Hannover 96, Teil 3

Zur Erklärung meiner Wahrnehmung des gestrigen Spiels der Werkself in Hannover. Ich habe von Freitag bis Samstag am Nikolausturnier der Uni Münster teilgenommen. Viel Sport, wenig Schlaf und sowas halt. Wenn man dann irgendwann Samstag gegen 14 Uhr nach Hause kommt, ist man tiefenentspannt. Aber so dermaßen.

Also Platz nehmen in der ersten Reihe unseres Lieblingsbezahlsenders. Ein schlechtes Porträt von Toni Kroos sehen, der hauptsächlich lacht, sicherlich auch ein interessantes Interview gibt, aber so sinnentfremdet zusammen geschnitten wurde, dass die Bayern ihn jetzt wohl doch nicht wieder zurück nehmen. Dann Spielstart. Relativ flott lassen sich die Leverkusener von meiner Entspannung anstecken und agieren wie auf Droge. Pässe kommen nicht an. Egal. Bälle werden verloren. Naja. Passiert schon nix. Schüsse fliegen meterweit am Tor vorbei. Ein 0:0 bringt immerhin auch einen Punkt. Im Ernst.

Das war ein schlechtes Spiel der Leverkusener. Das lag sicherlich zum Teil daran, dass der Gegner auch nicht schlecht gespielt hat, aber halt auch daran, dass Heynckes Spieler jegliche Präzision und Kreativität vermissen ließen. Trotzdem hatte ich zu keinem Zeitpunkt Angst, dass Leverkusen gegen Hannover verliert. Und auch das lag zum einen am Gegner, der vor dem Tor, wie ein frisch geworfener, tappsiger Welpe agierte, zum anderen an Hyypiä und Adler, die mit Ruhe und Klasse brenzlige Situationen doch noch entschärften.

Gut war, dass Stefan Kießling nach dem Spiel ganz entspannt, aber auch richtig analysierte, dass man schon häufiger solche Spiele hatte, dass man jetzt aber auch wieder anders agieren wird und dass es weiter geht. Das ließ beim Feldreporter des Senders keine Nachfragen zu. Positiv war auch, dass man den Punkt holte. Letzte Saison verlor die Werkself sang- und klanglos in Hannover mit 0:1. Gut war auch, dass Michal Kadlec auf der linken Seite ein paar Minuten spielen durfte. Endlich wieder mehr Dampf, Tempo und Torgefahr im Spiel. Zwar gestern noch im Mittelfeld, aber Daniel Schwaab wird sich wohl warm anziehen müssen in den nächsten Wochen und man darf wohl mit den Außenverteidigern Kadlec und Castro rechnen.

Sinkiewicz spielte gestern für Friedrich. Das Spiel dürfte ihm gut getan haben, aber überzeugend war das nicht. Aber am Ende steht die Null. Im Mittelfeld ging gestern nichts nach vorne. Kroos und Barnetta mit zu vielen Fehlern, aber auch oft in die Defensive eingebunden, so dass in die andere Richtung nur noch wenig ging. Die Offensive war ganz auf sich allein gestellt. Derdiyok versuchte viele Bälle im Mittelfeld zu bekommen, verdaddelte dann aber jeden Ball durch eigene Dickköpfigkeit. Dem Schweizer fehlt es noch an Übersicht und dem Blick für den Mitspieler. Kießling lamentierte vor allem. So wenig Schüsse wie gestern, hat der Toptorschütze der Liga wohl noch nie in dieser Saison abgegeben.

Die Standards waren gut und sorgten hin und wieder für Torgefahr und das wars. Mund abputzen und weiter gehts. Ich fand das alles halb so wild.

EDIT: Auf vielfachen Wunsch: Nur noch 5 Zu-Null-Spiele bis zum internationalen Wettbewerb.

Mitschnitt: Richard Sukuta-Pasu im Interview

Dienstag war es soweit. Richard Sukuta Pasu im Interview bei 90elf. Nett von den Radio-Kollegen, dass sie mir vorher die Möglichkeit gegeben hatten, mir eine Frage zu überlegen, die dann Sukuta-Pasu eingespielt wurde. Das Nachwuchstalent antwortet auch tapfer auf die etwas kritische Frage, wie denn seine Zukunft in Leverkusen aussieht. Wer mag, kann versuchen, zwischen die Zeilen zu hören und eine Einschätzung hier abgeben. Sonst erfahren wir, dass Richard Richy genannt wird, vor allem auf sich schaut, alles geben wird, Ulf Kirsten und Jupp Heynckes anscheinend beim Vornamen genannt werden und das Heiko Herrlich ein Verehrer des Stürmers ist. Sehr sympathisch, locker und menschlich.

Richard Sukuta-Pasu im Interview bei 90elf / bereitgestellt von 90elf!!

Auswärtsbilanzen, Enke und die Depressionen

Nach der schönen Resonanz auf die letzte Spieltags-Vorschau, habe ich mich bereits Dienstag und Mittwoch (zeitbedingt) an die Vorbereitung des neuen Videos gesetzt. Das ganze ist weiterhin ausbaufähig, zum Beispiel mit echten bewegten Bildern, sowie etwas mehr Struktur, Analysen, etc. Schick wäre zum Beispiel auch eine Nachbetrachtung des letzten Spiels mit taktischer Analyse. Stichwort: Taktiktafel.

Vor dem Spiel am Samstag gegen Hannover, habe ich mich mal mit der, von den Medien beschworenen Heimschwäche einiger Teams beschäftigt, dem Phänomen Robert Enke und dem Spiel im Allgemeinen.

Viel Spaß. Anregungen, Kritik, Tipps sind gerne genommen.

Die neue Spielmacher-Ausgabe (04-09)

Soviel Inhalt gab es glaub ich noch nie in einer Spielmacher-Ausgabe. Die Ausgabe 04-09 platzt aus allen Nähten. Neben einem Porträt von Ledley King, gibt es einen Bericht zur Spielstätte des FC Fulham, einen Kommentar zum Abschluss der Major League Soccer, eine Betrachtung des Pyrotechnik-Verbots in den Fußballstadien, sowie einen Abgesang auf die Hertha und natürlich, wie immer, gibt es die Spiele des Quartals. Viel Spaß dabei. Mit dabei, Moritz & Max von Abenteuer Fußball, Felix von Medien-Sport-Politik, sowie Miro von Northstand.

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Die Kraft der Jugend oder Teambuilding

Das Bayer Leverkusen ein junges Team hat, ist eigentlich bekannt. Schon seit einigen Jahren haftet der Werkself das Manko an, dass es sich um eine junge, unerfahrene Truppe handelt. Dennoch spielen die Leverkusener zunächst einmal immer eine gute Rolle in der Liga.

Philipp Lahm sprach die Tage in seinem ominösen Interview mit der Süddeutschen Zeitung davon, dass man eine Mannschaft rund um ein System aufbauen müsse. Ist das vielleicht in Leverkusen gelungen? Versucht man ein solches Konzept in Leverkusen? Schauen wir mal auf das Alter und die Vereinszugehörigkeit der Schlüsselspieler dieser Saison.

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Rot = aktuelles Alter Dunkelrot = Spielzeiten, die in der Vergangenheit in Leverkusen absolviert wurden

Im Schnitt sind diese Spieler 24 Jahre alt. Die ältesten Akteure sind Hyypiä (36), Friedrich (30) und Rolfes (27). Sie sind in der Mannschaft klare Führungsspieler. Rolfes und Friedrich tragen regelmäßig die Kapitänsbinde, Hyypiä wurde diese Saison als Stabilisator für die Abwehr hinzugekauft und erfüllt diese Rolle bisher tadellos (Biermann spricht bei den 11 Freunden vom Fels, der alle Sorgen vertreibt). Soviel zu den Älteren. Dahinter befinden sich diverse Spieler die gerade Anfang 20 sind.

Und hier scheint das Konzept von Rudi Völler zu greifen. Junge, talentierte Spieler im Verbund mit einigen, wenigen älteren, erfahrenen Männern, die die Jungspunde anführen. Und diese Spieler sollen in der Regel nicht nur ein Jahr bleiben, sondern längerfristig gebunden werden, so dass “etwas” entstehen kann. Trotz des relativ jungen Kaders, sind die Spieler im Schnitt etwas mehr als vier Spielzeiten im Verein. Ein hervorragendes Zeugnis für die Bayer-Verantwortlichen, die zu Recht den Ruf haben, Bayer zu einem Ausbildungsverein geformt zu haben.

Doch Leverkusen möchte sicherlich nicht nur Ausbildungsverein sein. Leverkusen möchte auch Erfolge. Nicht umsonst will man das Stadion vergrößert, ausgebaut und saniert haben. Fußball soll auf der großen Bühne gespielt werden – in Europa und auch in der Bundesliga muss vielleicht mal wieder Richtung Top-5 gespielt werden. Sonst wird es schwierig mehr als nur ein Ausbildungsverein zu sein. Dann werden nach der Saison Talente oder angehende Stars wie Adler, Kießling, Castro, Barnetta oder Helmes die Koffer packen und mit einem anderen Verein das Glück in Europa suchen.

VfB Stuttgart, Teil 3

Eines kleines bisschen machen mir die Leverkusener Angst. Im Moment. Vierzehn Spieltage sind rum. Tabellenplatz Eins. Noch keine Niederlage. Acht mal ohne Gegentor. Kein Einbruch zu erkennen, eher noch Spitzen nach oben. Gegen kleine Gegner gewinnt man souverän, gegen die Großen steht die Werkself sicher und holt mindestens einen Punkt.

Heute stand eigentlich ein großes Team auf der Einladungsliste. Der VfB Stuttgart hat aber vergessen, dass es letzte Saison zu den Topteams gehörte und ein Mario Gomez sicherlich ersetzbar ist. Zumindest annähernd. Schließlich stehen doch Nationalspieler und Nachwuchstalente im Kader der Schwaben. Und der ominöse Befreiungsschlag gelang doch auch.

Aber stehste unten drin, haste scheiße am Fuß. So nach zwei Minuten, als man NATIONALSTÜRMER Cacao in Szene setzte und dieser statt den Ball zu treffen, gar ins Tor, doch lieber in den Boden trat. Und so kam die Werkself nach und nach besser ins Spiel. Ganz ruhig, ganz besonnen. Eine Standardsituation. Ein Tor. Dann läufts so richtig. Eine Zuckerflanke. Ein Tor. Pause. Ein Zuckerpass. Noch ein Tor und dann wird das ganze ganz ruhig nach Hause gespielt. Und ein Elfertor wird noch nachgelegt. 4:0.

Drei Mal Kießling. Ein Mal Derdiyok. Drei Mal war Kroos am Tor beteiligt. Zwei Mal direkt. Hyypiä mit dem ersten Assist. Jetzt fehlt nur das erste Tor für den Finnen. Und die Abwehr steht. Sicher. Allerdings auch gegen einen schwachen Gegner. Die ein oder andere Unkonzentriertheit darf man sich dann auch mal erlauben.

Und jetzt? Zwei Auswärtsspiele. Abschließend ein Heimspiel. Da darf man ruhig ganz offen über die Herbstmeisterschaft sprechen. Warum? Weil die Mannschaft derart gefestigt wirkt, dass sie auch ggfs. eine Niederlage wegsteckt. Und die Herbstmeisterschaft bedeutet: “Das ist halt ganz schön, wenn man in den spielfreien Wochen Erster ist”, erklärte Patrick Helmes. Der Helmes, der sich beim Daddeln im Urlaub das Kreuzband zerstörte, heute das erste Mal in dieser Saison im Kader stand und jetzt ganz schön kämpfen muss, um am aktuellen Sturmpärchen vorbei zu kommen.

Kadlec saß auch wieder auf der Bank, die Optionen für Heynckes mehren sich also wieder.

Ach ja. Nur noch 6 Zu-Null-Spiele bis zum internationalen Wettbewerb.

Und nun noch die 90 Minuten im Zeitraffer. Um 17:00 Uhr war der Akku von Kamera 1 leer. Wer mir die exakte Zahl meiner Herzschläge mitteilt, gewinnt ein Eis.