Urlaub!

Hat es hier auch lange nicht gegeben! Ich bin vom 10.10.-24.10.10 in Frankreich und werde deshalb hier auch keinerlei Programm bieten. Danach gehts mit neuem Elan und frischen Ideen wieder weiter.

Werder Bremen, Teil 5

Ungefähr zwölf verschiedene taktische Formation kursierten im Internet vor der Partie gegen Werder Bremen. Zunächst mit zwei Stürmern, dann mit zwei Sechsern, mit einem Sechser, mit drei Stürmern – also quasi alles was man sich so vorstellen kann. Am Ende spielte ein 4-1-4-1 mit Reinartz als Sechser und Helmes als einzigem Stürmer. Ob das nun die richtige Taktik war und ob sie richtig besetzt wurde, ist selbst 48 Stunden nach dem Spiel nicht so richtig klar.

Gegen Madrid hatte man das Gefühl, dass die Defensive wieder gefestigter stand – nach dem Bremen-Spiel fragte man sich, ob es so etwas wie Defensive überhaupt gab. Das Spiel endete 2:2 und wie wir ja alle wissen, beginnt die Verteidigung bereits beim Sturm an, allerdings gab es da wenig defensives zu sehen. Eher sah man immer wieder zu weit aufgerückte Spieler, die viel zu weit von ihren Gegenspieler entfernt standen.

Klar. Bremen spielte offensiv, ließ Chancen zu, machte selber häufig die Abwehr auf, aber das ist noch lange kein Grund die eigene Abwehrarbeit so zu vernachlässigen.So lange man das nicht in den Griff bekommt, wird man wohl auch ganz oben in der Tabelle kein Wort mitreden. Im Vorwärtsgang wurde vieles richtig gemacht. Barnetta wusste zu gefallen, Sam ebenfalls, auch wenn oft noch das Zuspiel im richtigen Moment fehlte oder die letzte präzise Aktion.

Vidal und Balitsch überzeugten nach ihren letzten guten Spielen gegen Bremen nicht mehr. Beide wurden ausgewechselt und danach lief das Spiel etwas geordneter. Bender ersetzte Vidal und Derdiyok attestierte Helmes vorne im Sturm. Sowohl Helmes, als auch Derdiyok trafen und zeigten eine ansprechende Leistung, auch wenn vor allem bei Helmes immer noch das letzte Quäntchen Abgezocktheit der vorletzten Saison fehlt. Beide trafen und der Schweizer in so unnachahmlicher Manier, dass es einem dem Atem verschlug.

Und überhaupt stimmte die Moral. 1:0 geführt, der Gegner dreht danach das Spiel, macht zwei Tore und dann kommt die Werkself doch noch zurück und holt wenigstens einen Punkt.

20 Jahre Deutsche Einheit

Ich kann mich noch an Fahrten mitten in der Nacht Richtung Osten erinnern. Ganz schemenhaft. Die Grenze. Kontrollen, bei denen das ganze Auto auseinander genommen wurde. Trabbis. Dampflokomotiven. Den beißenden Kohlegeruch in den Städten. Rote Brause. Seltene Telefonate. Das Drüben. Und irgendwann kam die Nachricht, dass wir einfach so Richtung Osten fahren dürfen. Ohne Kontrolle. Zu unserer Verwandtschaft. Verrückt. Zwanzig Jahre ist die Deutsche Einheit nun schon her und die wenigsten können sich noch vorstellen wie das war, als Deutschland aus zwei Hälften bestand. Berlin ebenfalls. 13 Jahre war ich da alt, aber eine große Erinnerung habe ich nicht an diesen Tag oder an den Mauerfall.

Auch damals war ich schon Leverkusen-Fan. Während meine Cousins aus dem Osten eher Fans von Bayern München waren, musste ich mich damals für meine Nähe zu diesem Chemieclub rechtfertigen. Die Bundesliga-Saison 1990/91 – die Saison der Einheit – war eine verrückte Saison. Nicht Bayern München, Bremen oder der damals noch gute FC Köln wurden Meister. Nein der Schrecken aus der Pfalz stand am Ende der Spielzeit ganz oben. Der 1.FC Kaiserslautern schaffte ein kleines Wunder und wurde deutscher Meister. Da spielten noch Gerry Ehrmann, Miroslav Kadlec, Axel Roos und Bruno Labbadia bei den roten Teufeln. Es war noch kein Meister des geeinten Landes, aber der erste Bundesliga-Meister nach der Wiedervereinigung. Und Bayer?

Bayer stand irgendwo zwischen den einzigen großen Erfolgen der Vereinsgeschichte. Dem UEFA-Cup-Sieg 1988 und dem DFB-Pokal-Erfolg 1993. Und dennoch war dieses Jahr ein besonderes für die Geschichte des Vereins, denn Reiner Calmund sah die Chance der Einheit und verpflichtete Ulf Kirsten. Direkt nach dem Mauerfall hatte er schon Andreas Thom nach Leverkusen geschleust und verpflichtet. Kirsten traf gleich im ersten Spiel gegen den FC Bayern München und wurde letztlich Bayers erfolgreichster Stürmer aller Zeiten.

Trotz Kirsten wurde die Werkself damals nur 8. am Ende der Saison. Kein Europapokal, was dazu führte das Coach Reinhard Saftig vorzeitig die Koffer packen musste. Der heutige Co-Trainer Peter Herrmann übernahm die Mannschaft bis zum Saisonende. Die Saison der Wiedervereinigung.

Die große Bühne

Es gibt Bühnen, die bespielt man jedes Jahr aufs neue. Bühnen in München, in Bremen, in Gelsenkirchen, eher seltener in Berlin oder in Bielefeld, aber es kann schon sein, dass man doch noch irgendwo auf dem Land mal ein Gastspiel hat, womit man nicht gerechnet hätte. Pirmasens oder so. Man spielt sein Programm runter, mal besser, mal schlechter. Klar möchte man gute Kritiken bekommen und die Schauspieler sind diese Spielzeit mal besser, in der nächsten schlechter, haben auch mal einen Gastauftritt vielleicht in einem anderen Ensemble. Wenn sie gut sind. Die ganz große Bühne bekam das Leverkusener Ensemble in den letzten Jahren eher seltener zu sehen, speziell Touren im Ausland waren eine Seltenheit.

Umso schöner, wenn man gegen Atletico Madrid, den Titelverteidiger der Europa League ran darf und sich mehr als achtbar verkauft. Die einhellige Meinung war, dass die Heynckes-Truppe mit einem Remis zufrieden sein durfte – vor dem Spiel. Nach dem Spiel musste die Bayer-Fraktion fast ein bisschen unglücklich sein mit der Punkteteilung. Lediglich einer derart dummen Grätsche von Sami Hyypiä und dem anschließenden Elfmeterpfiff war es geschuldet, dass die Werkself nicht sogar einen Sieg davon trug.

Bayer spielte defensiv kompakt, bedacht darauf, keine Fehler zu machen im 4-5-1-System. Vor der Vierer-Abwehrkette spielte Stefan Reinartz den Ausputzer und Forlan-Bewacher, davor agierten Arturo Vidal und Hanno Balitsch eines zusätzliche Ausputzer, dass man fast von einer Triple-Sechs sprechen kann. 4-3-2-1. Gabs das schon irgendwo? Sidney Sam und Tranquillo Barnetta teilten sich die Außenpositionen im Mittelfeld und wechselten ab und zu die Seiten. Eren Derdiyok spielte die einzige Spitze mit den üblichen Problemen. Aus dem Spiel ging nach vorne nicht allzu viel, auch wenn ballsicher agierte und sich in Strafraumnähe kombinierte. Mehr aber auch nicht.

Wenig verwunderlich dann also auch, dass das 0:1 durch Derdiyok nach einer Ecke fiel. Hinten sicher stehen und vorne die Standards verwandeln. Das klappte ja auch zunächst in Stuttgart gut. In der ersten Hälfte spielte der Gegner dann auch gnädig mit und erzeugte null Gefahr im Leverkusener Strafraum. In Hälfte zwei musste Madrid etwas tun und kam dann auch zum etwas glücklichen Ausgleich, den man sich erst in der Folgezeit dann verdiente. Leverkusen wirkte etwas ängstlich und unorganisiert und ließ vor allem über die Kadlec/Reyes-Seite immer wieder Angriffe zu, die in halbwegs gefährlichen Torszenen endeten. Mit der Hereinnahme von Simon Rolfes, Lars Bender und Patrick Helmes änderte sich das Spiel aber wieder.

Bayer stand dank Rolfes wieder geordneter und erzeugte durch Helmes mehr Gefahr im Strafraum, so dass das 1:1 letztlich in Ordnung ging, man aber auch mit einem Sieg nach Hause hätte fahren können. Mit vier Punkten nach zwei Spielen steht man sehr gut da, auch weil Trondheim zuhause gegen Saloniki gewann, die ja überraschend Madrid am ersten Spieltag geschlagen hatten.

Am Wochenende täte Heynckes gut daran weiter auf diesem taktischen Dampfer zu fahren. Gegen offensive Mannschaften, wie es der nächste Gegner Bremen ist, funktioniert das System gut und man hat ein Mittel durch das Übergewicht im Mittelfeld, die Defensive zu stärken.

Hier noch eine Analyse des Taktikgurus.

VfB Stuttgart, Teil 5

Dieses Bild spiegelt in hervorragender Art und Weise die bisherigen Leistungen der Werkself wider. Der vieldiskutierte Kicker-Notendurchschnitt als Gradmesser für die Qualität des Leverkusener Spiels. Sechs Spiele und nicht zu vergessen, dass das erste Spiel im Bereich internationale Spitzenklasse bei großen Teilen des Teams anzusiedeln war. Wie schlecht waren dann die restlichen Spiele? Und das tollste ist, dass man dennoch noch im oberen Tabellenbereich steht!!

Unfassbar. Leverkusen ist in der Regel mit Spielkultur, rasanten Passstafetten und Geistesblitzen der genialen Art in Verbindung zu setzen. Zumindestens zu Großteilen einer Spielzeit. Lieber mal einen Patzer hinten, als dass man vorne langweilig spielt. Diese Saison sah das allerdings anders aus. Das gute Spiel gegen Dortmund und dann der bereits schon mehrfach erwähnte Rumpelfussball.

Das hing zum einen mit etwas zusammen, dass niemand benennen konnte und das hing auch mit der Personalsituation und mit der Taktik zusammen. Alles bewirkte sich gegenseitig und führte zu gruseligen Bundesligaspielen mit Leverkusener Beteiligung. Für den X-Faktor ist Jupp Heynckes zuständig. Ich weiß immer noch nicht, was das sein könnte. Teamchemie? Psyche? Irgendwas wird es sein, dass der Trainer, so hoffe ich inständig, früher oder später erkennen und tilgen wird.

Die Personalsituation entwickelt sich anscheinend gerade so, dass es den Leverkusenern entgegen kommt. Gab es zu Beginn der Spielzeit ein Überangebot auf diversen Positionen, fallen nun an allen Ecken und Enden Akteure aus. Grund genug, dass andere einspringen und gute Leistungen zu zeigen. So nach dem Motto: “Jetzt spiele ich für die Verletzten und für das Team und nebenbei kann ich zeigen, was in mir steckt.” Das hat letzte Saison schon gut geklappt.

Taktik. Versuchte Heynckes vor der Saison schon mal ein 4-5-1 um Michael Ballack irgendwie in Tornähe zu bringen, startete Heynckes zunächst mit dem guten alten 4-4-2, dass sich in Leverkusen seit 2-3 Spielzeiten bewährt hat. Da die Personaldichte im Sturm aber so dermaßen geschrumpft ist, musste Heynckes nun zwangsweise auf einen Stürmer umstellen. Gegen Frankfurt klappte das gar nicht, gegen Stuttgart so-la-la.

Zunächst die positiven Aspekte des Spiels gegen die Schwaben in Bezug auf die Taktik. Das 4-5-1 bedeutete eine Überzahl im Mittelfeld, die konsequent ausgenutzt wurde. Ob das nun defensiv oder offensiv war, im entscheidenden Moment war ein Mann mehr da als auf Stuttgarter Seite, auch weil der VfB im Großen und Ganzen wesentlich offensiver spielte, als das die Frankfurter unter der Woche taten. Dann nämlich sieht Bayer alt aus, wenn das Mittelfeld dermaßen voll ist, dass sich die Kreativen auf den Füßen stehen.

Durch die Balleroberungen gelang es Leverkusen schnell Chancen zu kreieren (Urgsss Modewort) und Stuttgart in die Defensive zu drängen. Das 0:1 fiel nach einer Standard-Situation – das 0:2 war dann endlich wieder Leverkusener Feinkost mit Hacke-Spitze-1-2-3. Danach versäumte man das 0:3 auch weil Camoranesi Barnetta von hinten in die Beine fuhr. Ich bin mir sicher, dass das Spiel entspannter gelaufen wäre, wenn der Schweizer getroffen hätte und der Italiener auf dem Platz geblieben wäre.

So kam es dann mal wieder nach einer Standard-Situation zum Anschlusstreffer. Spiel den Ball bei Standards hoch und schnell in den Strafraum und Bayer wackelt. Als kleiner Tipp für die kommenden Gegner. Gratis. Dank der Überzahl konnte die Werkself aber doch noch einen Konter zum 1:3 nutzen und der Schlusspunkt zum 1:4 war dann nur noch Formsache. Gold war das sicherlich nicht, aber zumindest ein ordentliches Spiel der Bayer11. Die Abwehr wackelt weiterhin. Die Außenverteidiger verlieren immer noch zuviele Zweikämpfe. Das Mittelfeld hat ordentlich gespielt und Derdiyok als einziger Stürmer war weiterhin überfordert. Erstens bekommt er nicht genügend hohe Bälle, zweitens holt er sich zuviele aus dem Mittelfeld.

Abwarten, ob sich die obige Notenstatistik irgendwann in der Saison noch verändert – was die Personalsituation in 1-2 Monaten so macht und welche Taktik Heynckes spielen lässt. Mit dem derzeitigen Tabellenplatz kann man auf jeden Fall zufrieden sein.

Eintracht Frankfurt, Teil 5

Bundesliga macht doch im Moment keinen Spaß. Bayer dümpelt im Tabellenmittelfeld herum und spielt Gurkenfußball. An der Spitze steht nur ein Karnevalsverein, dahinter der einzige Club, den Bayer in manierlicher Form abgeledert hatte und dann kommen Hoffenheim, Hannover und Freiburg auf den internationalen Plätzen. Wenn da nicht geschummelt wurde, weiß ich es auch nicht.

Einziges positives Zeichen in dieser dunklen Zeit: Bayern München steht immer noch punktgleich hinter der Werkself. Dann ist doch wie immer alles in Butter, denn die Bajuwaren sind ja das Maß aller Dinge. So auch an diesem Wochenende englischen Spieltag. Bayern gewann in letzter Minute gegen Hoffenheim. Bayer in letzter Minute gegen Frankfurt.

Also marschieren Leverkusen und München nun Hand in Hand Richtung Tabellenspitze und Meisterschaft. Also die muss dann halt noch zwischen den beiden Teams ausgespielt werden. Endlich mal eine Saison, wo nicht schön gespielt wird, sondern meisterlich erfolgreich mit Last-Minute-Siegen und Rumpelfußball. Quantität statt Qualität ist das Stichwort, was es zu beherzigen gilt.

Genug der Ironie, des Hohns und des Spotts. Die Partie gegen Eintracht Frankfurt war für den gemeinen Fan eine Zumutung. Nach dem Bayer gleich zu Beginn in Front ging und man Pluspunkte beim Vorbereiter Jörgensen und beim Vollstrecker Bender vermerkte, hieß es den Rotstift rausholen und Fehlerstriche hinter sämtlichen Namen vermerken.

Am markantesten musste der Marker in den Abwehrreihen wüten. Vor dem 1:1 durch Gekas – ja – ausgerechnet der Gekas unter ausgerechnet dem Trainer – Skibbe – schlief die komplette Abwehr, ganz besonders die beiden Männer in der Mitte. Manuel Friedrich und Stefan Reinartz bestätigten ihre uneingespielten Leistungen der Vorwochen und ließen die Defensivkraft des letzten Jahres vermissen.

Im Mittelfeld herrscht im Großen und Ganzen eine Ideenlosigkeit, die ihresgleichen sucht und das Experiment mit nur einem Stürmer hat genau 10 Minuten funktioniert, dann fehlte Eren Derdiyok in der Regel vorne, weil er sich Bälle im Mittelfeld holte und kein Stürmer mehr dort war, wo er hätte sein sollen.

Simon Rolfes war auch wieder mit dabei. Das ist gut. Was keiner dem schüchternen oder zurückhaltenden oder vielleicht leisen Mann zugetraut hätte ist, dass er das Team führt. Das war in Ansätzen zu sehen. Etwas mehr Ordnung und Struktur bot das Leverkusener Spiel nach seiner Einwechslung. Nebenbei strahlt Rolfes auch noch Torgefahr aus, was wohl auch keiner geglaubt hätte.

Ich weiß, dass die Verletztenmisere eher ungünstig für den Saisonverlauf ist, jedoch hätte ich von der Defensive mehr Stabilität erwartet. Das Mittelfeld hat auch eine Menge Luft nach oben und Ausfälle von zwei Stürmern, wie Kießling und Helmes lassen sich kaum kompensieren.

Schön, dass es trotzdem zu drei Punkten gereicht hat.

Jetzt kommt der VfB Stuttgart, bzw. wartet er im Schwabenländle auf Bayer. Angeschlagen, mit Potenzial, aber am falschen Ende der Tabelle. Entweder sind die Stuttgarter doppelt motiviert oder die Abwärtsspirale dreht sich unaufhörlich weiter in den Boden der Bundesligatabelle. Hoffen wir letzteres…

1.FC Nürnberg, Teil 3

Ich bin wieder in der Heimat und damit kann ich auch endlich wieder mehr Zeit in das Betrachten Leverkusener Spiele investieren. Obwohl – vielleicht ist das gar nicht so toll. Unter dem Summenstrich bleibt nach dem Nürnberg-Spiel ein Punkt und kein Gegentor auf der Habenseite. Gegenübergestellt werden ein schwer verletzter Kießling, zwei verlorene Punkte daheim, kein geschossenes Tor und ein angeschlagener Helmes. Dazu eine Rotation, die noch nicht greift und eine Offensivabteilung ohne große Ideen.

Es heißt weiter abwarten.