Interview mit Birgit Schönau (Autorin SZ, Zeit)

Frau Schönau, dem gewieften Sportteilleser sind sie aus der Süddeutschen Zeitung und aus der Zeit als Expertin für italienischen Fußball bekannt, sie sind aber auch als Buchautorin aktiv, besuchen gerne die Stadien, sind “nebenbei” Ehefrau und Mutter von zwei Kindern und beackern, wie man jüngst ihrem Blog entnehmen konnte, den heimischen Gemüsegarten. Habe ich noch irgendetwas wichtiges vergessen, was den Leser interessieren könnte?

Vermutlich nichts, was den Leser interessiert. Ich arbeite als Sportreporterin für die SZ und als Politik-Korrespondentin für die ZEIT. Und dann habe ich ein Privatleben. Mutter oder gar Ehefrau  – das ist ja nun kein Beruf oder? Also jedenfalls nicht in Italien…

Und, nur so mal nachgehakt – geht die gleiche Frage denn auch an männliche Kollegen?

Natürlich. Ohne die Klärung der Familienverhältnisse kommt hier niemand davon. Ich gebe zu, ein schrecklicher Faux-Pas meinerseits, der sich durch die Internet-Recherche aufgedrängt hatte. Ich wollte eigentlich überhaupt nicht über Frauen und Fußball reden, aber leider wird speziell in jedem zweiten Text erwähnt, dass Sie ja eine Frau sind. Ich hatte mich auf angeregte Gespräche mit einer Fußballexpertin gefreut. Ich hoffe, dass das ok für sie ist.

Darf ich erzählen, dass die Frage: Wie kommen Sie eigentlich als Frau zum Fußball? immer nur von dabei etwas verdrucksten deutschen Kollegen gestellt wird? Nie von Italienern. Aber für die Deutschen scheint das tatsächlich ein Thema zu sein. Die schlucken eher eine Frau im Kanzleramt als auf der Pressetribüne im Fußballstadion.

Einer der Journalisten aus der Heimat wollte tatsächlich wissen: Ist diese Fußballberichterstattung eigentlich ernst gemeint oder Ihr Hobby? Viele kommen auch Schulter klopfend: Dafür, dass Sie eine Frau sind, haben Sie ja echt Ahnung.

Das ist doch interessant oder? Und noch interessanter finde ich, dass deutsche Männer ernsthaft glauben, Frauen verständen die Abseitsregel nicht. Als ob man dafür einen Einstein-IQ benötigte. Grundsätzlich: Sportberichterstattung ist ein journalistisches Ressort wie jedes andere.

Sie sind bekennende Liebhaberin des italienischen Fußballs. Warum? Was macht für Sie den Reiz der Serie A aus? Mir fallen relativ schnell Begriffe wie Fan-Ausschreitungen, Rassismus, mafiöse Zustände rund um einige Vereine, Doping, sowie eine nachlassende internationale Konkurrenzfähigkeit der Serie A ein. Aber es gibt sicherlich noch mehr als das, oder?

Ja, ich mag den italienischen Fußball. Heute, am Tag der Klinsmann-Entlassung, mag’ ich ihn sogar noch ein bisschen mehr.  Weil hier auf Verlierern nicht so herumgetrampelt wird. Ich fand die Art und Weise, mit der Klinsmann verabschiedet wurde, ziemlich stillos, muss ich ehrlich sagen. Aber das nur nebenbei.

Im italienischen Fußball gibt es mehr Exzesse, mehr Skandale – die Fan-Ausschreitungen und der Rassismus haben nur mittelbar mit dem Fußball zu tun, dafür mehr mit den riesigen gesellschaftlichen Problemen. Anders gesagt: Rassismus und rechte Sprüche begegnen mir hier in Rom durchaus nicht nur im Stadion. Ganz im Gegenteil, die verschärften Vorschriften und Kontrollen in den Stadien haben dazu geführt, dass die Gewalt in den Arenen schwer rückläufig ist. Dass es außerhalb der Stadien immer noch zu Ausschreitungen kommt, zeigt doch: Die Probleme kann man nicht aus der Welt schaffen, indem man sie aus der Kurve fegt.

Was ich am Fußball hier mag, ist das völlige Fehlen von Kundenmentalität und Kosten-Nutzen-Rechnungen. Das Mit-der-Mannschaft-Leiden-Können. Die Überzeugung, dass Fußball eine Parabel für das Leben an sich ist, und nicht die Leistung einer Mannschaft für die Zuschauer-Kunden.

Ihr Blog heißt catenaccio, das ist putzig, ein Begriff aus der Fußballgeschichte, der immer noch automatisch mit italienischem Fußball verbunden wird. Tatsache ist: Die Italiener spielen schon lange keinen catenaccio mehr, sind aber im Moment schlechter als die Konkurrenz aus England. So what?

Was Doping angeht: Bisher nachgewiesen bei Juventus. Also, wenn sich die Roma dopen würde und dann derart schlechgt spielt wie am Samstag beim 1:4 in Florenz, würde ich vom Glauben abfallen. Was meinen Sie mit mafiösen Zuständen?

Da ist von gekauften Spielen in Palermo die Rede, angeblich wollte die Mafia Lazio Rom kaufen, Wettskandale in die Spieler involviert sind. Ich wollte damit nur das negative Grundbild wiedergeben, dass in der deutschen Medienlandschaft vorherrscht. Dabei vergisst man schnell, dass es eigentlich um ein Spiel geht. Fußball. Und deshalb habe ich mir gewünscht, dass sie mir als Fan des Calcio sagen können, was Italiens Fußball so schön macht.

Im Fall Palermo wird noch ermittelt – aber verschobene Spiele hat es, wenn ich nicht irre, schon in allem möglichen Ligen der Welt gegeben. Im Gegenteil hat sich die Klubführung von Palermo Calcio gegen die Einflüsterer der Cosa Nostra zur Wehr gesetzt und diese angezeigt. Die neapolitanische Camorra wollte offensichtlich über einen Strohmann Lazio kaufen, dazu ist es aber nicht gekommen. Alles siehe oben: Fußball steht auch hier nicht außerhalb der Gesellschaft. Und umgekehrt – gilt das “negative Grundbild in der deutschen Presse” nicht nur dem italienischen Fußball. Sondern Italien. In Deutschland hat sich der “Sport”-Journalismus offenbar schnell auf die Dauer-Formel geeinigt: “Weltmeister am Abgrund”, weil man das verlorene Halbfinale von 2006 so besser verdauen kann.

Wo haben Sie her, dass es “eigentlich nur um ein Spiel geht?” Und dass als Blogger der Firmenmannschaft Bayer Leverkusen! Wunderbar.

Ich bin ein Fan der Roma, aber das heißt nicht, dass ich alle Welt zu meiner Religion bekehren muss.

Ich bin auch nur ein Fan von Bayer Leverkusen – bestimmt auch kein Vorzeigefan und jeder Fan hat wahrscheinlich eine unterschiedlich ausgeprägte Liebe zu seinem Club. Hier im Blog wird sowieso nicht bekehrt. Hier im Blog gehts hauptsächlich nüchtern zu. Gibt es denn auch für Sie Kriterien, die ein Fan erfüllen muss?

Anständig bleiben, würde ich mal sagen.

Sie sagen, dass es ein völliges Fehlen von Kundenmentalität und Kosten-Nutzen-Rechnungen gibt, aber ist dies nicht eine sehr verklärte Sicht der Dinge? Gibt es nicht auch in Italien ein Wolfsburg, Hoffenheim oder Leverkusen, wo der Ausflug ins Stadion eher eine touristische Angelegenheit ist, wo man sich unterhalten lassen möchte, wo die ganze Familie bespielt wird?

Verklärt oder nicht, das ist mein philosophischer Überbau als Fan. Als Journalistin muss ich aber sagen: Nein, es gibt hier keinen Familienausflug ins Stadion. Fußball ist Fußball und Tourismus ist der schiefe Turm von Pisa. Bei uns heißen die Stadien noch nach Fußballspielern (Giuseppe Meazza) oder Heiligen (San Nicola) und nicht nach Versicherungsunternehmen. Ist doch schön oder?

In Deutschland wird ja seit einigen Jahren die mangelnde Konkurrenzfähigkeit gegenüber bspws. England kritisiert, auf der anderen Seite gibt es die Front, die meint, dass in Deutschland nun doch nicht alles so schlecht ist und die Liga ungeheuer attraktiv ist. Wie ist der Stand der Dinge in Italien?

Wir haben uns ein bisschen an die Brust geschlagen aber man soll es nicht übertreiben. Nächstes Jahr wird alles besser. Die Geschichte geht nach Zyklen und Englands Glücksträhne wird nicht ewig dauern. Zumal ManU, Arsenal und Chelsea jetzt nicht sooo haushoch gegen ihre italienischen Gegner gewonnen haben….

Bezüglich Dopings ist tatsächlich nur die Juventus-Geschichte bewiesen, aber es gibt ja u.a. Staatsanwalt Raffaelle Guariniello, der seit geraumer Zeit, die Häufung des Lou-Gehrig-Syndroms bei italienischen Fußballern untersucht. Das ist natürlich kein rein italienisches Problem, deshalb würde mich ihre generelle Einschätzung zum Thema interessieren. Welche Bedeutung hat Doping unter Fußballern und was sagen Sie zu den Grabenkämpfen zwischen Wada und FIFA?

Doktor Guariniello untersucht mit bemerkenswerter Hingabe die Häufungen von LGS bei Spielern des AC Florenz in den 1970er Jahren. Aber ganz allgemein ist der Fußball gegenüber früher so viel schneller, konditionsstärker und athletischer geworden, dass man schon ins Nachdenken geraten kann… Andererseits betreffen die wenigen Dopingfälle hier in Italien ausschließlich eine Droge, die auch außerhalb des Fußballplatzes verboten ist: Kokain. Also kein klassisches Dopingmittel. Wada und FIFA? Bin ich auf Seiten der Wada. Für das, was Fußballprofis verdienen, haben sie halt ein paar Extrapflichten. Ich muss auch einspringen, wenn’s brennt, Urlaub hin oder her.

Nochmal zurück zu Jürgen Klinsmann. Was war das Problem, dass er nun doch gehen musste? Hätte man ihm bei einem anderen Verein mehr vertraut? Hätte Klinsmann bspws. die Roma endlich mal wieder zum Meister machen können? Übrigens musste ich heute morgen noch ein Interview des SZ-Autoren Ludger Schulze lesen, der Jupp Heynckes nach dessen Hund befragt. Das scheinen doch auch wichtige Fragen im Qualitätsjournalismus zu sein.

Ein Interview des SZ-Sportchefs Ludger Schulze müssen Sie nicht lesen. Das dürfen Sie lesen und können sich dann darüber freuen. Die Frage nach dem Heynckes-Hund war doch wunderbar. Wir Journalisten wundern uns manchmal wirklich darüber, wie bierernst unsere Leser sich den Qualitätsjournalismus vorstellen! Über Klinsmann ist so viel geschrieben worden, da muss ich nicht auch noch meinen Senf hinzugeben. In Rom könnte ich ihn mir gut vorstellen, der Druck ist hier allerdings ungleich höher als in München. Außerdem braucht die Roma mehr als einen neuen Trainer – neue Spieler!

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre gingen viele deutsche Profis nach Italien. Irgendwann ebbte diese Welle dann aus unterschiedlichen Gründen ab. Eine echte Gegenbewegung von italienischen Profis in der Bundesliga gab es seit dem nicht. Inzwischen gibt es aber doch eine Hand voll Spieler, die es hier probieren. Wie schätzen Sie die Legionäre ein und werden noch mehr Profis nach Deutschland wechseln?

Die italienischen Profis in Deutschland schätzen weniger die Bundesliga als solche als die bessere Lebensqualität, die schöneren Stadien und die friedlicheren Fans. Ich glaube aber nicht, dass es einen Massenexodus von Italien nach Deutschland geben wird. Übrigens steht das Wort “Legionär” im Qualitätsjournalismus  auf dem Index – im Unterschied zu “Hund”.

Seit November letzten Jahres bloggen Sie nun auch. Was hat sie zu diesem Schritt bewogen und welche Bedeutung hat bloggen für Sie? Was sagen die Kollegen aus dem Journalismus dazu? Werden Blogger eigentlich wirklich belächelt oder gar als Konkurrenz gesehen?

Ich blogge just for fun. Weil nicht alles in der Zeitung Platz hat und ich den direkten Kontakt mit den Lesern schätze, jedenfalls meistens. Blogger werden im Journalismus weder belächelt noch als Konkurrenz gesehen, viele Journalisten bloggen ja selbst. Das ist schlicht etwas anderes. Kommunikation ist ja noch kein Journalismus. Der Unterschied zwischen Bloggern und Profijournalisten ist in etwa der zwischen Familienköchen und Sternechefs.

Welche Blogs lesen Sie regelmäßig und haben Sie noch einen Geheimtipp parat?

Direkter Freistoß natürlich und den superlustigen Fritten, Fußball & Bier. Den finden meine Kinder am besten, obwohl der Titel nicht ganz jugendfrei ist… Aber Leute, ich hänge am Gedruckten. Deshalb surfe nicht den ganzen Tag, sondern lese lieber mal ein Buch…

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Eine kurze Erklärung von fast allem

Trainer werden daran gemessen, ob sie ihre Ziele erreichen. Dies musste jüngst “jeden-Spieler-jeden-Tag-ein-bisschen-besser-machen”-Guru Jürgen Klinsmann erfahren, der sich zwar immer noch in Schlagweite des Ziels “Deutscher Meister” befand, aber nur das Champions-League- und DFB-Viertelfinale mit dem großen FC Bayern erreichte. Die Verantwortlichen sahen die Ziele verfehlt und damit war der Drops gelutscht. Dass das Problem des Jürgen K. noch wesentlich vielschichtiger war, lass ich an dieser Stelle unberücksichtigt.

Schließlich soll es hier um den Trainer Bruno Labbadia gehen. Der hat zusammen mit dem Vorstand vor der Saison ausgelobt, dass das Ziel die internationalen Plätzen sind. Das wären erstmal die Plätze 1-5, wenns mal vogelwild in der Spielzeit läuft, kann man auch als 6. ins internationale Geschäft. Dann gibt es noch die “Umwege”. So kann man beispielsweise als Sieger eines internationalen Pokals, diesen im Jahr darauf verteidigen. Kommt aber für die Werkself gar nicht in Frage. Also wäre da noch der DFB-Pokal. Gewinnt man den, spielt man international in der Saison 2009/2010.

Blicken wir nun auf den Ist-Zustand erkennen wir folgendes. In der Liga ist schon mal das Ziel verfehlt worden. Rein rechnerisch ist bestimmt das Erreichen von Platz 5 noch irgendwie möglich. Gehen wir aber mal mit Realismus an die Sache und nicht mit Mathematik, erkennen wir schnell, dass es eher auf Platz 9 oder 10 hinausläuft. Doch es gibt ja noch den DFB-Pokal. Hier steht die Elf im Finale und kann mit einem Sieg die UEFA-Euro-League erreichen.

Was wir aber noch sehen ist, ein bisheriger Saisonhöhepunkt am 13. Spieltag mit Platz 1 in der Tabelle. Seitdem eine konstante Verschlechterung der Leistungen, ein Abrutschen auf Platz 9, kein Heimsieg seit November mehr und einen grauenvollen Höhepunkt am Samstag gegen den KSC, der an mausgraue Tage in den 80ern erinnerte.

Weiterhin sehen wir einen Torwart, der es nicht schafft seine Leistungen zu stabilisieren und seit Mitte der Hinrunde immer wieder für Angst und Schrecken in der Hintermannschaft von Bayer 04 sorgt. Eine Hintermannschaft, die seit dem ersten Spieltag bei Standards grottenschlecht agiert und in der Rückwärtsbewegung oft zu pomadig und unaufmerksam wirkt. Ein Mittelfeld, dass seit Anfang der Saison herrlichen, schnellen Konterfussball spielen kann, aber an einem dicht gestaffelt stehenden Gegner in der Regel verzweifelt. Ein Stürmerpaar, dass wie eine alte Ehe wirkt. Der eine versucht die Beziehung durch viel Einsatz zu retten, der andere steht nur resigniert in der Gegend rum.

Bruno Labbadia wurde nach vielen Problemen befragt und wie er sich erklären würde, dass Arbeit und Ertrag in keinem günstigen Verhältnis stehen. Die Litanei lautet, dass die Spieler noch jung sind, dass sie gut arbeiten, aber dass sie noch in der Entwicklung sind. Ist nicht ein Trainer da, um die Entwicklung positiv zu beeinflussen? Oder dauert die Entwicklung wirklich so lange?

Dann wäre es gut, wenn man Labbadia das Vertrauen ausspricht, oder? Nicht so wie bei Skibbe, der das letzte Ziel knapp verpasste und dann gehen musste. Erstaunlich, dass sogar einige Medienvertreter das so sehen. So spricht sich die RP speziell gegen das Team aus und für den Trainer, dabei fordern doch normalerweise vor allem die bösen Journalisten den Rauswurf des Trainers.

Dieses unerträgliche Beispiel der Entschleunigung eines hoch bezahlten Ensembles sucht nach übleren Vorbildern. Es durfte sich interpretieren lassen als einziger Affront gegen die Führung des Klubs, gegen die Fans, von denen Bayer als Stamm lediglich überschaubar viel hat – und gegen den Trainer. (RP, Bonnekoh)

Doch gibt es auch andere Stimmen im Blätterwald, die behaupten, dass es kriselt zwischen Trainer und Team. Zwietracht wird gesät. Der Trainer sei zu akribisch, zu viel Videoanalysen, die Einheiten zu hart.Wo kommen diese Stimmen her? Und sind sie wahr? Löblich finde ich, dass überhaupt jemand mal über den Trainer in Leverkusen spricht.

Wichtig in solchen Situationen ist doch, dass man einen klaren Kopf behält. Das man die Situation kühl, analytisch untersucht. Woran liegt es, dass es nicht läuft? Dass all die Nationalspieler und ambitionierten Akteure plötzlich einen solchen Leistungsabfall durchlaufen?

Gut – das letzte Spiel darf man sicherlich der Mannschaft ankreiden, aber davor? Muss man den Trainer nicht wenigstens hinterfragen? Ist das nicht auch ein Zeichen an die junge Mannschaft? Wir machen alle Fehler, es läuft gerade nicht so gut, lasst uns gemeinsam schauen, wo wir uns verbessern können. Man muss den Trainer ja nicht gleich entlassen.

Nein, die Mannschaft ist Schuld. Prämien werden eingefroren – der Rest von Bayer 04 ist sich keiner Schuld bewusst.

PS. Der Titel ist natürlich irreführend. Hier wird weder etwas erklärt, noch in kurzer Form.

EDIT: Im Gespräch mit dieser Zeitung…

…bestätigte er die Einigung mit Bayer Leverkusen. Wer? Was? Wieso? Vertrag? Wielange? Wann?

Nach Eren Derdiyok vom FC Basel, ist sich jetzt auch Lars Bender von 1860 München sicher, dass er eine Einigung mit Bayer Leverkusen erzielt hat. Ach nein, Wolfgang Holzhäuser ist sich sicher… also was jetzt?

„Wir sind froh, dass er sich für uns entschieden hat“, bestätigte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser am Montag der tz. Fraglich sei jetzt „nur noch, ob Lars im Sommer zu uns kommt oder erst ein Jahr später.“ (tz)

Aber…

Lars und sein Berater Manfred Schulte wollten sich gestern auf Nachfrage nicht konkret äußern. „Es sind noch fünf Spiele zu spielen, warten wir mal ab, was dann passiert“, sagte der Mittelfeldspieler, der bei 1860 einen Vertrag bis 2011 besitzt. (Quelle: s.o.)

EDIT: So jetzt gibt es anscheinend doch eine offizielle Version von allen Seiten. Bender spielt ab 2010 in Leverkusen.

Unklar war allerdings noch, ob das Nachwuchstalent bereits zur kommenden Saison kommt oder erst 2010. Und obwohl 1860 München finanziell in Bedrängnis ist, bleibt Bender noch ein Jahr, was für den Verein allerdings finanzielle Einbußen zur Folge hat. (kicker)

Schlechte Leistung, schlechte Bezahlung

Ob es das nun bringt? Vielleicht wollen die Bayer-Profis ja, aber sie können nicht?! Psychische Blockade! Dann wäre das doch das falsche Zeichen, oder? Der Trainer wird auf jeden Fall mal nicht hinterfragt. Genug der Ironie, des Sarkasmus, des Spotts – hier die Fakten.

Bayer 04 Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser droht seinen Profis nach den schwachen Leistungen in der Fußball-Bundesliga mit dem Streichen der Pokalprämie. “Für den Sieg haben wir eine Prämie ausgemacht. Ob und wie viel wir zahlen werden, entscheiden wir nach dem letzten Bundesliga-Spieltag”, kündigte Holzhäuser an.

Ausgehandelt war eine Prämie von rund einer Million Euro. Konsequenzen für Cheftrainer Bruno Labbadia nach dem Absturz in Liga eins schloss der Bayer-Chef dagegen erneut aus: “Es gibt an der Arbeit des Trainers keine Zweifel.” (dpa / N24)

Das ist übrigens unsere Rückrundenbilanz.

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(c) spinworx

Notenübersicht: Spieltag 28 / 29

Aufgrund meiner Krankheit letzte Woche, ist die Statistik etwas zu kurz gekommen. Das dürfte die wenigsten gestört haben. Anbei die Noten vom Wolfsburg und vom Karlsruhe-Spiel. Speziell die KSC-Bewertung ist beeindruckend.

Wolfsburg:
name - bild - kicker - sportal - cat - schnitt
adler - 3 - 3,5 - 3 - 3 - 3,13
henrique - 5 - 4,5 - 4,5 - 4 - 4,50
friedrich - 4 - 4 - 4,5 - 4 - 4,13
sinkiewicz - 5 - 3 - 4,5 - 4 - 4,13
kadlec - 3 - 4 - 3 - 4 - 3,50
rolfes - 3 - 3 - 4 - 3 - 3,25
kroos - 2 - 2,5 - 2,5 - 2,5 - 2,38
renato augusto - 2 - 2,5 - 3 - 2,5 - 2,50
vidal - 3 - 2,5 - 3 - 3 - 2,88
kießling - 3 - 3 - 3 - 3 - 3,00
helmes - 5 - 5 - 5,5 - 5 - 5,13

Schnitt – 3,45 – 3,41 – 3,68 – 3,45 – 3,50

Karlsruhe:
name - bild - kicker - sportal - cat - schnitt
adler - 4 - 3 - 3,5 - 3 - 3,38
henrique - 5 - 4,5 - 4,5 - 4,5 - 4,63
friedrich - 5 - 3,5 - 3,5 - 4 - 4,00
haggui - 5 - 3 - 3,5 - 3 - 3,63
djakpa - 5 - 5 - 4 - 4 - 4,50
rolfes - 5 - 4,5 - 4,5 - 4 - 4,50
barnetta - 6 - 5,5 - 4,5 - 5 - 5,25
renato augusto - 5 - 5 - 4 - 4 - 4,50
vidal - 6 - 5,5 - 5 - 4 - 5,13
kießling - 6 - 5 - 5 - 4,5 - 5,13
helmes - 6 - 5,5 - 5,5 - 6 - 5,75
castro - 5 - 5 - 5 - 4,5 - 4,88
charisteas - 5 - 5,5 - 5 - 5 - 5,13

Schnitt – 5,23 – 4,65 – 4,42 – 4,27 – 4,64

Presseschau vom Karlsruhe-Spiel

Ich widersetze mich einfach mal der Bayern-/Klinsmannberichterstattung und beschäftige mich den miserablen Ergebnissen des Leverkusener Teams der letzten Wochen. Dazu anbei die Presseschau nach dem Karlsruhe-Spiel:

Udo Bonnekoh, RP Online:

Es hat in dieser Spielzeit – neben vielen schönen, gar hinreißend feinen Erlebnissen – schon reichlich Zumutungen gegeben in Fußball-Leverkusen. Nun ist der absolute Tiefpunkt – wenige Tage nach einem vorläufigen Highlight, dem Vordringen ins Pokalfinale – erreicht.

Schlechter, provozierender, unverschämter als gegen Karlsruhe scheint es nicht mehr zu gehen. Dieses unerträgliche Beispiel der Entschleunigung eines hoch bezahlten Ensembles sucht nach übleren Vorbildern. Es durfte sich interpretieren lassen als einziger Affront gegen die Führung des Klubs, gegen die Fans, von denen Bayer als Stamm lediglich überschaubar viel hat – und gegen den Trainer.

Nun hat Rudi Völler, der einzige bei Bayer von natürlicher Autorität, Tacheles geredet und harte Einschnitte angekündigt. Das ist nichts Neues und auch schwer zu bewerkstelligen in einer Gruppe.

Völler aber hat nicht viel Auswahl: Er muss zum Beispiel Patrick Helmes, der mit seiner Lauf-Faulheit gegen einfachste Gesetze der Kollegialität verstößt, und etwa Renato Augusto, der mit seinen dauernden Ego-Trips die Loyalität gegenüber dem Ensemble verletzt, bald zur Räson bringen wie auch Arturo Vidal, der seinen Einsatz selten gescheit zu paaren versteht mit Geschick.

Das ist der schwierigere Part, weil das Einsicht voraussetzt bei den Spielern, die überdies laufendes Kapital darstellen. Die andere Möglichkeit: Er entlässt den angefeindeten Trainer, und zwar sofort. Das ist – wie immer – die leichteste Übung und lässt sich bei Bedarf und zur Entlastung und Freude einer Mannschaft beliebig wiederholen.

Vorher aber sollten die Leverkusener Bosse den Manager Michael Reschke diskret ins Privatleben verabschieden, einen Manager, der von Beginn der Saison mehr oder minder deutlich gegen Labbadia intrigiert – nach innen und über willfährige Helfer nach außen. Es ist Zeit für einen sehr gründlichen Hausputz bis in alle schmutzigen Ecken hinein, höchste Zeit sogar.

Philipp Selldorf, Süddeutsche Zeitung:

“Immer wieder Gegenwind durch Heckenschützen”, hatte die Zeitung Bild während der vergangenen Woche berichtet und damit auf die hausinternen Probleme des Trainers Labbadia hingewiesen, der übrigens zu seinen Zeiten als Mittelstürmer mal von sich behauptet hat, er habe “den schönsten Po der Liga”. Aber das gehört ebenfalls nicht hierher und hat auch nichts damit zu tun, dass Sebastian Langkamp vom Karlsruher SC nach dem Spiel gegen Labbadias Leverkusener am Samstag von einem “geilen Gefühl” gesprochen hat. Es ist ja nur verständlich, dass einem Mann blümerant wird, wenn er mit einer einzigen, obendrein planlosen Aktion die Fachbegriffe “Grätsche”, “Pressschlag” und “Bogenlampe” zum Duseltor zusammenführt und damit seinem Klub drei Punkte beschert, die diesem möglicherweise den Klassenerhalt retten werden. Für solche Treffer braucht man Kunst-, keine Heckenschützen, aber für den Bayer-Trainer ändert das nichts an seiner schattigen Lage. Jetzt sogar noch mehr Gegenwind für Labbadia.

Ulrich Klein, Kölnische Rundschau:

Spätestens seit dem polternden Besuch im ARD-Studio beim „Weißbier-Waldi“ anno 2003 weiß man, dass Rudi Völler so richtig aus dem Frack springen kann, wenn ihm was gegen den Strich geht. Mit ARD-Mann Hartmann ist inzwischen längst wieder alles paletti. Wie lange es aber dauern wird, bis das Binnenverhältnis zwischen Bayers Sportdirektor und den Leverkusener Fußballprofis wieder intakt ist, war zumindest am frühen Samstagabend noch nicht absehbar. Völler war verärgert, richtig verärgert. Nein – Völler war sauer, total sauer und hatte alle Mühe, seine Wut halbwegs zu kontrollieren. 0:1 hatten die Seinen gegen Karlsruhe verloren, 0:1 gegen das Liga-Schlusslicht, 0:1 gegen ein Team, das vergangenen Samstag nach zuvor 752 torlosen Minuten erstmals wieder ein Bundesligator erzielt hatte.

Udo Bonnekoh, RP Online:

Trainer Bruno Labbadia wirkte erstmals in dieser inzwischen an Negativ-Erlebnissen sehr reichen Spielzeit richtig niedergeschlagen, tief getroffen, ratlos, deprimiert. Er redete sehr leise von “einer Bankrotterklärung für uns alle”, von einer “blutleeren Vorstellung” und davon, dass “wir nicht nur vom Pokalfinale sprechen können”.

Berlin aber und damit die Hoffnung auf den Cup-Gewinn mit internationaler Perspektive sind offenbar die einzige Währung, mit der die Leverkusener bis zum Endspiel am 30. Mai ihre Fans entschädigen wollen für solch unerträgliche Darbietungen.

Bayer hat die biederen Badener vor allem leben lassen durch eine skrupellose Inaktivität in Mittelfeld und Sturm, in dem Patrick Helmes seine Blockaden bis hin zur absoluten Unbeweglichkeit auslebt. “Das war von allem zu wenig. Es ist schwer, eine Erklärung dafür zu finden”, betonte Simon Rolfes, der Kapitän. Dessen Einfluss reichte diesmal auch nicht, die Kollegen zu einer einigermaßen akzeptablen, den Abstiegskampf in der Bundesliga nicht verzerrenden Leistung anzuhalten.

Spox:

Aber Helmes und Barnetta sind nicht die einzigen Bayer-Spieler, die ihrer Form hinterherlaufen und ihre Klasse nur ab und zu zeigen. Dem Chefcoach gelingt es einfach nicht, Konstanz in seine Mannschaft zu bringen. Immer häufiger nehmen sich angebliche Leistungsträger unverständliche “Auszeiten”.

Mehr noch beim Indirekten Freistoß!

Karlsruher SC, Teil 2

Ich bin großer Fan offener, ehrlicher Worte. Aber lieber Rudi Völler, hast du deine besten Brandreden nicht schon längst hinter Dir? Nach einem Spiel, wie gegen den KSC, wirkte selbst deine “harsche” Kritik, wie die automatische Reaktion eines Bayer-Offiziellen. Etwas, was sein muss, nur leider war kein Waldi mit drei Weizenbier da. Wen dürften deine Worte getroffen haben? Unter Beobachtung stünden die Spieler nun. Aha. Und was ist, wenn sie nochmal so auftreten? Dürfen sie dann nicht mehr spielen? Das wäre für den ein oder anderen dann doch eher eine Belohnung.

Und Bruno Labbadia? Der schließt sich nun schon in die Kritik mit ein. “Wir als Team und damit schließe ich mich ein….” Das macht es nur leider nicht besser. Und bist du wirklich Teil des Teams? Blicken wir mal zurück – nein schauen wir mal nach vorne. Nächsten Samstag steht das Spiel gegen die Knappen an. Ok und nun der Blick zurück. Was sehen wir da? Den letzten Heimsieg. Gegen Schalke. Der letzte Heimsieg liegt eine komplette Spielrunde zurück. Kann das sein? Ein Team, dass internationale Ansprüche hat, gewinnt seit 5 Monaten kein Spiel zuhause? Hallo? Lieber Rudi Völler, lieber Bruno Labbadia, wo waren die Brandreden in diesen letzten 5 Monaten.

Und ihr Spieler? Das war ganz mies. Da hättet die Regionalligakicker von Ulf Kirsten besser ausgesehen. Und wahrscheinlich interessiert das nur 50 Prozent des Teams. Weil ihr steht ja im Finale in Berlin. Bloß, wenn ihr da verliert, dann ist das Geheule wieder groß.