Schaffe, schaffe, Häusle baue

Sammle Punkte und du landest vorne. Das ist diese Saison irgendwie komisch, denn seit drei Spielen hat die Werkself nicht mehr gewonnen und trotzdem verteidigte man die Tabellenspitze und nicht, weil man unglaublich viele Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz hatte. Die folgenden Grafiken fallen nicht in den Infografikalarm, weil Excel dankbar einfach diese Vergleichstabellen ausgespuckt hat. Ich habe mir die Punktausbeute und die Tabellenpositionen der letzten drei Spielzeiten und damit der letzten drei Trainer Skibbe, Labbadia und Heynckes angeschaut.

Wie schon hier neulich in den Kommentaren erwähnt, hat Labbadias Mannschaft letztes Jahr bereits mehr Punkte verbucht, als Heynckes dieses Jahr. Trotzdem sprang letztes Jahr nur Platz 2 heraus, weil Hoffenheim mehr Punkte sammelte. Skibbe hatte in seiner letzten Bayer-Saison einen schlechten Start, legte einen Zwischenspurt ein und vergaß dann zu siegen. Skibbe übrigens Freitag mal wieder in Leverkusen zu Gast.

Kann man nun irgendwelche Rückschlüsse oder Glaskugelprognosen an den Grafiken ablesen? Ich glaube nicht, oder seht ihr in den Punktelinien die Zukunft der Werkself? Vorschläge? Ich sehe eine lange Lebenslinie….

Position

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Punkte

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Der Wunderknabe

Anlass dieses Postings, ist der folgende Artikel. Robert Kapp, Gründer des Nachwuchs-Spieler-Blog-Portals 18mal18 entdeckte gestern im Internet die Titelstory des aktuellen “kickers” und mockierte sich über die Aufmachung im Internet.

Toni Kroos – eine Zeitlang und vielleicht bald wieder “the next wunderkind” in Fußballdeutschland – ist zwar nicht direkt Gegenstand der Berichterstattung hier, aber da das leider exemplarisch ist, gehört es auch hier hin. Sagt mal, Ihr in Nürnberg, geht’s noch?

Ich habe jedenfalls überhaupt keine Lust, nach so einem Teaser, den Kram überhaupt zu lesen. Und ja, ich weiß, dass sich das nicht gehört, über etwas zu schreiben, was man nicht gelesen hat, aber allein solche Schlagzeilen machen mich mürbe.

Was war denn überhaupt passiert? Die Aufmacherwerbung zeigte im Internet die Headline: Toni Kroos. Hier spricht der Wunderknabe. Durchaus reißerisch und damit liegt Robert definitiv richtig. Warum ist Toni auf einmal der Wunderknabe, wo es doch alles andere als wunderbar für ihn lief in seiner Karriere? Also auch nicht so schlecht, aber Wunderknabe?

Ich habe mich mal in den Kiosk begeben, um zu lesen was der gute Toni denn zu sagen hat. Schließlich spricht Toni nicht so oft mit der Presse. Das rührt aus seiner Zeit bei den Bayern, denn “Wer bei den Bayern war, wird automatisch vorsichtiger. […] Da ist diese Zurückhaltung sicherlich auch ein bisschen Selbstschutz.”

Weder auf dem Titel der Printausgabe, noch im Innenteil wird Kroos dann als Wunderknabe tituliert. Nur, dass er als solcher schon gesehen wurde. Der kicker versucht zu skizzieren, was aus Kroos geworden ist in den letzten zwei Jahren.

“Wie fällt die Zwischenbilanz (in Leverkusen, Ergänzung von mir) aus? – “Eindeutig positiv. Ich wollte häufiger spielen und maximalen Erfolg mit der Mannschaft. […] Ich spiele oft und wir stehen in der Tabelle oben.”

Wo ist Kroos Lieblingsposition fragt der kicker. Hinter den Spitzen, wenn es nicht anders geht, dann links. Ob denn die Aussagen über sein Leistungspotenzial durch Experten wie Kahn, Hitzfeld und Scholl Druck auf ihn ausüben würden. Nein, es ist lediglich eine Verpflichtung, so Kroos.

Kroos wirkt äußerst aufgeräumt, spricht ruhig und realistisch über sich und die Chancen seines Teams. Für einen 19-Jährigen zeigt Kroos eine erstaunliche Reife.

Ich kann Robert von 18mal18 das Interview, als Beispiel, wie junge Nachwuchskräfte sich selbst sehen, reflektieren und mit den Medien umgehen, nur ans Herz legen, auch wenn die Onlineredaktion des “kicker” wohl etwas über die Stränge schlug.

Ballpod Nummer 7 (Leverkusen, Hamburg, Baade)

Alle zwei Wochen produziert in der Regel Probek den Podcast “Ballpod” in seiner Münchner Küche. Dieser Tage hatte der FC Bayern-Anhänger keine Zeit, so dass Jürgen Kalwa in die Bresche sprang und per Skype mit mir und Florian Neumann von Nedsblog über die tabellarischen Spitzenteams aus Leverkusen und Hamburg sprach, sowie über das Projekt “18mal18“.

Zuvor hatte Kalwa bereits ein Interview mit Trainer Baade geführt, der sich sich erstmals öffentlich verbal zur “Jako-Geschichte” äußerte, aber auch ganz allgemein über das Schreiben im Internet. Das ganze gibt es nun in einem Podcast.

Kommentare bitte, zwecks Bündelung bei Probek abgeben!

Ballpodder Podcast 7 Catenaccio Nedfuller Trainer Baade by jkalwa

Schalke 04, Teil 3

“Am Ende ist es halt doch Bayer Leverkusen”, schoss es mir Samstag Abend nach dem Spiel auf Schalke durch den Kopf. Wie konnte ich annehmen, dass man die Schwäche der Konkurrenz nutzt und sich an der Tabellenspitze ein kleines bischen Luft verschafft? Dabei hatte ich ein gutes Gefühl, was in Hälfte Eins bestätigt wurde.

Die Werkself spielte relativ konzentriert, passsicher und bemüht. Peter Hermann hatte am Donnerstag noch erklärt, dass man viel schnelles Spiel auf engen Raum geübt hatte und dass die Übungen gefruchtet hatten, war nun zu sehen. Hinten stand man sicher. Marcel Reif wurde nicht müde, über die komplette Spielzeit Sami Hyypiä zu vergöttern, vergaß aber dabei, dass auch der Finne nicht Lapsus-frei in Hälfte 1 blieb. Denn wenn Schalke etwas zustande brachte, dann nur mit freundlicher Mithilfe des Gegners.

Bayer dagegen schaffte es (angeblich, so Magath, mit Hilfe des Schiedsrichters Weiner) das Heimteam unter Druck zu setzen, Chancen herauszuarbeiten und Schalke in der eigenen Hälfte einzuschnüren. Magath vergaß nicht zu betonen, dass Leverkusen eine Klasse besser gewesen war in den ersten 45 Minuten. So fielen die Treffer zum 0:1 und 0:2 zwar aus Standards, trotzdem aber völlig verdient.

Erst ließ Toni Kroos Franz Beckenbauer mit der Zunge schnalzen, indem er eine abgwehrte Ecke volley ins Tor zimmerte. Dann animierte Stefan Kießling Jogi Löw, ihn nun doch zu nominieren, weil er eine Barnetta-Vorlage direkt per Kopf versenkte und Minuten später das gleiche noch einmal wiederholen wollte, jedoch von Manuel Neuer aufgehalten wurde.

In der Halbzeit federte dann Jogi Löw, Marcel Reifs orgiastische Lobpreisungen des Leverkusener Spiels ab, mit der Behauptung man habe zwei Mannschaften gesehen, die starke Probleme im Spielaufbau hatten. Habe ich eigentlich nicht so gesehen, aber der Bundestrainer wird es wissen.

In Halbzeit 2 kam dann das Unvermeindliche. Leverkusen war satt oder zufrieden und hörte auf zu spielen. Warum? Ich weiß es nicht. Weil es doch nur Leverkusen ist? Dann wechselte Jupp Heynckes Gonzalo Castro aus. Hans Sarpei rein. Der Hans, so ist bekannt kann eigentlich nur hinten spielen, nach vorne geht da nichts. Warum wechselt man ihn ein? Es war der erste Teil einer Destabilisierung der Verteidigung, denn irgendwann musste auch Sami Hyypiä verletzungsbedingt den Platz verlassen und Daniel Schwaab und Manuel Friedrich konnte die restlichen Minuten den Laden nicht mehr zusammenhalten.

Die Folge. Erst ein Kuddelmuddeltor durch Kuranyi und kurz vor Ende noch ein Eigentor von Rene Adler. Ach nein. Herr Sanchez traf. Da hingen die Köpfe mal wieder tief in Leverkusen. Wie immer kurz vor Ende des entscheidenden Spiels, der entscheidenden Saisonphase, halt kurz vor Knapp. Für Reif und auch für Nationaltorhüter Adler war klar, dass vor allem Sami Hyypiä der entscheidende Faktor gewesen war. Adler schaffte es zwar noch gerade zu sagen, dass er, wenn er rausgeht beim 2:2, den Ball auch bekommen muss, aber er war auch weggerutscht und weil Hyypiä nicht mehr da war, musste er mehr riskieren.

Für Reif ist sowieso alles schwarz oder weiß. Graustufen gibt es im Verständnis des Sky-Kommentators nicht. Etwas schien aber unter der Woche bei all der Technikschulung doch zu kurz gekommen zu sein. Hermann hatte betont, dass Ausfälle von Leistungsträgern durchaus mal 2-3 Spiele kompensiert werden müssten. Leider schaffte man dies nicht einmal 15 Minuten gegen Schalke.

“Eine gefühlte Niederlage” sagte dann auch Rudi Völler in Ersatz für den immer noch angeschlagenen Jupp Heynckes. Für mich war es ein warmes, wohliges Gefühl. Nach Hause kommen. Bist du Fan von Bayer, muss man so etwas wollen, wünschen und immer wieder erfahren. Übrigens haben mir lange Zeit Stefan Reinartz und Arturo Vidal gefallen. Reinartz probierte sich als Rolfes-Ersatz und machte wenig Fehler, spielte kluge Pässe und ordnete im Mittelfeld.

Vidal spielte endlich einmal seltsam unaufgeregt, ganz ohne fiese Grätschen, unnötige Fouls, sondern konzentriert im Hintergrund arbeitend. Klar hat der Chilene noch mehr Potenzial, aber es war schön ihn nicht als ständiges Sicherheitsrisiko zu erleben. Kroos traf zwar klasse zum 1:0, konnte aber außer bei Standards wenig einbringen. Kießling spielte eine Halbzeit großartig, war dann aber anscheinend völlig ausgepumpt. Überhaupt wirkte die Werkself irgendwann einfach nur noch leer.

Unterm Strich bleibt ein weiteres Match ohne Niederlage. Ein Punkt bei einem vermeintlichen Spitzenteam und die Hoffnung endlich nächste Woche einen 3er nach drei Remis in Folge zu holen.

Peter-Hermann-Tag

“Da müssen wir einiges für tun. Schalke ist eine schwere Aufgabe, aber auch eine schöne Aufgabe. Es ist eine deutliche Entwicklung zu sehen bei Schalke. Wir haben sehr gut trainiert. Die älteren Spieler als Vorbild voraus. Schwierig, wenn der Trainer nicht da ist. Mit der Leistung vom letzten Heimspiel werden wir da nicht bestehen. Nach vorne auch Chancen erarbeiten. Mit Ordnung, aggressiven Spiel, aber nach vorne mehr machen.Wir müssen die Leute auf Schalke zur Ruhe bringen. Zu viele Abspielfehler gegen Dortmund. Simon Rolfes kann man nicht 1:1 ersetzen – da muss man als Team enger zusammenrücken. Bei anderen Teams fehlen auch Spieler. Für 2-3 Spiele muss die Mannschaft das schaffen.”

Peter Hermann, gestern auf der Pressekonferenz zum Schalke-Spiel am Samstag.

Die PKs vor Spielen werden üblich dadurch bestimmt, dass der Trainer der Werkself, die Fragen der Journalisten rund um das Team und den kommenden Gegner beantwortet. Das ist normalerweise Jupp Heynckes, der jedoch diese Woche krank, mit Fieber und einer Grippe im Bett lag. Heynckes ist ein gewiefter Medienprofi, der sehr genau überlegt was er da so sagt. Umso erfrischender war somit der Auftritt von Peter Hermann, seines Zeichens Co-Trainer der Werkself, Rheinländer durch und durch und einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. So stellte Hermann fest, dass man mit der Leistung der letzten Partie, auf Schalke nicht bestehen könne. Mit der offensiven Leistung von Hamburg auch nicht.

Und damit muss man sich in Leverkusen fragen, ob es nicht einen Abwärtstrend gibt, den es nun schnellstmöglich aufzuhalten gilt. Und das obwohl auch noch Leistungsträger, wie zum Beispiel Simon Rolfes, Renato Augusto und Michal Kadlec immer noch verletzt fehlen. “Kein Problem”, sagt Peter Hermann. Eine Mannschaft müsse das zwei bis drei Spiele kompensieren. Patrick Helmes wurde zwar auch explizit erwähnt, aber der Goalgetter, so stellte die Presseabteilung in Leverkusen grinsend fest, trainiert wieder teilweise mit der Mannschaft. Nächste Woche dann wohl komplett.

Ebenfalls Grund zur Freude, dürfte Stefan Kießling gehabt haben, oder auch nicht. Trotz stagnierender Leistungen dachte sich Jogi Löw, dass der Mann gerade Recht komme für ein paar unwichtige Freundschaftsspiele der DFB-Elf. Für Kießling sind die Spiele dann wohl nicht so unwichtig, aber zurück zur Werkself, für die das Spiel am Samstag richtungsgebend sein könnte. Und da war es erfreulich zu hören, dass die Mannschaft näher zusammenrückte, weil ihr Trainer fehlte. Die Alten als gutes Beispiel voran gingen und fleißig trainierten. Das macht Mut. Und heute kam dann auch noch die Nachricht, dass Heynckes doch auf der Bank sitzt.

Es gäbe noch vieles anzuschneiden, was dieses Spiel betrifft. Jupp Heynckes alter Verein, bei dem er nicht gerade erfolgreich war. Das Bayer immer noch ungeschlagen ist. Das Bayer auf Schalke häufiger gewonnen hat, als Schalke selbst gegen die Werkself. Was Magath aus Schalke gemacht hat und und und. Die Aufstellung natürlich. Wer spielt, wer ersetzt wen und wer hält Kevin Kuranyi in Schach? Wird Rene Adler an der Stelle seiner Bundesligageburt, wieder famos halten?

Den ein oder anderen Gedanken zum Spiel könnt ihr im Königsblog beim Kollegen Wieland nachlesen. Ich hoffe einfach auf einen Sieg. Egal, wer spielt, egal wer auf der Bank sitzt!