro sitzend und damit auch wieder langsam warm bloggend. Ein Frohes Neues nochmal allen Besuchern. Zum Wochenbeginn starten wir mit einer Pillenpackung, passend zu meinem Gesundheitszustand. Erkältung, Husten, Schnupfen sind meine ständigen Begleiter in den letzten 14 Tagen.

Ganz anders Bernd Schneider, der ja bekanntlich Samstag wieder ins Mannschaftstraining einstieg und nun schon das erste Interview der Welt gab. Insgesamt hält Schnix den Ball aber noch sehr flach.

Abwarten. Die ersten Einheiten habe ich ja nur teilweise mitgemacht, wir werden nichts überstürzen. Die Fitness ist noch nicht ganz wieder da. Eine Basis ist da, aber um auf Topniveau spielen zu können, fehlt noch einiges. Es wird schwer, da wieder hinzukommen, ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, aber ich bin guten Mutes, es zu packen, und habe die Lust und den Willen dazu. (Welt)

Auch die Süddeutsche freut sich, dass Schneider in Bälde wieder dabei ist:

Die tollste Nachricht aber kommt aus Leverkusen: Seine Hoheit Senor Bernd Schneider do Brasil, der Chief Executive der Bayer-Mittelfeld-Group, ist wieder da! 253 Tage nach seiner Halswirbeloperation steht der 35-Jährige wieder im Mannschaftstraining. Natürlich ist Bayers Verjüngungskurs vortrefflich, vorbildlich und aus ethischen-moralischen Gründen schwer zu begrüßen – aber das gilt doch nicht für Bernd Schneider! (SZ)

Ein bisschen Ernst wurde es gestern schon bei der Werkself, die beim “Derby-Fieber 2009 Cup” in der Westfalen-Halle antrat. Ein zweiter Platz sprang für die Mannen von Bruno Labbadia heraus. Im Finale unterlag man Mönchengladbach, die bei einem so “interessanten” Cup-Namen und so spärlicher Zuschauerbeteiligung, ihren Titel 2010 wohl nicht verteidigen müssen. Einen sehr guten und unterhaltsamen Artikel gibt es bei “Schwatzgelb”.

Anschließend hätte man ein kurzes Nickerchen halten können, wenn nicht ewig diese Proletenmucke von Mickie Krause und Co. aufgefahren worden wäre. Denn es spielte Leverkusen gegen Köln und somit die beiden Mannschaften, die ihre Fans in der JVA vergessen haben. Nur Kießling wollte die Beerdigung sprengen und sah Gelb wegen Meckerns (“Jetzt reichts aber langsam, Schiri!”). Das Spiel endete 3:1 für Leverkusen, die somit bereits als Gruppensieger im Halbfinale standen. (Schwatzgelb)

Notizen vom Rande des Turniers. Helmes wollte eigentlich spielen, hatte aber 39° Fieber und Gekas musste jüngst noch einmal am Knie operiert werden, was seinen Verkaufswert nicht gerade steigert. (Bild)

Heute kickt Bayer dann nochmal in der Halle auf der anderen Rheinseite.

Schneider wieder im Training

Das erste Training des Jahres ist nicht wirklich spektakulär. Ausnahmen sind Neuverpflichtungen auf dem Platz oder jemand wie Bernd Schneider, der nach acht Monaten endlich wieder dem Ball hinterher jagt.

Es war 14.47 Uhr als Bernd Schneider am Samstag erstmals nach seiner langwierigen Verletzungspause wieder zusammen mit seinen Teamkollegen den Trainingsplatz an der BayArena betrat. Auf dem Weg von der Kabine bis zum grünen Untergrund wurde der Mittelfeldspieler freundlich und mit Applaus von den über 70 Bayer 04-Fans empfangen. (Bayer-04-Homepage)

Trainer mal anders…

Eisig kalt ists draußen. Fußball wird nur auf dem Ascheplatz drüben am Spielplatz gezockt. Kleine Jungs mit kurzen Hosen und dampfenden Atem führen ihre neue Trikots, die es zu Weihnachten gab, spazieren. Ich sehe noch keine Hoffenheim-Trikots, sondern die hier üblichen gelb-schwarzen, schwarz-weißen und vielleicht auch noch roten Jerseys mit den Namen der Helden auf dem Rücken (Ratestunde – welche Teams sind gemeint?). Teils selber geflockt, teils original, je nachdem wieviel Asche die Eltern auf dem Konto haben. In dieser Zeit, auch Winterpause genannt, so kurz nach dem Fest der Liebe, darf man Fußball-Profis, darunter zähle ich jetzt auch mal Trainer, auch nach anderen Dingen fragen.

Welche Werte für sie wichtig sind, was Kinder heute prägt, ob man alle Härten von dem Kleinen fernhalten sollte, warum ein Essen nicht nur fünf Minuten dauern sollte und noch vieles mehr. Darüber unterhält sich Bruno Labbadia mit dem Journalisten Daniel Theweleit im Auftrag der TAZ. Sehr spannend auch für Nicht-Leverkusener. Ein kleiner Auszug.

Herr Labbadia, einer Ihrer Spieler ist Constant Djakpa, ein 22-jähriger Junge von der Elfenbeinküste, der wahrscheinlich an einem Tag mehr verdient als seine Eltern in einem Jahr. Gibt es für so einen Spieler so etwas wie Gerechtigkeit?

Man merkt, wenn ein Spieler eine ganze Großfamilie unterstützen muss. Da sind wir wieder beim Ego. Das ist ein gewaltiger Antrieb. Die einen haben den Antrieb, dass sie zu Ruhm kommen wollen, dass sie im Mittelpunkt stehen möchten. Mit dem Geld vielen Leuten zu helfen, ist natürlich ein super Anreiz. Ganz wichtig ist aber für diese jungen Spieler, die plötzlich sehr viel Geld haben, dass sie ihre Wurzeln nicht aus den Augen verlieren.

Gab es in Ihrer Jugend noch andere wichtige Autoritätspersonen als Ihre Eltern?

Meinen Jugendtrainer nenne ich noch heute meinen sportlichen Ziehvater. Das war einfach ein besonderer Mensch, der hat uns nicht nur sportlich geformt, sondern auch menschlich. Von ihm habe ich sehr viel mitgenommen.

Der Alptraum hat ein Ende

Krimsekt und Kaviar dürften en masse, am 16.November diesen Jahres bei den Erstligaclubs der russische Premier Liga, aufgetischt worden sein. Nach dem 2:2 von Luch-Energia Vladivostok gegen Spartak Moskau stand fest, dass der östlichste Verein der UEFA nicht mehr erstklassig spielt. Damit bleiben den übrigen 15 Teams der Liga Reisen, bis zu knapp 20.000 Kilometern, inklusive Hin- und Rückflug erspart. Für die Spieler und Fans von Vladivostok stehen in einer Spielzeit gar Reisen bis zu 200.000 Kilometern an. Neben den Reisen samt gesundheitlicher und zeitlicher Belastung, fallen damit auch finanzielle Unkosten für die Teams unter den Tisch.

Vladivostok war 2005 in die erste russische Liga aufgestiegen und hatte in der folgenden Saison für viel Furore gesorgt – einmal aufgrund der exponierten Lage im Lande Russland und außerdem aufgrund des sportlichen Erfolgs des Teams, das zeitweise auf einem Europacup-Platz stand und erst kurz vor Ende der Saison auf Platz Sieben abrutschte und sich damit nicht für den UEFA-Cup qualifizierte. Medien unkten schon von halben Weltreisen, wenn Porto gegen Vladivostok antreten müsste.

Stattdessen folgte für die Mannschaft am östlichsten Ende Russlands ein hartes Jahr 2007 mit einem knapp gesicherten Klassenerhalt, doch in dieser Saison reichte es nicht mehr. Vladivostok stieg ab, wohl sehr zur Freude der 15 übrigen Erstligateams, die sich Reisen durch sieben Zeitzonen nun ersparen können.

Vergleicht man die Entfernungen, die Bundesligateams samt ihrer Fans zurücklegen, mit denen der russischen Liga, so darf sich nie wieder ein bayrischer Anhänger über eine Fahrt nach Hamburg beklagen. Die Entfernung beträgt 776 Kilometer. Insgesamt müssen die Bayern knapp 9500 Kilometer zu Auswärtsspielen zurücklegen. Das sind knapp 5 % von dem Programm, welches Luch-Energia absolvierte.

«Wir brauchen zwei Tage, um uns von einem Flug nach Moskau zu erholen, aber mindestens eine Woche, wenn wir wieder zu Hause sind.» Der Aufsteiger aus dem Osten bat bereits um wissenschaftlichen Rat, «doch gegen den Jetlag gibt es kein Geheimrezept», musste Pawlow feststellen.

Auch für den Verband stellt der Aufsteiger eine Herausforderung dar. Die Ausarbeitung des Spielplans wurde zum Spiessrutenlauf. Während die Spiele in Rest-Russland wegen der Fernsehzuschauer vorzugsweise am Nachmittag stattfinden, wird in Wladiwostok morgens um acht oder zehn Uhr (Moskauer Zeit) angepfiffen. Der Bitte des Aufsteigers, jeweils zu mehreren Auswärtsspielen nacheinander antreten zu dürfen, ist der Verband nur sehr beschränkt nachgekommen. (Mittelland Zeitung, April 2006)

Zum weiteren Vergleich: Hoffenheim legt 6359 Kilometer zurück, Leverkusen 4835 und Cottbus 9048 Kilometer (laut Google Maps). [In einem Bremer Blog wurden, glaube ich, vor einiger Zeit die genauen Entfernungen aller Teams erwähnt. Leider habe ich den Text nicht mehr gefunden.]